Ausgabe 
12.3.1872
 
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Summen für Besoldungen und Kanzleikosteu werden gewährt, zugleich aber an großh. Regierung das Ersuchen gerichtet, verschiedene Stellen, z. B. bei der Flußbau⸗ ꝛc. Casse, der Ober Steuer- Direction u. s. w. eingehen zu lassen, sowie bei sich demnächst ergebenden Dienstveränderungen auf umfänglichere Reduction der Oberforst- und Do- mänen- Direction, in so lange die gegenwärtige Organisation besteht, Bedacht zu nehmen. Abg. Dumont stellte den Antrag, die Staatsregierung zu ersuchen, die Oberbau Direction ganz aufzu- heben. Bei der Abstimmung wurden die von der Regierung geforderten Summen bewilligt und der Dumont'sche Antrag verworfen. Ferner wurde bei der Bewilligung für die Rentämter die Re gierung wiederholt ersucht, einen neuen Organi- sationsplan der Rentämter zum Zweck ihrer Ver⸗ minderung und Ersparniß an Kosten vorzulegen, eventuell die Rentämter ganz einzuziehen, die Gelderhebung den Districtseinnehmern, die Ver⸗ waltung der Cameralgüter aber den Oberförstern zu übertragen. Auch bei den Besoldungen der Forstmeister wurde die Regierung ersucht, auf weitere Verminderung der Forstmeisterstellen bis zur absolut nothwendigen Anzahl Bedacht zu nehmen. Nach cinem Antrage der Abgg. Hofmann von Dieburg und Haberkorn wurden jedem Ober förster, der gezwungen ist, ein Dienstpferd zu halten, eine Vergütung für dasselbe von 300 fl. gewährt. Die Regierung beantragte, für jeden Forstschützen 1. Classe 444 fl., 2. Classe 400 fl., 3. Classe 360 fl. zu bewilligen. Nach Antrag der Abgg. Backe und Dernburg gewährte man den Forstschützen 1. Classe 480 fl., 2. Classe 440 fl. und 3. Classe 400 fl. ais Besoldung. Das Ersuchen, durch Vereinfachung in den Ge schäften auf eine Verminderung des Personals hinzuwirken und eine hierauf bezügliche Vorlage den nächsten Ständen zu machen, wiederholte sich auch bei dem Etat der Distriets⸗Einnehmereien.

8. März. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer wurden die Besoldungen der Be⸗ amten bei den Hauptsteuerämtern, bei den Neben- zollämtern, bei den Salzsteuerämtern, bei der Hauptstempelverwaltung, für die Hypothekenbewahrer in Rheinhessen, für die Ortscinnehmereibeamten und für die Brückenzollbeamten u. s. w. ohne Debatte bewilligt. Bei Genehmigung der Kosten zur Unterbaltung der Staats- und Pervinzial- straßen nahm die Kammer den Antrag der Abgg. Curtman und Keil von Melbach an;die Regie rung zu ersuchen, durch genaue Untersuchung er mitteln zu lassen, welche Vieinalstraßen sich durch große Frequenz auszeichnen, und den betreffenden Gemeinden Subventionen zu Theil werden zu laffen.

Nach dem Reichsanzeiger wurden Schäfer, Seconde⸗ Lieutenant vom 2. Gr. Inf.⸗Regiment (Großherzog) Nr. 116, in das Ostfries. Inf. Regt. Nr. 78 versetzt, Walter, Kanonier vom Gr. Art.⸗Corps, zum Porteépér⸗Fähnrich befördert, Schulze, Garnison⸗Verwaltungs-Inspector von Hofgeismar nach Darmstadt versetzt.

Der Privatdocent bei der philosophischen Facultät der Landes- Universität Dr. Max Joseph Höfner wurde zum außerordentlichen Professor bei der genannten Facultät ernannt; ferner ist der mit der Verwaltung des Kreises Offenbach beauf tragte Kreisassessor Ludwig von Grolman zum Kreisrath des Kreises Offenbach ernannt worden.

Berlin, 8. März. Herrenhaus. Special debatte über das Schulaufsichtsgesetz. Der erste Paragraph wird in der Commissionsfassung bei namentlicher Abstimmung mit 126 gegen 75 Stim- men abgelehnt und alsdann in der Fassung des Abgeordnetenhauses mit großer Majorität genehmigt, nachdem Borries und Kleist⸗Retzow gegen das Gesetz gesprochen hatten, Graf Eulenburg aber dasselbe befürwortet und der Cultusminister wieder holt die Verfassungsmäßigkeit ves Gesetzes darge than und nachgewiesen hatte, da das Anrecht der Kirche auf die Schule durch das Gesetz nicht alterirt werde. Die§§. 2, 3 und 4 werden in der Fassung des Abgeordnetenhauses mit großer Majorität und hierauf das ganze Gesetz bei namentlicher Abstimmung mit 125 gegen 76 Stim- men angenommen. Der Autrag des Grafen Brühl,

das Schulaussichtsgesetz als eine Verfassungsände⸗ rung zu betrachten, wird abgelehnt. Die nächste Sitzung findet am Samstag statt. Abgeord netenkammer Sitzung. Der Gesetzentwurf, be treffend die Todes- Erklärungen von Personen, welche am Kriege von 1870 und 1871 Theil nahmen, wird angenommen.

Der Handelsminister erklärt im Abgeord; netenhaus, daß er die Interpellstion Elsner's, ob die Regierung beabsichtige, den Bau einer directen Eisenbahn Berlin-Frankfurt a. M. in die Hände einer Privatgesellschaft übergehen zu lassen, in acht Tagen beantworten werde.

Dresden. Die zweite Kammer beschloß, dem Antrage ihres Ausschusses gemäß, und zwar mit 53 gegen 17 Stimmen, den Religions-Unter richt in der Volksschule auf wöchentlich drei Stunden zu beschränken.

Karlsruhe. In der Abgeordnetenkammer interpellirte Eckhard die Regierung wegen ihrer Stellung zur Altkatholikenfrage, insbesondere 1) ob sie etwaige altkatholische Priester im Genuß ihrer Pfründen und ihrer Amtsverrichtungen zu schützen gedenke; 2) ob die Regierung etwaigen altkatho⸗ lischen Gemeinden Rechtsschutz gewäbren wolle, z. B. durch Ueberlassung von Kirchen; 3) ob sie am obligatorischen Religions-Unterricht auch dann festhalte, wenn die Eltern solchen von infallibi⸗ listischen Geistlichen für ihre Kinder verschmähen. Staatsminister Dr. Jolly erwidert: Die Regie rung habe durch Erlaß vom September 1870 erklärt, daß sie den Beschlüssen des vaticanischen Concils keinerlei staatsrechtliche Geltung zuerkenne, sie seien für die Staatsregierung nicht existirend. In Folge dessen antworte er ad I. und II. ein- fach mitJa, ad III. mitNein.

Die Abgeoronetenkammer genehmigte mit großer Majorität den von den Abgg. Schmidt und Genossen gestellten Antrag, die Regierung wolle eine genaue Untersuchung aller im Lande bestehen⸗ den älteren Lehr- und Erziehungs⸗Institute klöster licher Art, sowie der in den rerschiedensten Formen neu entstandenen klösterlichen Anstalten und Ein richtungen veranlassen und das Resultat dem nächsten Landtage vorlegen.

Straßburg. Von der Kriegsentschädigung wurden wieder 350 Millionen Fr. dahier an die deutsche Regicrung gezahlt.

In der Gemeinderathssitzung vom 16. Febr. kam auch die Schulfrage zur Sprache. Es wurden bei dieser Gelegenheit einige rückschauende Mit; theilungen über den Stand des Schulbesuches ge geben. Daraus ergibt sich, daß jetzt 800 Kinder die hiesigen Schulen besuchen, welche früher nicht zur Schule gegangen sind.

Ausland.

Frankreich. Paris. DieMittheilung desConstitutionnel, wonach die Ernennung Pouyer⸗Quertiers zum Botschafter in Berlin be absichtigt wäre, ist, derAgence Havas zufolge unbegründet. Es heißt, daß Pouper-Quertier versprochen habe, den neuen Finanzminister bei den bevorstehenden Unterhandlungen zu unterstützen. Goulard soll definitiv zum Finanzminisier, Ancel, Deputirter von Havre, zum Handelsminister er nannt worden.

Der deutsche Geschäftsträger v. Wesdehlen und der bapyerische Geschäftsträger v. Rudardt theilten dem Minister des Auswärtigen, Grafen Rémusat, officiell mit, daß die Begnadigung der in deutschen Festungen Vergehens halber bisher gefangen gehaltenen Franzosen, mit Ausnahme derjenigen, welche noch nach der Verurtheilung sich eine Bestrafung zugezogen hätten, erfolgt sei.

Der Kriegsminister General Cissey hat in der Armeereorganisations-Commission erklärt, die Regierung stimme zwar im Princip der Einfüh rung der allgemeinen Wehrpflicht bei; es reichten aber die Mittel des Budget absolut nicht dazu aus, um jedes Jahr sämmtliche junge Leute der betreffenden Altersklasse einstellen zu können.

Die Untersuchungscommission für die Capitu⸗ lation der Festungen hat die Delegirten der Stadt Metz vernommen. Die Aussage dieser Notabeln lautete für den Marschall Bazaine sehr belastend.

obige Miuheilung freundlichsten Dank sagen.

Sie betonten namentlich, daß die ganze äußere Zone der Festung, welche durch die Forts ge⸗ schützt war und bedeutende Proviante enthielt, niemals von den französischen Truppen besetzt worden sei, daß der Marschall während der Schlacht vom 18. August sich nirgends gezeigt und eine auffallend passive Haltung beobachtet hätie, daß im Augenblicke der Capitulation die Stadt noch auf mehr als acht Tage mit Lebens- mitteln versehen gewesen sei u. dgl. m.

Versailles. Man glaubt allgemein, daß nach der Berathung über den Lefranc'schen Ge setzentwurf im Ministerium Personalveränderungen erfolgen werden. Die Nationalversammlung fährt in der Discussion über die Internationale fort. Mehrere Redner griffen in beredeter Sprache diese Verbindung als eine Gefahr für die ganze Ge sellschaft an.

Italien. Rom. Man meldet von hier, daß unter unbeschreiblichem Andrange der Be völkerung am 5, d. die italienische Bibel gesellschaft ins Leben getreten ist. Die auf tretenden Redner Pater Hyacinth, welcher die evangelischen Priister als Brüder in der Wahrheit und im Evangelium begrüßte, Scianelli und Pater Garazzi wurden mit stürmischer Begeisterung von den Versammelten bewillkommnet. Ein römischer Bürger zetchnete einen Beitrag von 2500 Frs.

Spanien. Eine Depesche aus Madrid meldet: Eine Versammlung von 4000 Wählern der Verfassungspartei hat sich unter Begeiste⸗ rung für die Verfassung von 1869 mit der Dynastie Amadeus und der Gebietsintegrität ausgesprochen.

* Friedberg, 9. März. Da wider Erwarten in dem Oberhessischen Anzeiger Nr. 29 über Erdbeben vom 6. d. Mis. von hier aus keine Mittheilung ge⸗ macht ist) so berichten wir hiermit noch nachträglich, daß dasselbe auch hiec etwa 10 Minuten nach ½4 Uhr und zwar in ziemlich bedeutender Szärke gespürt worden ist. Die 3 bis 4 unmittelbar aufeinandersolgenden Stöße gingen von Norden nach Süden oder umgekehrt und barten fast die gleiche Heftigkeit. Dem Schreiber, in seiner Arbeitsstube am Fenster sitzend und lesend, waren die Rucke, die sein Stuhl erhielt, seyr bemerklich, eine im Zimmer auf einem Blumentisch stehende baumartig gewachsene Dracäne gerieth in heftig schüttelnde Bewegung, die an einem Fenster hängenden Lichtbilder schaukelten hin und her und schlugen wider die Scheiben und im Gebälk des neu und sehr solid gebauten Hauses ertönte ein Krachen, wie wenn mit einem Hammer irgendwo aufgeschlagen würde; bis man aber über all diese Er⸗ scheinungen zum Bewußisein kam, waren sie vorüber. Dabei war das schönste sonnigste Weiter, wie es in dieser Jahreszeit nur selten ist, und kein Windstoß und kein Geräusch in der Luft oder aus dem Erdinnern kommend wurde beobachtet.

Friedberg. Nach den Miitheilungen Darmstädter Blätter ist die Agentur der Bank für Süddeutschland (Darmstädter Zettelbank) in Gießen von den Herren G. Wortmann, früher Preuß. Consul in Gibraltar, und A. v. Jungenfeld, diejenige in Mainz von den Herren Schmitz, Heidelberger u. Co., in Offenbach von den Herren Aug. Kugler und Hermann Ostner, in Worms von den HH. Eduard Herz übernommen worden. Die Agenturen, welche am 15. März ihre Wirksamkeit eröffnen, werden den Disconto und Lombardverkehr mit der Bank ver⸗ mitleln und deren Noten nach Maßgabe des Bankstatuts in baar einlösen.

Fraukfurt. Die Direction der Homburger Eisen⸗ bahn beabsichtigt in Kürze Arbeilerzüge zwischen Frankfurt und Homburg einzurichten. Nach dem Plane sollen diese Morgens um 5 Uhr von Homburg abgelassen werden. Der Preis für je eine Fahrt soll 2 Silbergroschen betragen. Die vorderen Taunusortschasten liefern ein bedeutendes Contingeni Arbeiter, welche als Maurer und Zimmerleute ihr Brod in Frankfurt finden und denen diese Einrichtung unstreitig von großem Vortheil sein wird.

Offenbach. Die Blattern-Epidemie ist hier immer noch nicht vollsändig erloschen; in einer hiesigen Fabrik erkrankten daran im Laufe des vorigen Monals beinahe ein Dutzend Arbeiter und mußten in das Blatternspital verbracht werden; doch darf der Character der Seuche im Allgemeinen als gutartig bezeichnet werden.

Hachenburg. Ein großes Unglück hat sich in unserer Nachoarschaft ereignet. Auf der circa zwei Stunden von hier entfernt liegenden EisensteingrubeHerkules haben durch den Einsturz eines Schachtes acht Bergleute das Leben verloren. Zwei der Verunglückten wurden noch gestern Abend als Leichen aus der Tiefe hervorgeholt und ein Dritter heute Morgen, während mit dem Aussuchen der weiler verunglückten fünf Bergleute eine Anzahl von zwanzig Arbeitern noch fortwährend beschäftigt ist.

) Wir hatten uns vergeblich bemüht zu erfahren, ob am 6. d. auch dah ier Erdstöße wahrgenommen worden waren. Um so mehr müssen wir dem Herrn Einsender für Die Red.

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