Ausgabe 
14.3.1872
 
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mit enthuslastischem Beifall aufgenommene Reden. Viele neue Einzeichnungen fanden statt. Stuttgart. DerSchwäbische Merkur entbält ein Privattelegramm aus Genua, wonach Mazzini am verflossenen Sonntag Nachmittag zu

Pisa gestorben ist.

Ausland.

Oesterreich. Linz. Den Rieder Altkatho⸗ liken wurde, derDtsch. Zig. ufolge, die öffent- liche Abhaltung ihres Gottes dienstes wieder gestattet.

Pest. Der Compromiß zwischen der Regierung und der Linken über die Novelle zum Wahlgesetz ist nicht zu Stande gekommen, da die Linke auf ihrem Standpunkte beharrt. Der hiesigeLloyd erklärt, daß der Gedanke einer Auflösung des Reichstags ins Auge gefaßt werden müsse.

Schweiz. Bern. Die Tessiner Regierung erklärt sich zu der von Rom beantragten Conferenz behufs Regelung der kirchlichen Verhältnisse Tes⸗ sins bereit.

Frankreich. Paris. Die mit der Prüfung der neuen Handfeuerwaffe und der Vergleichung der verschiedenen Gewehrmodelle betraute Com- mission hat sich für Beibehaltung des Chassepot ausgesprochen, nicht ohne jedoch drei verschiedene Aenderungen am Verschluß des jetzt gebräuchlichen Gewehres beantragt zu haben. Die verschiedenen Waffenfabrilen sind benachrichtigt worden, daß sie demnächst vom Kriegsministerium große Bestel⸗ lungen auf die so modificirte Schußwaffe erhalten werden. Ueber die Stimmung in der Armee sagt ein Correspondent derKöln. Ztg:Sehr bemerkenswerth ist, daß in der Infanterie die Soldaten und Unteroffiziere republikanisch gesinnt sind, während im Allgemeinen die Offiziere bona partistisch sind. Anders ist es bei den Cavalerie⸗ regimentern: da sind die Soldaten größtentheils bonapartistisch und die Offiziere, welche meistens Adelige und reiche junge Männer sind, gehören der legitimistischen oder orleanistischen Partei an. In der Artillerie und dem Geniecorps sind unter den Offizieren alle Parteien vertreten. In der Marine⸗Infanterie herrscht die republikanische Ge sinnung vor. Manche Offiziere dieses Corps sind Orleanisten, die Bonapartisten aber sind darin wenig zablreich. Das Kaiserthum ist bei der Marine niemals beliebt gewesen; der Prinz von Joinville batte dort gute Erinnerungen hinter lassen, die sich traditionell erhalten haben.

Ein den bhiesigen Zeitungen zugefertigtes officielles Communiqué erklärt die vomCourrier de la France gebrachte Nachricht von Unruhen in den französischen Besitzungen von Cochinchina für unbegründet und fügt hinzu, daß daselbst voll⸗ kommene Ruhe und Ordnung herrsche; die gegen wärtig dorthin abgesandten Truppen seien nur

bestimmt, die dort stehende Garnisen, deren Aufent- haltezeit abgelaufen sei, abzulösen; auch werde nicht beabsichtigt, die Zahl der französischen Truppen in Cochinchina zu vermehren.

Italien. Rom. Der König hat dem Prinzen Friedrich Karl von Preußen für seine Reise nach Sicilien eine Fregatte zur Verfügung gestellt.

Gutem Vernehmen nach wird die Regie- rung von der Kammer demnächst die Bewilligung von einer halben Million Frances für die Wiener Welt⸗Ausstellung verlangen. DieEconomista theilt mit, daß zwischen der französischen und italie nischen Regierung wegen Herstellung zweier inter- nationalen Bahnhöfe auf der Mont-Cenis-Bahn in Modane und Ventimiglia eine Convention ab geschlossen sei.

Eine Anzahl Deputirte aus allen Fractionen der Kammer stellen den Antrag, die Kammer möge ihren lebhaften Schmerz anläßlich des Todes Mazzini's ausdrücken. Der Antrag wird ein- stimmig angenommen, nachdem der Präsident die Verdienste Mazzini's als Schriftsteller und Patriot, sowie als eifriger Beförderer der Einheit und Unabbängigkeit Italiens hervorgehoben hat.

Türkei. Konstantinopel. Prinz Friedrich Karl von Preußen wird hier erwartet. Der Sultan ließ ein Palais zu seiner Aufnahme vor bereiten und will ihm als seinen Gast behandelt sehen.

Amerika. Washington. Das behufs Untersuchung des Waffen verkaufs an Frankreich erwählte Senatscomite besteht aus sechs Republi kanern, die der Administration günstig sind, und einem Demokraten. Der Senat hat sich geweigert, Karl Schurz zum Mitglied des Comites zu er- nennen; er wird demselben indessen gestatten, bei den Verhandlungen zugegen zu sein und Zeugen zu verhören.

Asien. Aus Japan werden noch immer barbarische Verfolgungen der eingeborenen Christen gemeldet, zumal von Nagasaki lauten die Nach; richten geradezu haarsträubend. Der Prinz von Saga ist dort der Haupthetzer, während Ewakura, ein hoher Beamter vom Hofe des Mikado, die Oberaufsicht über die Torturen führt. 2000 Personen sollen verurtheilt sein und Ewakura läßt sie abtheilungsweise umbringen. An Stelle des Todes durch Kreuzigung und langsames Sieden sind andere Grausamkeiten getreten; die Aermsten müssen verhungern, werden ohne Tageslicht und ohne Kleidung eingekerkert, unbekleidet und mit gebundenen Gliedmaßen auf gefrorenen Teichen ausgesetzt, oder aber man zwängt ihnen brennende Kohlen in den Mund. Ein in Nagasaki erscheinen⸗ des Blatt sagt, die auswärtigen Consuln hätten bereits ihren respectiven Regierungen Mittheilung von diesen Vorfällen gemacht und zumal das Ein- schreiten der britischen Regierung werde erwartet.

» Frankfurt. Das früher dabier in der Gallus⸗ gasse befindlich gewesene zooplastische Cabinet von Lewen halte sich großer Gunst des Publicums zu ersteuen und mit Bedauern sah man dasselbe vor Jahren eingehen. Um so erfreulicher wird darum für viele Natur- und Kunst⸗ freunde die Mittheilung sein, daß seit Kurzem Herr Lewen ein zooplaßisches Museum auf der Bockenheimer Landstraße eröffnet hat. Dasselbe hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens die Theilnahme unserer Bevölkerung in hobem Grade erworben, was sich durch einen lebhaften Zuspruch kundgibt. Wir glauben, auch in weiteren Kreisen auf den Besuch dieses interessanten Instituts, dessen ganzes Arrangement Zeugniß ablegt von der bewundernswerthen Meisterschaft des Herrn Lewen, aufmerksam machen zu sollen. Ueberraschend sind besonders die lieblichen und treuen Formationen der sog. kleinen Jagd, die Hasen, Rebhübner ꝛc., die feinen Race⸗Jagdhunde(ein pracht⸗ volles Exemplar hat Prinz Karl von Preußen geschenkt), deren Spürtalent förmlich sichtbar gemacht ist.

Frankfurt. Dieser Tage kamen unter militärischer Begleitung eine Anzahl kriegsgefangener Franzosen, welche theils wegen gemeiner Verbrechen, theils wegen Insub⸗ ordination zu größeren Freiheitsstrafen verurtheilt waren, hier durch, um in Nancy, nachdem sie vom Kaiser be gnadigt waren, an die französische Militärbehörde ausge liefert zu werden.

Frankfurt. Kaum hat man sich etwas über die Katastrophe in der Judengasse beruhigt, so ist am 12. d. Vormittags abermals ein Unfall, wenn auch von ge⸗ ringeren Dimensionen, vorgekommen. Auf dem Roß⸗ markt stürzte ein Stück des im Bau begriffenen Canals ein und verschüttete mehrere Arbeiter. Ein Mann wurde herausgezogen und 2 werden noch vermißt.

Mainz. Der Tpürmer des Stephansthurmes wurde durch die Geburt von Drillingen erfreut, mit welchen ihn seine Gattin beschenkte. Die drei hochgebornen Kin der, 2 Mädchen und 1 Knabe, befinden sich im besten Wohlsein.

Verloos ungen.

Brüsseler 100- Frs. ⸗Loose von 1862. Bei der am 1. d. stattgefundenen Ziehung fielen auf folgende Nummern höhere Gewinne: auf Nr. 201256 40,000 Frs., auf Nr. 241670 5000 Frs., auf Nr. 10028 53873 und 106926 je 1000 Frs., auf Nr. 96982 104762 112228 122995 215343 228731 233112 und 247737 je 500 Frs., auf Nr. 41691 231 Frs. Die Zahlung erfolgt am 1. Juni.

Augsburger Loose. Von den am 1. Februar gezogenen 15 Serien des Lolterie-Anlehens der Stadt Augsburg sind folgende Gewinne gefallen: Auf Serie 1173 Nr. 21 7000 fl., S. 1002 Nr. 87 500 fl., Serie 2074 Nr. 65, S. 704 Nr. 61 und Nr. 2, S. 224 Nr. 2 je 100 fl., S. 224 Nr. 28, S. 1002 Nr. 67, S. 704 Nr. 12, Nr. 48 und Nr. 97, S. 1645 Nr. 52, S. 1173 Nr. 3, S. 1867 Nr. 73, S. 2074 Nr. 88 und Nr. 19 je 50 fl., S. 539 Nr. 5 und 65, S. 224 Nr. 7 und Nr. 14, S. 1002 Nr. 6 und Nr. 75, S. 1939 Nr. 5 und Nr. 16, S. 59 Nr. 95, S. 2024 Nr. 7, S. 679 Nr. 20 und Nr. 65, S. 1173 Nr. 10 und Nr. 83, S. 704 Nr. 14 und Nr. 23, S. 1645 Nr. 9. S. 903 Nr. 1. S. 1173 Nr. 83, S. 1867 Nr. 17 je 30 fl. A alle übrigen in den gezogenen Serien enhaltenen und hier nicht besonders aufgeführten Anlehensscheine entfällt ein Gewinn von je 8 fl.

Neapeler 4/procentige Stadtanleihe von 1868(150 Francs-Loose). Ziehung am 1. März 1872. Nr. 5951 25,000 Fr., Nr. 27477 1000 Fr., 23727 21375 15469 je 430 Fr., Nr. 87206 104844 125217 80803 je 300 Fr., Nr. 71060 06817 158234 9643 27134 86301 9834 22883 113903 77702 79779 je 250 Fr.

Vergebung von Bau⸗- Arbeiten. 701 Die zur Unterhaltung des neuen Badhauses zu Bad⸗ Nauheim für das Jahr 1872 vorgesehenen, nachßehend verzeichneten Arbeiten sollen auf dem Sub⸗ missionswege vergeben werden. Diese sind veranschlagt:

Maurerarbeit 342 fl. 43 kr. Zimmerarbeit 106 31 Schreinerarbeit 675 89 Schlosserarbeit e Welßbinderarbeit I Mechanikerarbeit 145 30 Kupferschmiedarbelt 450

Voranschlag und Accordebedingungen liegen auf unter⸗ zeichnetem Kreisbauamt zur Einsicht offen. Die Offerten, welche die Abgebote nach Prozenten der Voranschlags⸗ summe enthalten müssen, sind späteftens bis Samflag den 16. März 1872, Vormittags 10 Uhr, daselbst ver⸗ schlossen und mit der AufschriftSubmission zur Ueber⸗ nahme der... Arbeiten am neuen Badhaus zu Bad⸗ Nauheim abzugeben.

Friedberg am 9. März 1872.

Großherzogliches Kreisbauamt Friedberg. Re u 5

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525 in Originalfässeen von circa 3 Centnern, à fl. 32. per Centner, ist angekommen bei

Wilh. Fertsch.

711 Ich suche für mein Geschäft einen Lehrling, welcher sofort guten Lohn erhält, sowie einen jungen Mann, welcher an elner Maschine beschäftigt wird.

May, Kammmacher.

Güter⸗Versteigerung.

718 Montag den 18. März d. J., Vormittags 11 Ubr,

sollen in hiesigem Rathhanse auf freiwilligen Antrag die den Kaufmann und Baruch Grödel's Erben in den Gemarkungen Friedberg, Jauerbach und Ockstadt zustehenden Güterftücke

Flur. Nr. Klfir. 4. 7. 141. Acker am Sodenweg, 4. 55. 119. im Ellern, 1. 14. 267. am Holderbusch, 4. 93. 409. obig dem Dienheimerpfad, 5. 125. 302. Acker an der Wüstung, 10. 69. 166. Grabgarten an der Burg Fried⸗

berger Grenze, erbabthetlungshalber nochmals öffentlich meistbietend verstetgert und bei annehmbaren Geboten den Letzt⸗ bietenden die Genehmigung alsbald ertheilt werden. Friedberg den 12. März 1872. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Fouc ar.

Atpfel und Dirnen,

275 Zwetschen, Mirabellen, Pflaumen zu 30, 36, 24 kr. per Stück, 50 fl. per 100 Stück. Aepfelpflanzungen für Gemeinden werden unter Garantie übernommen. Rosen, hoch, halbhoch und niederstämmig ver Stück 36, 30, 24 kr., per 100 Stück 40 fl. Baumschule von Steinfurtb bei Bad- Nauheim.

Ein gewandtes Mädchen

729 wird für eine kleine Haus haltung zum sofortigen Eintritt gesucht. Näheres zu erfragen bei der Exp. d. Bl.

in der Oberförsterei Münzenberg. 717 Dienstag den 19. März d. J. sollen folgende, dem Großberzoglichen Forftfiscus in der Mark Rocken⸗ berg und Opperohofen gehörende Holzsoctimente öffent⸗ lich versteigert werden:

1) 558 Meter Buchen Scheitholz,

Prügelhbolz,

3) 4470 Buchen⸗Wellen. Zusammenkunft Vormittags 10 Ubr in der Aue. Arnsburg am 10. März 1872.

Großherzogliche Oberförsterei Wünzenberg. Stumpf.

Jagd Verpachtung.

716 Dienstag den 26. März d. J., Mittags 1 Uhr, soll auf dem Bürgermeisterbüreau zu Utphe die Jagd in der Gemarkung Feldheim, welche am 15. Februar d. J. leihfällig war, auf weitere 6 Jahre verpachtet werden.

Pachtliebhaber werden bierzu eingeladen.

Utphe den 11. März 1872.

Großherzogliche Bürgermeistere Utphe für die Gemarkung Feldheim.

Fi Ef nig e v.

569 Für Anfang April l. J. ist in einem größeren Fabrikgeschäft in Frankfurt a. M. eine Lehrlingsstenle zu besetzen und zwar auf dem Comptoic, woselbst dem Betreffenden Gelegenheit geboten ist, sich mit allen Compioirarbeiten vertraut zu machen und Kenntnisse in dem Metallfach zu erwerben. Eine jäbrlich stetgende wöchentliche Vergütung wird geleistet. Frankirte Offerten unter Nr. 509 besorgt die Exp. d. Bl.

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