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wiesen babe, Rundreisen in ihren Bezirken zu unternebmen, um durch Besprechungen und Vor- träge den Einwohnern der von ihnen bereisten Ort⸗ schaften über die dort einzuführenden Militär⸗Ver ⸗ hältnisse wahrheitsgemäße Mittheikung zu machen. — Mit dem 1. Juli ist die Einführung der deutschen Sprache als amtliche Geschäftssprache in dem größeren Theile Deutsch-Lothringens zur Ausführung gelangt. Die Durchführung erstreckt sich aber nicht blos auf den Gebrauch der deutschen Sprache als amtliche Geschäftssprache, sondern mit deren Einführung schwanden auch alle fran⸗ zösischen amtlichen Benennungen. So haben wir jetzt statt der Maires Bürgermeister, und statt der Buralisten Ortseinnehmer u. dergl. m. Sogar die amtlichen Bekanntmachungen durch die Orts- schelle oder Trommel erfolgen von jetzt ab in beiden Sprachen. Zur Erleichterung der Durchführung dieses Gesetzes werden, wo nöthig, beeidigte Ueber- setzer angestellt.
Ausland.
Oesterreich. Belgrad. Die Vertreter der Stadt haben an 50 fremde Gemeinden, dar— unter diejenigen von Pest, Wien, Petersburg, Moskau, Kiew, Athen, Jassy und Bukarest Ein- ladungen zur Theilnahme an den am 22. Aug. d. J. — an diesem Tage wird Fürst Milan großjährig und übernimmt selbstständig die Regierung— hierselbst stattfindenden Feierlichkeiten ergehen lassen.
Schweiz. Bern. Die von dem franzö— sischen Consul in Basel verbreitete Nachricht, im Canton Luzern sei die Rinderpest ausgebrochen, ist unbegründet.
Genf. Die Sitzungen des Schiedsgerichts sind am 15. d. wieder eröffnet worden.
Frankreich. Paris. Bei dem am 14. d. als am Jahrestage der Zerstörung der Bastille in La Ferté sous Jouarre stattgehabten Banket hielt Gambetta eine Rede, worin er die feste Ver- bindung der Republikaner gegen ihre sie zu ent— zweien trachtenden Feinde anrieth, den conserva— tiven Character der Republik betonte und die Nothwendigkeit hervorhob, eine durch Amnestie gekrönte Politik der Versöhnung einzuschlagen. Die für Paris, Lyon und Marseille projectirt ge— wesenen ähnlichen Bankette waren verboten worden.
— Der Präfect des Meuse-Departements hat an den Maire von Bar-le-Duc ein Schreiben ge— richtet, worin Mißhandlungen, die den Kindern eines dort stationirten höheren Militärs von Kindern aus der Einwohnerschaft zugefügt wurden, be— sprochen werden und den Letzteren für Wieder— holungsfälle Haft angedroht wird.
— In Betreff des Emissionstermins und der Subscriptionsbedingungen der neuen Anleihe ist eine feste Entscheidung noch nicht getroffen; doch glaubt man, daß die Emission Ende dieses Monats zum Course von 84 bis 84. 50 erfolgen wird, während hinsichtlich der Subscriptionsbeträge ver— lautet, daß dieselben in 24 Raten eingezahlt werden sollen.
— Der bekannte Republikaner A. Ranc er- zählt in einem Werke„Unter dem Kaiserreiche“, daß bei Ausbruch des Krieges siebenundsechzig Bewerbergesuche für die Präfectenstelle in Mainz eingelaufen seien.
Versailles, 15. Juli. Die Nationalver— sammlung genehmigte in ihrer heutigen Sitzung die das neue Anleben betreffende Gesetzvotlage mit dem Zusatzartikel, die Bank zur Erhöhung ihrer Notencirculation auf 3200 Mill. Frs. zu ermächtigen. Der Finanzminister erklärte in Be— antwortung einer Frage Germain's, die Regie— rung behalte sich bezüglich der Nichtreducirbarkeit per liberirten Zeichnungen unmittelbar freie Hand vor.
Belgien. Brüssel. Wee berichtet wird, bereitet die Regierung eine sehr umfangreiche Maß- regel zur Bermehrung der Schulen vor.
Großbritannien. London. Nachrichten aus Guatemala zufolge hat die dortige Regierung die Unterdrückung des Jesuitenordens und die Confiscirung des denselben gehörigen Eigenthums angeordnet. Auch in Nicaragua wurde die Aus— weisung der Jesuiten beschlossen.
Italien. meindewahlen war bisher
Rom. Das Resultat der Ge- den Liberalen meist gänstig. Mehrere Personen des päpstlichen Hofes haben sich in die Wahllisten eingeschrieben. Die „Opinione“ bespricht die gegenwärtige Sachlage und die conspirirende Haltung der Klerikalen und erklärt, die vollständige Lösung der Frage der religibsen Orden se! zum Staatsschutze jetzt un- entbehrlich.
Rußland. Petersburg. Die rusiische Regierung will entdeckt haben, daß die polnischen Geistlichen, welche unter dem Vorwande einer Badereise sich ins Ausland begeben, in der Regel Posen und Rom als ihr Reiseziel wählen, um sich von dort Jastructionen über ihr kirchliches Ver— halten zu holen. Sie hat daher, wie die„Osts.⸗ Ztg.“ meldet, angeordnet, daß polnischen Geist— lichen Auslandspässe nur vom Ministerium des Innern, und nur wenn die Reise zur Wieder— herstellung ihrer Gesundheit dringend nothwendig ist, ertheilt werden dürfen.
411 Friedberg. Wie weit reicht thierische Intelligenz und bis zu welchem Grad ist dieselbe entwicklungssähig? Die Productionen eines in den hiesigen Schulen dieser Tage vorgezeigten Malteserhündchens geben über diese Fragen Manches zu denken. Schon das Aeußere des Thierchens, sein mähnenumwallter Kopf und namentlich sein großes, überraschend klug um sich blickendes und seine Umgebung verständig musterndes Auge fesseln unsere Aufmerksamkeit. Bald geht dieselbe in Erstaunen, ja in Bewunderung über. Das kleine Geschöpf holt nämlich aus einer großen An— zahl vor ihm ausgebreiteler Zahltäfelchen jede ihm von irgend Jemand genannte Zahl mit den Zähnen heraus, ja es zählt auf diese Weise zusammen, zählt ab und ver⸗ vielfacht. Ebenso sucht es aus einer großen Zahl von Photographien irgend eine ihm bezeichnete heraus z. B. die des Kaisers, des Königs von Baiern, Bismarcks u. s. w. Nicht minder trägmes aus vielen Buchstaben die zu einem be— liebigen, ihm aufgeschriebenen Worte nöthigen in der rich— ligen Reihenfolge zusammen, wie kleine Kinder angebalten werden, aus einem Vorrath von Buͤchstabentäfelchen Wörter zusammenzusetzen.— Der kleine Geselle hat es in der That weit geung gebracht. Die Vexerdung solcher Fähig— keiten und geschickte Lehrmeister zu ihrer jedes maligen Ausbildung vorausgesetzt, möchte man nach Jahrtausenden vielleicht das Schauspiel erleben, die Urenkel dieses Kleinen mit der Feder hinterm Ohr im Comptoir am Hauptbuch sitzen zu seben.
Michelstadt. Am 11. Juli ereignete sich das erste Unglück auf der Mümlingthalbahn. In Zell wurde ein Wagen angehängt, was ein Heizer besorgte. Anstatt, wie es die Vorschrift verlangt, unter den Puffern durch⸗ zuschlüpfen, ging der Heizer gerade durch: in demselben Augenblicke erfolgte ein Rückstoß und die Brust des Be— dauetruswertben wurde zerquetscht. Gine Dreisine brachte den schwer Verwundeten alsbald hierher, aber ärzliche Hilse war vergebens; er starsb nach wenigen Stunden. Er binterläßt eine Frau und zwei Kinder.
Limburg. Man schreibt dem„Rh. T.“ von hier: Die Provinzial-Correspondenz in Bann. Ein Knabe von Dielkirchen, welcher gewöhnlich das hiesige„Kreisgerichte— blatt“ in der Expedition abholt, erschien daselbst, als wir zufällig zugegen waren und erklärte:„Mein Vater hat bestellt, Sie sollen mir die„Provinzial-Correspondenz“ nicht beilegen, die dürften wir nicht mehr lesen, der Geist— liche habe von der Kanzel verboten, dieses Blatt zu lesen.“
Rastatt. Ein erschülternder Todesfall ereignete sich in Racgalt. Lehrer Molitor wurde von einer Fliege in das Gesicht gestochen, die, wie man annehmen muß, sich mit Leichengift gesättigt hatte, und war nach nur drei— tägigem, zuletzt sehr schmerzensvollem Lager kaum in der Mute des Lebens eine Beule des Todes.
Kronach,(Biyern). Auf dem am 13. d. Nachts zwischen Hochsadt Stockheim verkehrenden Personenzug nürzte ein kleines Mädchen aus einer nicht festverschlossenen Wagenihür. Man denke sich die Verzweiflung der Mutter, unter deren Augen das Gräßliche sich ereignet halte. Nur mit Mühe konnte sie verhindert werden, sich dem Kinde nachzustürzen. Von der nächsten Haltstation eilte das Bahnpersonal, die jůmmernde Mutter voraus, mit Laternen dem Orte des Unfalls zu und man fand das Kind unver— sehrt zwischen dem Bahndamm und einem hart s am Bahn⸗ damm vorüberfließenden Gewässer liegend. Dex Unfall war dadurch entstanden, daß auf einer Zwischenstation, ohne daß es der Conducteur bemerkt hatte, ein Bauern— bursche die Waggon tbüre aufgerissen, wieder zugeschlagen aber nicht mehr verriegelt hatie.
Chemnitz. Am J. Jul! des Jahres 1867 ereignete sich bekannnich in dem Kohlenwerke Neue Fundgrube zu Lugau das furchtbare Unglück, daß durch Bruch des Förderschachtes 102 Bergleuten der Ausweg nach oben nogeschnetlen wurde und dieselben trotz aller Anstrengungen nicht gerettet werden konnten. Das Gruvenfeld ist seit— dem in die Hände einer neuen Gesellschaft übergegangen, welche neben dem zusammengestürzien Schachie einen neuen abteufen liuß, um die Kohlensörderung wieder aufzunehmen. Hierbei stieß min bereits im November, dann im Dezem— ber v. J. auf die Ueberreste zweier Verunglückten, die auf fogenannten Bühnen aufgefunden wurden und jedenfalls bei dem Versuche, auezufahren, von den einbrechenden
Massen erdrückt werden waren. Dieser Tage nun kam
man bei den weiteren Arbeiten in einer Tiese von 748 Ellen an einen Querschlag. In diesem lagen, vom Füll⸗ orte an bis zur Länge von 16 Lachtern zerstreut, die Ueberreste von ungefähr 50 bis 60 der verunglückten Bergleute. Der Querschlag ist eingebrochen, so daß ein weiteres Vordringen jetzt unmöglich war. In den meisten Fällen sind von den Verschütteten nur die Knochentheile, zerstreut umherliegend, erhalten; bei zweien der zu Tage Geförderten war die Verbindung von Rumpf, Becken und Oberschenkel erhalten, auch waren an einigen Stellen die wachsartig veränderten Muskeln an ihrem streifartigen Ansehen noch zu erkennen. Am besten erhalten sind die Kleidungsstoffe, namentlich das Lederzeug. Außerdem wurden noch eine große Anzahl Lampen, Blenden, Füll⸗ hörner ꝛc. aufgefunden. Bei allen Lampen war der Docht weit herausgezogen, auch waren Reste von Oel noch vor— handen. Alles läßt darauf schließen, daß der Tod der Unglüch⸗ lichen sehr bald nach der schauerlichen Katastrophe erfolgt ist.
In Berlin wurden falsche 20-Markstücke von einem Fremden in einem Eiskeller-Etablissement verausgabt, jedoch noch rechtzeitig erkannt, so daß der Ausgeber der—⸗ selben verhaftet werden konnte. Die„B.- und H.⸗Ztg.“ theilt mit, daß ihr ein Exemplar der gefälschten Reichs- goldmünzen zu Händen gekommen sei. Dieselben sind am Klange natürlich sofort erkennbar, die Farbe ist etwas dunkler als bei den echten. Das Gepräge auf Avers und Revers ist fehlerfrei und von den echten in nichts zu unterscheiden. Dagegen ist die Legende des Randes, deren Ausführung auch auf den echten zu wünschen übrig läßt, vollständig mißlungen. Die Lettern des Wortes UN sind kaum kenntlich, das Wort 60x zeigt statt des Anfangsbuchstabens einen liegenden Strich, der Mitielbuchstabe im Worte MIX ist der einzige ziemlich regulär geformte. Die gefälschten Münzen tragen das Bild des Kaisers und das Münzzeichen C.
D. Frankfurt a. M., 16. Juli. Lustlose Stimmung und Geschäftslosigkeit halten an. Gleich zu Anfang zeige sich an den Kursen, daß wenig Nachfrage war, und nur Staatsbahn verkehrte in umfangreicherem Maße, da der gestern Abend schon gewichene Kurs viele Speculanten zum Kaufen verlockte, so daß bei 351½ zahlreiche Schlüsse gemacht und der Kurs bis 352 getrieben wurde, wo er jedoch nicht recht Stand halten wollte. Creditactien sanken bei lotaler Vernachlässigung seitens der Käufer bis 345 und 346 und Lombarden, ebenfalls ohne Umsatz, bis 219¾, Oestreich. Nationalbank 894— 96. In östreich. Bahnen war auch nur wenig Geschäft. Desto besser verkehrten Prioritäten, für welche zahlreiche Kaufaufträge vorlagen, die sich auf fast alle Sorten vertheilten. Bei dieser günstigen Stimmung für Prioritäten wollen wir nicht unterlassen auf die bei A. Reinach hier am 18. und 19. d. zur Subsfcriptkon gelangenden 5% Elisabeth⸗ bahn⸗ Prioritäten aufmerksam zu machen, die steuerstei und gatantirt sind. Der Emissionskurs in 94. Für Banken herrschte heute mehr Animo als gestern, und wenn auch die Preise keine bemerkenswerthen Avancen aufzu— weisen haben, so hielten sie sich doch sehr fest. Recht be— liebt waren wieder Effectenbank und Frankfurter Wechsler— bank. Auch Provinzial und Darmstädter gefragt. Auswärtige Fonds und Loose matt.
Verloosungen.
Petersburg, 13. Juli. Bei der heute stattgehabten Ziehung der Russischen Prämien-Anleihen von 1864 fielen auf folgende Nummern die beigesetzten Gewinne: Serie 13696 Nr. 22 200,000 Sg., Serie 5585 Nr. 18 75,000 SR., Serie 19830 Nr. 30 40000 SR., Serie 17474 Nr. 48 25,000 SR., Serie 10854 Nr. 10, Serie 14164 Nr. 15. Serie 18083 Nr. 37 je 10,000 SR., Serie 14699 Nr. 35, Serie 6008 Nr. 49, Serie 11628 Nr. 37, Serie 15049 Nr. 7, Serie 14280 Nr. 3 je 3000 SR. Serie 5327 Nr. 31, Serie 5055 Nr. 10, Serie 12971 Nr. 18, Serie 18299 N. 13, Serie 9268 Nr. 24, Serie 5036 Nr. 24, Serie 12444 Nr. 14, Serie 705 Nr. 17 je 1000 SR.
8 8 9 85 85 2 7 25 a uheim. 2 — 9 2 Die soeben erschienene Nr. 42 enthält: 33 Meper. Poltzeinodelle von F. Chr. B. Avs⸗Lalle⸗ mant.(Fortsetzung.)— Unglückliche Kinder. Päda⸗ gogtsche Skizzen von J. Ernst Stötzner. IV. Die Taub⸗ fsummen.— Julius Schnorr von Carolsfeld. Von
Max Jordan. Mit Portrait von Wislicenus.— Aus der II. Abthellung von Hiltl's franz. Krieg. Mit 7 Illustrattonen.— Tagebuch aus der Belagerung von Straßburg. Von Max Reichard.(Jortsetzung.) Zu Bestellungen empfehlen sich Bindernagel 8 Schimpff in Friedberg
Bei Bindernagel& Schimpff in Friedberg ist zu haben:
Die Welt geht unter!
Schlußscene des großen Weltdramas,— Von Heinrich am Stern. Preis 11 kr.


