Ausgabe 
10.9.1872
 
Einzelbild herunterladen

M

geschmückt. Um 7 Uhr stattete Kaiser Franz Joseph dem Kaiser Alexander einen Besuch im russischen Botschaftshotel ab, worauf beide Kaiser zusammen zum Diner in das Schloß fuhren. Das Publikum begrüßte beide Monarchen wiederholt mit Zurufen.

Die drei Kaiser halten Sonntag Vor- mittag eine Conferenz in Anwesenheit der drei Minister des Auswärtigen.

7. Sept. Bei der heutigen großen Parade auf dem Tempelhofer Felde führte Kaiser Wilhelm in Person seinen hohen Gästen die Truppen zwei⸗ mal vorüber. Die beiden kaiserlichen Gäste traten in die Front ihrer Regimenter und führten die selben ebenfalls zweimal bei Kaiser Wilhelm vor⸗ über. Die Kaiserin, die Kronprinzessin, sämmtliche Prinzessinnen, alle hier anwesenden deutschen Fürsten wohnten der Parade bei. Enorme Menschenmassen auf allen Straßen, die zum Paradeplatz führen. Festlicher Flaggenschmuck und Vorbereitungen zur Illumination.

Bei dem Galadiner brachte Kaiser Wil- helm folgenden Trinkspruch aus:Mit den Ge fühlen herzlichen Dankes erhebe ich das Glas auf das Wohl meiner kaiserlichen Gäste! Die auf diesen Toast folgende Musik ging in die Melodie Gott erhalte Franz den Kaiser über, worauf Kaiser Franz Joseph, für den vorangegangenen Toast herzlich dankend und denselben erwidernd, folgenden Trinkspruch ausbrachte:Gott erhalte und beschütze Kaiser Wilhelm, Kaiserin Augusta und das königliche Haus! Nach kurzer Pause ergriff Kaiser Alexander das Wort:Ich trinke auf das Wohl der tapferen preußischen Armee! Der Kaiser von Rußland ernannte den Prinzen Karl und Albrecht Vater von Preußen zu rus⸗ sischen Feldmarschällen.

DerReichsanzeiger veröffentlicht einen Erlaß des Kaisers, worin derselbe für die von Privatpersonen, Corporationen und Behörden ihm vielfach zugegangenen Zeichen der Theilnahme an- läßlich der Wiederkehr der Tage von Gravelotte und Sedan seinen Dank ausspricht.

DieNordd. Allg. Ztg. schreibt: Der Bischof von Ermland, welcher auf die Aufforderung, ein ausdrückliches Anerkenntniß der vollen Sou⸗ veränität des Staates in zweifelloser Gestalt abzu⸗ geben, wiederholt mit der Erklärung geantwortet hatte, daß er die staatliche Souveränität des Staates anerkenne, richtete an den Kaiser das Gesuch, allerhöchstdemselben in Marienburg mit den Capitels-Deputirten eine Ergebenheitsadresse überreichen zu dürfen. Der Kaiser, außer Stande, einen die Verbindlichkeit der Staatsgesetze in Frage stellenden Unterthan amtlich zu empfangen, ant⸗ wortete, daß er eine solche Adresse nur dann ent⸗ gegennehmen werde, wenn der Bischof sich den Staats⸗ gesetzen in allem Umfange geborsam erklärt habe.

Das englische Parlamentsmitglied Kinnaird überreichte dem Fürsten Bismarck eine mit vielen Unterschriften, darunter solche von englischen Bi⸗ schöfen, vielen Mitgliedern des Parlaments und des englischen hohen Adels bedeckte Adresse, welche sich gegen das Dogma der Infallibilität ausspricht und die wärmste Sympathie für den Kampf des Reichskanzlers gegen den Ultramontanismus, sowie die lebhafteste Bewunderung für seine Geduld, Weisheit, Ausdauer und seinen wahren Freiheits- sinn ausdrückt.

Ueber die diesjährige Rekruteneinstellung ist angeordnet worden, daß einzustellen sind: 1) die Rekruten des Garde Corps, der in Elsaß-Loth⸗

Windecken, im Süden durch den Main und im Westen durch die Straße von Frankfurt a. M. nach Eschersheim begrenzt wird. Die Besitzer der in diesem Terrain belegenen Grundstücke werden amtlich aufgefordert, Behufs Vermeidung von Flurbeschädigungen, Saaten und Fluren, welche verschont bleiben müssen, so weit man sie nicht deutlich erkennen kann, mit Wahrzeichen zu ver⸗ sehen, weil sonst etwaige Beschädigungen nicht vergütet werden können. München. Zur Ministerkrisis schreibt man derAugsb. Allg. Ztg., daß das gegenwärtige Ministeriom seine Entlassung bereits vor dem Uni- versitätsjubiläum eingereicht hatte, als zuerst be⸗ kannt geworden war, der König habe zum Ersatze des Grafen Hegnenberg seine Augen auf Herrn von Gasser gerichtet. Die ultramontane Partei hatte den Gesandten in Stuttgart schon Anfangs 1870, nach dem Sturze Hohenlohe's, an dessen Stelle vorgeschlagen. g Die neuesten Nachrichten über die Minister⸗ krisis lauten: 5. Sept. Die Lösung der Minister⸗ frage soll auf kurze Zeit vertagt sein, vielleicht bis sämmtliche Minister wieder hier sind. Graf Tauffkirchen ist hier eingetroffen. Die Bildung eines Ministeriums Gasser ist gutem Vernehmen nach auf so viele und mannich⸗ fache Hindernisse gestoßen, daß der betreffenve Plan definitiv aufgegeben, weil derselbe als gescheitert betrachtet wird. Man glaubt, daß ein neuer Ministerpräsident in der Person des Herrn v. Pfretzschner ernannt werden wird. Straßburg. Von den drei letzten Mil liarden der französischen Kriegsentschädigung sind nach Angabe derStraßb. Zeitung bis jetzt 39 Millionen in Baar hier angelangt, etwa 400 Millionen in Wechseln werden erwartet, so daß also am 7. Sept. nur noch ein Rückstand von 60 Millionen abzutragen ist, um die erste halbe Milliarde vollzählig zu machen. An den Fortsbauten im Norden der Stadt wird, wie man derKarlsr. Ztg. schreibt, mit unausgesetzter Thätigkeit gearbeitet und die gewaltigen Umrisse dieser Unternehmungen zeigen sich schon in ganz deutlichen Formen. Die Ringbahn von ihrem An; schlusse an den Rhein-Marnecanal bei Suffelnheim bie an die Barrer Eisenbahnlinie bei Holzheim ist schon seit längerer Zeit im vollem Betrieb.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Die Präsidien beider Reichs rathshäuser erhielten die Mittheilung, daß mittelst kaiserlichen Handschreibens vom 4. d. M. die Delegationen auf den 16. September nach Pest einberufen sind.

Sämmtliche Zeitungen feiern die Reise des Kaisers nach Berlin als ein Symptom der Friedens- erbaltung und Beweis der Erstarkung der euro- päischen Machtstellung Oesterreichs, dabei die neueste Ministerkrisis in Bayern mit lebhaftem Tadel be⸗ sprechend.

Schweiz. Bern. Der Bundesrath hat die Mitglieder des Alabama Schiedsgerichts zu einer Feier der glücklichen Beendigung ihrer Be⸗ rathungen auf den 12. September nach Bern eingeladen.

Genf. Das Schiedsgericht hat seine Be⸗ rathungen beendigt und sich auf einige Tage ver⸗ tagt, um alsdann die Details zu erledigen und die endgültige Redaktion der Beschlüsse festzustellen. Samstag den 14. d. findet die Unterzeichnung der⸗

ringen stehenden Truppentheile und sämmtlicher Truppen zu Pferde am 4. November. d. J., 2) die Trainfahrer zu halbjähriger Ausbildung am Oekonomie-Handwerker sämmtlicher Truppentheile am 1. Oktober d. J., 4) alle übrigen Rekruten am 27. Nov. d. J., 5) gelernte Jäger, sowie drei⸗ und vierjährig Freiwillige dürfen bereits vom 1. Oktober d. J. ab in Verpflegung ge⸗ nommen werden.

Frankfurt. Die Herbstübungen der 21. Divi- sion werden in diesem Jahre vom 6. bis 11. Sep⸗ tember stattfinden und sich auf dem Terrain bewegen, welches im Norden durch die Nidda und Nidder, im Osten durch die Straße von Hanau nach

1

4. Nov. d. J. und 4. Mai k. J., 3) die

selben statt. Nach einem Privat ⸗Telegramm derHamb. Nachr. hätte das Schiedsgericht Amerika über 3 Millionen Pfd. St. oder 17½ Mill. Doll. Entschädigung zugesprochen.

Frankreich. Paris. Der Kriegsminister hat sich beeilt, dem durch denSoir ans Licht gezogenen Mißbrauch, vermöge dessen junge Leute von weniger als zwanzig Jahren jetzt noch rasch unter der Gunst der alten Militär-Gesetzgebung scheinbar in die Armee eintreten und sich dann von gefälligen Obersten die Ermächtigung zur Stellung eines Einstehers ertheilen lassen, durch ein Circular zu steuern, welches ein für alle Mal anordnet, daß diese Ermächtigung jungen Leuten

der Altersklasse von 1872 oder der späteren Alters-

klasse unter keinem Vorwande werden soll.

künftige Wichtigkeit der Stadt als Handelsplatz,

mehr und mehr einem friedlichen Ziele zuneigten. Großbritannien. London Der City-

Woche 500,000 Pfd. St. nach Deutschland gehen werden, welche wahrscheinlich aus den offenen Marktvorräthen ohne Inanspruchnahme der Bank gedeckt würden. N

DieSaturday Review, die Drei⸗Kaiser⸗ Zusammenkunft besprechend, sagt: Das Ausland habe in der deutschen, die ganze Nation umfassen⸗ den Armee eine besondere Garantie der Erhaltung des Friedens zu erblicken. Deutschland habe die aus dem Krieg heimkehrenden Truppen nicht als Kriegshelden, sondern als zurückkehrende Familien⸗ mitglieder bewillkommt. Deutschland habe durch die anspruchslose Begehung des Tages von Sedan abermals kundgethan, daß es frei von dem Rausche sei, zu dem sonst kriegerischer Erfolg verleitet. Die Zusammenkunft der drei Kaiser in Berlin sei als eine öffentliche Manifestation für die Erhal⸗ tung der Friedens zu bezeichnen. 7

der Altkatholiken nach Köln abgereist. Holland. Haag. Gegenwärtig tagt dahier der Congreß derInternationalen, wobei 69 Depu⸗ tirte, darunter 3 Frauen, erschienen sind. Die Verhandlungen finden in öffentlichen Sitzungen statt, welchen geheime Berathungen vorausgehen.

7⁰

e» Münzenberg. Während der abgelaufenen Woche hat es dahier zweimal gebrannt und zwar in ein und derselben Hofraithe; am Dienstag nämlich brannten daselbst zwei gefüllte Scheunen nieder, am Freitag ein Stall. Ein neunjähriger Knabe ist eingeständig, beidemale das Feuer angelegt zu haben, und zwar nur deßhalb, um nicht in die Schule gehen zu müssen.

Frankfurt. Die hiesigen Blätter warnen alle den großen Bleich garten Besuchenden auf ihre Taschen und Uhren zu achten, da die Taschendiebe daselbst ihr Geschäft sehr lebhaft betreiben.

Frankfurt. Ein Mitglied der hier tagenden Apotheker⸗ Versammlung halte sich Abends in den Straßen der Stadl verlaufen. Da nahte sich ihm ein Mann, der seine Ver⸗ legenheit bemerkte, und bot sich ihm als Führer an. Da der Apotheker etwas müde war, so war der Cicerone auch so freundlich, dessen Paletot zu tragen. Plötzlich verschwand er mit dem Rock und ließ den Fremden verblüfft stehen.

Frankfurt. Eine der raffinirtesten Gaunerinnen der Gegenwart ist eine gewisse Mar. Kath. Syb. Wecker, genannt Courtois, von hier. Diese schon im Anfang der Aer stehende, äußerst gewandte Person verstand es, eine hiesige Familie unter der Vorspiegelung, daß sie dem Manne eine lucrative Privatanstellung in Bayern verschafft habe, zum Verkauf ihres hier gelegenen Hauses und zu einer sehr kostspieligen Reise nach München und Wien zu verleiten. Sie selbst wußte der Familie einen baaren Betrag von 2500 fl. abzuschwindeln. Nebenbei hat die Schöne mit einem Verwandten der Familie eine kleine Liaison angefangen und berelst als dessen angebliche Frau mit ihm die Schweiz. Gegen die schon oft vestrafte Industrieritterin ist ein Steckbrief erlassen worden.

Darmstadt. Bei der letzten Generalversammlung der landw. Vereine des Großherzogthums Hessen wurde u. A. darüber berathen, wie man dem Minister des Innern v. Bechtold für die großen Verdienste um dieselben und für das große Interesse, welches derselbe für jene hege einen Dank aussprechen solle. Es wurde beschlossen, dem⸗ selben ein mit sämmtlichen Mitgliedern der Vereine aus⸗ gestattetes Photographie-Album zu überreichen. Während der Vorbereilung des Geschenkes verstarb nun Herr v. Bechtold und man war zweifelhaft, ob jene Vorberei⸗ tungen rückgängig zu machen seien, oder ob man das Album den Hinterbliebenen desselben zustellen solle. Die hiesige Centralstelle für Landwirthschaft hat nunmehr alle Mit glieder der Vereine aufgefordert, sich über diesen Punkt auszusprechen und es haben sich über 100 gegen 5 füt Uebergabe des Albums an die Hinterbliebenen erklärt.

Wiesbaden. Der in Frankfurt entsprungene, wegen Mordes verurtheilte Völker hat sich seit acht Tagen hier aufgehalten und wurde heute Morgen von zwei hiesigen Schutzleuten entdeckt. mung zu entziehen, doch darf man hoffen, daß es det Individuum einzufangen.

In Baden⸗VBaden hat man den dort zum Gebrauch der Bäder sich aufhaltenden deutschen Invaliden untetsagt, das Conversalionshaus und den oberen Raum der Pro menade zu besuchen, damit die feine Welt nicht durch ihren Anblick delästigt wird. Ist das der Dank füt

die Tapferkeit und Aufopferung dieser Braven?

wehr gewährt Trouville. Thiers empfing eine Deputation 1 aus Cherbourg. Derselbe brachte hierbei die gegen

wärtige militärische Bedeutung Cherbourgs zun Sprache, betonte indeß dieser gegenüber die zu- 1

Artikel derTimes meldet, daß im Laufe dieser 1

Der Bischof von Lincoln ist zum Congreß 4

Derselbe wußte sich seiner Fesineh⸗

Gensdarmerie nunmehr gelingen wird, das gefährliche

da die Tendenzen der europäischen Cabinette sih