Ausgabe 
6.7.1872
 
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erged ea würden. Thiers behauptete, daß er durch die Sympathie der andern Nationen unterstützt werde. Combier und Raudot bekämpften die Roh⸗ stoffsteuer. N

3. Juli. Berathung der Vorlage über Besteuerung der Rohstosse. Thiers sprach sich zu Gunsten derselben aus und wiederholte, daß Italien, mit welchem Frankreich in guten Beziebungen sei und bleiben wolle, letzterem keine Schwierigkeiten in den Weg legen werde.(Murren rechts.) Thiers erwiderte darauf, er sei es nicht, der diese große Macht geschaffen habe. Sie bestehe und sei eine Thatsache, die man achten müsse, wenn man den Frieden wolle. Buffet antwortete Thiers. 15

Die für die Prüfung des Vertrags mit Deutschland gewählte Commission hat sich beinahe einstimmig für Annahme desselben entschieden. Man glaubt, daß der Vertrag in aller Kürze von der Nationalversammlung angenommen werde. Rußland. Die Cbolera nimmt in Süd- westrußland zu. Die Kiewer Seminatien und das Mädchengomnasium wurden geschlossen.

Asien. Den indischen Posten zufolge haben sich die Hoffnungen auf eine gute Ernte am per- sischen Golf erfüllt und Getreide ist gegenwärtig auf verhältoißmäßig niedrige Preise herabgesunken. Im Innern jedoch sind die Verhältnisse noch äußerst kläglich. Ju Teheran und Ispahan leidet die Bevölkerung noch stark an Hungersnoth. Aus Buschire wird einem in Bombay erscheinenden Blatte geschrieben, daß das Elend dort noch ganz unbeschreiblich groß sei, und daß wiederum von den vom Hunger dem Wahnsinn nahen Armen in verschiedenen Fällen Menschen getödtet und verzehrt worden seien. Ein Berichterstatter der Levant Times macht ähnliche Mittheilungen. Nach derBombay Gazette bleibt die Hitze in Indien ganz ungewöhnlich stark. In Allahabad stand das Tdermometer auf 115 und in Hyderabad auf 1160 Fahrenh. im Schatten.

Aus dem Kreise Vilbel, 1. Juli. Schreiber dieser Zeilen war Zeuge eines ergreifenden Festes, das gestern die Gemeinde Burg-Gräfenrode ibrem treuen Seelsorger gab, der nach 25 Jahre langer gesegneter Wirk samkeit im Schooß derfelben Gemeinde erfahren sollte, wie die Liebe und Achtung, die aus der Anerkennung wahrer Verdienste um das Wohl des Volkes geboren ist, in Herz und Mund ihren Wiederhall feiert. Angeregt von den Vorständen genannter Gemeinde und ihrem Lehrer batte man in aller Stille innerhalb wenigen Tagen und zwar obne Wissen und Willen des Jubilars, aber in vollem Einverständniß mit dem Großb. Kreisraih des Kreises Vilbel und andern Freunden, dem guten Voltz, dem Manne voll Liebe und gesunder Glaubenskrast, eine Fest seier vorbereitet und in's Werk gesetzt, wie sie einer kleinen schlichten Landgemeinde nur alle Ehre macht. Als ich am Nachmittag des gestrigen Tages mit einem Freunde oben genannten Ort betrat, fand ich denselben in festliches Ge⸗ wand gehüllt, mit Fahnen, Laubgewinden und Kränzen geschmückt. Nach beendetem Getiesdienst, zwischen 2 und 3 Uhr, entfalicte sich ein schöner Festzug vom Hause des

Gr. Bürgermeisters aus, Vorreiter und Musik voran, mit der Schuljugend und ihrem Lehrer, den Vorständen, der

lichen Standes, die des Gefeierten treue Freunde sind, einer Schaar von Festjungfrauen, in deren Mitte das Ehrengeschenk der Gemeinde, ein prachtvoller Sessel, von zwei jungen Männern getragen, die einst des Jubilars erste Täuflinge gewesen, nebst zahlreich betheiligter Ge⸗ meinde, und ging in anerkennenswerther Ordnung in den vormaligen Schloßbof jetzt Pfarrhof hinein. Der von dem Lehrer dirigirte Singverein leitete mit einem schönen Liede die sinnige Feier ein, die Schuljugend in frischer fröhlicher Weise setzte sie sort; Lehrer Vetter redete mit gewählten kräftigen Worten sodann den Jubilar an, dessen große Verdienste hervorhebend und somit die Liebe begrün⸗ dend, die an seinem Ehrentag einen Ausdruck gesucht, und schloß mit einem Hoch! auf den Gefeierten. Nach iner Wiederaufnahme des Gesangs vom Verein und den Schülern dankte Pfarrer Voltz, tief ergriffen von der ihm gewordenen Aufmerksamkeit, in warmen Worten der ganzen Gemeinde; ein Wort der Liebe, vom Amtsvorgänger des Geistlichen zu der überaus zahlreichen Festversammlung gesprochen, beschloß eine Feier, die, in wechselseitigec Liebe und Verehrung wurzelnd, ein lebendiges und wohlthuendes Zeugniß davon ablegte, daß bei so vielfach geistig und sittlich verkrüppelten Erscheinungen im christlichen Welt⸗ verkehr doch noch gesunde urwüchsige Elemente genug vor⸗ banden sind, die den Arbeiter zu schätzen verstehen, der in rastloser Treue und in ungeschminkier Liebe seine Geistes-Saaten streut und pflegt. Ehre darum einer solchen braben Gemeinde! Ebre einem solch treuen Ar beiter in dem Weinberg des Herrn! Im Kreise treuer Freunde und Gönner, darunter der Gr. Kreisrath und der Kirchenpatron, die dem Jubilar in dessen Haus mit herzlichen Glückwünschen und mancheclei Liebesgaben ent⸗ gegen kamen, schloß Abends eine Feier, die sicherlich in den Annalen der Gemeinde Burg Gräfenrode eine hervor ragende glänzende Stellung einnehmen wird.

Homburg. Das am 30. Juni abgelaufene Semester der Kurhaus-Pachtgesellschast ergab für die Stadt Homburg 141,417 fl. 10 ke. Es fehlen ktotz des sehr günstigen Resultats der letzten sechs Monate noch immer 178,000 fl. an dem von k. Regierung in Aussicht genommenen Kur sonds. Die Dividende für die Actionäre beträgt 11 fl. 9 kr.

Vom Taunus. Ueber das am nächsten Sonntag den 7. d. staufindende Feldbergsest schreibt man dem Rh. C.: Die Frankfurter Turnvereine, welche den Fest⸗ ausschuß bilden, haben an fämmtliche Turnvereine des Taunus Einladungen zur Theilnahme am Feste ergehen lassen und sind bereiis zahlreiche Anmeldungen eingelaufen. Da auch gleichzeitig die Einweihung des neugebauten Hauses auf dem Feldberge vorgenommen wird, läßt sich starke Betheilung erwarten. Zur Deckung der Kosten für ein großes Gemälde im Saale des neuen Hauses werden Beiträge gesammelt und der Erlös für die am Feste zu kragenden Akzeichen ebenfalls dazu verwendet werden.

Frankfurt. Die Concession für die Anlage einer Eisenbahn nach Cronberg ist von Berlin hier eingetroffen und feht dem Bau nun nichts mehr im Wege. In dem ecsten Halbjahr 1872 gingen excl. Abonnenten, Mili⸗ zärs ꝛc. 737,198 Personen über den eisernen Steg. Wie berlautet, soll der Dauerhaftigkeit halber der Steg mit Asphalt belegt werden.

Aus Starkenburg. Wir können wiederum die Namen mehrerer Gemeinden verzeichnen, welche durch die That bewiesen haben, daß es ihnen am Herzen liegt, die Siellung ihrer Lehrer möglichst zu verbessern, damit diese mit Liebe und Freude ihr mühevolles Amt versehen können. So bat der Stadtvorstand zu Michelstadt die Besol⸗ dungen der dortigen Stadischullehrer, in Berücksichtigung der bedeutend gesteigerten Preise der Lebensbedürfnisse, zum Theil um 100 fl., zum Theil um 75 fl. jährlich

Spitze der Verwaltung und mehreren Vertretern des geist⸗

erhoht. Bischofsheim im Kreise Groß-Gerau aus frei

darum eingekommen, eine jährliche Zulage, zahlt om

noch besonders 25 fl. jährlich, als weitere Wohnungs

entschädigung. 5 NI New⸗ Pork. Fünfzig Leute sind am 2. Juli durch

Sonnenstich gestorben. l

Mittheilungen aus dem Vereine der Gustav⸗Adolf Stiftung. Sonntag den 23. Juni feierte der Wetterauer Zweigverein der Gustav- Adolf Stiftung in der Stadt Assenbeim sein Jahresfest. Im Gottts⸗ dienste hielt Herr Prosessor Weiffenbach von Gießen die Festpredigt. Diakonus Meyer von Friedberg theilte den Rechenschaftsbericht mit, aus welchem wir hervorheben, daß der Wetterauer Zweigverein in dem letzten Jahre eine Einnahme von 499 fl. 23 kr. Jahresbeiträge und 94 fl. 43 fr. Collette hatte. An den Gottesdienst schloß sich noch eine vweite Versammlung in dem Garten des Herrn Gastwirths Haas an, in der die Herren Director Schwabe, Professor Köhler, Diakonus Meyer von Friedberg und Vicar Schmidt von Staden An⸗ spraͤche hielten, die mit Aufmerksamkeit von det zahlreichen Versammlung vernommen wurden. In beiden Versammlungen wurde eine Collecte erhoben, welche 51 fl. 2 kr. betragen hatten. Auf Vorschlag des Herrn Director Schwabe wurde dieselbe der arwen evangelischen Gemeinde Lieben thal in Schlesien für ihre Confirmanden-Anstalt gewährt. Durch Verlegung eines Gerichts ist diese Gemeinde sehr zusammengeschmolzen. Sie hat vor und nach dem Krieg 1870 und 1871 zweimal ganz vergeblich Bitte um Hilfe ausge sendet. Nun wandte sie sich zum drittenmal und, wie sie sagt, zum letzten Mal um Hilfe an alle Vereine, weil sie ihre kirchliche Gemeinschaft auf lösen müßten, wenn auch dieses Mal ihr Hilse ruf erfolglos bleiben sollte. Die Collecte wurde noch durch kleine Beitrige auf 52 fl.(oder 29 Thlr. 21 Gr. 6. Pf.) erhöht und alsbald abgesandt. Von dort ist nun folgendes Dank schreiben zurückgekommen.Durch die große Gabe von 29 Thlr. 21 Gr. 6 Pf., welche der Wet⸗ terauer Zweigverein der Gustav- Adolf Stiftung uns armen, schwerbedrängten für unsere Confir⸗ manden⸗Anstalt übersandt hat, wurden wir hoch erfreut und reich gesegnet. Tiefgerührt danken wir für jedes theilnehmende Wort, mit dem diese erste Gabe, die wir auf unseren dritten Hilferuf empfangen haben, begleitet war. Möge Gottes Gnade dem Vereine recht viele Gaben zu Theil werden lassen, und uns Sterbenden recht viele ret⸗ tende Engel senden. Liebenthal den 30. Jun 1872,

[Der evang. Kirchenrabh. Haupt. Schrör. Hein.

N**

5* U Holz-Versteigerung. 1753 Donnerstag den II. Juli l. J, Vormittags 9 Uhr anfangend, werden in dem Freihertlich von Ritter'

schen Walde zu pof Hasselheck, an geschälten Eichen: 3 Raummeter Scheitholz, 40 Raummeter Prügelbolz, 61,38 Wellen Reiserbolz, 5 Läste Allerleiholz an den Meistbietenden versteigert.

Die Zusammenkunft ist an ver Weinstratze nächft dem Hofe Passelheck im Schlag Nr. 14 und 15, wo mit der Verstetgerung begonnen und diernächst mit derselben im Schlag Nr. 13 an der Usingerfraße fortge⸗ fahren wird.

Friedberg den 20. Juni 1872.

In Auftrag der Freiberilsch von Rifter'schen Gutsver⸗ waltung zu Rüdesheim. in.

Versteigerungs Anzeige.

1843 Dienstag den 9. Juli. J., Vormittags 1 ubr,

werden in der Behaufung des Joseph Geck II. dahser braunes Pferd, 1 Kuh, 2 Ziegen öffentlich an den Meistbietenden versseigert Zriedberg den 5. Juli 1872. In Auftrag: Gtoßberzoglichen Landgerichts Friedberg Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. N

Der dienffälteste Gerichtsmann. F a l d.

[Oeffentliche Bekanntmachung.

Die Legaltfirung des Grundbuchs der ö Gemarkung Kirch-Oöne.

1819 Die in Nr. 72 des Oberhesfischen Anzeigers unter Inserat Nummer 1698 benannten Grundbefitzer der nach Flur und Nr. bezeichneten, in der Ge- markung Kirch Göns gelegenen Immobilien haben bei mangelndem urkundlichem Eigentbums nachweis auf Grund vorgelegter genügender ortsgerichtlicher Bescheinigung des rechtmäßigen Erwerbes und langjährigen Besitzes bean tragt dieselden im Grundbuch den früheren Besitzern ab und ihnen zuzuschreiben, sowie in Gemaßheit des Art. 30 des Gesetzes vom 21. Februar 1852 den ErwerbtitelEr sizung deischreiben zu lassen. Es werden demgemäs Alle, welche an die fr. Items Ansprüche bilden zu können glauben aufgefordert, solche so gewiß innerhalb 6 Wochen bei dem unlerzeichneien Gericht geltend zu machen, als sonst dem Antrag der genannten Besitzer ftattgegeben werden wird und dieselhen ols vermutete Eigenthümer unter Beischretbung des ErwerbtitelsErsitzung in

0

das Mulationeverzeichniß und das Grundbuch der Ge⸗

markung Kirch Göus eingetragen werden sollen. Butzbach den 12. Junt 1872.

Großherzogliches Landgericht Butzbach. 0 Dr. Gilmer, Königer, Landrichter. Landgerichts⸗Assessor.

Ueuẽe lackirte Beltstellen

1689 mit Sprungrahmen und Matratzen find vor⸗

räthig zu haben bei Friedr. Kersting, Tapezirer. 0 Bad⸗ Nauheim.

Güter⸗Versteigerung. 1789 Montag den 8. Juli d. J., Vormittags 10 Uhr, sollen in hiesigem Rathhause auf freiwilligen Antrag des Johannes Jost II. dahier die demselben zu⸗ ftehenden Güterstücke in Friedberger und Ockstädter Ge⸗ markung öffentlich meistbietend versteigert werden.

Friedberg den 28. Juni 1872. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Foucar.

Bekanntmachung.

1808 Ole am 28. Juni l. J. in dem Graͤflichen Revier Bainhards abgehaltene Holzversteigerung ist genehmigt und der erste Fahrtag auf Montag den 8. l. Mis. anberaumt. ö Wickstadt den 1. Juli 1872. Gräfliche Oberförflerei Assenheim. Schallas.

Schafpferch-Versteigerung. 1834 Montag den 8. Juli d. J., Vormittags 11 Ühr, sollen in hiesigem Rathhause 10 bis 15 Schafpferche au den Meistbietenden versteigert werden. Friedberg den 4. Jult 1872. g

ene eee Friedberg.

Der Orog herzogliche Beigeordnete. Stein bäuße r.

1779 Einige hundert tüchtige Erdarbeiter werden mit einem täglichen Verdienst von 5 bis 6 Franken in Accord zu Festungsbau-Arbeiten nach Straßburg ge⸗

sucht. Näheres bei der Expedition d. Bl.

Ferner bewilligte der Gemeinderath der See 11 1 a f 5 im An

triebe jedem ihrer beiden Lehrer eine Remuneration von- 100 fl. Die Gemeinde Dorn⸗Dürkheim bestimmte jedemi hrer definitiv angestellten Lehrer, ohne daß dieselben

1. Januar d. J., von 50 fl.; und dem zweiten Lehre!