Deutsches Reich.
Darmstadt.(Postdienstliche Personal- Nachrichten.) Zu Postsecretären sind ernannt worden: die Postpractikanten Mittler in Mainz, Spenke in Bingen, Venus und Ebert in Gießen. Zu Postagenten sind ernannt worden: Die Postexpediteure Rau zu Großen Bnuseck, Kugelmann in Heidesheim, Werner zu Bischofsheim, Fleck in Nackenheim und Hammer in Biebesheim, sowie der Kaufmann Avemarie in Arheilgen und der Rentner Müller in Nieder- Flörsbeim.— Versetzt wurden: Die Postsecretäre
Schmitt von Gießen nach Alzey, Kriegbaum von Mainz nach Darmstadt, Kratz von Darm- stadt nach Cöln, der Postamtsassistent Lebmann von Dieburg nach Leipzig, der Postamtsassistent Röbr von Oppenheim nach Waldenburg in Sachsen, die Postpractikanten Röder von Alzey nach Oppen⸗ heim, Wirtich von Worms nach Dieburg, Lauer von Gießen nach Darmstadt, Ebert von Leipzig und Venus von Stollberg nach Gießen 7 Spenke von Wurzen nach Bingen.— Bestätigt wurden: Georg Coburg als Briefträger bei dem Kaiserlichen Postamte in Gießen und Johann Höres als Packetbesteller bei dem Kaiserlichen Postamte in Mainz.
— Den Ständen soll in Kürze eine Vorlage behufs Verwilligung der auf angeblich 12,000 fl. veranschlagten Kosten des Zusammentritts der Dekanatssynoden bezw. der Landessynode der evangelischen Kirche unterbreitet werden.
Berlin. Die„Provinzial-Correspondenz“ bespricht die jüngste Vereinbarung mit Frankreich und hebt hervor: Keineswegs sei der Wunsch, früher in den Besitz der Kriegecontribution zu gelangen, für Deutschland bestimmend gewesen, sondern allein die Ueberzeugung, der Wunsch und das Anerbleten Frankreichs seien ein Anzeichen und eine Bürgschaft seiner friedlichen Politik. Frankreichs Anträge konnten nur durch friedliche Absichten begründet sein. Die deutsche Regierung hielt es daher für ihre Pflicht, mit einer auftich tigen Friedenspolitik den französischen Anträgen soweit entgegenzukommen, als die Fürsorge für die Sicherung der eigenen Interessen ee irgend gestattete.
— Bekanntlich befinden sich bei denjenigen Truppen, welche zu der Occupationsarmee gehören, noch eine Anzahl solcher Mannschaften, welche bei Friedenszuständen schen dem Reserveverhältniß an— gehören. Auch eine größere Anzahl von Reserve⸗ Offizieren befinden sich noch bei jenen Truppen⸗ theilen. Wie der„B. B.⸗C.“ hört, liegt es in der Absicht der Militärverwaltung, demnächst diese Offiziere und Mannschaften in die Heimath zu entlassen und die Stärke der einzelnen Regimenter, welche gegenwärtig noch zur Occupationsarmee gebören, um die Zahl der zu entlassenden Offi⸗ ziere und Mannschaften zu verringern.
— Unter dem Titel„Der deutsch⸗französische Krieg 1870— 71“ ist jetzt das erste Heft der vem Großen Generalstabe bearbeiteten Geschichte des Krieges erschienen. Dasselbe umfaßt die Ereig- nisse im Juli und zerfällt in vier Abtheilungen: 1) Einleitung, 2) die französische Armee. Ihr Operationsplan und Aufmarsch, 15.— 31. Juli. — 3) die deutschen Armeen. Ihr Operations- plan und Aufmarsch bis zum 31. Juli.— 4) Die Ereignisse zur See bis zum 31. Juli.
— Nach allgemeiner Anordnung soll nunmehr der Unterricht im Turnen in den öffentlichen Volksschulen überall, wo ein zu dessen Ertheilang befähigter Lehrer sich findet, betrieben werden. Die Schulvorstände sind deshalb veranlaßt worden, Lehrern, welche zum Turnunterricht besonders be- fähigt und die ihren Körper- und Gesundheits⸗ verhältnissen nach hierzu geeignet erscheinen, behufs ihrer Ausbildung zur Ertheilung des Turnunter⸗ richts jede mögliche Gelegenheit zu bieten, sich an den in den Schullehrer-Seminarien eingerichteten Turncursen zu betheiligen.
— Der„Reichsanzeiger“ publicirt das Gesetz, betreffend die Ausschließung des Jesuitenordens vom deutschen Reich, ferner die Ausfährungsver— ordnung, wonach den Jesuiten die Ausübung jeder Ordensthätigkeit, namentlich in der Kirche und
sagt wird. Die Auflösung der Ordensnieder⸗
lassungen binnen sechs Monaten wird angeordnet.
Sonstige Anordnungen werden der Landespolizei überwiesen.
— Es ist für die Ausführung der Erweite ⸗ rungsbauten an der Festung Straßburg eine besondere Behörde ernannt worden, die den Namen „Kaiserliche Inspection der Festungs⸗ Neubauten in Straßburg“ führt und die unter der speciellen Leitung des für diese Festungsbauten bestimmten Obersten Klotz vom Ingeniercorps steht.
München. Durch Cultus ministerialrescript wurden die Kreisregierungen aufgefordert, im Ein⸗ vernehmen mit den Gymnastalrector aten diejenigen Persönlichkeiten in Vorschlag zu bringen, welche geeignet seien, den Geschichtsunterricht in den
ymnasien zu übernehmen, der von nun an an keiner Studienanstalt mehr confessionell geschieden ertheilt werden soll.
Ausland.
Oesterreich. Innsbruck. Während die Regierung noch vor Kurzem die Wahl eines Universitäts⸗Rectors für 1872/73 aus der mit Jesuiten besetzten theologischen Facultät blos einst— weilen suspendirt und bis zur endgültigen Ent— scheidung die weitere Function des bisherigen Rectors angeordnet hatte, kam neuerdings ein gegentheiliger Erlaß, den Rector geradezu mit Uebergehung der theologischen Facultät definitiv aus der zunächst an vie Reihe kommenden juristischen Facultät zu wählen.
Wien. Neuerdings verlautet auf das Be— stimmteste, der Kaiser werde auf seiner Reise nach Berlin von der Kaiserin, sowie von den Ministern Andrassy, Kuhn, Auersperg und Lonyay begleitet werden.
Franktrei h. Paris. Aus den Papieren des französischen Kaiserreichs ist ein recht werth⸗ voller Fund noch ausgegraben worden, eine Ordre an sämmtliche Präfecten des Landes, von Persigny am 26. Sept. 1861 erlassen, die also lautet: (Sehr vertraulich und für den Präfecten allein bestimmt.) Mein Vorgänger, der Herzog von Padua, hat ihnen durch Circular vom 6. Juni 1850 die Maßregeln vorgezeichnet, die zu er⸗ greifen sind, falls ein verhängnißvolles unvorher⸗ gesehenes Ereigniß den Uebergang der kaiserlichen Gewalt auf den kaiserlichen Prinzen unter dem Namen Napoleons IV. zur Folge hätte. Indem ich diese Instruction, die in Abschrift anbei folgt, bestätige, glaube ich sie durch folgende Anweisungen ergänzen zu sollen: Sofort nach Empfang dieses meines Schreibens haben Sie eine Liste aller ge— fährlichen Persönlichkeiten aufzustellen, welcher politischen Meinung und weß Standes sie auch seien. Die Liste werden Sie sorgfältig durchgehen und in ihr alle die Personen aufzeichnen, die, sei es für Rath, sei es für That, von Bedeutung zu sein scheinen, so daß sie im gegebenen Momente als Sammelpunkt eines Widerstandes auftreten oder gar an die Spitze eines Ausstandes sich stellen könnten. Sie werden dann persönlich Verhaft— befehle ausfertigen und unterzeichnen gegen jede der auf Ihrer Liste verzeichneten Personen, damit auf den ersten Befehl, der Ihnen zugeht, unmittel- bar und ohne eine Minute Zeitverlust zu deren Verhaftung geschritten werden kann. Die von Ihnen entworsene Liste haben Sie mir mitzu— theilen und allmonatlich dieselbe zu revidiren, so⸗ wie die auf dieselbe bezüglichen Haftbefehle.— Eine zweite Ordre ist beigefügt, sie sagt, daß Orleanisten, Republikaner, Legitimisten kategorien; weise in jener Liste aufzuführen sind, daß all die Personen einer steten Beaussichtigung zu unterwerfen sind, daß die Präfecten unter sich über die geeig⸗ netste Verhaftungsart sich verständigen und vor weg für genügende Gefängnißräume sorgen sollen. — Das ist ein Lichtstrahl auf die letzten zehn Jahre des Kaiserreiches, vor dem die Augen über— gehen. Es wird nicht zu gering gerechnet sein, wenn man annimmt, daß Hunderttausende im Lande diese ganze Zeit über, ohne davon zu ahnen, Tag und Nacht den Häscher an der Thür, den Fuß auf des Gefängnisses Schwelle gehabt haben.
Versailles. Die Butget⸗Commission nahm
Schule, sowie die Abhaltung von Missionen ver—
die Mittheilung Thiers' bezüglich der Anleihe ent⸗
gegen. Derselbe sagte, daß das Kapital sich der Anleihe in bedeutendem Umfange zuwende. Er bezeugte ein großes Vertrauen in deren Erfolg und fügte hinzu, daß das Datum der Anleihe
ein nahes sei. Die Banquiers würden auf dem Fuße der Gleichheit mit den andern Subscribenten behandelt. Bezüglich der Form und des Emissions⸗ courses der Anleihe bewahrte er Stillschweigen.
Italien. Rom. Die amtliche Zeitung veröffentlicht ein Rundschreiben des Ministerpräsi⸗ denten an die Präfecten, in welchem diese aufge⸗ fordert werden, Angesichts des Entschlusses der Theilnahme an den Wahlen Seitens der klerikalen Partei, welche mit antinationalen und freiheits⸗ mörderischen Ideen in den Kampf eintrete, auf eine Wahlbetheiligung aller freien Bürger hinzu— wirken, nicht etwa, um den Feinden der Einheit und Freiheit Italiens den Sieg streitig zu machen, den sie nie erringen würden, sondern zum Beweise, daß die ungeheure Majorität bereit sei, das Recht der Nation zu vertheidigen und die Bemühungen der Partei zu Schanden zu machen, welche unter dem Vorwande der Religion die weltliche Gewalt wieder erobern möchte, die sie zum allgemeinen Heile für immer verloren habe.
A. Aus der Wetterau. Die am 29., 30. Jun und 1. Juli l. J. zu Bad⸗Nauheim durch den Mlliel. deutschen Gartenbauverein veranstaltete Rosenausstellung') bot des Schönen und Interessanten viel und war das glückliche und geschmackvolle Arrangement insbesondere den feinen Verständniß des Herrn Garten-Inspectors Sins mayer und Hofgarten⸗Directors Geiger zu verdanken, der die ihm hier zu Gebote stehenden Kräfte und Mittel bereitwilligst dem schönen Unternehmen widmete.— In der bei dieser Gelegenheit am Eröffnungstage der Rosen⸗ Ausstellung abgehaltenen Geueralversammlung des Vereins kam unter Anderem die Frage in Anregung, ob dieser Verein dem rheinischen Gartenbauvereinsverbande beitreten solle, oder nicht. Diese Frage veranlaßte den Vorsitzenden des Frankfurter Gartenbauvereins Herrn Dr. Rudolph Jäger, welcher als Preisrichter zur Rosenausstellung zugezogen worden war, einen Vortrag über die Eulstehung, den Zweck und die Bedeutung der Gartenbauvereine und der Garienbauvereinverbände zu halten. In meisterhaft klarer und gewandter Rede verbreitete sich Herr Pr. Jäger darüber, wie die Gärtnerei, die in unserem Vaterlande lange Zeit sich nicht über den gewerbmäßigen Veirteb und allenfalls die Nachahmung des aus benachbarten Ländern, in denen die Gartenkunst voran war, Gebotenen, erhoben hälte, auch bei uns zu einer Kunst und Wissenschaft sich ausbilden müsse, das sei schon vor Jahren als ein Bedürfniß empfunden worden, denn abgesehen davon, daß mit Hebung der inländischen Gärtnerei das Kapital, das früher nach Frankreich und anderen Ländern für Gartenerzeugnisse ging und bis jetzt zum Theil noch geht, dem Lande erhalten bliebe, würde durch den wissenschaftlichen und künstlichen Beirieb der Gärtnerei eine schöne, nützliche und gewinn⸗ reiche Thätigkeit gefördert. Deßhalb wären in den letzien Jahrzehnten an verschiedenen Orten Gartenbauvereine ge gründet worden, und diese bätten es sich zur Aufgabe gemacht dulch Ausstellungen, Preisvertheilungen, Herank bildung von Gärinern ꝛc. die Gartenkunn in engeren Kreisen zu der erwünschten Stufe zu erheben. Der darn zum segensreichen Wirken in weneren Kreisen nöthige Austausch der an rerschiedenen Okten gemachten Erfah— zungen habe zu den Gartenbauvereinvervänden gesühr, und so stehe als einer derselben dann beute der rheinische Gartenbauvereinverband, dassen Präsidium abwechselnd in Mannheim, Frankfurt und Darmstadi seinen Sitz habe, als ein Institut von bedeuiender Wirksamkeit da, und habe schon schöne Früchte seiner Thäuigkeit geerntet. In diesem Vereinverbande würde die Sclöststäudigkein und Wu kam keit der einzelnen Gartenbauvereine durchaus nicht bes jchräukt, sondern dieselben würden lediglich gefördert dadurch, daß im Verbande ihnen durch Beschickung der großen Ausstellungen, Mittheilung von Blätiern ꝛc. Gel- genheit gebolen wird, ihren Wirkungekleis zu einem immer ges segneteren zu machen. Hiera af schloß der Redner mit der Versicherung, daß jeder einzelne Gartenbauverein, der si. die Hebung der inländischen Gärtnerei zu seiner Aufgabe mache, mit offenen Armen in den Vereinverband aufge⸗ nommen werde. 5
A. C. Darmstadt, 8. Juli. In der heutigen zweilen Sitzung der Generalversammlung der Gesellschaf! für Verbreitung von Volksbildung, welcher wieder Prinz Ludwig von Hessen und Mintster v. Bech old beiwohnten, wurde zunächst eine aus 5 Mitgliedern be⸗ stehen be, in Berlin ansä sige Revisionscommission, welche das Recht der Coopfalion besitzt, ernannt. um die Gesell⸗ schastsrechnungen des vergangenen Vereinsjahres zu prüfen. Dieser Commission wurde auch später nach Abänderung des Slatuts dasselbe Mandat für die Rechnungen dieses Jahres geheben.— Den ersten Punkt der heutigen Tages- ordnung bildete ein Antrag auf Revision der Statuten. Bei 5. 1 der Statuten wird auf Antrag von Seiffart
„) Wir müssen bedauern, daß uns ein in Aussicht gestellter Bericht über die Rosen⸗Ausstellung und das landwirthschaftliche Fest zu Nau eim bis heute nicht zu⸗ gegangen ist. Die Red.
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