Blanc's an die Wähler von Corsica, worin der— selbe die Candidatur Rouher's bekämpft.
— Sicard, der angebliche Commandeur des Pelotons, welches die Geißeln im Gesängniß la Roquette erschoß, ist kurz nach seinem Verhör ge⸗— storben; aber Pigerre, der mit ihm eine so ge⸗ fährliche Aehnlichkeit hat, wird trotz seiner Frei— sprechung noch im Gefängniß zurückgehalten. Man zeiht ihn der Mitschuld an der Ermordung des Grafen Beaufert, der Oberst im Generalstab der Commune war, aber im Verdacht stand, Agent der Versailler zu sein. 4
— Ueber einen bereits telegraphisch signali⸗ sirten Vorfall meldet der„Indévendant de la Meurthe et de la Moselle“ folgendes Nähere: „Letzten Montag gegen 9 Uhr Abends wurde ein deutscher Soldat in Epernay, als er an der Eisenbahnbrücke seines Wegs ging, hinkerrücks mit einem Messerstich von einem Individuum getroffen, welches in ihm, wie es heißt, einen Soldaten wiederzuerkennen glaubte, mit dem es kurz zuvor in der Rue de College einen Streit gehabt hatte. Der Verwundete wurde von Kameraden, welche auf seine Rufe herbeieilten, aufgeboben und nach der deuischen Ambulanz gebracht, wo sich heraus— stellte, daß sein Zustand keinen bedenklichen Cha- rakter hatte. Der Thäter, der sich zuerst flüchten konnte, befindet sich jetzt mit drei Personen, die ihn begleiteten, in den Händen der Justiz.
— Anläßlich des Artikels der„Patrie“, welcher die Reorganisation der Nationalgarden befürwortete, erklärt das„Journal officiel“, jeder Versuch einer Wiederaufrichtung der Cadres einer revolutionären Armee in Paris werde sofort nach den bestehen— den Gesetzen unterdrückt werden.
— Tbhiers empsing am 27. Jan. Delegirte mehrerer Badeorte, wie Vichy, Aix Bagndres u. s. w, welche von ihm die Erlaubniß zur Errichtung von Spielbanken zu erwirken suchten. Die Herren fanden bei dem Präsidenten durchaus keinen auf— munternden Empfang, und als sie nach Hause kamen, lasen sie in den Blättern folgende den— selben von der Regierung mitgetheilte Note:„Der Schweizer Bundesrath bat beschlossen, alle in der Republik bestehenden Spielbanken binnen fünf Jahren spätestens zu schließen.
Versailles, 29. Jan. Nationalversamm— lung. Berathung über die Handelsverträge. Der Minister des Auswärtigen, Rémusat spricht den Wunsch einer raschen Erledigung der Frage aus und theilt mit, daß er von dem britischen Bot— schafter die Erklärung erhalten habe, England be— trachte den Handelsvertrag noch zwölf Monate nach erfolgtet Kündigung, zu welcher Zeit dieselbe auch stattfinden möge, als in Kraft bestehend. Die Versammlung beschließt, die Berathung auf morgen zu vertagen.
— Die Annahme des Gesetzentwurfes, betref— fend die Kündigung der Handels verträge, wird in parlamentarischen Kreisen als wahrscheinlich be⸗ trachtet.— Thiers hat sich nach Paris begeben, um zum ersten Male sein zerstörtes Haus zu be⸗ sichtigen.— Es verlautet, daß die Regierung wahrscheinljch keinen Milstärreorganisations-Ent⸗ wurf vorlegen, sondern den Entwurf der Com— mission mit einigen Aenderungen annehmen wird.
Großbritannien. London. Ein den Zeitungen von amtlicher Seite zugegangenes Communiqué meldet, daß am Sonnabend ein Courier des englischen Ministeriums mit wichtigen Depeschen an Lord Lyons abgereist ist. Es wird in demselben die Haltung, welche die englische Re- gierung der Frage des englisch-feanzösischen Handels— vertrages gegenüber einnimmt, auseinandergesetzt und den unrichtigen Vorstellungen, welche in Frankreich darüber verbreitel zu sein scheinen, entgegengetreten.
Nußland. Petersburg. Schamadis(in
Schi wan, Russisch-Kaukasien) ist durch ein an—
haltendee Erdbeben fast vellstä dig zerstört worden. Es blieben von der Stadt nur wenige Häuser übrig. Viele Menschen sind dabei umgekommen.
2 Friedberg, 25. Jan. Das landwirthschaftliche Casiuo u leoherg und Umgegend erfreut sich einet imme größten Theilnahme; so war die gestrige Abend—
versammlung trotz der sehr schlechten Beschaffenheit der Wege sehr zahlreich besucht. Zur Discussion gelangten zwei für Friedberg und Umgegend sehr wichtige Fragen; die erste betraf das Genossenschastswesen und wurde von Herrn Bergrentmeister Nebhuth durch einen ebenso aus⸗ führlichen, wie belehrenden, von warmer Liebe sür das Aufblühen Friedbergs durchwehten Vortrag eingeleitet. Der Herr Referent begründete zunächst die Nothwendig— keit der Genossenschaften und empfahl dann den Land— wirthen die Bildung folgender Associationen: 1. für Hebung der Volksbildung; 2. für den Bezug von Saat⸗ srüchten, Maschinen, Brennmatererialien ꝛc.; 3. für Feld—⸗ regulirung; 4. für Brennereien; 5. für Handel. Ein allgemeines„Bravo? lohnte den Redner am Schlusse seines interessanten Vortrags. An der darauf eröffneten Discussion betbeiligte sich besonders Herr Seminarlehrer Wahl. Derselbe wies auf die hobe Bedeutung der Schule in der Gegenwart bin und bemerkte, wie nicht allein die vorhandenen Schulen verbessert, sondern auch neue ge⸗ gründet werden müßten, wie dies ja theilweise durch Gründung von Fortbildungs- und Ackerbauschulen ge- schehen sei. Die vorhandenen Schulen müßten nament— lich dadurch verbessert werden, daß die wirkliche Ausbil- dung der Jugend in den Vordergrund gestellt und das Anzulernernde mehr zurückgedrängt; daß ferner die Ge— sundheit der Schüler in den Schullokalen mehr berück— sichtigt, die Klassen nicht überfüllt seien und dem Lehrer zu einer segensreichen Thäligkeit eine bessere und sorgen— freiere Stellung eingeräumt werde. Lehrer Rückert stimmte den Ausführungen des Herrn Referenten, wie denjenigen des Herrn Wahl vollkommen bei, glaubie namentlich darauf aufmerklam machen zu sollen, daß in den Schulen mehr das Denken gepflegt werden müsse, damit der Landmann mit Nutzen Bücher und Fachzeit⸗ schriften lesen und dle Hülfsmittel, die durch die Fort— schcitte in Wissenschaft und Technik ihm geboten würden, mahr ausbeuten könne. Eine Ffeldregultrung sel in erster Linie in jeder Gemeinde anzustreben, denn eine frete Be⸗ wirthschaftung mit ausgedehntem Futterbau sei nur da möglich, wo consolidirt' sei. Ebenso sei die Gründung von Consumvereinen für den Bezug von Kraftfutterstoffen, Saatgut, Maschinen ꝛc. unbedingt nothwendig und empfehle er dem Casino mit der Bildung eines solchen alsbald vorzugehen. Die Errichtung einer Fruchthalle, wie sie don dem Herrn Referenten empfohlen worden sei, sei für die Stadt und Umgegend von größter Bedeutung und beantrage er deßhalb den Gegenstand einer besonderen Commission, zu welcher auch der Stadworstand zwei Mitglieder deputiren möchte, zur Berichterstattung zu überweisen. Die Versammlung genehmigte den Antrag und wurden in die Commission gewählt die Herren Berg- rentmeister Nebhuth, Oeconom Heil von Wickstadt, Oeconom Hill von Fauetbach, Posthalter Konrad von Reichelsheim und Oeconom Breidenbach von Dorheim. — Die zweite Frage, welche Viehrace, die Berner oder Osisriesländer, empfiehlt sich für die hiesige Gegend? wurde von Herrn Oeconomen Heil eingeleitet. Der Herr Reserent hob die großen Vorzüge der Berner Race, welche dieselbe seiner Zeit zur Verbesserung des hiesigen Laudviehes gehabt habe, bervor, glaubte jedoch, daß die— selbe den heutigen Anforderungen nicht mehr entspreche. Da, wo Mülchwirthschaft getrieben werde, sei die Ostfries— länder Race unbedingt vorzuziehen, sie besitze neben vor— züglicher Milchergiebigkeit ein gutes Mastungs vermögen und liefere bei einer Kreuzung mit Landvieh auch recht gutes Zugvieh. Wenn man auch nicht eine allgemeine Einführung der Ostfriesländer Race fordern könne, so könnte doch da, wo mehrere Bullen gehalten würden, ein Exemplar von dieser Race angeschafft werden und sei dies besonders für die Stadt Friedberg zu empfehlen. Bei dem laudwiribschaftlichen Verein müsse dahin gewirkt werden, daß er bel dem Ankauf von Bullen auch die Ostfriesländer Nace berücksichtige, damit das Milchvieh im Inland gezüchtigt werden könne und die dafür auf⸗ gewendeten Summen dem Lande erhalten blieben. Die anwesenden hiesigen Oeconomen sprachen einstimmig den Wunsch aus, daß das Casino bei dem Stadtvorstande den Ankauf eines Ostfriesländer Bullen befürworten möchte, welchem Wunsche der Vorstand sich zu unterziehen versprach. — Mit dem Resuctat der Versammlung war man aller seiis sehr zufrieden und kann daher der nächsten Versamm— lung, auf welcher die Gründung eines Consumvereins vorgenommen werden soll, mit den besten Hoffnungen enigegengeschen werden.
Friedberg. Der Gesangverein„Frohsinn“ hat mit der am Sonntag im Saale des Holel Trapp abge⸗ haltenen Abendunterhaltung seinen Freunden einen über— aus genußreichen Abend bereitet. Was zunächst die Chöre beuifft, so verdient deren Auswahl und mit großer Prä⸗ cision und feiner Nüancirung erfolgte Ausführung vollste Anerkennung. Wir erinnern nur an die herrlichen, wit verdientem Beifall aufgenommenen Chöre:„Das Dichter grab am Rhein“,„Sturmbeschwörung? und„Hurrah Germansa“. Schade, daß die volle Wirkung für den Feinerhöcenden an einigen Stellen etwas beeinträchtigt war buich die wohl nur durch eine ungünstige Zusällig⸗ keit(vielleicht durch die trockene Luft im Saale) veranlaß e nicht ganz reine Intonirung. Um so lieblicher machten sich die beiden Quartette„Gruß“ und„Schwäölsches Liedchen“ geltend. Den Glanzpunkt des Abends bildete
das Spiel des Herrn Concertmeister Heermann von Frankfurt und des Herrn Lehrer Dörr von hier. War das zahlreich anwesende Publikum gleich Anfangs durch das von Herrn Heermann, Herrn Velten(einem Schüler Heermanne) von Franklurt, und dem gedie genen Cello pieler Hin. Dr. Lorenz von hier in mak lloser Schöne
gehobene Stimmung versetzt, so wurde es von den wei⸗ teren Violinvorträgen des Herrn Heermann zu stür⸗ mischstem Applaus und Hervorruf des Künstlers hinge⸗ rissen, obwohl es Einem bei solchem Spiele ist, als müsse man nach dem Ende desselben in andächtiger Stille nur fortlauschen den majestätischen Tönen und die Kunst be⸗ wundern, die riesige Schwierigkeiten mit einer Stcherheit beherrscht, als verstünde sich das so ganz von selbst. Doch Herr Heermann der überall gefeierte Künstler, erwartet an dieser Stelle kein Lob. Möge er aber einigen Entgelt für seine uns wieberbolt und in uneigennützigster Weise bewiesene freundliche Gesinnung in der Thatsache sinben, daß man euch in Friedberg seine Kunst zu würdigen weiß. Zu ähnlicher Freude gereichte den Anwesenden das Auftreten des Herrn Dörr. Derselbe trug die Sonate in F.-moll von Bethoven und die Rigoletto-Fantasie von Lißzt mit einer Feinbeit und Klarheit der Auffassung und einer Meisterschaft in der Beherrschung der Technik vor, die aus's neue den Claviervirtuosen von nicht ge⸗ wöhnlicher Bedeutung bekundete. Jedermann hatte dabei nur den einen Wunsch: möchten die Gesundheitsumstände des Herrn Dörr es ihm öfter ermöglichen, sein schönes Talent glänzen zu lassen. Der Leitung des„Frohsinns“ aber sei schließlich für die Umsicht und aufepfernde Mühe, womit die in Rede stehende Abendunterhaltung arrangirt worden, Anerkennung und Dank gezollt.
Frankfurt. Ein Raubanfall in der Mittagsstunde und an einem der frequentesten Orte alarmirt die Stadt. Ein mit dem Einkassiren von Geldern für die Vieh⸗ bändler schon lange Jahre beschäftigter, 70 Jahre alter Ilraelite, Hamburger aus Offenbach, unter dem Namen „Julchen“ bekannt, nahm in der Mitze'schen Wirthschaft verschiedene Incassos vor. Ein bis jetzt noch unbekanntes Individuum, das sich in seiner Nähe herumtrieb, verfolgte ibn bis in die Hausflur zur„goldenen Luft“ und brachte ihm mit der Rückseiie eines schweren Beiles einen Schlag auf den Hinteikopf bei, in Folge dessen das Opfer betäubt zu Boden slürzte. Der Räuber entfloh mit einer Summe
von ca. 700 fl. Die Verwundung soll lebensgefäbrlich sein. Mittlerweile soll, wie verlautet, ein des Mordes ver- dächtiges Individuum in Bockenheim sammt dessen Ge⸗ liebte gefänglich eingezogen worden sein. In dem Bette der Letzteren soll man eine größere Geldsumme, über deren Erwerb sie sich nun auszuweisen haben wird, ge⸗ funden haben; auch soll ihr Zuhälter an dem kritlschen Morgen in der Nähe des Viehhofs geseben worden sein und im Laufe des Tages verschiedene Schulden bezahlt haben. Die Untersuchung wird Licht bringen.
In St. Goar brach am Abend des 28. d. Feuer aus; 7 vis 8 größere Wohnhäuser nebst Hintergebäuden sind ein Raub der Flammen geworden.
Paris. Der Telegraph meldet von einem bedeuten⸗ den Eisenbahnunglück, welches sich auf der Lyon-Mittel⸗ meerbahn zugetragen hat. Eine über die Brague in der Nähe von Antibes führende Eisenbahnbrücke war des Nachmittags durch Ueberschwemmung sortgerissen worden und es war unmöglich, dies einem Personenzug, der von Mentone nach Grasse ging, rechtzeitig zu signalisiren, da die ausgetretenen Gewässer jede Communication hemmten und Feuerzeichen, die man gab, von dem Zugführer in dem strömenden Regen nicht bemerkt wurden. Der aus 13 Waggons bestehende Zug stürzte also in den Fluß; von 30 Reisenden, die er enthielt, wurden nach den letzten Meldungen 10 mehr oder wentger schwer verwundet und 8 todt ans Land gebracht; 7 wären lebendig und unver— letzt davon gekommen. Zu den Extrunkenen zählen der Zugführer und der Heizer.
Dank und Bitte.
Für die von Großherzoglichem Kreisamte Friedberg zum Besten der katholischen Kirche in Bad Nauheim genehmigte und im Laufe des Sommers daselkst stattfindende Verloosung sind uns schon mehrere recht schöne Gaben zu gekommen. Wir sprechen dafür unsern besten Dank aus und richten zugleich an alle Bewohner von Bad⸗Nau— heim und Friedberg die ergebenste Bitte, uns zu diesem wohlthätigen Zwecke weitere gütige Geschenke geben zu wollen. Jeder auch der kleinste zur Verloosung geeignete Gegenstand wird dankbarst angenommen.
Friedberg und Bad-Nauheim
den 30. Januar 1872.
Der Kirchenvorstand: Gabel, Pfarrer. Hoffmann. Bienstadt.
Antoni.
Auch können bei dem Brunnenaufseher Hrn. Rack und bei dem Kirchendlener Hrn. Pfeffer in Bad Nauheim Geschenke abgegeben werden.
Berichtigung. Ein bei dem letzten Referat über„Oeffentliche Vor⸗ lesungen“ itt untergelaufener kleiner Irrthum ist dahin zu berichtigen, daß die dort erwähnten Straßburger Jakob und Job. Slurm nicht Brüder, sondern nur Namens⸗
vorgetragene Trio in e moll von Beethoven in feierlich
verwandte waren.
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