Ausgabe 
5.9.1872
 
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erhalten, noch ist es Freiherr v. Gasser gelungen, ein Cabinet zusammen zu bringen, welches an die Stelle der Lutz Fäustle-Pranckh treten könnte. Der Stein, an dem alle diese im particularistischen Sinne wohlgemeinten Anläufe anstoßen, ist offenbar die Zwangslage, in der die bayerische Regierung sich der Reichsverfassung gegenüber befindet und welche den Gesinnungsgenossen des ultramontanen Frh. v. Gasser nur sehr geringen Spielraum bietet.

München. Dem Vernehmen nach wird die bayperische Cavalerie um zwei Regimenter vermehrt und dadurch auf die Zahl von 12 Regimentern gebracht werden. Die Gattung der beiden neuen Regimenter ist noch nicht bestimmt. Für die gesammte baperische Reiterei wird die preußische enganliegende Hose und Halbhose, für die Küras siere mit den schwedischen Stiefeln, eingeführt werden.

Bis zum 1. d. hatte Minister v. Lutz die schriftliche Genehmigung seines Enklassungsgesuches nech nicht erhalten, dagegen hat Fehr. v. Gasser den ausdrücklichen Auftrag zur Bildung eines neuen Cabinets erhalten, da die übrigen Minister, mit Ausnahme des Kriegsministers(2) auf die Nach- richt von seiner Berufung ebenfalls demissionirten. Bomhardt, den v. Gasser zum Justizminister aus- ersehen, hat aus Gesundheitsrücksichten abgelehnt; statt desselben beabsichtigt Gasser, den Appellations- gerichtsdirtctor Kurz in Aschaffenburg zum Ein- tritt in das Cabinet zu bestimmen.

Die Nachrichten über den Stand der hie⸗ sigen Ministerkrisis, welche in den letzten Tagen verbreitet waren, scheinen noch etwas verfrüht zu sein.

Speyer. Die Zahl der Theilnehmer der hier abgehaltenen Hauptversammlung des Gustav⸗ Adolphsvereins beträgt etwa 350. Die Collecte während der Festtage ergab die Summe von 404 fl. Die Gesammteinnahme des Vereins be trägt nach dem Rechenschaftsberichte 206,547 Thlr., und es wurden im abgelaufenen Rechnungsjahre 1017 Gemeinden unterstützt. Die Sammlungen der Frauen ⸗Vereine ergaben im letzten Jahre 20,259 Thlr., gegen 25,033 Thlr. im vorigen, wogegen die übrigen Sammlungen des Vereins in runder Summe 8000 Thaler mehr ertragen, als in dem vorausgehenden, so daß die Gesammt Einnahme dieses Rechnungsjahres weitaus die höchste ist, die der Verein seit seinem Bestehen ge habt hat. Als nächster Versammlungsort wurde Kassel bestimmt.*

Straßburg. Die Kreisdirectoren haben die Anweisung erhalten, alsbald nach dem 1. Oktober festzustellen, welche der Optanten ihren Wohnsitz wirklich nach Frankreich verlegt haben. Diejenigen, welche darüber keinen Nachweis liefern können, erhalten die schriftliche Eröffnung:daß ihre Option unwirksam sei und sie daher nach wie vor Angehörige von Elsaß Lothringen geblieben sind. Beschwerden hiergegen gelangen zur Erörterung und Entscheidung der Behörden, damit Zweifel über die Zugehörigkeit des Einzelnen zu einer oder der anderen Rationalität möglichst vermieden werden.

Die hiesigen medicinischen und pharma ceutischen Fachschulen werden mit dem 30. Sep- tember l. J. ihre Lehrthätigkeit einstellen.

Ausland.

Oesterreich Wien. DieN. Fr. Pr. erklärt gegenüber den nevestens circulirenden An- deutungen, Graf Andrassy habe anläßlich der Drei⸗Kaiser⸗ Begegnung an die Vertreter Oester reichs im Auslande eine namentlich Frankreich und Italien beruhigende Circular-Depesche gerichtet, daß eine derartige Circular-Depesche bislang nicht existire und überhaupt vor der stattfindenden Be gegnung der Monarchen in Berlin keinerlei diplo- matische Mittheilung Seitens der betheiligten Mächte ergehen dürfte. Man scheine in dieser Beziehung einig zu sein, daß, wenn überhaupt eine diplomatische Mittheilung erfolge, dies erst nach der Begegnung der Monarchen geschehe, und daß diese Mittheilung von den leitenden Ministern der drei Großstaaten in Berlin gewissermaßen vorberathen und das betreffende Actenstück in mög⸗ lichst homogener Form abgefaßt werden solle.

Frankreich. Paris. DerTimes wird von ihrem hiesigen Correspondenten geschrieben: Prinz Friedrich Karl lud bei seinem jüngsten Be suche in Commerch die französischen Behörden ein, ihn zu besuchen, und nachdem er sich bei ihnen nach dem Befinden des Präsidenten und über die Artillerie-Experimente in Trouville erkundigt hatte, drückte er die Hoffnung aus, daß die guten Be⸗ ziehungen zwischen den beiden Regierungen fort dauern würden. Der Prinz trug während der Unterredung große Courtoisie gegen seine franzö⸗ sischen Besucher zur Schau.

Die seiner Zeit so vielgepriesene Uebersiedelung von Elsässern und Lotbringern nach Algier stellt sich immer mehr als ein total verfehltes Project heraus. Die Sache ist so gründlich verfahren, daß der Gouverneur von Algier, Viceadmiral de Gueydon, nach Frankreich berufen worden und daselbst bereits eingetroffen ist, und eine Unter suchung nahe bevorsteht. Bis jetzt sind in Afrika nicht mehr als 50 elsässische Familien unterge⸗ bracht, und diesen geht es erbärmlich genug. Unter dem Kaiser Napoleon war es den Soldaten bekanntlich streng verboten, anti- gouvernementale Blätter zu lesen. zwei Schreiben hervorgeht, welche derRappel veröffentlicht, diese Maßregel aufrecht erhalten und den Offizieren sowohl als den Soldaten das Lesen der radicalen Blätter untersagt.

Großbritannien. London. DerTele- graph erfährt, daß ein Telegramm eingetroffen sei, wonach in Honduras eine Insurrection aus⸗ gebrochen wäre; die Insurgenten wären siegreich und hätten die Eisenbahn zerstört.

Amerika. Newpork. Der SteamerViei ville ist auf der Fahrt von hier nach Aspinvall am 15. Aug verbrannt. Es gelang den Rettungs- booten mit den Passagieren Bahama zu erreichen. Nur zwei Boote kamen durch den Wellenschlag zum Sinken, wobei 30 Personen ertranken.

H. Friedberg. Auch unsere Stadt hat den 2. Sept. in würdiger, festlicher Weise begangen, wenngleich eine öffentliche Feier erst in letzter Stunde angeregt worden war. Glockengeläute am Vorabend und am Morgen des denk würdigen Tages leitete die Feter ein, dann folgte Choral- musik vom Thurme der Burgkirche herab, ausgeführt durch die Schellhaas'sche Kapelle. Nachdem sodann in den Vormittagsstunden in sämmtlichen Schulen der Stadt eine angemessene Feier stattgefunden hatte, begann um 10 Uhr in ber Stadtkirche ein Gottesdienst, bei welchem Herr Seminarlehrer Stamm die Festrede hielt. Am Nach mitlage machten Lehrer und Schüler unserer Lehranstalten nach verschiedenen Richtungen bin Spaziergänge und Abends versammelte sich ein zahlreiches Publikum im Simon'schen Saale zu einem Bankett, das, von patrio⸗ tischem Geiste gehoben und durch Reden, Toaste und musikalische Vorträge belebt, in befriedigendster Weise verlief.

I Dornassenheim. Die Jahresfeier des großen Sieges von Sedan fand auch dahier in ebenso erheben⸗ der, als der Oertlichkeit angemessener Weise statt. Früh Morgens feierlicher Gottesdienst mit te Deum, wobei Herr Decan Gombert eine alle Anwesende nief ergreifende Rede hielt. Bei der um 9 Uhr stattgehabten Schulfeier⸗ lichkeit hob der Schulvorstandsdirigent, Herr Decan Gom⸗ vert die Bedeutung des Tages in würdiger ansprechender Weise hervor. Geführt von den beiden Lehrern begab sich am Nachmittage die Schuljugend unter großer Be⸗ theiligung von Seiten der Gemeindeglieder nach der außerhalb des Ortes in 1871 dahier gepflanzten und recht wohl gedeihenden Friedenseiche, wo nach Absingung eines Liedes Herr Lehrer Brandt noch eine passende Anrede hielt und dann noch der Vortrag mehrerer patriotischer Lieder folgte. Die Stimmung bei der ganzen Feier war eine sehr gehobene.

In Homburg räumt die anonyme Gesellschaft der Spielbank bereits aus. Was etwa von Werth für die Zufluchtsstätte in Monaco ist, wird dorthin geschleppt; das Minderwerthe kommt hier unter den Hammer, darun⸗ ter auch die berühmte Orangerie des verstorbenen Kur⸗ fürsten von Hessen, welche durch ein unglückliches Blätichen nach Homburg wanderte.

U Büdingen, 1. September. Heute Nachmittag and, von dem Wetter begünstigt, die feierliche Einweihung des dem Andenken der 8 Gefallenen aus hiesiger Stadt errichteten Denkmals statt. Um 3 Uhr bewegte sich der Festzug gebildet aus Schülern der Volksschule, Gym⸗ nasium, Stadtrath, Schützenverein, Turnverein, Festjung⸗ frauen, Beamten und Bürgern vom Schloßplatz aus

durch die geschmückte Stadt zu dem am östlichen Ende der Bahnhofstraße errichteten Denkmal. Auf den ChoralEin' feste Burg folgte die Ansprache

des Bürgermeisters Hölzinger, der das Denkmal der Geistlichkeit zur Weihe übergab. Darauf sprach Pfarrer Thylmann in körniger, kräftiger Rede. Ergreifend war es, wie, als der Redner der Gefallenen gedachte,

drei Ehreusalven der Krieger ernst mililärisch grüßten,

stellenden Aufsatz gekrönt.

Die Republik hat, wie aus

die Glocken in der Stadt zu läuten begannen und zu

gleich die Angehörigen der Gefallenen vor dem Denkmal

Kränze niederlegen. Ein Krieger sprach darauf im Namen seiner anwesenden Kameraden, die von den Fest jungfrauen sämmtlich mir Blumen geschmückt worden waren, herzlichen Dank aus, worauf Stadtrath Rullmann dem Vaterland ein Hoch darbrachte. Zwischen den ein⸗ zelnen Reden tönten Choralmelodien. Nachdem sich der Zug wieder auf dem Marktplatz eingefunden hatte, empfahl Bürgermeister Hölzinger das Denkmal nochmals dem Schutze des Publikums und mit einem von Gymnasial lehrer Pr. Oßwald ausgebrachten Hoch auf den Stadl vorstand schloß die in würdigster Weise verlaufene Feier, zu der sich aus der Umgegend eine bedeutende Menschen⸗ menge eingefunden hatte. Das aus rothem Sandstein gearbeiteie Denkmal erhebt sich auf einem kleinen von Basaltblöcken umgebenen Hügel in einer Höhe von 8 Fuß, bildet eine achteckige Säule, auf deren jeder der Name eines Gefallenen eingezeichnet ist und wird in schöner Weise durch einen Helm, Schwect und Lorbeerkranz dar⸗

eines jungen talentvollen hiesigen Steinhauers, dem wit bei tüchtigem Fleiße und ernsten Studien eine schöne Zukunft prophezeien dürfen. Das Denkmal selbst aber, das Allen, die daran arbeiteten, Ehre macht, bildet, an außerordentlich gelegener Stelle errichtet, eine erwünschte neue Schönheit unseres mehr von der Natur als der Kunst beqgünstigten Städtch us.

Gießen. Am Samstag Morgens um 11 Uhr schlug der Blitz während eines furchtbaren Gewitters in die Kappes'sche Wirthschaft auf der Liebigshöhe ein. Durch das Fehlen von Wasser konnte dem ausgebrochenen Brande nicht gehörig gesteuert werden und brannte die eine Hälfte des Hauses ab, während die andere durch die Brandmauer geschützt wurde. Die Ernte der Leute ist sämmllich ver⸗ brannt und haben dieselben einen sehr großen Verlust er⸗ litien, da, wie man hört, sie nicht versichert sind.

Frankfurt. Unter den 658 Mitgliedern des Juristen⸗ tags befanden sich 22 der Staatsanwallschaft und 256 bem Beamtenstand angehörige Mitglieder. Von Baden nahmen Theil 34, Bayern 54, Braunschweig 2, Hessen-Darmstadt 64, Detmold 1, Hamburg 10, Lübeck 1, Anhalt-Köthen 2, Coburg⸗Gotha 3, Meiningen 1, Mecklenburg 6, Olden⸗ burg 7, Oesterreich 32, Preußen 340,(Frankfurt 111), Reuß 1, Königreich Sachsen 26, Sachsen-Weimar 5, Würitemberg 62, England 1, Dänemark 1, Amerika 1, Schweden 1, Holland 1, Schweiz 1. An dem im Palmen⸗ garten staltgehabten Bankett nahmen ca. 400 Mitglieder des Juristentags Theil.

Darmstadt. Die in Dieburg befindliche Straf⸗ anstalt für weibliche Gefangene wird wahrscheinlich ein gehen und hierher verlegt werden, da in Folge des neuen Strafgesetzes die Zahl der dort befindlichen Strafgefangenen eine shr unbedeutende geworden ist.

[D* Worms. Den Besuchern der lokalen Gewerbe⸗ und Industtie-Ausstellung zu Worms, welche am 11. Sep⸗ tember d. M. bei Gelegenheit der Generalversammlung des Landes-Gewerbevereins und in Gegenwart der Be⸗ sucher derselben eröffnet wird, können wir die erfreulsche Miluheilung machen, daß der Verwaltungsrath der Hessi⸗ schen Ludwigsbahn in Mainz, sowie die Direction der Pfälzischen Eisenbahnen in Ludwigshafen mit höchst an⸗ erkennenswerther Bereitwilligkeit die Begünstigung einge⸗ räumt haben, daß bei gleichzeitiger Lösung von Aus⸗ stellungsbilleten die einfachen Fahrkarten zur freien Rückfahrt berechtigen. Diese Fihrpreisermäßigung einerseits, sowie anderseits der sehr niedrig gestellte Eintrittspreis(12 kr. à Person) vorzugsweise aber der gute Ruf, dessen sich unsere einheimische Industrie nach Außen erfreut, lassen einen zahlreichen Besuch aus Nah und Fern erwarten.

Bingen. Vor mehreren Nächten geriethen hier eine Anzahl auf der Durchreise von Frankeeich begriffener rother Husaren in Conflict mit Civilisten und interveniren⸗ den Polizisten, wobei schließlich von der blanken Waffe Gebrauch gemacht wurde und ein Civilist, sowie ein Polizist ziemlich erhebliche Verletzungen davontrugen. Eine Untersuchung über den Vorgang soll eingeleitet sein,

Geisenheim. In dem landwirthschaftlichen Ministerium zu Berlin ist eine Broschüre verfaßt worden, welche eine Beschreibung der Einrichtungen der zu eröff⸗ nenden Lehranstall für Obst- und Weinbau zu Geisen⸗ heim gibt. Dieser Ort wurde für die Anlage eines solchen Instituts am geeignetsten gehalten, weil er bereits eine bedeutende Obsicultur hat und die pomologischen Gärien der Villa Monrepos daselbst bis zu der Zeit, wo die eigenen Anlagen der neuen Lehranstalt herangewachsen sein werden, ein Lehrmittel abgeben, wie ein solches in Preußen schwerlich wieder zu finden ist. Das Statut der Anstalt gibt den Zweck derselben dahin an, daß sie gegen über anderen gärknerischen Lebranstalten vorzugsweise einen höheren und möglichst vollkommenen Betrieb des Obst⸗ und Weinbaues, sowie der ganzen Nutzgärtnerei, gestützt auf naturwissenschaftliche Grundsätze, lehren und darstellen soll.

Bei Caub wurde am 28. August von dem Dampfer König ein mit Schiefer beladener Nachen in den Grund gefahren. Von den Insassen konnte nur ein Mann hes rettet werden, während die drei übrigen darunter Valer und Sohn ertranken.

Aschaffenburg. Uhrmacher Schulz, Commandant der hiesigen Feuerwehr, hat für einen Apparat, der es möglich macht, mindestens eine halbe Stunde in von Rauch oder Slickluft angefüllten Räumen sich nicht blos aufzuhalten, sondern auch frei nach allen Richtungen hin zu bewegen, von der Jury der Kaiserslauterer Industrle⸗ Ausstellung eine Medaille zweiter Classe erhalten. 1

München. Am Königszuge ist bereils die Heber

Letzterer Theil ist die Arbeit

lin'sche Schnellbremse angebracht und so eingerichtet, 1

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