Ausgabe 
3.2.1872
 
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liste des letzten Kriegs gibt die Zabl der Todten und Verwundeten zusammen auf 92,000 an.

Verichten aus den occupirten Departements zufolge werden die deutschen Truppen in Baracken logirt.

Lebeau, der Director desJournal offi⸗ ciel unter der Commune, ist zur Deportation an einen befestigten Platz verurtheilt worden.

Von den zabllosen Anlebensprojekten mit denen der Minister bestürmt wird, verdient das folgende des Abg. Baron Soubeyran Erwäbnung, weil es von einem Unter- Comite der Budgck Commission schon angenommen worden ist und von dem Plenum der letzteren geprüft werden soll: Es wären vier Milliarden mittelst Loosen à 100 Frs. aufzunehmen, die binnen 60 Jahren mit 200 Francs eingelöst werden müßten. Die Loose müßten in 60 Klassen und 720 Serien von je 55,556 zerfallen und alljährlich eine Klasse in zwölf von Monat zu Monat einander folgen- den Ziehungen mit je einem Hauptgewinn von 150,000 Frs. ausgeloost werden. Der Antrag- steller berechnet die sich aus dieser Operation für den Staat ergebende alljährliche Last auf 138,996,000 Frs., mithin auf 210 Millionen weniger, als die Regierung sie für die Verzinsung der Kriegsentschädigung präliminirt. Mit dem Er⸗ trägniß könnte man die drei Milliarden an Deutsch⸗ land zahlen, die 500 Millionen an die Bank zurückerstatten und auf alle neuen Steuern verzichten.

DasParis-Journal, unverschämt wie immer, versteigt sich zu folgender Aufschneiderei: Wie es scheint, wünschen wir nicht allein die rasche Befreiung unseres Landesgebiets, die noch in Frankreich weilenden deutschen Soldaten drängt es ebenfalls, in ihre Heimath zurückzukehren. Man meldet uns, daß in Pont-à-Mousson das bayerische Octcupatione- Corps dem französischen Comite die Summe von 3000 Frs. als das Er- trägniß einer in seinen Reihen unternommepen Collecte dargebracht hat. Das Comite hat diese Gabe natürlich zurückgewiesen.

Zur Vertheilung unter die Abgeordneten gelangten zwei Gesetzes vorschläge, welche beide auf eine beschleunigte Leistusg der Kriegsentschädi⸗ gung abzielen.

Das Schwurgericht von Versailles ver⸗ urtheilte Rabourdin Vater und Sohn, zwei reiche Pächter aus der Gegend von Rambouillet und der Erstere früher, der Letztere noch jetzt Maire von Chatignonville, überführt, während des Krieges mehr als 30,000 Stück Schlachtviey und 68,000 Kilo Hafer an feindliche Lieferanten, namentlich an die Herren Kohn und Schottländer, verkauft zu haben(Geschäfte, in denen sie, wie die Rede geht, über eine Million verdient hätten), zu einer Gefängnißstrafe von fünf Jahren.

Die Damen der Stadt Zabern(Elsuß) haben dem Präsidenten Thiers als Beweisder Zuneigung, welche sie ihrem vielgeliebten Frank- reich bewahren, die Summe von 1630 Fres. zur Verfügung gestellt.

Italien. Rom. Das erste Blatt der alt- katholischen Zeitung ist nun erschienen. Sie führt den NamenL' Espérance und erscheint wöchentlich.

Amerika. Newyporker Blätter veröffent- lichen eine Depesche aus Port-au- Prince vom 3. Januar, in welcher es heißt, daß daselbst ein preußisches Kriegsschiff angelegt hat, dessen com- mandirender Offizier eine Vergleichung der von Deutschen während der Revolution erlittenen Ver luste verlangt hat. Ein französisches Kriegsschiff war gleichfalls eingelaufen, um Begleichung der französischen Schuld zu fordern. Die Angelegen⸗ heiten des Landes befinden sich in einer sehr kri tischen Lage und das Ministerium hat abgedankt. Die amerikanische FregatteCongreß wurde er wartet.

Asien. Ein Telegramm der WienerPresse meldet, daß sich aus Persien eine glänzende Ge sandtschaft, mit dem Obercommandanten der Armee an der Spitze, nach Berlin begiebt, um im Auf trag des Schah Kaiser Wilhelm zur kaiserlichen Würde zu beglückwünschen und demselben Geschenke des Schah zu überbringen.

Offenbach. DerFr. 3. wird von hier geschrieben: Der biesige katholische Pfarrer Sulzbach, welcher neben der Kirche im Pfarrhause wohnt, hörte gestern Abend gegen 10 Ubr in der Kirche ein verdächtiges Geräusch und durchsuchte dieselbe im Verein mit seinem Kaplan. Zwischen einer Doppelthüre, unweit des Altars, fanden sie einen Mann siehen, welchen der Kaplan mit fester Hand ergriff, ins Pfarrhaus führte und alsdann der bherbeigerufenen Polizei überlieferte. Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab, daß der aus Froschhausen bei Seligen⸗ stadt gebürtige und schon mehrmals bestrafte Dieb nach dem Abendgottesdienst in der Kirche geblieben und die drei Kassen, die des heil. Vincenz, die Kasse für den Papst und die Armenkasse, erbrochen und beraubt hatte. Er muß noch einen oder zwei Genessen gehabt haben, die während die Polizei gerufen wurde, durch Aufheben der Riegel, welche innen an den Kirchenthüren angebracht sind, öffneten und entflohen. In der Kirche war vieles Silbergeräth, der hiesigen fürstlichen Familie angehörend, auf welches es die Diebe besonders abgeseben zu baben schienen.

Darmstadt. Mit dem Ausräumen des Schuttes aus den Ruinen des abgebrannten Hoftheaters ist be gonnen worden; auch die nicht mehr brauchbaren Mauern im Innern, insbesondere die beiden hohen Giebelmauern, welche einst den Bühnenraum einschlossen, werden abge brochen.

Chicago. DieSignale für die musikalische Welt enthalten in der dritten Nummer von 1872 unter der Ueberschrift:Reiseskizzen einen Artikel aus Chicago, der viele interessante Einzelheiten enthält. So haben einzelne Branchen der Industrie gänzlich aufgehört. Zu diesen gehören namentlich die Stiefelwichser und die Barbiere; man will nichts mehr von diesen eitlen Attri buten moderner Civilisation wissen. Was natürlich den Verfasser des Artikels am meisten erschüttert hat, das war das schreckliche Ende, das die meisten Claviere in Chicago gefunden haben. Man hat berechnet, daß mehr als 150,000 Claviere verbrannt sind. So hat eine einzige Firma an zweihundert Claviere und über hun⸗ dert Orgeln eingebüßt. DasLeipziger Tageblatt kann noch hinzufügen, daß mit dem Chef der großen Orgel bau-Anstalt von Wilhelm Sauer in Franfurt a. d. O. be⸗ reits Anknüpfungen getroffen sind, um mehrere bedeutende Orgelwerke nach Chicago zu liefern.

Oeffentliche Vorträge.

Der am letzten Dienstag gehaltene Vortrag des Herrn Seminarlehrers Stamm hatte zum Gegenstandden celigiös-sittlichen Gehalt von Shakesspeare's Hamlet.

Eingangs des Vortrags gab derselbe in kurzen Zügen den thatsächlichen Inhalt des Stückes, um daran zu zeigen, daß es kein Tendenzstück sei, daß darin nicht Moral ge predigt werden solle. Gleichwohl sei, prüfe man es auf seinen religids⸗siulichen Gebalt, die Ausbeute eine über reiche. Eine Blumenlese einzelner Stellen aus demselben zeige dies schon zur Genüge. Der Reoner weist dabei zunächst auf die Abschiedsworte des Polonius an seinen Sohn hin, die Aussprüche ächter Lebensweisheit enthielten, welche unwillkürlich an Jesus Sirach erinnerten. Im eigent lichen Sinn religiös sei aber Hamleis Unterredung mit seiner Mutier über deren Unthat. Als wahrer Buß prediger greife er der Mutter in's Herz hinein, zeige ihr schonungslos den Sündenpfuhl, in den sie versunken, und dringe auf Abscheu vor und Erhebung aus demselben.

Nicht minder trete uns der religiös-sitiliche Gehalt des Slückes enigegen, wenn wir die einzelnen Personen belauschen, wi⸗ sie sich über ibren Scelenzustand und ihr Verhältniß zu Andern auslassen.

Da ist vor Allem wieder Hamlet. Tiefer sittlicher Abscheu erfüllt ihn vor dem blutschänderischen Verhältniß seiner Mutter zu seinem Oheim; dieser hat seinen Vater gemor det und ihm die Krone geraubt, ja er stebt ihm selbst nach dem Leben; heuchlerische Freunde umschleichen ihn, un ihn auszuforschen: das Leben widert ihn au, ist ihm zur sast unerträglichen Last geworden. Was hält ihn zurück Hand an sich selbst zu legen? Der Gedanke an Goti und Ewigkeit und der Glaube an eine siitiliche Welt ordnung, vor der seine Zweifel schweigen, vor der er sich beugt. Mit welcher Verehrung und Liebe gedenke Hamlet ferner seines gemordeten Vaters! Wie pietätvoll läßt er bei seinen Racheplänen seine Mutter aus dem Spiel, wie ist er bemüht, sie sich viel mehr als Ver⸗ lührte, Gemißhandelte zu denken, denn als Verbrecherin. Hat doch auch der Geist ihm mehr mit Bedauern und Mitleid als mit Entrüstung von seiner Mutter gesprochen, die zu schonen er ihm befiehlt. Und diese Mugter selbst bleibt tretz ihrer siulichen Versußlenyeit immer noch Mutter, jisie lebt nur von des Sohnes Blicken. G8 sind tiefreligißse, ächt christliche An chauungen über Ebe und über das Verhältniß zwischen Kindern und Eltern, benen wir bier begegnen.

Und nun vollends der Mörder auf dem Königsthron. Wie meisterhaft bat der Dichter in ihm die Qual eines schuldbeladenen Gewissens gezeichnet! Tief im Busen ver borgen trägt der Brudermörder das Enisetzen mit sich herum; hundertmal ecbebt er innerlich, während seine Miene sich zu einem süßen Lächeln zwingt. Ein gering fügiger Umst ind malt mit grausen Farben sein Verbrechen ihm vor die Seele, und ale im Schau'piel ihm gar eine seiner schwarzen That ähnliche Handlung vorgeführt wird, du kommt es bei ihm zu dem Monolog, der mit den Worten auhebt:O meine That ist faul, sie stinke zum Himmel. Der Himmel ist ihm eine Realtläl, mit den er rechnet. Vermig Reue hier etwas? Kann ihm Wer zeihung werden? Er will beten.Beugt euch, ihr

noch gut! Doch Worte nur sind sein Gebet, die nicht zum Himmel dringen.

So nah der Rettung kanu er boch den letzten ent⸗ scheidenden Schritt nicht thuu. Auf's neue wird vom Bösen die Seele ihm umgarnt, und unaufhallsam abwärts geht's mit ihm zu neuem Verbrechen, zum Verderben.

Eindringlicher als es hier geschieht könnte auch der gewisgteste Redner nicht über den Text predigen:Wer Sünde thut, der ist der Sünde Knecht und:die Sünde ist der Leute Verderben.

Der Redner gibt nach der in Vorstehendem angedeu teten Darstellung noch eine kurze Charaklerißik des Hamlet. Der Dichter hat ihn offenbar mit Vorliebe behandelt und ihn reich ausgestattet; Eins aber hat er ihm absichtlich versagt: die Kraft des Willens, die Energie des Handelns. Das ungeheure Mißverhäliniß zwischen dem Wollen und der Kraft zur Ausführung des Gewollten ist der Grund⸗ ton seines Wesens. Im sittlichen Leben ist dies aber von großer Bedeutung. Auch der seiner Gesinnung nach Beste und Edelste ist ohne eigentlichen sittlichen Werth, wofern ihm die Kraft zum Handeln fehlt, und sein Verhalten kann in entscheidenden Momenten verhängnißvoll werden. Die Geschichte unseres Volkes ist reich an traurigen Bei⸗ spielen dieser Art.

Der Redner weist zum Schluß nochmals darauf hin: das Stück handelt nicht mit Vorbedacht von Religion und Moral, ist nicht nach einer Schablone gemacht; aber ungesucht und unabsichtlich schlägt es überall religiös⸗ siuliche Saiten an, und von diesem Gesichispunkl be⸗ trachtet gereicht die Leetüre desselben zu wahrer Erbauung.

Der Vortrag war eine geistreiche Studie über das berühmte Shakespeare'sche TrauerspielHamlet. Mit Wärme vorgetragen verfehlte er nicht der packenden Wir⸗ kung auf seine Zuhörer..

Verloosung.

5 Wien. Dei der am 1. Februar stattgehabten Serien ziehung der 1860er Loose wurden folgende Serien ge⸗ zogen: 200 505 639 1339 14611517 1662 2709 3243 3375 3725 4095 4412 4465 5426 5484 5592 5896 6223 6317 6677 6653 6770 6962 7178 7669 7808 8454 8966 9051 9301 9621 9777 9840 9858 9960 10114 10415 10462 10982 11110 11208 11465 11577 12005 13187 13448 13914 13951 13992 14357 14606 15852 14991 15223 15363 15621 15661 15746 15972 15974 16357 16583 16985 17465 18672 19247 19393 19636 19889.

Frankfurt a. M., 31. Januar. Die Stimmung der heutigen Börse war eine äußerst günstige, denn sowohl das Geschäft in Anlage- wie in Speculationspapieren trotz des Ultimo's war außerordentlich umfangreich. Für junge österr. Eisenbahn-Actien war außerordentlich rege Nauflust. Franz Joseph wurden umgesetzt 219/21 ½. Nordwestbahn 233½ 35. Alsöld-Actien 190 91. Elisabeth 260-. Rudolph 174. Credit-Actien 358 ½59½. Staatsbahn 42325. Lombarden 2275/ 30. Deutsche Bahn gleichfalls höher. Alte bayr. Ost⸗ bahn 155. Junge Ostbahn 132¼½. Oberhessen 87¾. Die Ultimo⸗Liquidationscourse sind fexirt. Wiener Bank doo. Credit⸗Actien 358. Darmstädter Bank 487. Mei⸗ ninger 168. Staatsbahn 422. Lombarden 228. Gali⸗ zier 275. Alföld 188. Nordwest 233. Franz Joseph 220. Silberrente 63½. 1860er Loose 92¾. 1882er Amerikaner 96 ¼. Spanier 31¼.

Dank und Bitte.

Für die von Großherzoglichem Kreisamte Friedberg zum Besten der katholischen Kirche in Bad⸗ Nauheim genehmigte und im Laufe des Sommers daselest stattfindende Verloosung sind uns schon mehrere recht schöne Gaben zugekommen. Wir sprechen dafür unsern besten Dank aus und richten zugleich an alle Bewohner von Bad⸗Nau⸗ heim und Friedberg die ergebenste Bitte, uns zu diesem wohlthätigen Zwecke weitere gütige Geschenke geben zu wollen. Jeder auch der kleinste zur Verloosung geeignete Gegenstand wird dankbarst angenommen.

Friedberg und Bad- Nauheim den 30. Januar 1872. Der Kirchenvorstand: 0 Gabel, Pfarrer. Hoffmann. Bienstadt. Antoni.

Auch können bei dem Brunnknaufssher Hrn. Rack und bei dem Kirchendiener Hrn. Pfeffer in Bad Nauheim Geschenke abgegeben werden.

Für die Familie Kost

von: Gustav Sp yer aus Frankfurt 25 fl. Sigmund Stern aus Frankfurt 30 fl. und Anton Stern aus Paris 20 fl., so daß nun die Gesammisumme der bei uns eingegangenen Gaben 199 fl. 6 kr. beträgt.

Indem wir die von uns unternomemene Sammlung für die Familie Kost für geschlossen erklären, werden wir über den erwähnten Betrag im Sinne der gütigen Geber versügen und weitere Mittheilung darüber in diesem

starten Knie, ruft er aus,und Alles wird veelleicht

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Blatte folgen lassen. Die Exp. des Oberh. Anzeigers.

sind uns noch zugegangen durch Frl. Franziekr Renner

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