Ausgabe 
6.1.1872
 
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10 Heilage.

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Deutsches Reich. Darmstadt.

zufolge der Begründung.

Berlin. Dem Prinzen Fredrich Karl ist von dem König von Spanien der Orden des goldenen Bließes verliehen. Den Investituract wird der Kaiser selbst als Inhaber des goldenen Bließes vollziehen. Prinz Friedrich Karl beab⸗ sichtigt im Lagfe des Monats Januar eine längere Reise nach Italien und nach dem Orient anzutreten.

Bezüglich der deutschen Gewehrfrage kann dieAllg. Militär-Zeitung berichten, daß der würtembergische Büchsenmacher Mauser von Obern- dorf einen Ruf nach Spandau erhalten hat, um dort einstweilen 25 Gewehre herzustellen. Die mit denselben vorzunehmenden Versuche werden dann endgültig über die Annahme des Reichs- Modells entscheiden.

Abermals ist eine Petition im Bureau des Abgeordnetenhauses eingegangen, welche den traurigen Nachweis führt, daß von über 36,000 Ele- mentarlehrern überhaupt nur 816 über 500 Thlr. jährliches Einkommen haben. Von diesen 816 unterrichten 641 in Städten und 175 auf dem Lande, und zwar: 182 in der Rheinprovinz; 173 in Sachsen; 136 in Schlesien; 107 in Ost⸗- und Westpreußen; 85 in Brandenburg; 66 in Pommern; 50 in Wesiphalen und 17 in der Provinz Posen. In Hohenzollern gibt es nicht tinen einzigen Elementarlehrer mit über 500 Thlr. Gchalt.

Die in letzter Zeit sich öfter wiederholenden 2 daß militärpflichtige Personen vor Ableistung prer Militärpflicht sich durch Verheirathung einen tigenen Hausstand begründet haben, haben dem Kriegs minister, wie dieK. Z. meldet, Veran- lassung gegeben, die Bestimmungen der Ersag⸗ Instruction für den norddeutschen Bund wieder⸗ delt in Erinnerung zu bringen, nach welchen Militärpflichtige durch Verhelrathung oder Grün⸗ dung eines eigenen Hausstandes von der Erfüllung ihrer Militärdienstpflicht weder entbunden werden können, noch überhaupt aus solchen selbstgeschaffenen Verhältnissen keine Berücksichtigung hergeleitet wer den darf, da es jedes Militärpflichtigen Sache ist, vor Ableistung seiner Militärpflicht im stehenden Heere keine Verhälinisse anzuknüpfen oder herbei zuführen, welche geeignet sein können, ihm die Erfüllung dieser Pflicht zu erschweren, und daß diejenigen Militärpflichtigen, welche sich dennoch vor Ableistung ihrer Militärpflicht verheirathen, weder für ihre Ehefrau, noch für ihre mit der⸗ selben erzeugten Kinder auf irgend eine Unter- stützung aus Militärfonds zu rechnen haben. Gleichzeitig sind die Geistlichen angewiesen, Mili⸗ tärpflichtige, welche sich verheirathen wollen, bei Nachsuchung des Aufgebots auf diese Bestimmungen aufmerksam zu machen.

Bei dem Empfang am Neujahretage rich⸗ tete der Kaiser an die Generäle und Minister einige warme und herzliche Worte, worin er dankend anerkannte, wie sie während des Kriegs zur glücklichen Führung und Beendigung der großen Aufgabe beigetragen. Jetzt müsse das Bestreben Aller darauf gerichtet sein, den Frieden, der uns hoffentlich auf lange Zeit gesichert sei, nutzbar zu machen für die Stärkung der Grundlagen, auf denen wir zu der jetzigen Größe gelangt sind, und für die Entwickelung und die Pflege aller geistigen und äußeren Güter des Volkes. Der Provinzial Correspondenz zufolge wird General- Lieutenant v. Stosch den TitelChef der Admi ralität erhalten. Außerdem ist derselbe zum preußischen Staatsminister ernannt worden.

München. Abgeordnetenkammer. Der Finanz- minister macht in Beantwortung der Interpellation Pfahler's, betreffend die Verwendung der Kriegs- entschaͤdigungsgelder, folgende Mittheilungen: An

Hberhessi

Die als Gerücht gemeldete Verlegung des hessischen Inf. Regts. Nr. 118 von Mainz nach Bitsch entbehrt derFr. Zig.

folge für das Vaterland begleitet sein würden.

2.

die einzelnen Staaten wurden bisher vertheilt

153,334,000 Thaler. Die Vertheilung geschieht nach Verhältniß des Effectivstandes der Armeen der Einzelstaaten. Vorläufig wurde die Verthei lung nach der Kepfzahl begonnen, mit dem Vor- behalt der genauen Richtigstellung des obigen Verhältnisses. Demnach steht der Antheil Baperns noch nicht fest. Eingegangen sind bereits 25,519,148 Thlr. und als Antheil an der Pariser Contri- bution 11,713,000 fl. Ueber die Verwendung der Gelder erfolgt demnächst eine Vorlage Seitens der Regierung. Der Kriegskostenantheil soll zur Tilgung der Kriegsschuld von 1870 und dann zur Tilgung der allgemeinen Staatsschuld ver- wendet werden.

Stuttgart. Die Abgeordnetenkammer hat ihre Sitzungen wieder aufgenommen.

Straßburg. Durch kaiserliche Erlasse sind tine große Anzahl neuer Maires für Elsaß Lothringen ernannt. Ein weiterer Erlaß vom 9. Dez. 1871 verfügt die Einsetzung ciner Be⸗ hörde unter dem NamenKaiserliche General- direction der Eisenbahnen in Elsaß Lothringen behufs des vollständigen Ausbaues, der Verwal⸗ tung und des Betriebes der Reichs-Eisenbahnen.

Ausland.

Oesterteich. Wien. Der Kaiser empfing den Präsidenten und Vicepräsidenten des Abge ordnetenhauses. Er gedachte in der Erwiderung auf ihre Anrede in anerkennender Weise der Schnelligkeit, mit welcher die Gesetzvorlage wegen provisorischer Forterhebung der Steuern ihre Er ledigung gefunden habe und sprach die Hoffnung aus, daß bei einem harmonischen Zusammenwirken der Majorität in beiden Häusern des Reichsrathee und der Regierung die Arbeiten der diesmaligen Session von einem gedeiblichen segensreichen Er

Frankreich. Paris. Acußerungen Poupel⸗ Quertiers lassen befürchten, daß das Deficit des Budgets weit bedeutender ist, als man bisher vermuthete. Die Majorität beabsichtigt, das Kriegs

cher Anzeiger.

budget um 100 Millionen zu reduciren.

DasJournal ossiciel theilt mit: Während des Empfanges des diplomatischen Corps erhielt der Prästdent der Republik vom Grafen Arnim ein Schreiben, worin Letzterer sagte, daß, da er noch nicht die Ehre habe, dem diplomatischen Corps von Paris anzugebören, er auf das Ver⸗ gnügen verzichten müsse, den dem Präsidenten am Neujahrstage dargebrachten Glückwünschen die seinigen hinzuzufügen. Diese Verzögerung, hieß es sodann in dem Schreiben des Grafen, ver- hindert mich nicht, Ihnen den Ausdruck meiner Hochachtung darzubieten und Ew. Exellenz zu versichern, daß ich den Gedanken meiner Regie- rung ausdrücke, indem ich Ihnen bei der Aus- übung Ihrer mühevollen und patriotischen Thätig keit jeden von Ihnen selöst ersehnten Erfolg wünsche.

Nach demJournal officiel sind vom 25, bis 31. Dez. 440 Freilassungen gefangener Insurgenten erfolgt. Die Gesammtzahl der Frei- lassungen beträgt bis jetzt 11,720. Dasselbe Blatt meldet, daß die russische Botschaft das Ge rücht dementirt habe, Rußland beabsichtige fran zösische Ofsiziere zum Eintritt in die nussische Armee zuzulassen.

Donuaufürstenthümer. Bukarest Die Kammer beendigte in ihrer Sitzung die Berathung über die Vorlage, die Eisenbahn-Convention be treffend, durch Annahme des ganzen Gesetzent- wurfes. Der Vertreter der Berliner Gesellschaft legte in den letzten Tagen Verwahrung ein gegen jede Bestimmung, welche den Ausbau der Bahnen und deren Betrieb verhindern könne.

Asien. Auf(elegraphischem Wege kommt aus Persien die Meldung, daß in Teheran, Ispahan und Chiraz Regen gefallen ist. Das ist in sofern von Wichtigkeit, als jetzt auf einer großen Land-

[Buckau

strecke Persiens das Vieh auf etwa einen Monat mit Futter versehen ist.

In Kleinasien herrscht, demPester Lloyd zufolge, große Bewegung unter den Mohamedanern. Einige Tausend derselben sind zum Christenthum übergegangen, darunter auch Mullahs, was eine bedeutungevolle Erscheinung wäre.

Gießen. Wie sehr ber Unsug des Schießens in der Neujahrsnacht zu verdammen ist, deweist eben wieder ein Fall, der ein Menschenieben koftete. In Heuchel beim wurde einem jungen Manne von 16 Jahren die vordbete Gesichtsbälfte sast ganz abgeschossen, und ist der Be⸗ dauernsweribe seinen Leiden in hiesiger Klinik erlegen.

In Laubach wurde ein Falschmünzer entdeckt und ve⸗ reits in das Provinzial⸗Arrestbhaus nach Gießen geschlossen abgeführt.

Aus Oberhessen. Zu den bereits gegründeten und noch in der Bildung begriffenen Lehrervereinen kann nunmehr auch der Deutsch-Israelitische gezahlt werden.

Die vorberathende Generalversammlung fand in Mann⸗ (heim am 3. Oktober v. J

statt, woselbst die Statuten berathen und festgesetzt worden sind. Der Verein be⸗ zweckt neben Hebung der Schule finanzielle Besserstellung und Gleichberechtigung sämmtlicher isr. Lehrer Deutsch⸗ lands. Als Präsident und Schriftführer fungiren die Lehrer Klingelstein in Oberingelheim und Heß in Friedberg.

Frankfurt. Die Abonnentenzahl im Palm garten bat vis jetzt um 400 im Vergleich zum Vorjahr zuge⸗ nommen und ist dis auf üder 3000 angewachsen. Die Zabl der Besucher des Etablissemenis belief sich in 1871 auf etwa 132000.

Offenbach. Mit dem 1. Jan. hat die preußische

[Regurung die Offenbach⸗Frankfurter Eisen bahn

übernommen und die seitherigen hessischen Ocamien auf ihren Dienst verpflichtet.

Aus Stuttgart schreibt man: Stit Neujahr er⸗ freuen wir uns jetzt wieder der Polizeistunde: desucht man ein Concert, das Theater und es wird, wie nament⸗ lich dei den langaihmigen Schauspieladenden im Hof⸗ theater, bald 11 Ubr, so darf der schwädische Junggeselle wieder, wie in den Vorzesten, hungrig ins Beit gehen. (Da kann Heirathen sbhelsen! D. R.)

In Pirna ist man durch die Verhaftung eines Photographen Jentzsch einer sehr weit verbreiteten Falsch⸗ münzer⸗Verbindung auf die Spur gekommen. Das Haupt derselben, auf dehen Anlaß Jenßsch in Struppen das Geld gefertigt, war ein Schlossermeister aus Lößnitz dei Aue, der jedoch, rechtzeitig gewarnt, nach Amerika ent⸗ flohen ist. Das meist auf photographischem Wege nach⸗ gemachte Papiergeld sollen Zehngulden⸗Noten der öster⸗ reichischen Nationalbank zu Wien und Zehnthaler-Noten der Waimarischen Bank und namentlich von den ersteren nicht unbedeutende Quantitäten verausgabt sein.

Berlin. Die Resultate der letzten Volkszählung haben, soweit sie bis jetzt schon vorliegen, mehr noch als die vorhergehenden Zahlungen, ein ungeheures Anwachsen der großen Städte in Deutschland ergeben. Preußen, das nach den Befreiungskriegen nur eine einzige Stadt mit mehr als 100,000 Einwohnern aufzuweisen hatte, nämlich seine Hauptstadt mit 197,000 Seelen, zaͤhlt setzt außer der ersten deutschen Kaiserresidenz, deren Bevölke⸗ rung in ihrem engern Stadtbezirke auf 828,000 Seelen angewachsen ist, nicht weniger als zehn Städte mit einer Einwohnerzahl von 100,000 in runder Summe und darüber, naͤmlich Breslau mit 20,000 Einwohnern, El⸗ berfeld Barmen mit 160,000 Einwohnern, Köln mit 130,000 Einw., Koͤnigsberg mit 112,000 Einw., Magde⸗ burg nebst dessen Vorstadten Neustadt, Sudenburg und mit 110,000 Einw., Hannover mit 105,000 Einw., Franksurt a. M. mit Bornheim und Bockenheim mit 104,000 Einw., Danzig mit 100,000 Einwohnern, Stettin mit 97,000 Einw. und Altona mit 95,000 Ein⸗ wohnern. Im übrigen deutschen Reich gibt es ebenfalls acht Staͤdte, deren Bevölkerungszahl die Ziffer 100,000 bereits weit überschritten, wie Hamburg mit 240,000 Seelen, Muͤnchen mit 190,000 Seelen, Dresden mit 17000 Seelen, Leipzig mit 107,000 Seelen, oder doch nahezu erreicht haben, wie Stuttgart 97,000 Seelen, Nürnberg 87,000 Seelen, Bremen 80,000 Seelen und Straßburg mit 80,000 Seelen. Städte mit über 30,000 Clvileinwohnern, die nach der neuen, dem preußischen Landtage vorgelegten Kreisordnung einen elgenen Kreis bilden konnen, gibt es in Preußen außer den oben ge⸗ nannten Communen noch 17, darunter Aachen mit 80,000

Einwohnern, Düsseldorf mit 80,000 Einw. FCrefeld mit 70,000 Einw., Essen mit 45,000 Einw., Duisburg mlt 30,000 Einw., Wiesbaden mit 36,000 Einw., Kassel mit 44,000 Einw., Halle mit 52,000 Einw., Erfurt mit 32,000 Einw., Posen mit 60,000 Einw., Elbing mit 30,000 Einw., Frankfurt g. d. O. mit 44000 Ginw., zotsdam mit 42,000 Einw., Dortmund mit 44,000

Einw., Goͤrlitz mit 46,000 Einw. e. Preußen würde demnach einschließlich Berlin 20 Stadtkreise zahlen mit einer Bevoͤlkerung von nahezu drei Willtonen, also gleich dem achten Theile der Gesammtbevoͤlkerung des Staates