Ausgabe 
4.6.1872
 
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tragenen Function eines Ergänzungsrichters bei dem Be⸗ zirksgericht Mainz auf sein Nachsuchen zu enttzeben.

XIV. Dienstentlassung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog baben allergnädigst geruht: am 29. April den Werkführer dei der Centralwerkstätte der Main⸗Neckar⸗ Eisenbahn, Franz Hoffmann, auf sein Nachsuchen aus dem Dienste zu enlassen. 5 5

XV. Versetzungen in den Ruhestand. Seine König⸗ liche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht; am 2. Mai den Schullehrer an der 2. evang. Schule zu Rimbach, im Kr. Lindenfels, Philipp Hebenstreit I., mit Wirkung vom 1. Januar 1872 an, auf sein Nachsuchen und am 14. Mai den Schullehrer an der evang. Schule zu Melbach, im Kr. Friedberg, Christoph Amend, auf sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen.

XVI. Concurrenzeröffnung. Erledigt ist: die 2. evang. Schulstelle zu Walldorf, im Kreise Groß-Gerau, mit einem jährlichen Gehalte von 300 fl., exclusive das Mahp'sche Legat. 8

XVII. Sterbefälle. Gestorben sind: am 30. März der Scharfrichter Peler Reichmann zu Mainz; am 21. April der emeritirte evang. Lehrer Johann Conrad Bechtold zu Schlitz; am 4. Mai der pens. Oberförster Borkhausen zu Aschaffendurg; am 21. Mai der Hofße⸗ richts⸗Canzleidiener Jobannes Reiter zu Darmstadt.

Darmstadt. Der Rhein, welcher bei Er felden die Dämme durchbrochen, bedroht die Rheingegend.

Am 16. Mai wurde der Advokat⸗Anwalt bei dem Gerichte zu Mainz, Dr. Car! Jung, zum Ergänzungsrichter bei dem Bezirksgericht Mainz ernannt; am 24. Mai wurde der Landrichter des Landgerichts Hirschhorn, Dr. Wilhelm Müller, in den Ruhestand versetzt und zu seinem Dienst⸗ nachfolger der Landgecichtsassessor Otto Pistor in Offenbach, sodann wurde zum Landrichter des Landgerichts Offenbach der Landrichter Franz Königer in Langen und endlich an dessen Stelle der Landrichter Gustav Langsdorff in Wald- Michelbach ernannt.

Berlin, 31. Mai. Der Reichstag erledigte die erste Berathung des Lasker'schen Antrags, be treffend die Ausdehnung der Reichscompetenz auf die gesammte Civilrechtsgesetzgebung, und nahm denselben in der alsbald folgenden zweiten Be⸗ rathung mit großer Majorität. an. Der Post⸗ vertrag mit Portugal wurde in dritter Lesung unverändert angenommen, ebenso derjenige mit Oesterreich Ungarn. Auf Anfrage erklärte der Generalpostdirector Stephan, daß der neue Post vertrag mit Rußland in den nächsten Tagen vor gelegt werden würde. Der Gesetzentwurf, betreffend die französische Kriegsentschädigung, wurde an die Commission verwiesen und die zweite Berathung des Etats über Eingangszölle obne Debatte erledigt.

Gegen den Prediger Sydow ist ein Dis- ciplinarverfahren eingeleitet und Termin auf den 6. Juni vor dem Consistorium angesetzt, jedoch ohne Zuziehung des Angeklagten, zum Behuf der Feststellung der amtlichen Anklageschrift.

Köln. DieKölnische Ztg. meldet: Dem Vernehmen nach hat der Gouverneur v. Franken⸗ berg den Divisionsprediger Lünnemann suspendirt und ihm Kirchenschlüssel und Kirchenbuch abnehmen lassen, weil derselbe auf Anordnung des Armee⸗ bischofs die Abhaltung des Militär-⸗Gottesdienstes in der St. Pantaleonskirche verweigerte.

Coblenz. Am 26. Mai begann der bekannte Prozeß gegen den Religionslehrer Beinroth aus Boppard, wegen öffentlicher Beleidigung der ex communicirten Prof. Dr. Knoott und Reiakens, vor dem hiesigen Zuchtpolizeigerichte. Der Zu hörerraum war bis zum Erdrücken gefüllt, und vor dem Sitzungssaal sowie auf der Straße hielten sich große Menschenhaufen auf, deren Haltung in Bezug auf Herrn Knoodt nichts Gutes erwarten ließ. Letzterer beging die Unvorsichtigkeit, gleich nach Vertagung des Prozesses und Angesichts der drohenden Menge das Gerichtsgebäude zu ver⸗ lassen. Denn schon beim Heraustreten aus dem Sitzungssaal wurde Hr. Knoodt mit Gebrüll von der Menge empfangen, der Hut wurde ihm ein geschlagen und er selbst von dem auf ihn ein dringenden Pöbel sehr übel behandelt.

Göttingen. DemH. Cour. schreibt man: Nachdem am 27. Mai Morgens noch eifrig an der Vollendung des Langensalza-Denkmals gear beitet war, wurden Nachmittags plötzlich die Ar beiten eingestellt. Wie wir hören, ist dies auf höheren Befehl geschehen, weil man bei Ausführung des Denkmals bedeutende Abweichungen von der

vorgelegten Zeichnung sich hat zu Schulden kommen lassen, indem die freilich äußerst schlecht ge⸗ rathenen Köpfe des Königs Georg, seiner Ge mahlin und seines Sehnes daran angebracht sind.

München. Minister des Auswärtigen, Graf v. Hegnenberg, wurde in der Nacht am 31. Mai mit den Sterbesacramenten versehen.

Zuverlässigen Nachrichten zufolge wird der Exkaiser Napoleon im Falle der Genehmigung der bayerischen Regierung schon in nächster Zeit in München eintreffen, im GasthofZu den vier Jahreszriten Wohnung beziehen und sich dann in das Soolbad Krankenheil bei Tölz zur Kur begeben.

Landau. Für die Beschaffung einer Glocke auf die Katharinenkapelle, in welcher der alt katholische Gpttesdienst stattfindet, hat die hiesige Einwohnerschaft 350 fl. gesteuert. Für die Her- stellung eines kleinen Thurmes hat der Stadtrath 250 fl. einstimmig genehmigt.

Braunschweig. Friedrich Gerstäcker ist nach kurzer Krankheit am 31. Mai gestorben.

Hannover. Die zu Pfingsten hier abge⸗ haltene orthodoxe Pastoren- Conferenz hat nach Mittheilung derKrz. Ztg. einstimmig die Er klärung angenomen: der Protestantenvecein sei ein unchristlicher und unkirchlicher Verein, vor welchem die Gemeinden zu warnen seien und welchen man mit Wort und That zu bekämpfen habe.

Hamburg. In den letzten Tagen trafen mit dem Dampfer von London im Ganzen sechs Millionen Thaler als Kriegs- Entschädigung für die Reichs⸗Hauptkasse hier ein. Auch wurde eine solche Geldsendung der Stockbank nach Berlin befördert.

Ausland.

Oesterteich. Wien. Die hiesigen Blätter sind voll von Berichten über das unermeßliche Unglück, welches mit den Wasserfluthen des 25. Mai über den größten Theil von Böhmen hereinge brochen ist. Hunderte von Ortschaften sind ver wüstet, viele gänzlich hinweggeschwemmt, Hunderte von Menschen haben in der jähen Katastrophe das Leben verloren; weit und breit sind alle Ge- filde verheert, die ganze Ernte an Getreide, Obst und Wieswachs vernichtet; der Viehstand ist deci mirt, sogar die Wälder auf großen Strecken niedergelegt, die Eisenbahndämme auf tausende von Klaftern durchbrochen und Grund und Boden mit Gerölle und Schlamm bedeckt. Die Noth ist ungebtuer. Ganz besonders scheint die Gegend von Pilsen, Saaz und Beraun gelitten zu haben. Die Wohlthätigkeit ist im höchsten Grade in An- spruch genommen, aber, wie man gestehen muß, auch in anerkennenswerther Weise thäthig.

Frankreich. Paris. DasJournal offi⸗ ciel veröffentlicht die Gutachten des Untersuchungs- raths über die Capitulationen von Longwy, Péronne und Rocroy In allen drei Fällen wird der übliche Tadel ausgesprochen, daß der Commandant keinen Sturm abgewartet habe und bei dee Ueber⸗ gabe auf reglementswidrige Clauseln eingegangen sei, oder die Vernichtung des Materials verab⸗ säumt habe. Eine schärfere Censur erhält der Vertheidiger von Péronne, der zu wenig Festigkeit und Umsicht gezeigt babe.

Versailles, 30. Mai. Die Nationalver⸗

sammlung genehmigte in ihrer Sitzung die vier ersten Artikel des Armeerekrutirungsgesetzes. Die selben sprechen die persönliche und obligatorische Dienstpflicht aus, schaffen die Engagementsprämien ab, setzen die Dienstdauer fest und beseitigen die Ersetzung. Die Versammlung genehmigte ferner mit 639 gegen 34 Stimmen den Artikel 5 des Gesetzes, welcher den bei der Fahne befindlichen Soldaten nicht gestattet, sich an den Wahlen zu betheiligen. 31. Mai. Die Nationalbersammlung setzte in ihrer Sitzung die Berathung des Gesetzentwurfs über die Militärpflicht fort und nahm die Art. 6 bis 23 desselben, welche die Einberufung des Contingents und die Befreiungen vom Dienste betreffen, an.

Großbritannien.

London. Neueren

Washingtoner Depeschen zufolge haben die Regie- rungen Amerikas und Englands inzwischen weitere

Erklärungen über die Fassung des Zusatz⸗ Artikels

des Washingtoner Vertrages ausgetauscht, welche eine befriedigende Lösung erwarten lassen.

In den beiden Parlamentshäusern weisen Granville(im Oberhause) und Gladstone(im Unterhause) darauf hin, daß am 3. Juni eine Zertagung des Congresses in Wasbington bevor- stehe und bis dahin die Alabamafrage zu einem solchen Ziele kommen werde, daß das Parlament eine definitive Mittheilung balt erwarten dürfe.

Spanien. Madrid. Von bier wird ge⸗ meldet, daß die durch Serrano mit den Insur- genten in Amorovieta abg' schlossene Convention, welche die zu den Insurgenten übergetretenen Offf⸗ ziere der königlichen Armee in ihren Chargen und Graden beläßt, große Sensation errege. Es heißt, daß Serrand, da der König und die Mehrzahl der Minister die Convention mißbillige, das Ober- commando nicht behalte, auch daß der Bestand des neuen Ministeriums gefährdet sei, da mehrere Mitglieder nur unter der Bedingung der Minister⸗ präsidentschaft Serrano's eingetreten seien.

General Echague ging am 30. Mai nach den baskischen Provinzen ab, um Serrano in dem Obertommando der Nordarmee zu ersetzen. Letz⸗ terer wird im Congreß Erklärungen über sein Verfahren abgeben.

Nach den letzten zuversichilichen Nachrichten, die der Telegraph aus Spanien brachte, hätte man den Carlisten-Aufstand für völlig beendet halten können. Der General Tristany ist aber über Nacht in's Land gefallen, hat eine Proclamation erlassen und macht sich daran, den Parteigänger krieg in größerem Styl weiterzuführen. Falls diese Proclamation ächt ist, so hat Don Carlos bei der Bevölkerung der baskischen Provinz neue Hoffnungen erweckt.

Amerika. Die Kabelnachricht von dem Untergang einer ganzen Robbenfängerflotte, welche an der Küste von Labradan zwischen Eisbergen und Eisfeldern von einem Orkan erfaßt worden sei, scheint übetrieben zu sein. Neuerer Meldung zufolge sind statt 40 Schiffen mit 4000 Mann nur 12 zu Grund gegangen.

Strehlen(in Schlesien.) Ein enssetzlicher Unglücks⸗ fall, der sich in dem benachbarten Niklasdorf zugetragen hat, erregt bier allgemeine Theilnahme. Der circa eils⸗ jührige Knabe eines dortigen Inwohners war damit be⸗ schäfligt, Astbolz zu kürzen, während sein vierjähriger Bruder die gekürzten Stücke sammelte und forttrug. Da⸗ bei verabsäumte der Kleine jedoch einmal die nöthige Vorsicht, er gelangt mit dem Kopfe un ter die geschwungene Axt und wird in den Schädel geiroffen. Mit dem Wehruf:Ach meine liebe Mutter! eilt der kleine Knabe zu der Mutter hin und sinkt entiseelt zu ihren Füßen nieder.

Einfaches Verlilgungsmittel der Naupennester.

Da die Raupen in diesem Jahre wieder in verheerender Masse aufgetreten sind und das Ver⸗ tilgen derseiben auf gewöhnliche Weise eine höchst mühsame und zeitraubende Arbeit ist, so erlaube ich mir nachfolgendes Vertilgungs mittel, welches in einer renommirten Gartenzeitung empfohlen wird, hier mitzutheilen. Ein Blech⸗Cylinder von circa 1 Fuß Länge und 4 Centimeter Weite ist derart mit einem vertieften Deckel, in welchem sich ein Loch befindet, geschlossen, daß durch dasselbe ein Docht von Werg gezogen und oben zu einem Ballen geformt werden kann. Dieser Wergballen wird durch einen kreuzweise gespannten Draht gehalten. Seitlich dis Cylinders befindet sich eine Scheide, in welche eine Bohnenstange gesteckt wird. Dieser Cylinder wird mit Petroleum oder Spiritus ge⸗ fült und gibt angezündet eine ziemlich große Flamme. Wird diese unter ein Raupennest auch nut einen Moment gehalten, so sind die Insassen sofort getödtet. Brennt die Flamme nicht mehr intensiv genug, so senke man die Fackel abwärts, um neuen Brennstoff zuströmen zu lassen. Diesis Mittel wurde von Fachmännern angewandt und die besten Resultate erzielt, obne daß die Bäume nur im Geringsten Noth gelitten hätten. Mit einigen Schoppen Petroleum und diesem einfachen Instrument lassen sich in kurzer Zeit viele Bäume von Raupennestern säubern. f

Prüfet Alles und das Gute behaltet.

Fauerbach b. Fr. im Juni 1872.

g Söllner.

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