Ausgabe 
30.12.1871
 
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I

n 1 H. 97 Großherzog verlieben: 1) Das Comthur⸗ ben 10 Alasse des Verdienstordens Philipp 17 diebadidigen: dem Obersten und Director des

riegsministeriums Dornseiff. 2) Das Comthur⸗ Kreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipp des Oroßmätbigen; dem Obersten Hartmann. 3) Das Rüterkreuz 1. Klasse des Ludewigsordens: dem Ebef der zweiten Abtheilung des Kriegsministeriums Oberhiegerath Niepelh, dem Obersten in Pension Scholl. 4) Das Ritterkreuz 1. Klosse des Ver⸗ kienstordens Pbilipp des Großmüthigen: dem Stabsauditeur Schenck, Hülfsreferenten J. Abthei lung des Kriegsministeriume, dem Intendanturrath Dauber von der 2. Abtheilung des Kriegsmini seriums, den Intendantursecretären des Kriegs- ninisteriums und Revisoren Weygandt und Mohr, dem Kriegskasse-Buchhalter Schenck, dem Haupt- mann und Vorstand der Artilleriewerkstätte Bellaire, dem Hauptmann bei dem großherzoglichen Artillerie- torps Sartorius, dem Zeughauptmann Plack, dem Premicurlieutenant und Vorstand des Train-Depots Arnold, dem Verwaltungs- Inspector bei der Garnison⸗ Verwaltung, Rechnungsrath Schneider. 5) Das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Pdilipp des Großmütbigen: dem Zeuglieutenant Schmidt, dem Zeugfeuerwerkslieutenant Schäfer, dem Quartiermeister Bodensohn, dem Intendantur⸗ settetär Schäfer bei dem Kriegsministerium. So- rann wurde ertheilt: dem Oberstlieutenant Scholl, Chef der 1. Abtheilung des Kriegsministeriums, der Charakter als Oberst, dem Major à la suite der Infanterie Kuhlmann, Rechner der Einstands- lasse, der Charakier als Oberstlieutenant; dem Rriegezahlmeister Wiegandt der Charakter als Kriegsrath.

DemFr. J. meldet man von hier: Zusolge einer Verfügung der Normal- Aichungs⸗ tommission in Berlin ist, im Hinblick auf die der- nalige Ueberlastung der Aich Aemter, die mit dem 1. Januar 1872 ablaufende Frist für die Um- stempelung der seitherigen Landesgewichte bis zum 1. Juli 1872 verlängert worden. Von den bohlmaßen, insbesondere den Flüssigkeits maßen, bezüglich welcher sich die Aich- Aemter in einer beinahe noch größeren Verlegenbeit befinden, ist in der gedachten Verfügung nicht die Rede, und 1s wäre dringend zu wünschen, daß auch in dieser Beziehung die festgesetzte Frist verlängert und der 1. Juli auch für die Flüssigkeits maße als Präclusiv- termin festgesetzt würde. ö

unter den evangelischen Geistlichen des Groß heczogthums hat kurzlich eine Petition an das Großherzogliche Ministerium des Innern um Uufbesserung der Besoldung von Pfarrern auf ge ting dotirten Pfarrstellen aus staatlichen Mitteln tirtulirt. Wer die einschlagenden Verhältnisse nur einigermaßen kennt, wird das Gesuch gewiß nur gertchtfertigt finden können. f Berlin. Der Bundesrath hat in Beziehung die Bestemmung in dem Artikel 6 der neuen und Gewichts-Ordnung, nach welcher vom 1. Januar 1872 an das Kilogramm die Einheit des Gewichtes bildet, jedoch sowobl das Pfund als der Centner gesetzlich zulässige Gewichte bleiben, beschlossen, daß im Zollverkehre auch künftighin die Declaration und Verzollung nach Centnern und Pfunden, nicht nach Kilogrammen vorzu-

i. nehwen Be Blättern wird mitgetheilt,

im kommenden Februar eine Zusammenkunft daß ber Fürsten hier stattfinden werde. Auch der deu von Oesterreich soll um diese Zeit seinen Fun uch zu machen btabsichtigen, jedoch ohne Gegen Bundesgenossen des Kaisers Wilhelm zu⸗

auf

Maß

Es geht das Gerücht von einem Ministerium ausgebrochenen Zwiespalt, speziell im

v. Lutz. Auch das Rücktrittsgesach des Kriegs- ministers Freiherrn von Pranckh soll theilweise wenigstens in Zusammenhang stehen.

Ausland.

Oesterteich. Wien. DemTelegr. Corresp. Bureau wird aus Bukarest gemeldet: Von Seiten der Pforte ist bierselbst eine sehr ernste Note eingetroffen, welche die schleunige Erledigung der Eisenbahnfrage zur Vermeidung schlimmer Complicationen verlangt. Oesterreich und Rußland ertheilten dringend den Rath, die Eisenbahnfrage zu lösen. Das Vorgehen der Mächte im Sinne der türkischen Note machte einen großen Eindruck.

FWankreich. Paris. DerMoniteur des Communes nennt die Depesche des Fürsten Bismarck geeignet, das Land über die wahren patriotischen Pflichten in den gegenwärtigen Um⸗ ständen zu belehren und empfiehlt Mäßigung, Ruhe und Gerechtigkeitesinn. DerMoniteur verurtheilt ganz entschieden die Aufreizungen, welche die Lage der occupirten Departements verschlim- merten und hierdurch Frankreich neue Uebel zufügten. Man bat hier bemerkt, daß der Erlaß Bismarck's wegen der Freisprechungen von Melun und Paris in deutscher Sprache Hrn. v. Rémusat eingebändigt wurde.

Der Neujahrsempfang der Staatskörper wird mit den obligaten Reden stattfinden. Thiers wird denselben, von den Ministern umgeben, im Elpsée in Paris abhalten und dort auch eine Deputation der Nationalversammlung empfangen.

DieGazette des Tribunaux veröffent-

licht einen Brief des Vertbeidigers von Tonnelet, Arvocat Lachaud. Derselbe sucht darin den Be⸗ weis zu führen, daß Tonnelet nur deßhalb ftei gesprochen worden sei, weil er sich im Zustande gerechter Notbwehr gegenüber einem deutschen Sol⸗ daten befunden habe, der ihn nach vorausge- gangenem Wortwechsel mit dem Säbel in der Faust angegriffen habe. Die französische Justiz sei also erwiesener Maßen ohne Makel geblieben. Es wird versichert, daß Hr. v. Goulard am 10. Januar nach Rom abreisen werde, um den Gesandtschaftsposten bei dem König von Italien anzutreten.

Versailles, 26. Dez. Nationalversamm lung. Berathung über die Einkommensteuer. Thiers bekämpft das Project lebhaft. Derselbe legt die Unzukömmlichkeiten dar, welche die Einkommen- stener in finanzieller, politischer und socialer Hin⸗ sicht mit sich führen würde. Durch die Ein kommensteuer würden die meisten der durch die bereits existirenden Steuern getroffenen Objecte nochmals besteuert; sie würde eine unerträgliche Willkür schaffen und gleich der alten Taille(Kopf- stcuer) Unruben hervorrufen. Die schon bestehenden Spallungen würden dadurch noch vergrößert werden. Thiers schließt, indem er die Versammlung auf⸗ sordert, die Regierung zu unterstützen, und aus · ruft: Eine Kammer, welche einen aufrichtigen Versuch mit der Republik macht, kann nicht der Mitschuldige eines Willküractes werden.

In Havre hat ein furchtbarer Sturm großen Schaden im Hafen angerichtet und durch den Einsturz eines Fabrikschornsteins, der auf eine Spinnerei fiel, mehrere Tödtungen und viele Ver · wundungen veranlaßt. Der Kamin zertrümmerte eine Werkstatt, in welcher hundert Arbeiter be⸗ schäftigt waren, die unter dem Schutt begraben wurden. 5

Großbritannien. London. Die Ex⸗ kaiserin Eugenie ist von ihrer spanischen Reise in Southampton eingetroffen, um von dort nach Chislehurst weiter zu reisen. Gleichzeitig liest man in den Blättern, die Firma Emanuel habe für 80,000 L. Juwelen von der Exkaiserin angekauft, welche zum Wiederverkaufe im Laden genannter Firma ausgelegt seien. Unter denselben befinden

schen dem Grafen von Hegnenberg und Herrn wi t

cher Anzeiger. 1

2

sich die ersten Geschenke des Kaisers; das prachr. volle Diadem, welches die Kaiserin bei Halbgala zu tragen pflegte, die kleineren Schmucksachen in täglichem Gebrauch und die kostbaren Prunk⸗ juwelen wurden alle veräußert.

Nach Nachrichten aus Buenos-⸗Apres vom 17. November wurde die Stadt Oran in der Provinz Salta durch Erderschütterungen, welche gegen neun Stunden anhielten, zerstört. Glück⸗ licherweise sind wenig Menschenleben zu beklagen.

Itaien. Rom. Man meldet von bier, daß alle Gesandten, die noch nicht übergesiedelt sind, für das neue Jahr zum officiellen Empfangstag im Quirinal in Rom sein werden. Auch Graf Brasster de St. Simon, der Gesandte des deutschen Reichs, dessen Gesundheit einigermaßen hergestellt ist, wird für diesen Tag hier sein.

Türkei. Konstantinopel. Eine Kund⸗ machung des Ministers der öffentlichen Arbeiten zeigt an, daß der Sultan den Befehl zum Bau eines Eisenbahnnetzes in Kleinasien ertheilt und an die Ingenieure die Anordnung erlassen babe, die Verlängerung der im Bau begriffenen Strecken Scutari Ismail zu studiren.

Mainz. Die Abschätzung des Schadens oder ent⸗ behrten Gewinnes an dem zum Lager der Kriegsgefangenen requitirten Ackerlande, etwa 50 Morgen, ist nun nach langem Hin- und Herverhandeln fixirt. Die Ansätze für die entgangene Crescens mit 54 fl. per Jahr und per Morgen und 60 80 fl. per Morgen zum Aufroden det sesigetretenen Bodens baben jedoch nicht allseitig befriedigt und der eine und andere Grundeigenthümer hat die Eni⸗ schcidung der Gerichte angerufen.

Michelstadt. Am 23. d. wurde die Mümling⸗ thalbayn feierlich eröffnet. Um 12 Uhr kam der Zug an mit den Regierungscommissären, den Mainzer Bahn⸗ beamten, dem Verwaltungsrath und einer ziemlichen Anzahl eingelabdener Gäste von Mainz, Darmstadt und einigen von der Bahn berührten Orten. Unmittelbar nach der geschmückten Locomolive die Musik. Böllerschüsse, Glocken⸗ geläute und dreifaches Hurrah empfing die so lange und sehnlich Erwartete. Nach kurzem Verweilen ging es weiter nach Erbach, von da wieder hierher, wo ein Früh⸗ stück eingenommen wurde, dann zurück nach Darmstadt, wo ein Festessen solgie. Vom 24. d. an gehen von Erx⸗ bach nach Darmstadt 5 Züge und eben so viele zurück.

Straßburg. Am 18. Januar 1872, als dem Jahrestage der Proklamirung des deutschen Kaiserreichs, wirs hier ein Festball stattfinden. Die Kaiserin Augusta vat dem Gouvernement für die St. Thomaskirche(welche den Protestauten als Garnisonskirche dient) zwei pracht⸗ volle goldene Armleuchter nebst eben solchem Crneifix, dazu eine reich mit Silber beschlagene Prachtbibel auf silbernem Pulte zustellen lassen.

Paris. Ein raffinirter Diebstahl ist in dem, deulschen Reisenden wohl bekannten Hotel Violet im Faubourg Poissonnisre ausgeführt worden. Donnerstag Abend war dort ein Fremder abgestiegen, der sich für den 33jährigen Kaufmann Léon Terrace aus Köln ausgad une zwei aneinanderstoßende Zimmer verlangte, da er, wie er sagte, demnächst auch seine Frau und Tochter er⸗ wartete. Als er von dem Zimmer Besitz nahm, bat er den Kellner, eine Commode vor die zwischen beiden Ge mächern liegende Thür zu schieben, was nicht weiter auf⸗ fiel. Am Freitag eröffnete der Reisende dem Cassier des Dotels, daß er 25,000 Frcs. in Gold bet sich habe und in Banknoten umwechseln wolle. Man schickte sofort zu dem Wechsler Hirsch ainé in der Rue Richelieu, der dann auch einen Commis, mit dem nöthigen Betrage in Papier⸗ geld versehen, nach dem Hotel abordnele, nicht ohne ihm einzuschärfen, daß er die Umwechselung nur im Bureau des Hotels und gegen sofortige Auslieferung der ent⸗ sprechenden Summe in Gold vollziehen solle. Inzwischen batte der Reisende über heftige Kolik geklagt und sich in's Belt gelegt, so daß dem Commis doch nichts Anderes übrig biteb, als ihn in seinem Zimmer aufzusuchen. Hier wurde man Handels einig, der Kranke erhob sich seufzend aus dem Bett, nahm die 25,000 Frcs. nebst einer Prämie von 500 Fres. in Banknoten entgegen und legte dieselben in die Commode. Da klagte er plötzlich über neue Schmerzen und bemerkte, daß er sich nothwendig für einige Minuten entferne müsse. In Unterhosen, wie er war, ging er hinaus, so daß der Commis noch immer keinen Verdacht schöpfen konnte und kubig auf seine Rückkunft wartete. Man erräth das Weitere: der Dieb war in das Nebenzimmer gegangen, wo er zuvor in die Thür ein Loch gebohrt halle; von dort aus erreichte er die in der Schublade niedergelegten Banknoten, kleidete sich an, und suchte schleunigst das Weite. Als der Commis nach langem Warten endlich unruhig wurde und die Leute des Hotels herbeirief, war der Dieb längst ver schwunden. Eine Belohnung von 1000 Fres. ist für den Entdecker dieses kühnen Verbrechens ausgesetzt.