Ausgabe 
19.3.1872
 
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1872.

Dienstag den 19. März.

M 33.

Oberhessischer Anzeiger.

Enthält die amtlichen Exlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

1 Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag

Deutsches Reich.

Darmstadt, 14. März. Die zweite Kammer

verhandelte heute über den von dem Abg. George eingebrachten Antrag auf Abschaffung der Wein- steuer. Die Verhandlungen beginnen mit einer ausführlichen Begründung des Antrags durch den Abgeordneten George. Derselbe wies aus den verschiedenen in Rheinbessen bestehenden örtlichen Verhältnissen nach, daß die Weinsteuer und die Art ibrer Erhebung nicht allein den gesammten Weinbandel des Großherzogthums durch die damit verbundenen Plackereien darniederhalle, sondern auch eine ungerechte Besteuerung ver weinbau⸗ treibenden Gemeinden sei, welche nur dazu be- stimmt sein könne, die Neigung zum Weinbau darniederzuhalten. Redner beharrt auf dem von ihm gestellten Antrag auf vollständige Abschaffung der, Tranksteuer. Abg. Edinger stimmt für die Ausschußanträge, insoweit sie dazu bestimmt sind, die mit der Erhebung der Weinsteuer verbundenen Unannehmlichkeiten zu beseitigen, im Uebrigen aber tischeinen ihm dieselben ungenügend. Abg. Oechener erklärt sich als Gegner aller Consumtionssteuern gleichfalls für die vobständige Beseitigung der Tranksteuer. Abg. Dumont ist für die vollständige Abschaffung der Weinsteuer. Abg. Metz beantragt, der Regierung bis zum 1. Juli 1872 die Trank⸗ steuer zu bewilligen. Bis dahin solle dieselbe ge⸗ bunden sein, mit einer Vorlage vor die Kammer zu treten, durch welche diese Steuer vollständig beseitigt und durch eine andere ersetzt werde. Der Reg. Commissär v. Biegeleben geht von der An sicht aus, daß die indirecten Steuern diejenigen seien, welche am wenigsten drückten; die Weinsteuer sel von diesen aber die am geringsten drückende, und man dürfe sie schon darum gegenwärtig nicht abschaffen, weil man sich im Hinblick auf die zu fünftige Finanzlage des Landes der freien Ent schließung nicht berauben darf. Die Kammer wird, weil die Zeit zu weit vorgtrückt, morgen in der Berathung üben den George'schen Antrag fortfahren.

15. März. Die zweite Kammer setzte beute ihre Berathung über den Antrag des Abg. George fort. Abg. Wernher führte aus, daß viele igen die Weinsteuer geltend gemachte Grunde irrig seien; sie sei von den indirecten Steuern die gerechtfertigste und keineswegs dem Handel des Großherzogthums hinderlich; der Weinhandel von Mainz habe den von Köln und Frankfurt über lügelt, aber sie sei dennoch unhaltbar, weil das Großherzogthum völlig vereinzelt mit ihr dastehe. Volhard erklärt sich gegen die Abschaffung der Steuer, eine Maßregel, die, wie er ausführt, so lange noch eine Steuer auf Kaffee und Zucker gelegt sei, eine Versündigaͤng an dem armen Mann päre. Er erklärt sich dagegen mit einer verän lerten Erhebungsweise der Steuer einverstanden. Fink spricht in demselben Sinne und tritt den Uuẽsführungen verschiedener Vorredner entgegen. Backe spricht gleichfalls für die Beibehaltung der Steuer. Bamberger erklärt, er und seine Ge innungsgenossen Metz, Becker und Möllinger be ͤbsichtigen, nur Erleichterungen der Erhebungs⸗ velse herbeizuführen. Zentgraf ist gegen die rollständige Beseitigung der Steuer und stellt einen lesonderen Antrag, welcher alle bisher gestellten Anträge der Reglerung zur Erwägung anhelm eben würde. Die Abstimmung ergab mit 42 tegen 5 Stimmen die Annahme des Antrags der Mehrheit: die Regierung um eine Gesetzes vorlage qu ersuchen, durch welche an die Stelle der seit

herigen eine andere minder belästigende Erhebungs- art tritt, sowie die Annahme des obenerwähnten Antrag des Abg. Zentgraf. Die Tranksteuer wird für das laufende Jahr verwilligt.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat gleichwie in früheren Jahren auch am dies- jährigen Namenstag der verstorbenen Großherzogin Mathilde den nachbenannten 7 Wohlthätigkeits- Anstalten die beibemerkten Geschenke bewilligt: der Mathildenstiftung 900 fl., dem Matbilden-Land krankenhaus dahier 300 fl., dem Rettungshaus in Hänlein 200 fl., dem Diakonissenhaus Elisa bethenstift dahier 150 fl., dem Hause der barm herzigen Schwestern davier 150 fl., der Klein- kinderschule dahier 100 fl. und der Blindenanstalt zu Friedberg 100 fl, im Ganzen 1900 fl.

Gießen. Die Vorlesungen, welche auf der Großherzoglichen Landes-Universität Gießen im Sommerhalbjahr 1872 gehalten werden, nehmen am 15. April ihren Anfang. Die Immatricu lation beginnt am 11. April.

Berlin. Die Budget⸗Commission des Herren hauses beantragt, die Staatsregierung aufzufordern: 1) sich zu erklären über die Absicht, die Lotterie aufzuheben; 2) die Aufhebung der Lotterie bereits für das Etatsjahr 1873 in das Werk zu stellen.

Die im Jahre 1872 begonnene Revision der Rechnungen über die vom ehemaligen nord deutschen Bunde bestrittenen Kosten des Krieges gegen Frankreich wird 3 bis 4 Jahre Zeit er- fordern und eine Ausgabe von 20,000 Thalern pro 1873 verursachen.

Ein Pariser Correspondent der Berliner National-Zeitung erzählt, wie gewisse Rathgeber des Herrn Thiers solgende Combination erfunden hatten:Deutschland hat bis zum 2. März 1874 nichts von uns zu fordern als die Zahlung der Ziasen. Machen wir aber der deutschen Regie rung einen uns convenirenden Borschlag zur so⸗ fortigen Abwickelung der Kriegs schuld. Geht die selbe nicht darauf ein, so bleibt uns nichts übrig, als die Occupation unserer östlichen Provinzen mit Geduld zu ertragen und die nächsten zwei Jahre darauf zu verwenden, unsere politische und militärische Situation wieder herzustellen. Wenn dann der fatale 2. März 1874 heraͤnnaht, wird Oeutschland mit einem Frankreich zu verhandeln haben, das eine Armee von 600,000 Soldaten hinter sich hat. Und dann werden wir sehen. [Wenn auch solche Aeußerungen französische Prahle reien genannt werden dürfen, so verdienen die selben immerhin einjge Beachtung im Hinblick auf die ungeheuren Creditsordecungen des französischen Kriegsministers und auf den Eifer, mit welcher selbst der Präsident sich für die Organisation der Armee bemüht. 5

Königsberg. Dieser Tage wurde hier in Gegenwart des Professors Michelis, Dr. Woll mann und des Vorstandes der Altkatholiken der notarielle Act aufgenommen, feierlichst vollzogen und vorläufig von 192 Mitgliedern unterschrieben, durch welchen die Altkatholiken Königsbergs er klären, den Infallibilisten gegenüber eine eigene katholische Kirchengemeinde zu bilden.

Bonn. DieBonner Zeitung meldet: Den hiesigen Professoren Hilgere, Knoodt, Langen und Reusch ist durch den Kölner Erzbischof schriftlich eröffnet worden, daß sie, weil sie dem Decret über die päpstliche Infallibilität ihre Anerkennung ver weigert hätten, wegen notorischer Härcsie der größeren Excommunication verfallen seien.

München. Demnächst wird in der Kammer

der Abgeordneten auch eine Debatte über den Freimaurerorden vorgeführt werden, da eine ein⸗ gelaufene Petition verlangt, die Kammer möge ein Verbot tieses Ordens in Bapern beantragen,

Stuttgart. Die Abgeordnetenkammer be⸗ schloß über den Antrag, betreffend die Gewährung von Diäten an die Reichstags⸗ Abgeordneten, zur Tagesordnung überzugehen.

Karlsruhe. Die Abgeordnetenkammer nahm in zweiter Lesung mit allen gegen 11 Stimmen die Gesetzentwürfe, betreffend das Verbot der öffentlichen Lehrwirksamkeit von Mitgliedern reli⸗ giöser Orden und ordeneähnlicher Congregationen, sowie der Abhaltung von Missionen durch fremde Ordensmitglieder, an. Die Kammer nahm ferner das Gesetz, betreffend den Bau einer Eisenbahn von Müllheim nach Müblhausen(Elsaß) mit allen gegen eine Stimme an.

Als Grund der Verlegung der polptech⸗ nischen Schule nach Freiburg vernimmt man, daß das blesige Gebäude der Anstalt von der Ktiegs⸗ verwaltung als Kaserne fär ein dierher zu ver⸗ legendes preußisches Husarenregiment ausersehen und ein Kaufangebot von einer Million gemacht worden sel. Die Errichtung des Gebaͤudes nahm etwas mehr ale diesen Betrag in Anspruch.

Ausland. i

Oesterteich. Wien. Wie derPester Lopd meldet, hätte sich die französische Regierung außer Stande erklärt, an der Wiener Weltaus⸗ stellung sich officiell zu betheiligen.

Frankreich. Paris. Die Armeereorgani⸗ sations-Commission hat sich entschließen müssen, von den von ihr beabsichtigten Reductionen Abstand zu nehmen; ihte darauf hinzielenden Bemühungen scheitern an dem starren Willen des Hrn. Thiers, der in Sachen der Armee unbeugsam ist. Im Gegentheil, anstatt zu reduciren, finden in ein- zelnen Heeresbranchen gegenwärtig wesentliche Ex⸗ höhungen des Bestandes statt; so hat z. B. nament- lich die Artillerie seit dem Kriege eine starke Vermehrung ihrer Geschützzahl erfahren.

Ein von derStraßb. Zeitung citirter Aufsatz des bekannten Akademiters Littré in einer Pariser Zeitschrift enthält folgende an das fran zösische Volk gerichtete Mahnung;Mit einer Schuld von 20 Milliarden und einem Nachbarn, der in 14 Tagen 700,000 Mann auf die Beine bringen kann, ist uns wohl die höchste Achtsamkesk auf uns selbst geboten; wollten wir uns noch weiter zu Unbedachtsamkeiten hinreißen lassen, so würde uns das theuer zu stehen kommen. Die Politik Frankreichs, heißt es dort weiter, »ist an sich klar und augenscheinlich vorgeschrieben. Vor Allem müssen wir unseren Verbindlichkeiten nachkommen und das Territortum ganz zu befreien suchen. Das Land muß die enorme Last, welche ihm von dieser Seite auferlegt ist, mutbig tragen. Der Friede nach Außen, die Ruhe im Innern sind uns aufs strengste geboten. Ordnung ist eine unerläßliche Bedingung der Arbeit und Arbeit ist das einzige Mittel, um unsere Leiden wieder gut zu machen. Ertragen ist unser Leos. Ein demüthiges und bescheidenes Loos allerdings, ich gebe das zu; aber für eine Nation, die eine große Ge schichte binter sich dat, wie für eine Familie, die hohen Ursprunges ist, liegt in der demüthigen Niedrigkeit eine Kraft, die das Herz erhebt und den Entschluß kräftigt.

In der Sitzung des Budget- Ausschusses hat Thiers eine Forderung von 51 Millionen als