Ausgabe 
3.9.1872
 
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schaften haust der unheimliche Gast. Im Ganzen sind bereits 336 Personen erkrankt und davon 104 gestorben. In Wien bingegen nimmt die Blattern Epidemie in schreckenerregender Weise zu; in Fünfhaus lagen in einem Hause allein 35 Blatternkranke, von denen 12 starben. Der Gemeinderath trifft keinerlei Vorkehrung gegen die Cholera und seine Maßregeln gegen die Blattern sind verkehrt.

Preßburg. Die Cholera ist dahier seit einigen Tagen amtlich constatirt.

Frankreich. Paris. In der Sitzung der Permanenz-Commission erklärte der Minister des Auswärtigen auf Anfrage Payes-Duport's, die französische Regierung babe keine Veranlassung, über die Ergebnisse der Drei-Kaiser-Zusammen- kunft beunruhigt zu sein, da ste das vollste Ver⸗ trauen zu der Weisheit hege, welche die Zu⸗ sammenkunft leiten werde.

DerIndeépendant de l'Est schreibt: Mehrere Einwohner von Montmédy und Um- gebungen sind in letzter Zeit als Zeugen in dem Proceß Bazaine nach Versailles berufen worden. Schon früher waren einige Personen, welche die ehrenhafte Rolle von Sendlingen des Marschalls Mac- Mahon an die Armee Bazaine's gespielt hatten, in ihrer Heimath vernommen worden. Wie man sich erinnert, war Montmédy als der Ort ausersehen worden, wo die beiden Heere sich be

gegnen sollten, und von hier waren alle Mitthei-

lungen ausgegangen, welche der Kriegsminister und Mac⸗Mahon an den Marschall Bazaine rich teten. Wie es heißt, wären einige von den hier aufgenommenen Aussagen für Bazaine vernichtend.

Großbritannien. Das Steigen der Kohlen- preise in England, in Folge dessen die Tarife für

Passagiere und Frachten auf Eisenbahnen und

Dampfschiffen in die Höhe gegangen sind, soll Veranlassung sein, daß eine Londoner Firma in Philadelphia anfragen ließ, zu welchen Preisen daselbst Kohlen für Ausfuhr nach England zu haben wären und soll die Ueberzeugung gewonnen haben, daß der Einkauf und der Transport ver lohnend sein dürften. Die Kabelgesellschaft hat jüngst einen Bericht veröffentlicht, nach welchem sich die Zeit zur Uebermittelung einer Depesche zwischen London und Newyork auf 13 Minuten 59½ Sekunden beläuft.

DieDaily News bringen ein Wiener Telegramm, welchem zufolge Graf Andrassy ein Circular über die Kaiser⸗Zusammenkunft erlassen hätte. Das Telegramm skizzirt die Tendenz des Eirculars als bestimmt, Frankreich über die Monarchenbegegnung völlig zu beruhigen.

Amerika. Von der deutsch⸗amerikanischen Presse unterstützen 119 Blätter den General Grant und 105 Greeley. Eine Anzahl von Blättern verhält sich mehr oder minder unparteiisch. Auf einer Versammlung von Negern in Newyork wurden enthusiastische Resolutionen zu Gunsten einer Wieder- wahl Grant's gefaßt.

Newyork. Der DampferMetis, welcher zwischen Newpork und Providence fährt, ist mit einem Schooner während eines Sturmes zusammen- gestoßen. Der DampferMetis sank, 60 Per- sonen sind ertrunken.

Gießen. Die hiesige Polizei wurde vor einiger Zeit von Cassel aus avisirt, daß mit einem Zuge der Weser⸗ bahn ein Haupt⸗Gauner hier eintreffen würde. Die Polizei

hat den Vogel nun auch oben in der Restauration er⸗ wischt. Besagter Gauner, Silberberg ist sein Name, ist einer der gefährlichsten Verbrecher; derselbe wird schon seit 6 Jahren von aller Herren Länder aus gesucht und hat

überall großartige Diebstähle ausgeführt. In Kassel sti; bitzte er goldene Uhren, Ketten, Ringe u. dgl. Hier in Gießen iff er nun photographirt worden, wobei die Polizei denselben sehr stark geschlossen über die Straße trans⸗ portirte, da Silberberg nicht weniger als mal durch⸗ gebrannt ist. Am Mittwoch ist nun derselbe zwischen zwei anderen Verbrechern geschlossen von 5 Geusd'armen weiter transportirt worden.

Frankfurt. Am Freitag gerietb ein Arbeiter im Mainweserbahnhof mit dem Arme zwischen zwei Puffer. Die hierdurch hervorgerufene Quelschung machte die Ampu tation des Armes nöthig.

Geisenheim. Einem hiesigen Schneider wurde dieser Tage im Streite von einem Taglöhner die Nase abgebissen. Nach langem Suchen wurde dieselbe von einem Küfer ge funden, welcher sie die Nacht in Spiritus setzte, um die⸗ selbe am andern Morgen ihrem Eigenthümer zurückzugeben.

Wiesbaden. Unser verdienter Miibürger Ferdinand Heyl ist zum städtischen Kurdirektor, Herr Musikdirektor Carl Müller, früher in Rostock, jetzt in Chemnitz, ist (von weit über 100 Mitbewerbern) einstimmig vom Ge meinderathe zum städtischen Kapellmeister gewählt worden.

Leipzig. Am 24. August Abends traf in Leipzig aus Stralsund folgende Depesche ein:So eben, Uhr, ist die Gactenlaube glücklich vom Stapel gelaufen. Wir bemerken hierzu erläuternd, daß die vom Stapel gelassene Gartenlaube ein prächtiger Dreimaster ist, dessen Rheder, Herr Krüger in Stralsund, fein neuerbautes Schiff dem obengenannten Blatte zu EhrenGartenlaube getauft hat und unter diesem Namen die Meere durchschneiden läßt.

Berlin. In einem Dorfe nahe bei Berlin wurde die ser Tage durch die Schelleöffentlich bekannt gemacht: Jeder, der einen Hund hat, muß bis zum 20. September eingesperrt bleiben.

Ueber den ersten Markttag der Fried⸗ berger Produectenbörse.

Alle im Verkehr der Menschen bestehenden Einrichtungen, auch die besten und nothwendigsten müssen sich, wie die Menschen selbst, ihre Stellung erkämpfen, oft schwer er kämpfen. Je schwerer aber der Sieg, desto berechtigter die erkämpfte Existenz. So wird es auch mit unserer Productenbörse sein. Von Seiten der Käufer ist übrigens ihr bereils eine volle Anerkennung zu Theil geworden; denn die erste Börse war von sehr vielen Händlern besucht und sogar von solchen, welche zu den Koryphäen des Productengeschäftes gehören. Ueber diese zahlreiche Ver tretung des Handelsstandes an unserem ersten Börsentage ist in einem Frankfurter Blatte gesagt:Natürlich, in unserer gesegneten Wetterau konnte man dieses voraus sehen. Um so weniger hat dagegen die Betheiligung der Producenten an diesem Tage befriedigen können. Wir müssen freilich bedenken, daß bis jetzt nur wenige Frucht ausgedroschen ist. Und noch ein anderes kommt hier in Betracht. Landwirthe aus den nächsten Orten erzählten uns in der aller naivsten Weise, deß sie über die Pro ductenbörse, den Fruchtmarkt in Friedberg, noch kein Wort gelesen und keins gehört. Und es ist hierüber doch schon so viel gesprochen und geschrieben worden! In den meisten Ortschaften schließt sich leider Niemand den so dringend nothwendigen Bestrebungen für die allgemeine Wohlfahrt an; in der alten Weise forthandthierend denken vielmehr erschreckend viele Menschen nur an sich, nicht daran, daß in der allgemeinen Wohlfahrt diejenige jedes Einzelnen am besten gedeiht. Und gerade im wirthschaftlichen Leben hal der beschränkte Unterthanenverstand in seiner alten Beschränktheit unter der sorgsamsten Pflege seiner Freunde, Engherzigkeit und Selbstsucht, tief gewurzelt. Hier, im volkswirthschaftlichen Leben, gibt es viel Alles auszurolten und Neues zu pflanzen; hier gibt es für die Volksbildungs vereine und ihre bis ins kleinste Dorf reichenden Verzwei gungen zwar eine schwere, aber eine lohnende Arbeit. Um anzudeuten gegen welche sehr häßlichen Widerwärtig keiten unsere junge Börse zu kämpfen hat, wollen wir mit⸗ theilen, daß verschiedene Leute, welche hier auf dem Frucht markte Geschäfte machen wollten, bei Dorheim ꝛc. 2c.abge⸗ fangen worden sind.Künftig will ich klüger sein erklärte uns ein Abgefangener. Wir hoffen und wüunschen dieses.

Auf der anderen Seite können wir mit Vergnügen be richten, daß die Börse am Donnerstag viele neue Mitglieder gewonnen hat, darunter auch Händler vom Lande, so, daß

unserer Anftalt mit ber Zeit ganz verschwinden und ihr die allseitigste Anerkennung zu Theil werden. 77

Mit dem fortschreitenden, bei vielen Oeconomen noch nicht begonnenen Ausdrusch werden auch die Producenten zahlreicher in unserer Börse erscheinen. Unsere vielen eifrigen Mitglieder besonders in Melbach, Fauerbach, Bönstadt, Ober- Rosbach, sowie in anderen nahen und fernen Orten, geben unserer Hoffnung die größte Zuver⸗ sicht, zumal die nachstehenden speciellen Geschäftsmitthei⸗ lungen aufmunternd, für die Producenten wahrhaft ver⸗ lockend sind: 5

Weizen, in schöner Waare nicht viel aufgefahren, wurde zu 14½ fl. sehr gerne gekauft, ja, es waren Händler er⸗ schienen, mit Säcken und Geld, um hunderte von Maltern zu kaufen. Geringere Waare hatte selbstverständlich weniger Nachfrage und nach Qualität billigeren Preis. Außer dem aufgefahrenen Getreide geschahen Abschlüsse mit und obne Muster, die aber theilweise unprotocollirt blieben. Eine gewisse Lebhaftigkeit des Geschäftis war unverkennbar. Mit lebhafter Nachfrage nach mehr vergriffen Bierbrauer und Händler die feilgebotene Gerste. Der dafür im Großhandel bezahlte Preis bis zu 10 fl. und darüber macht das Auf⸗ fahren dieser Frucht ebenfalls höchst lohnend. Korn zu Mahl⸗ zwecken ging von 9 fl. 5 kr. bis 9 fl. 15 kr. Hafer fand bis 3 fl. 35 kr. Abgang, allein er würde einen höheren Preis erzielt haben, wenn mebr vorhanden gewesen, da die Nachfrage nach größeren Quantitäten vergeblich blieb.

Was bei einem neuen Institut, wie das unserige, von besonderem Belange, sind die geschehenen Abschlüsse auf Mehl, deren sich ältere Fruchtmärkte nicht rühmen können. Das ausgezeichnete Aufkommen dieses Geschäftszweiges auf hiesigem Platze ist so zu sagen gesichert, da ungarisches Mebl der theueren Preise wegen nicht zu beziehen und man somit wesentlichst auf wetterauer Mahlgut ange⸗ wiesen ist.

Offerten für Kartoffeln, bereits vorbanden und für den. nächsten Markl verstärkt angemeldet, lassen eine vergrößerte Geschäftslebhaftigkeit erwarten. In anderen Producten, als Branntwein ꝛc. zu geheimen Preisen, auch einiges gehandelt.

Wer am Donnerstag die Börsengeschäfte dahier mit Verständniß beobachtete, der muß die Ueberzeugung ge⸗ winnen, daß dieselben ganz anderen Geistes und Wesens sind, als die Daheimgeschäfte. Ausgedehntere und richligere Begriffe vom Handel verleihen den Handelsgegenständen eine größere Bedeutung. Darum wird derjenige Land⸗ wirth, welcher ein rationeller Verkäufer ist, sicher auch ein rationeller Landwirthssein. Möge deshalb, aus landwirth⸗ schaftlichen wie aus volkswirthschaftlichen Gründen, unsere Productenbörse weitere Entwickelung und Gedeihen, finden. Jeden Donnerstag Börse, also die nächste den 5. Sept,

Eingesandt.

Friedberg. Herr Emil Kayser aus Aachen und Fräulein Amalie Sehrt von hier, beabsichtigen, wie wir mit Freuden vernehmen, unter gütiger Mitwirkung einiger anderen musikalischen Kräfte, Dienstag den 3. d. ein Concert bei uns zu veranstalten. Fräulein Sehrt, welche durch vieljährige, stets bereitwillige Mitwirkung bei unseren musikalischen Abenden, das Publicum oft erfreut, wird immer in bestem Andenken stehen und bedarf es für sie deßhalb keiner besonderen Erwähnung. Hinsichtlich Herrn Kaysers, welcher weniger bekannt sein dürste, glauben wir jedoch im Interesse alles Kunstliebenden, darauf auf⸗ merksam machen zu müssen, daß derselbe zu jener kleinen Schaar von Künstlern gehört, welche es verstehen wirklich Musik zu machen, indem er mit einer nicht alltäglichen Virtuosität auf dem Piano einen wahrhaft seelenvollen Vortrag verbindet, wodurch sich Geist und Gemüth erhoben fühlen.

Ein gesandt.

Friedberg. Das von der Souffleuse Frau Köckert herausgegebene Abschieds-Theater-Journal i nicht nur mit den nöthigen Verzeichnissen, sondern auch mit viel humoristischem Inhalt versehen, gewährt somit ein freundliches Angedenkeu wie auch eine recht erheiternde Unterhaltung und steht Jedem gegen eine beliebige Ver⸗ gütung zu Gebote. Der Frau K. ist, da ihr Souffleur⸗ dienst als ein recht angestrengter erscheint und sie sich auch als Darstellerin und in musikalischer Hinsicht beliebt ge⸗ macht bat, sowohl hier als in Nauheim eine zahlreiche Betheiligung zu wünschen. L..

Mobiliar ⸗Versteigerung.

2388 Dienstag den 3. September, von Morgens 9 Uhr ab, werden in hiesiget Burgstraße, Hausnummer 209, wegen Abreise 1 Sopha mit 4 Stühlen, 1 Sopha, 1 Schreibsectetär, 3 Commoden, 2 Kleiderschränke, 2 runde Tische, 2 Nachttische, 2 Küchenschränke, 2 Spiegel, 1 Pendüle, 2 Tische, verschiedene Bilder, 4 Bettttellen, 3 Sprungfedermatratzen, 1 Teppich, Vorhänge, Rouleaux, 1 doppelarmige Gaslampe, 2 Oefen, 1 Waschbütte, sowie verschiedene Paus und Küchengeräthschaften öffent⸗ lich an den Meiftbtetenden gegen Baarzahlung versteigert. Bad⸗Naubeim am 29. August 1872. Großherzogliches Ortsgericht Bad⸗Nauheim. SS ut t.

Wohnung zu vermiethen 2377 bet we e agasse.

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O bst⸗-Versteigerung.

2371 Donnerstag den 5. September l. J., Vormittags 10 Uhr, werden in den hiesigen Schloßgärten

65 Bäume Zwetschen und,

8 Birnen öffentlich an den Meisibletenden gegen gleich baare Zahlung verfteigert.

Schloß Ilbenstadt den 28. August 1872. Gräflich Letningen'sche Rentei. Bier a u.

Aepfel ⸗Versteigerung. 2413 Donnerstag den 5. September werden auf der Brunnenmühle bei Nieder-Rosbach circa 50 Malter Aepfel in mehreren Abthellungen öffentlich meistbtetend versteigert.

Nieder⸗Rosbach den 31. Auguft 1872.

Großherzogliche Bürgermetsterei Nieder-Rosb och.

Ger o h.

D AUlauer Ditriol!

2381 in bester Qualität bet 2 Wilh. Fertsch. Ein Raealschüler 2145 kann bet einer hiesigen Familie in Pension ge⸗

nommen werden. Nachbülfe im Englischen und Fran- zösischen. Näbercs bel der Exped. d. Bl.

Nillige Limburger

2333 bei a 3 Friedberg. A Stahl Wittwe.

Wilb. Fertsch.

2098 bei

zu hoffen ist, es werde die falsche, engherzige Beurtheilung

Neue hol. Dollhäringe!

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Oberhef Wage Copcutt

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