Ausgabe 
6.8.1872
 
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Besuche des deutschen Kronprinzen nach Berchtes⸗

worden, nun in prächtiger Vollendung vor uns steht. Die des deutschen Volkes tiefste Erniedri⸗ gung erlebt, die den Donner der Leipziger Völker- schlacht gebört, die später unter Mühen und Leiden für Deutschlands politische Entwicklung gestritten, die Jünglinge namentlich an den Hochschulen, die nachmals unsere Väter geworden Alle haben gebofft und gerungen, um die Erfüllung zu schauen. Aber wir, wir, das glückliche lebende Geschlecht, wir haben es errungen und gewonnen, ein einiges Deutschland. Unsere Liebe zum gemeinsamen Vater⸗ land, unsere Freude und Hoffnung, sie mögen aus · strömen in dem Rufe: Hoch Deutschland! Hoch Deutschlands sieg⸗ und ruhmgekrönter Kaiser! Hoch das veutsche Reich!

Bei der Ehrenpromotion wurden zu Doc · toren ernannt: 1) von der mediz'nischen Fakultät: Herzog Karl Theodor, Alexander Braun(Berlin), Suningar(Leiden), Quetelet(Brüssel), Dragen⸗ dorf(Dorpat), Prof. Simon(England), Daniel Hamburg(London), Prof. Fuchs; 2) von der juristischen Fakultät: Staatsminister v. Lutz, Bürger meister Erhard, Oberappellrath Reithmayr, Präsi dent von Neumayr, Bezirksgerichtsrath Hauser (München), Schulrath Marquardt(Gotha), Prof. Brand(Cbristiania); 3) von der staatswirth- schaftlichen Fakultät: Gladstone(London), Graf Shaftesbury, Forstdirector Burckhardt(Hannover), Prinz Ludwig, Staatsrath Weber, Oberrechnungs- rath Vorke(Potsdam), Stuart Mill(London), Klett(Nürnberg); 4) von der pphilosophischen Fakultät: General v. d. Tann, Ministerialrath Volck, Prof. Bischof, Pfarrer Dzierzon(Schlessen), Caroch(Linz), Forstraih Krempelhuber(München), Gruner, Minister Sella, Prof. Dwigbt, Lord Acton, Prof. Piloty, Generaldirector Lachner.

Straßburg. Der Central-Actiengesellschaft für Tauerei in Köln ist vom Oberpräsidenten die Concession für den Betrieb der Tauschleppschifffahrt auf dem Rhein von Lauterburg bis Straßburg Kehl für die Dauer von 34 Jahren ertheilt worden.

Ausland.

Oesterteich Wien. DieNeue freie Presse erfährt, daß die Regierung den Landes- behörden in einem Erlasse Verhaltungsnormen be züglich der Niederlassung aus dem deutschen Reiche ausgewiesener Jesuiten ertheilt hat. Der Erlaß beriefe sich wesentlich auf die bestehenden Gesetze betreffs der Gründung neuer Convente geistlicher Orden und Congregationen, behalte jedoch für den Fall besonderer Anstände die Entscheidung dem Ministerium vor; die Bewilligung der Nieder lassung von nicht⸗österreichischen Geistlichen werde dem Ermessen und dem Tacte der Statthalter überlassen.

Kaiser Wilhelm ist am 3. d. Uhr Nachmittags in Wels eingetroffen, wo er am Bahnhofe von dem Erzherzog Karl Ludwig im Namen des Kaisers empfangen wurde. Der Kaiser setzte nach kurzem Aufenthalte, von dem Erzherzoge begleitet, die Reise nach Salzburg fort, woselbst er um 4 Uhr Nachmittags eintraf und im Hotel zum Erzherzog Karl abstieg. Am Bahn⸗ hofe wurde der Kaiser von dem zahlreichen Publi- kum lebhaft begrüßt. Am 4. reist der Kaiser zum

gaden, Montag früh nach Gastein.

Schweiz. Bern. Bgzüglich der colossalen Ueberzeichnung des französischen Anleihens nimmt unsere tonangebende Presse die Haltung ein, welche die correcte ist, d. h. sie lassen sich nicht durch den Schein trügen, sondern führen das Resultat und dessen Bedeutung auf das richtige Maß zurück. DieSchweiz. Handelszeitung macht folgende originelle Bemerkang:Der Andrang zur Sub- seription auf das französische Anleihen dürfte diesem oder jenem Volke noch bittere Thränen kosten, insofern die Gewaltigen der Erde sich jetzt über zeugen, wie leicht selbst ihre gierigsten Ansprüche zu befriedigen sind. Wehe den Unglücklichen, welchen die nächste Kriegscontribution aufgelegt wird.

Frankreich. Versailles, 1. Aug. National- versammlung. Der Bericht St. Marc-Girardin's constatirt, daß die Erklärungen von Thiers für die Conservativen befriedigend lauteten. Thiers habe

erklärt, es sei sein Wille, das ihm anvertraute Gut der Republik unversehrt zu erhalten, indem er ausdrücklich die Zukunft und die constituirende Gewalt der Nationalversammlung vorbehalte. In- dem der Pact von Bordeaux aufs Genaueste auf⸗ recht erhalten bleibe, halte die Commission dafür, daß Erklärungen in öffentlicher Sitzung zwecklos geworden seien. Die Versammlung nahm hierauf den Vertagungsgesetzentwurf an, nach welchem die Nationalbersammlung am 4. Aug. geschlossen und am 11. November wieder zusammentreten wird.

2. August. Die Nationalversammlung ge⸗ nehmigte mit 391 gegen 115 Stimmen den Ge- setzentwurf, welcher die Unterdrückung der Defrau dationen der Alkohol-Fabrikanten bezweckt, ferner mit 313 gegen 159 Stimmen den Gesetzentwurf, welcher dem Staate das Monopol mit Zündhölzern verleiht. Die Nationalversammlung ernannte so dann die Mitglieder der Permanenz Commission.

Großbritannien. London. Die Edin⸗ burger Universität hat dem Professor Dr. v. Döl linger in München den Doctorgrab verliehen. Ein Telegramm aus Havanna meldet, daß die Truppen der Republik Salvador Omoa in Honduras besetzt haben. Man fürchtet eine Plünde rung, weßhalb der französische und der englische Consul Kriegsschiffe kommen lassen, um ihre Lands⸗ leute zu schützen.

Spanien. Madrid. DerImparcial schreibt, die Ex Königin Isabella habe die Ver mittlung des Papstes angesucht, um Don Carlos zu bewegen, daß er seinen Ansprüchen auf den spanischen Thron zu Gunsten Alfonso's entsage. Der Papst soll sich aber für Don Carlos erklärt haben. Das Attentat wird auf eine gemein same Verschwörung von Alfonsisten und Pfaffen zurückgeführt. Olozaga in Paris will darüber bestimmte Andeutung haben.

Italien. Rom. Die Statistik der römischen Abend- und Sonntagsschulen hat sehr erfreuliche Resultate aufzuweisen: Im Jahre 1871 gab es in Rom 61 Abendschulen mit 2415 Schülern, 17 Sonntagsschulen mit 524 Schülern. Im Jahre 1872 gibt es in Rom 237 Abendschulen mit 9387 Schülern, 89 Sonntagsschulen mit 2175 Schülern. Wir haben also in diesem Jahre ein Mehr von 176 Abendschulen mit 6972 Schülern und 72 Sonntagsschulen mit 1651 Schülern.

Rußland. Petersburg. Nach einer beim Kriegsministetium hier eingegangenen Nachricht ist unter den im Uebuͤngslager bei Wiendzyhor in Volhynien versammelten Truppen die Cholera ausgebrochen und hat bereits zablreiche Opfer ge fordert. Dem Kriegsministerium liegt daher die schwiecige Frage zur Entscheidung vor, ob die Truppen im Uebungslager beisammen bleiben oder in ihre Garnisonen entlassen werden sollen. Der letzteren Entscheidung steht das Bedenken entgegen, daß durch die Entlassung der Truppen die Krank heit größere Verbreitung gewinnen würde.

Donaufürstenthümer. Belgrad. Dem biesigenVidovdan wird telegraphisch von einem zwischen Montenegrinern und Türken vorgefallenen Kampf berichtet, wobei auf beiden Seiten vielt Todte und Verwundete geblieben sein sollen.

* Friedberg. Seit einigen Tagen erzählt man sich bier ein an sich fabelhaft klingendes Ereigniß von der gewaltsamen Entführung einer jungen Frankfurter Dame, und zwar mit den verschiedenartigsten, wunderbarsten Aus⸗ schmückungen. Die mysteriöse Geschichte spielt sich theil weise in unserer nächsten Umgebung ab und da sieht man denn hier näheren und zuverlässigen Details begreiflicher weise mit um so größerer Spannung entgegen. Dem Fr. J. entnehmen wir einstweilen die nachstehenden Mit⸗ theilungen über den erwähnten Vorfall: Es wird uns mit dem Merkmal der Verbürgung eine Entführungs⸗ geschichte aus Frankfurt a. M. mitgetheilt, deren romanhafter Anstrich uns gleichwohl zu dem äußersten Vorbehalt nöthigt. Am Petersthor dahier soll nämlich eine junge Dame mittelst eines Blumenmädchens, das angeblich nicht wechseln konnte, an einen Herrschaftswagen gelockt worden sein, um der darin sitzenden tief ver⸗ schleierten Dame das kleine Geld zu geben. In dem Momente, wo sie das Geld hineinreichte, erhoben sich zwei starke Arme, welche sie sofort in das Innere des Wagens zogen, wobei ein Bedienter behilflich war. Man hinderte das Mädchen am Schreien und hielt ihr Blumen, mit einer betäubenden Essenz begossen, unter die Nase, wodurch sie alsbald das Bewußtsein verlor. Wohin es ging, vermag sie nicht zu sagen; sie erwachte erst Mittags 4 Uhr auf einem mit Stroh bedeckten Bauernwagen,

Gange, die Thäter zu ermitteln. f h

Büdingen. Auch unsere Gegend hat ein Opfr⸗ 5 0 der in ber vorletzten Woche herrschenden furchtbaren Hise l b zu beklagen. In dem benachbarten Vonbausen wurde an 10 f Samstag den 27. Juli ein blühendes Mädchen von h he Jahren, das auf der Bleiche liegendes Tuch begoß, ven 1 un f Sonnenstich getroffen und ist am Diensta den Folgn 1 desselben erlegen. 1 fe it

In Frankfurt gibt es gegenwärtig 101 Musil 6b lehrer und Lehrerinnen, 12 Lebrer der Handelswissenschaft y, h. J Lehrer für Mathematik, 20 für die englische Spratz, kann 20 für die französische, 1 für die spanische Sprache, 5 Lehen 0 für Schönschreiben, 2 Fechilehrer, 2 Reitlehrer, 3 Schwimm; 15 lehrer, 8 Tanzlehrer, 7 Zeichenlehrer. Erziehungsanstaltag für Knaben gibt es 9, für Mädchen 19, für Knaben uw Mädchen 7; Vorbereitungen zum Militär-Examen win von 7 Lehrern ertheilt. Am Gymnasium wirken 22 Lehr 9 an der Musterschule 31, an der höheren Bürgerschule 3c 1 an den Volksschulen, incl. mittleren Bürgerschulen, win 142 Lehrer und Lehrerinnen, an der israelitischen R schule wüken 25 Lehrer und 6 Lehrerinnen, an der Unia richtsanstalt der israelitischen Religionsgesellschaft 15 Lehn und Lehrerinnen. An den christlichen Schulen sind ber malen noch fünfzehn Pensionäre, an den israelitiscn Schulen 4. An der Bildung der hiesigen Jugend wil insgesammt 493 Personen.

Nüsselsheim. Am Sonntag der verflossenen 1. 14

schlug der Blitz in die hiesige Kirche. Der Nachmittag, l, Gotlesdienst war zum Glück beendet, doch befand sich habt Geistliche in der Kirche, im Begriff, eine Taufhandlum end vorzunehmen. Sofort nach dem furchtbaren Schlag wi e ant Schwefelgeruch wahrnehmbar und eilte der Geistliche, eu gen Amtshandlung unterbrechend, in den Thurm bis zur Ul aged und dem Glockenstuhl, um sich zu überzeugen, ob der Ag gezündet habe. Dieses war glücklicherweise nicht der Fall 0 Der Blitz war in den Thurm hineingedrungen, über le 1 Glocken an den Schlaghammer und dem denselben in Nen 1 wegung setzenden Draht herunter in die sofort stille stehendh 0 Uhr gefahren, von dem Perpendikel nach dem hölzernen a Boden abgesprungen und von da über Gebälk nach bel Ecke des Thurmes geleitet worden, ohne größeren Schalen anzurichten. ö

Bingen. Bei einem dahier am 1. Aug. ausg ß brochenen Brande sind 10 Häuser abgebrannt. Die bares drobte kalholische Kirche und das Schulhaus wurden ge rette

Crefeld. Ein junger Mann, der auch keine Freu) an dem Soldatenstand hatte, war, um diesem Zwang zu entgehen, vor ungefähr sechs Jahren nach London aul gewandert, halte sich dort etablirt und führte bis jh ein brillantes Geschäft. Vor Kurzem reiste er nach Eu feld um seine Eltern und Geschwister nach langer W wesenheit einmal wieder zu sehen und zu begrüßen. Dauh kurz war die Freude des Wiedersehens, denn plötzlich w 3) schien die Nemesis in Gestalt eines Polizei-Beamten, de den Deserteur im Auftrage der Militär-Behörde verhaflell und binter Schloß und Riegel brachte. Derselbe ist schum dem Commando in Düsseldorf übergeben worden.

Essen Als Gerücht, welches immer bestimmter aufß tritt, theilt dieCobl. Ztg. mit, daß der Kaiser vol Rußland in Välde zum Besuche bei dem Geheimen Comm] 4) merzienrath Herrn Krupp auf dem Hügel einfreffen wich,

Speyer. Nach dem Programm und der Tages ordnung der am 27. bis 29. Aug. c. zu Speyer abi haltenden 26. allgemeinen Hauptversammlung de evangelischen Vereins der Gustav⸗ Adolph Stiftung findet am Dienstag, 27. August, Nachmittaß 4 Uyr der erste Festgottesdienst in der Trinttatiokerche siahh und hält dabei der Consistorialrath Prosessor Dr. Baun aus Leipzig die Predigt. Um ½6 Uyr ist nichtöffentliche Versamulung der Abgeordneten im Scale des Stab bauses. Am Miitwoch 28. August ist Festzug aus du Räumen des Realgymnasiums und der Gewerbeschule um 8 Uhr nach der Trinitatiskirche, wo der Hofprediger Gere) aus Stutigart die Predigt häll, und um 10½ Uhr dil oͤffentliche berathende Sitzung der Abgeordneten beginnt Um 4 Uhr ist gemeinsames Mittagsmahl im Wittelsbach! Hofe. Am 29. August wird von Morgens 8 Uhr in den Trinitatiskirche die beschließende Versammlung gchaltell, Außer den Veranstaltungen für gesellige Vereinigung der Theilrehmer an den Abenden der festlichen Tage if für den 29. August noch eine Eisenbahnfahrt nach Dülf heim und von dort der Besuch der Benedictiner-Abtei Lu burg und von Schloß Hartenburg vorbereiiet.

In Straßburg istein Franzose wegen Verser tigung falscher fran zösischer Banknoten verhaftet wordelt] 8 Der Verbrecher, welcher nach Frankceich gebracht und au, d dortigen Gerichte ausgeliefert wurde, führte bei seine! Verhaftung ein Kofferchen bei sich mit allen zur Ban noten-Fabriketion erforderlichen Werkzeugen, sowie me einem Vorrath falscher Noten im Betrag von über 3 Mike lionen. Für mehrere Tausend Franken soll er bereils aut 0 gegeben haben. Die Noten sind so täuschend nachgemach!, bah! g ö

ein nicht sehr geübtes Auge sie kaum zu unterscheiden vermaß hel