der Kammer auf Antrag des Abg. Metz und Consorten abgelehnt. Auch dem Ersuchen der Re⸗ gierung auf Beseitigung des Vorbehaltes, welcher gelegentlich der letzten Gehalts aufbesserung, bezüglich der Pensionirung gemacht wurde, sodaß bei einer etwaigen Pensionirung nur die alte Besoldung bei Berechnung der Penston in Anschlag gebracht wird, wurde nicht entsprochen.
— 17. Oct. II. Kammer. In Bezug auf die heute auf der Tagesordnung befindliche Vor⸗ lage der Regierung, die Erhöhung der Minimal- gebalte der protestantischen und katholischen Pfarr stellen aus Staatsmitteln betreffend, beantragt die Majorität des Ausschusses Verwilligung der ange; forderten 20,000 fl. für 1872 zur Unterstützung der Inhaber von mit einem gegenwärtigen reellen Einkommen von 800 fl. nicht versebenen wirklichen tvangelischen und katholischen Pfarreien. Die Minorität dagegen beantragt gänzliche Ablehnung der Regierungsvorlage, von der Ansicht ausgebend, daß eine weitere Beihülfe des Staates zu firch lichen Bedürfnissen dem kirchlichen Leben und seiner natürlichen Entwickelung nur nachtheilig sein könne. Der Antrag der Majorität die Regierungevor⸗ lage, wie sie gestellt ist, abzulehnen, sowie die verlangten 20,000 fl. pro 1872 definitiv zu be⸗ willigen, wird angenommen. Als Kosten der zu berufenden Landessynode wird die geforderte Summe von 12,000 fl. definitiv verwilligt. Die Eingabe der Frankfurter Versammlung von evangelischen Geistlichen des Großherzogthums wird hierdurch für erlevigt erklärt.
— Aus der weiter erschienenen Fortsetzung des Berichts des Ausschusses der zweiten Kammer über das Wahlgesetz ist zu entnehmen, daß man das System der indirecten Wahlen billigt, weil es ermögliche, durch eine vernünftige und ruhige Berathung der Wahlmänner die tüchtigsten Ab⸗ geordneten zu finden. Eine Minorität will für Personen des Soldatenstandes, so lange als die; selben sich bei der Fahne befinden, die Berechtigung zum Wählen eingestellt wissen. Bezüglich der Aufhebung des Passivcensus wird zugegeben, daß der seitherige Zustand viele Mängel gehabt, und die Hoffnung ausgedrückt, daß das zu ihrer Heilung vorgeschlagene„Radicalmittel“ sich zum Wohl des Staates erprobe, daher Annahme beantragt.— Die erste Kammer tritt Anfangs November zu⸗ sammen und der Schluß des Landtages ist gegen Mitte künftigen Monats zu gewärtigen.
— Zu Mitgliedern der Civildiener-Wittwen kesse⸗Commission wurden ernannt: der Rath bei dem Oberappellations- und Cassations- Gericht Dr. Friedrich Kraft, sowie der Rath bei der Ober Steuer Direction Franz Wörner.
— Die„Darmst. Zeitung“ widerspricht die Nachricht mehrerer Zeitungen, daß das Referat über evangelische Kirchen- und Schulsachen im Ministerium des Innern an Regierungsrath Jaup und dasjenige über Landwirthschaft, Gemeinde— vermögens- Angelegenheiten 1c. an Ministerialrath Knorr übergegangen sei. Vielmehr wird Ministerial⸗ rath Knorr das Referat in evangelischen Kirchen und Schulsachen, Regierungsrath Jaup dasjenige über Landwirthschaft ꝛc. führen.
— Der k. preuß. Generalmajor v. Winckler, seither Commandeur der Gr. Hess. 1. Inf.⸗Bri⸗ gade, ist zum Commandanten der Festung Königs- berg und zum Nachfolger desselben der k. preuß. Oberst v. Förster ernannt worden. Major v. Lyncker rom bess. Artillerie-Corps ist zum Garde Feld- Artillerie-Regiment nach Berlin versetzt.
Berlin. Der am 15. d. verstorbene Prinz Albrecht von Preußen war der jüngste Bruder des Kaisere Wilhelm, geboren 1809, und ver- mählt in erster Ehe mit der Prinzessin Marianne von den Niederlanden. Von dieser 1849 geschieden, vermählte sich der Prinz im Jahre 1853 morga⸗ natisch mit der Gräfin Rosalie von Hohenau. Er war General-Oberst der Cavalerie mit dem Range eines Felrmarschalls.
— Nach Anordnung des Handelsministeriums soll der Wagen- und Locomotirenpark der Ost— bahn, Hannover'schen, Nassauischen, Bergisch— Märkischen und Main- Weser Bahn im nächsten Juhre beträchtlich verstärkt werden. Namentlich
zist die Beschaffun
von bedeckten Güterwagen mit einer Tragfahigkeit von 200 Centnern in Aus: sicht genommen.
— Die„Prov. Corr.“, die Denkschrift der deutschen Bischöfe besprechend, sagt: Wenn die preußische Regierung nach Erlaß der Verfassung, im Vertrauen auf die damaligen Beziehungen zu den Kirchengewalten, es zunächst unterließ, den Artikel 15, nach weichem die evangelische und katholische Kirche, sowie jede andere Religions: gesellschaft ihre Angelegenheiten ordnet und ber- waltet, in seiner Bedeutung und Tragweite durch ausdrückliche Ausführungsgesetze festzustellen, wie solche sonst fast zu allen ähnlichen Verfassungsbe⸗ stimmungen ergingen, so ist es jetzt, nachdem die Bischöfe das Gebiet kirchlicher Angelegenheiten eigenmächtig zu bestimmen und willkürlich auszu⸗ dehnen versucht haben, unerläßlich geworden, durch unzweideutige und unantastbare Staatsgesetze die⸗ jenigen Gebiete zu regeln, welche nicht lediglich Kirchenangelegenheiten sind, sondern zugleich zum bürgerlichen und staatlichen Leben irgend eine Be⸗ ziehung haben. Das jetzige Auftreten der Bischöfe wird unzweifelhaft das Wort des Reichskanzlers in Erfüllung gehen lassen, daß die Regierung den Ansprüchen von Personen des geistlichen Standes gegenüber, wonach es Landesgesetze geben könne, welche für sie nicht verbindlich seien, ihre volle und einheitliche Souveränetät mit allen Mitteln aufrecht erhalten werde. Die Souveränetät kann nur eine einheitliche sein und muß es bleiben: die Souveränetät der Gesetzgebung.
— Nach der„Deutschen Wochenschrift“ hat sich das Staatsministerium unlängst mit den Ver- änderungen beschäftigt, welche der Titel des Königs von Preußen infolge der seit dem Jahre 1866 veränderten Besitzverhältnisse annehmen müßte, und die gefaßten Beschlüsse sollen jetzt dem König vor⸗ liegen. Wie verlautet, dürfte neben der Vervoll⸗ ständigung auch eine Abkürzung des Titels in Betracht gezogen sein.
— Nach Zeitungsmittheilungen wären die Doctoren Varrentrapp in Frankfurt und Hirsch in Berlin zu einem Gutachten über die bekannten Vorschläge des Reichskanzlers bezüglich der Er⸗ richtung eines Reichsamts für öffentliche Gesund heitspflege aufgefordert worden.
— Die Ernennung Professor Hermann's zu Heidelberg zum Präsidenten des evangelischen Ober. kirchenraths hat, wie die„Nordd. Allgem. Ztg.“ hört, jetzt die königl. Bestätigung erhalten.
Straßburg. Es scheint— schreibt man der„Karlsr. Ztg.“— daß die franzöfische Re- gierung nun doch dem Friedensvertrage gerecht werden will. Kürzlich wurden mehrere junge Leute von hier, die ohne Eltern ausgewandert waren, um französische Kriegsdienste zu nehmen, von Nanzig aus wieder nach Hause gewiesen.
— Am 15. d. hat die Probefahrt auf der neuen Bahystrecke Saarburg Saargemünd stattge funden, welche glücklich verlief. Der Oberpräsident. die beiden Bezirkspräsidenten und viele Bahndirec toren waren anwesend. An den Stationen fanden sympathische Kundgebungen der Bevölkerung statt.
Schlettstadt. Dem„Straßburger Boten“ schreibt man: Die Unterhandlungen, welche ein Vertreter der Militärbehörde mit der Stadt wegen Schleifung der Festungswerke geführt hat, sind zu einem beiderseits befriedigenden Ergebniß gediehen. Nach dem Vertrage, der noch der kaiserlichen Ge⸗ nehmigung bedarf, übernimmt die Stadt etwa zwei Drittel der Festungswerke behufs Schleifung innerhalb zweier Jahre. N
Metz. Die Verthe diger des Marschall Ba- zaine baben, wie die„Pattie“ meldet, zwei Man danten rach Elsaß Lothringen geschickt, um einige besondere Details zu untersuchen und Zeugen zu dem Zweck aufzutreiben, gewissen materiellen That. sachen zu widersprechen, aber dieser Schritt soll ohne Erfolg geblieben sein. Unter der ganzen Bevölkerung herrsche eine unbeschreibliche Feind: seligkeit gegen den Marschall, und man könne die Eröffnung der Debatten bier kaum erwarten.
Ausland. Frantrei b. Am 15. d. begann mit dem Abzuz aus St. Dizier die Räumung des De—
Brandenburger. Die neuen Standquarkiere d: Bar ⸗le⸗ Duc, Ligny, Chateauneuf, Verdun und Clermont. 7 — Der„Progrös de l'Est“ behauptet, die Zahl der elsässischen Auswanderer, die sich in Luneville niedergelassen hätten, belaufe sich auf 13,000. Es sei dies ebensoviel, als die Bevölke⸗ rung der Stadt betrage. 1 — Thiers wird in den nächsten Tagen mit den Ministern wieder nach Versailles übersiedeln, So behaupten mehrete Blätter. Der„Temps“ gibt indeß den 25. October an. Belgien. Brüssel. Ein Mensch über⸗ lieferte sich hier den Behörden mit der Aussage, er sei ein Mitschuldiger des Mörders Troppmann und habe als Offizier der Commune das Peloton zur Erschießung der Geiseln befehligt. 1
Z. Gießen. Die Direction der hiesigen Veterinär, anstalt, Professor Dr. Pflug, macht bekannt, daß vom 1. Nov. d. J. an in dem neuerbauten Thierspital dahier kranke Thiere, insbesondere Pferde, zu jeder Zeit aufge⸗ nommen werden und daselbst, wie bisher, kranke Thiete zur Untersuchung und Behandlung vorgeführt und zur Beobachtung und Untersuchung auf Gewähr⸗ und andere Fehler eingestellt werden können. Behandlung der kranken Thiere, allenfallsige Operationen, wie z. B. Castration det Hengste, dann jede Untersuchung und endlich die Ab⸗ wartung der Thiere geschehen unentgelilich. Nur die Baarauslagen, wie z. B für Arznei und Fütterung, werden berechnet. Doch steht es den Thiervesitzern auch frei, das vorgeschriebene Futter in Natur zu liefern. Mit dem Thierspiial steht eine gut eingerichsete Hufbeschlag⸗ werkstäite in Verbindung, welche in nächster Zeit dem Publikum zur Benutzung geöffnet werden wird, um darin Pferde und Rindvieh mit gefunden und kranken Hufen, beziehungsweise Klauen, durch den Lehrschmied Herrn J. Höß beschlagen lassen zu können.
Nürnberg. Der„Nürnb. Korr.“ hat die hübsche Entdeckung gemacht, daß sich unter den 65 Oberinnen von Diakonissen-Anstalten und anderen geistlichen Genossen⸗ schasten, welche auf Vorschlag der Kaiserin für ihre Ver⸗ dienste um die Pflege der Verwundeten und Kranken das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen erhalten haben, sich auch drei männlich: Vorsteher solcher frommen An⸗ stalten befinden. Es tritt somit, gewiß zum ersten Male,
und Jungfrauenkreuz decorirt wird.
ein scheußlicher Mord. Ein dortiger Bürger, ein Maurer⸗ meister(so viel bekannt, geborener Badner), wurde auf der Hauptstraße in der oberen Stadt Nachts ein Viertel zwölf Uhr mit fast gänzlich abgeschnittenem Kopfe auf- gefunden; zwei seiner Arbeiter, in denen man die Thäter entdeckt zu haben glaubt, sind verhaftet. Die That läßzt sich nicht anders erklären, als daß der Eine den Er⸗ mordbeten vom Rücken her packte, während der Andere den Hals durchschnitt. Am gleichen Abend soll ein Sol⸗ dat, welcher am Kopfe durch 2 Hiebe ziemlich bedeutend verwundet worden ist, ins Lazareth gebracht worden sein.
London. Eine furchtbare Explosion in einer der zahlreichen Kohlengruben von Morley in Porkesbie hat bedeutendes Unheil angerichtet. Zur Zeit der Explosion waren in dieser Grube, in der 150 Arbeiter zu sein pflegen, glücklicherweise nur 45 beschäftigt. Die Bevölkerung Mor hys eilte auf die Schreckens nachricht herbei, und es wurde sofort eine Avtheilung Freiwilliger gebildet, die in den Schacht sich hinunterwagen wollten. Ihre Austrengungen wurden durch den Dampf und die Niederschläge verzögert; es gelang ihnen indessen nur zu' bald, die Opfer an? Licht zu schaffen. Siebenzehn Leichen wurden aus der Erde gebracht und achtzehn schwer verletzte Arbeiter, von denen viele mit dem Tode kämpften. Nur wenige kamen mit leichteren Verletzungen davon, während von den Schwerverletzten mehr als die Hälfte wohl mit dem Tode abgeben wird. 5 5
Chicago ersteht aus seiner Asche glänzender, als es vor dem Brande war. Besonders zeichnen sich die Hotels durch großarlige Pracht und Schönheit aus. Pater Palmers feuersicheres Hotel kostet nicht weniger als 1,500,000 Doll. und ist in der Fionde dem Palais des Dozen in Genua, der St. Marcuekiche in Venedig und einer inneren Ab⸗ tbeilung des Louvre in Paris ähnlich. Eine Ecke ist die Copie eines Theiles der Vaudeville Theaters in Paris, und die Front auf der Vabash- Avenue ist im rein fran zösischen Style erbaul. Das Gebäude hat auf der Stalestrect eine Frontlänge von 254, auf der Vabash⸗ Abdenue eine von 125“ und auf der Monrealseite eine von
Zimmer enthalten und Platz für 1000 Fremde baben. Das Pacific Hotel ist 325“ lang, 130“ breit und wird 475 Zimmer entbalten. Dieses Hotel ist im Renaissance⸗
Hotel mii 275 Zimmeen kostet 600,000 Doll. Diese Hotels werden alle im Mai für den Gebrauch fertig sein. [Die Hotels Auonahmen da. Viele andere Hotels, Geschäfishäuser und Privatbauten geben den obenerwähnten an Glanz Nichts nach, und man kann sich daher von der Schönheit des neuen kraft einen Begsiff machen.
In Gebweiler im Elsaß ereignete sich am 6. b.
253“ Das Hotel, das sieben Stockwerke hat, wird 830
siyl erbaut und kostet ewa 800 000 Doll. Das Sherman 1
stehen keineswegs allein und als glänzende
Chicago, aber auch von amerikanischer Thale
partements der Marne durch die 6. Diviston,
der Fall ein, daß ein katholischer Priester mit dem Frauen⸗
—


