sicht, daß sie wegen der Zahlung der übrigen drei Milliarden einen Aufschub im Frühjahre 1874 verlangen müsse, die Verhandlung, auf eine neu organisirte Armee gestützt, mit besserem Nachdruck zu führen in der Lage sein wolle. Diese Rech nung bewegt sich ersichtlich schon auf abschüssiger Bahn und könnte Frankreich theuer zu stehen kommen.
— Wie die„Börsen-Zeitung“ mittheilt, kam die Müblersche Angelegenheit auch bei dem letzten parlamentarischen Diner des Reichskanzlers(am Sonnabend) zur Sprache. Fürst Bismarck theilte, wie das Blatt„zuverlässig“ erfährt, einigen Herrn des Landtages mit, der Cultusminister habe beim Könige sein Entlassungsgesuch eingereicht und das- selbe sei vom Staatsministerium einstimmig befür- wortet worden. Demzufolge könne die Königliche Entscheidung jede Stunde erwartet werden.
Köln. Das Kriegsministerium in Berlin hat dem Vorstande des biefigen Localvereins der Altkatholiken die staatliches Eigenthum bildende Garnisonskirche zur Abhaltung eines regelmäßigen Gottesdienstes bewilligt.
München. Man erwartete schon am Neu— jahr einen großen Armeebefehl, derselbe ist aber bis heute noch nicht erschienen. Wie es heißt, soll die Pensionirung von über 200 Offizieren in Antrag sein, und in den Bedenken, die dagegen obwalten, der Grund der Verzögerung des Armce— befehls liegen.
— Seit Einführung des neuen Fabrplans für die durchgehenden Bahnzüge auf der deutsch— italienischen Route über den Brenner gelangen dahier Britfe und Zeitungen aus Italien um 13 Stunden früher als sonst zur Ausgabe.
Stuttgart. Gegen 300 Schriftsetzer haben dahier die Arbeit eingestellt und feiern. Viele derselben sind abgereist. Die Polizei warnt in Maukranschlägen vor Gewaltthätigkeiten. Das Weitererscheinen der Zeitungen ist gesichert.
Metz. Ueber das Resultat der Volkszählung dahier erfährt die„Straßb. Ztg.“, daß dieselbe die Anwesenheit von 29,301 männlichen und 22,087 weiblichen Individuen, also eine Ge— sammtbevölkerung von 51,388. Seelen ergab; da⸗ runter befindet sich eine 10,955 Köpfe starke Militärbevölkerung. 1866 war die Gesammtbe— völkerung 54,817 Seelen und darunter ca. 8000 Militärs, mittzin ist eine Verminderung von etwa 6000 Stelen eingetreten.
Ausland.
Oesterreich. Wien. Wie aus einer sonst unterrichteten Quelle, nämlich dem Wiener Preß- büreau, verlautet, hätte die französische Regierung das italienische Kabinet in formeller Weise um Aufklärung über die Bedeutung und den Zweck der von demselben neuestens angeordneten mili— tärischen Vorkehrungen ersucht. Man wird indeß gut thun, die anderweitige Bestätigung dieser Nachricht abzuwarten, sie klingt etwas unglaublich.
— Die internationale Telegraphen-Conventien wurde am 14. d. im Beisein Visconti-Venosta's, des Ministers des Aeußern, unterzeichnet und der telegrapbische Congreß geschlossen.
Schweiz. Bera. Um dem Wunsche der Gesandtschaften mebrerer benachbarten Staaten zu entsprechen, ließ der Bundesrath durch das statistische Bureau aus dem Volkszählungs material von 1870 eine Zusammenstellung der am 1. December ge— nannten Jahres in der Schweiz befiadlichen Aus- länder ausarbeiten. Diese Zusammenstellung ist nun fertig geworden und weist folgende Ergebnisse auf: Es hielten sich am bezeichneten Tage in der Schweiz auf: Deutsche 57,243, Ocsterreicher und Ungarn 6231. Engländer 2274, Franzosen 62,226, Italiener 18,073, aus ubrigen Ländern 4734, Ausländer, deren Heimathbland unbekannt 123, im Ganzen 150,904.
Frankreich. Paris. Von dem franzö⸗ sischen Clerus ist in dessen Hauptorgan dem„Uni— vers“ ein Kreuzzug gegen das Volksschulgesetz des Herrn Jules Simon eröffnet worden. An der Spitze stehen die Prälaten der Normandie, in erster Neihe der Cardinal Bonnechose von Rouen, nach dessen Vorgang dann auch der Erzbischof von Aix, der Bischof von Aire u. A. die Natio—
nalversammlung mit Petitionen gegen den gott— losen Entwurf des Schulzwanges bestürmen. Der Bischof von Beauvais hält sich für verpflichtet, „trotz der Unpopularität, welcher eine solche Be— hauptung begegnen könnte“, zu erklären, daß der Mangel an Bildung lange nicht, wie man allge⸗ mein behauptet, die ärgste Gefahr für Frankreich sei. Der Erzbischof von Orleans schweigt noch und scheint die Blitze seiner Beredtsamktit für die Debatte in der Nationalversammlung aufzube— wahren. f
— Das„Journal officiel“ meldet amtlich, daß Graf Harry von Arnim am 9. d. M. dem Präsidenten der Republik die Schreiben übecreicht hat, welche ihn als außerordentlichen Botschafter und Bevollmächtigten Sr. Majestät des deutschen Kaisers und Könige von Preußen beglaubigen.
— Der Herzog v. Persigny ist in Nizza ge— storben.
— Der Antrag Picard's, betr. Proclamirung der Republik als definitive Regierungsform, scheint
aufgegeben zu sein.— Der„Moniteur“ ladet
die Frauen Frankreichs ein, eine Substription zu eröffnen, um die Räumung der occupirten Departe— ments zu erlangen.
— Am 1. März soll mit dem Neubau der Festungswerke von Paris begonnen werden.— Die Commission zur Untersuchung der während des Kriegs vorgekommenen Capitulationen hat sich zur Fällung eines sehr strengen Urtheils über den Marschall Bazaine veranlaßt gesehen. Die Armee— Cemmission hat, einer Depesche der„Indép. belge“ zufolge, beschlossen, daß alle diejenigen Soldaten, die nach Schluß ihres ersten Dienstjahres nicht lesen und schreiben gelernt, so lange bei der Fahne zurückgehalten werden sollen, bis sie diese Fertig— keiten erlangt haben.
— Ueber die Thätigkeit der militärischen Com— missionen, welchen die Prüfung der Listen der Gefangenen aus der Communezeit obliegt, erfährt die„Indép. belge“, man habe die noch Inter— nirten jetzt in drei Kategorien getheilt. Die erste enthält diejenigen, welche sich am Aufstand be— theiligt, ohne irgend eine Charge zu bekleiden und ohne Verbrechen oder gemeines Vergehen begangen zu haben; es sollen dieselben nach und nach in Freibeit gesetzt werden. Die zweite Kategorie, die Unteroffztere der Commune, die abgesehen bieroon, ebenfalls schuldfrei sind, werden freige— lassen, bleiben aber unter Polizeiaufsicht. Vor cin Kriegsgericht dagegen werden alle Offiziere und solche Individuen gestellt, welche ein Ver— brechen eder gemeines Vergehen verübt haben. Man hofft nach Verlauf von 3 Monaten die Sache derart erledigt zu haben.
— Man kennt jetzt die genaue Ziffer der— jenigen, welche in Paris während der Belagerung (vom 17. September bis 28. Januar) gestorben sind. Es sind im Ganzen 65,291 Personen, von denen 13000 vor dem Feinde sielen oder an den Wunden starben, die sie auf den Schlachtseldern erhielten.
— Das„Journal officiel“ meldet, daß nach— dem Graf Arnim in Versailles und Vicomte v. Gontaut⸗Biron in Berlin als Botschafter empfangen worden sind, die bisher bestandene besondere Mission bei dem Obercommando der deutschen Occupationsarmee ihr Ende erreicht hat. Ueber dringende und lokale Fragen, die sich aus
der militärischen Besetzung ergeben, wird in Zu-
kunft mit dem deutschen Hauptquartier durch einen außererdentlichen Commissär verhandelt werden. Diese Funktionen sind dem Grafen Saint⸗Vallier übertragen worden.
— Das„Bien Public“, das officiöse Organ des Präsidenten der französischen Republik, kommt nochmals auf die Nachricht zurück, der zufolge die deulsche Regierung in Versailles wegen der Reorganssation der französischen Armee und der Erhöhung des Militärbudgets Vorstellungen ge— macht.„Wir können“, so sagt dasselbe,„be— haupten, daß diese Nachricht vollständig unbe— gründet ist. Die Beziehungen des Cabinets von Versajlles motiviren solche Voraussetzungen nicht, und dann ist auch nichts im Frankfuster Vertrage, was sie rechtfertigen könnte.“
Versailles. In der Nationalversammlung befürwortete Thiers in längerer Rede die Besteue- rung der Rohstoffe, welche der einzig mögliche Modus wäre, indem er zugleich an den Pattio- tismus der Versammlung appellirz. Die Regie- rung habe vor Allem zwei Aufgaben, ersteus das Uebereinkommen von Bordeaux, dessen Bruch un⸗ berechenbare Nachtheile zur Folge haben würde, unter den Parteien aafrechtzuerhalten, und zweitens alle Apstrengungen zu machen, um nicht nur die politische, sondern auch die intellectuelle Anarchie zu verhindern. Die Rede des Präsidenten wurde seht beifällig angenommen.
Belgien. Brüssel. Der„Etoile belge“ zufolge haben in mehreren Gruben des Kohlen- beckens von Charleroi bedeutende Arbeitseinstel— lungen stattgefunden. Bis jetzt find keine Unord— nungen vorgefallen. Die Directoren der Graben beschlossen, die Arbeiten so lange, als es noth— wepbig erscheine, ruhen zu lassen.
Großbritannien. London. Eige De⸗ pesche der„Times“ meldet aus Paris: Der fran— zösische Finanz- Minisier sandte letzten Freita n 84 Millionen Francs in kurzsichtigen Wechseln auf London und deutsche Plätze nach Berlin. Eine gleiche Sendung soll am 27. d. erfolgen.
— Der schwedische Gesandte erklärt in einer Zuschrift an die„Times“, die Mittheilung einer Correspondenz dieses Blattes, wenach ein Artikel des Journals„Aftonbladet“, welcher heftige Aus- fälle gegen Deutschland enthielt, von dem König von Schweden bertühre, sei unbegründet. Der König habe sich niemals mit Zeitungspolemik beschäftigt, sondern nur einige Gedichte unter der Chiffte„C“ veröffentlicht..— Der„Times“ zu- folge beabsichtigt die canadische Regierung, eine Eisenbabn durch das britische Gebiet bis zum stillen Octan zu bauen.
Amerika Die Regierung von Columbia, schreibt die„New. Handelszeitung“, ist banquerott und nicht im Stande, ihren Verpflichtungen gegen die Regierung der Verein. Staaten nachzukommen. Der Gesandte Columbig's in Washington har um ine vierjährige Stundung nackgesucht, da seine Regierung nicht in der Lage ist, die Summe don 147,000 Dollar, welche selbe gemäß den Ver⸗ trägen der Jahre 1857 und 1867 an die Re- gierung der Ver. Staaten schuldet, zu bezahlen; auch hat selbe seit dem Jahre 1868 keine Ab- schlagszahlung geleistet.
Frankfurt. Vor einigen Tagen stellte sich ein Fremder aus Stuttgart in einem biesigen Hotel auf die Brüstung seines Fensters, durchschnitt sich mit einem Rasir⸗ messer den Hals und stüczte so auf bas Pflaster aus be⸗ trächtlicher Höhe herab. Die Schnitiwunde in Verbindung mit der totalen Zerschmetterung des Schädels dewirkten augenblicklichen Tod. Der Uuglückliche defand sich im Besitz von mehreren Tausend Gulden.
Bonn. Bezüglich des für dieses Jahr in Aussicht genommenen deutschen Turnfestes theilt man mit, daß die Stadtwerordneten-Versammlung in Bonn den Stadtratb ermächtigt habe, die Erfüllung der vom General-Commando des 8. Armee⸗Corps für Ueberlassung des Zelttagers ge⸗ stellten Bedingungen zu übernehmen. Es ist damit wieder ein Schriet zur Sicherung des Festes gethan.
Aus Bayern. In den obecbayerischen Bergen liegt eine ungeheure Masse Schnee. In der Jachenau hat sich ein Bauer von seinem ganz eingeschneuten Hause zwei Gänge unter dem Schnee gegraven; der eine führt zur Kirche, der andere zum Wirthshause.
Leipzig. Am Abend des 11. d. passirte auf der Tour von Berlin nach München ein Extrazug mit vier verschlossenen Wagen und kostbarer Ladung bier durch. Die Wagen entgielten 37,600 Pfd. in Gold- und Silber⸗ barren und geprägtem Salber.
Berlin. Als in diesen Tagen— so berichtet die Trivüne— ein in der Bernburger Straße wohuhafler Adjutant des Kronprinzen mit seiner Gemaplin seine Wohnung verlassen, klingelte es au derselben, worauf der einzige sort auwesende Diener öff eie. Zwei fein ge⸗ kleideie Herren traten ein und begehrten die Herrschaft zu sprechen. Als ihnen gesagt wurde, dieselbe sei nicht zu sprechen, baten sie um Papier und Feder. Der Diener öffnete ein Zimmer, wurde aber nunmehr von den Ein- getretenen überfallen und chloroformirt. Die Räuber baben unter anderen Werthgegenständen auch eine goldene Uhr, die auf der Rückteite das Bildniß des Kronprinzen trägt(ein Geschenk desselden) nebst starker goldener Kette, sowie ein Packet Coupons entwendet.
Metz. Die„Zeisung f. Deutsch⸗Lolbringen“ erzählt Folgendes von zwei Hyänen des Schlachifeldes: Schon seit längerer Zeit beklagten sich die Bewohner jener Ort— schaften, in deren Nähe die gefallenen Thiere und Menschen
massenweise beerdigt liegen, daß Gräber sich Nachts öffnen
2
klärte auf von hiest
dürste we Herten lassen l —
90% U Jehung
12 Frein meindewa! sorümente
8 2
Fa 1 Die soll ein de geeigneter vrrsteiger
Rei


