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Deutsches Reich. Darmstadt. Der vorige 19. Landtag er- forderte einen Kostenaufwand von 100,409 fl., wovon auf Vicariatskosten allein etwa 13,000 fl. entfallen, weßbalb der wieder zusammengetrttene Finanzausschuß beantragt, die Reglerung zu er⸗ suchen, die Remunerationen für Vertretungen von Beamten, welche als Abgeordnete berufen sind, möglichst zu beschränken. Auf den Kameral- und Forstdomänen haften bedeutende Lasten für Be⸗ soldungen der Pfarrer, Schullehrer und Kirchen- diener, welche sich in der abgelaufenen Budget periode auf 153,620 fl. beziffern. Eine Ablösung wird hier wohl nie eintreten, da die Berechtigten gegenüber dem fortwährenden Sinken des Geld⸗ werthes ein Interesse daran haben, ihre Bezüge in der jetzigen Gestalt aufrecht zu erhalten. Das Münzregal verursachte in den Jahren 1866 und 67 eine Einbuße von 5733 fl. und zwar haupt- sächlich veranlaßt durch das Einziehen der alten Scheidemünze.
Gießen. Nach dem autlichen Personalbestand der hiesigen Universität nehmen in diesem Semestler 306 Zubsrer an den Vorlesungen Theil. Im⸗ matriculirt sind 280 Studenten. Von diesen sind 251 Inländer und 29 Ausländer. Auf die ein⸗ zelnen Lebrfächer vertheilen sich dieselben folgender⸗ maßen: Theologie 19; Kechtswisseuschaft 65; Meditin 58; Thierarzneikunde 11; Cameralwissen⸗ schaft 5; Architectur 14; Forstwissepschaft 16 Mathematik 11; Philosophie und Philologie 53; Pharmacie und Chemie 28.— In Marburg be⸗ siuden sich immatritulirte Studenten 403, darunter Mediciner 194.
Berlin. Nach der„Corr. St.“ wird der Reiche anzeiger in den allernächsten Tagen die Ver⸗ öffentlichung über die Vertheilung der vom Reichs⸗ tag im verflossenen Sommer bewilligten Dotationen an verdiente Heerfährer und Staatsmänner bringen.
— Seit einigen Tagen ist eine Anzahl der neuen Reichsgolt münzen in den Verkehr gebracht; es beißt, die ersten 1000 Zwanzig ⸗Markstücke babe der Kaiser erhalten. Die Ausführung und Prägung der Münze wird allgemein gelobt.
— Die Organisation des Eisenbahn-Bataillons kann nunmehr als beendet angesehen werden. Das Bataillon besteht aus vier Compagnien in der Stärke derjenigen der Pionier- Bataillone. Die Mannschaften des Eisenbahn⸗ Bataillons werden so ausgebildet, daß dieselben sowohl den Betrieb wie den Bau von Bahnen lernen. Ergänzt sind dieselben durch Abgabe von Leuten der Pionier⸗ Batoillone worden, sowie durch solche Mann- schasten der Infanterie, welche im letzten Kriege im Eisenbahndienste bereits thätig gewesen sind. Für die Folge ist beabsichtigt, zum Dienstbetrieb des Eisenbahn⸗Bateillons, wenn irgend möglich, eine eigene Bahnstrecke zu gewinnen.
Stuttgart. Am 27. d. fand in Metzingen eine Zusammenkunft von Tübinger und Stutt⸗ garter Prefessoren und anderen Gästen statt, um den 300 jährigen Geburtstag des Astronomen Kepler zu feiern. Frisch, der Herausgeber von Kepler's Werken, hielt die Festrede. Tags zuvor wurde in Weil, der Vaterstadt Kepler's, das Denkmal desselben beleuchtet.
Straßburg. Wie der„K.-Z“ aus Berlin geschrieben wird, ist die Neubegründung der Ugiversität Straßburg nun so viel vorgeschritten, daß die Listen der zu berufenden Lehrkräfte ge⸗ schlossen sind, die Berufungen in circa 14 Tagen erfelgen können und die Eröffnung der neuen deutichen Hochschule vielleicht schon fuͤr das künf⸗ tige Oster⸗Semester zu ermöglichen ist. Der„N. St. Zig.“ zufolge erhielt bereits Professor Stüde⸗ mund in Greiiswald einen Ruf an die neue Reichs Universität. Die wissenschaftlichen Institute, Apparate, Sammlungen it. sind mit großer Munificenz angelegt.
Ausland. Oesterreich. Wien.
Die beiden Häuser des Re ichs rathes sind 3
am 28. d. eröffnet worden. Ter Kaiser begrüßte die versammelten Vertreter
verträglichen Zugeständnisse zu gewähren, nicht vermocht hat, den erwünschten inneren Frieden herbeizuführen. Die Krone wahrte durch die Ver⸗ weisung der Länder mit ihren Ansprüchen auf den durch die Verfassung vorgezeichneten Weg das Recht des Gesammtstaates, damit zutleich das eigenste Interesse der einzelnen Königreiche und Länder schonend. Die erste Aufgabe der aus Männern der Vertretung gebildeten Regiecung ist: den verfassungsmäßigen Rechtszustand zu befestigen, den Gesetzen allenthalben unbedingten Gehorsam zu sichern. Die Thronrede empfiehlt die Sorge für den öffentlichen Unterricht. Die Regierung wird die Volks schulgesetze ernst, aber zugleich schonungsvoll durchführen, das Universitätswesen ordnen und entsprechende Vorlagen zur Ausfüllung der durch die Lösung des Concordals in der Ge⸗ setzgebung über die Verhältnisse zwischen der katho⸗ lischen Kirche und der Staatsgewalt entstandenen Lücken machen. Die Regierung wird die großen Gesetzgebungsarbeiten, welche das Civil-Strafver⸗ fahren, das Criminal- und Polizeistrafrecht, die OGerichtsverfassung und die Einrichtung der Staats- anwaltschaft betreffen, zum Abschluß bringen. Die Thronrede verheißt ferner mannichfache Gesetzent⸗ würfe, betreffend die volkswirthschaftlichen und die Verkehrsinteressen, den Aufschwung des Handels, sowie den Schutz und die Förderung der Arbeit. Die Thronrede fordert dringend dazu auf, die ungetheilte Kraft der Behandlung practischer Fragen, der Befriedigung der geistigen und der materiellen Berürfnisse des Staates zu widmen. Oesterreichs Völker seien des staatsrechtlichen Haders müde und verlangen nach Frieden und Ordnung, um die von der Verfassfung reichlichst gewährten Rechte zu genießen. Die Thronrede bezeichnet die euro⸗ päischen Verhältnisse als der Befestigung unserer inneren Zustände höchst günstig und erklärt, daß die freundschaftlichen Beziehungen zu den aus⸗ wärtigen Mächten die Hoffnung auf Erhaltung des allgemeinen Friedens zu verstärken geeignet find. Die Thronrede schließt mit dem Aue druck der Erwartung, daß das Einigungswerk der Völker Oesterreichs auf volksthümlichen Grund⸗ lagen dem Geiste des Jahrhunderte gemäß ge · lingen werde.— Fast nach jedem Absatze und häufig bei einzelnen Stellen wurde die Rede von lebhasten Bravos unterbrochen, besonders bei der Stelle: daß die Völker Oesterreichs, des Haders über das Staatsrecht müde, nach Friede und Ordnung verlangen.
Schweiz. Bern. In Saignelegier wird Decan Baumat vor Gericht gestellt, weil er einen Berner des alten Cantons an einer Nebenstätte ohne Glockengeläute Morgens halb 8 Ubr beerdigen ließ und selbst dem Acte nur in Civilkleidern beiwohnte; es wird dies als ein strafbarer Act von Intoleranz betrachtet.—
Frankreich. Paris. Der„Agence Havas, zufolge hält man es jetzt für wahr⸗ scheinlich, daß die Nationalversammlung nur die von der Regierung vorgeschlagene Steuer auf Werthpapiere annehmen und darauf einen Zuschlag von 10 Procent auf die bestehenden Steuern votiren werde, um auf diese Weise das Gleichgewicht im Budget herzustellen.
— Die für die Prüfung der Capitulationen eingesetzte Commission beschäftigt sich jetzt end⸗ lich mit dem Falle von Metz und der Verant⸗ wortung des Marschall Bazaine. Wie die „Patrie“ hört, ist in der Armee allgemein das Gerücht verbreitet, daß im Hinblick auf die be⸗ sondere Wichtigkeit des Gegenstandes der Text und die Erwägungsgründe der Entscheidung der Commission über die Angelegenheit von Metz der Oeffentlichkeit übergeben werden sollen. Versailles, 27. Dec. Nationalversamm⸗ lung. Nach den Reden des Finanzministers und Anderer wurde der Antrag Wollowski's auf Besteuerung aller Einkommen von der Versammlung mit großer Majorität verworfen. — Aus Ver sailles wird gemeldet, Graf Arnim habe auf Auftrag von Berlin der französischen Regierung wegen allzugroßer
in(iger Thronrede, welche hervorhob, daß die Oeneigtheit, die äußersten, mit der Staatseinheit
Ausgaben für Militärzwecke und fuͤr die Armee⸗
Fürst Bismarck vorschützte, daß dadurch die Zahlungsfähigkeit Frankreichs gefährdet werde.
Großbritannien. London. Binnen weniger Monate dürfen wir hoffen, eine directe Telegraphenverbindung zwischen London und Melbourne(Australien) zu haben. Trotz un⸗ geheurer Schwierigkeiten und trotz des Falli⸗ ments der Unternehmer ist der Ueberlandtelegraph von Adelaide nach Port Darvin nunmehr bei⸗ nahe vollendet. a
Italien. Rom. Das Journal„Fanfulla“ meldet: Mehrere italienische Erzbischöfe und Bischöfe richteten aus Anlaß der Weihnachtsfest. tage Adressen an den Justizminister, welche ehr⸗ erbietige Glückwünsche für den König enthielten.
Rußland. Ein großes Unglück ereignete sich im kaspischen Meere. Der Schraubendampfer „Kuma“ ist mit allen Passagieren zu Grunde geg ngen. Auf demselben waren auch 28 große Kanonen und Kriegematerial im Werthe von einer Million.
»Niederwöllstadt. Manche Leser des Oberhessischen Anzeigers mag die Minheilung inieressiren, daß Bürger⸗ meister Stoll dahier dieser Tage ein fettes Schwein der großen Morkshire⸗Race an Metzgermeister Lebeau in Friedrichsdorf verkauft hat, welches nicht weniger als 536 Pfund wog. Das Thier war durch Vermiitelung des Landwirihschaftlichen Provinzialvereins für Ober bessen als Ferkel angekauft worden und kostete damals 31 fl.
Gießen. Wie gemeldet wird, will unser Landsmann, Dr. Carl Leonhard, seither ordentlicher Professor der Velerinär⸗Medicin in Bern, mit Ende des Wintersemesters leine Professur niederlegen, um sich der praclischen Thätig⸗ keit wieder zuzuwenden. Seine Uebersiedelung nach Frank⸗ furt a. M. wird von seinen Freunden, früheren Kunden und Bekannten freudig begrüßt werden.
Frankfurt. Am Christabend fand in der Bender⸗ gasse eine Rauferei statt, an welcher sich auch Frauen⸗ zimmer beiheiligien. Ein Schutzmann intervenirte und da der Haupischreier sich nicht berubigen wollte, sich viel⸗ mehr höchst übermüthig zeigte, so wurde er zur Wache mitgenommen. Unterwegs versuchte er einen Pack Papier⸗ geld zu verschlingen, wurde j doch von seiner Begleiiung daran verbindert. Auf der Constablerwache erkannte man erst, welch wichtigen Fang man gemacht, denn ber Be⸗ treffende war ein schon lange steckorjeflich verfolgter Spitz⸗ bube, der in Bayern einen großartigen Gelddiebstahl sich hatte zu Schulden kommen lassen. Die bei ihm noch vortzefundene Summe war ziemlich beirächtlich.— Die Nähmaschinen haben eine Verbesserung erbalten. Ein hiesiger Bürger, der seiner Frau eine Nähmaschine zu Weihnachten bescheerte, ließ unter den Tisch derselben eine kleine Orgel anbringen, die zwei Walzer, einen Schottisch und einen Galopp spielt. Ein kleiner Riemen, welcher in Verbindung mit der Hauptaxe gebracht wucde, setzt die Orgel in Bewegung und dann wird georgeit und genäht obne Noten. Das Triebwerk der Orgel wird durch eine kleine Jeder ab- und zugestell.. Die ganze Einrichtung an der Maschine, welche in der Fabrik des Herrn Wert⸗ heimer in Bornbeim angefertigt wurde, i kaum demerkbar.
Frankfurt. Die Verhandlungen wegen Errichtung einer Pulverfabrik in der Nähe hiesiger Stadt haben sich. wie man ber„Allg. Milit. Z.“ schteibt, zerschlagen, und zwar wegen des hohen Kauspreises von 2000 Gul⸗ den für den Morgen, den das den Plag besitzende Hos⸗ pital zum beiligen Geist gefordert hat. Die Absicht, eine lolche Zabrik nahe Mainz und unweit eines schiffdaren Flusses zu errichten, bleibt indeß bestehen.
Frankfurt a. M., 17. Dez. Börsenbericht. Nachdem die Weihnachtofeiertage vorüber und fast Jedem zu diesem Feste eine kleinere oder größere Ueberraschung und Freude brreitet war, fand die heutige Vörse auch eine Ueberraschung, aber nicht augenehmer Art, nämlich das Geld für die bevorstehende Ultimo Prolongalur igt sich ungewöhnlich knapp. Die seit Wochen befürchieie Calamltät ist eingetreten, Speculationspapiere finden nur äußerst schwirrig ein Unterkommen, Speculanten zahlten beute willig 700 Zinsen, um ihre Papiere zu versorgen. Daß unter diesen Umständen von einer großen Geschäfts⸗ thäugklit nicht die Rede sein kann, ist nauürlich, dennoch müssen wir die Tendenz der Börse als eine sehr feste ichudern, da die Course trotz der Geldnotb sich fest be⸗ baupteten. Silberrente wurden bezahlt à 61½. Eredit⸗ Alien 326 ½. Staatsbahn 393. Lombarben 206 ½. lSszer A nerikaner sehr osserirt, da man die Kündigung der 3. und 4. Serie für die nächste Zeit seyr wahrschein⸗ lich hält. Von Wechieln: London sehr offerirt 117/16. Wien 99¾. Paris 97. Coupons matt. Amerikaner fl. 2 225/., Silberrenie fl. 24. 27.
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Empfangs ⸗Bescheinigung.
Für die hülsebedürftige, verwaiste Familie des ver⸗ storbenen Lehrers Kost in Frechenhausen gingen bei der Exv. d. Bl. ferner ein von: Hauptmann Hoffmann 1 fl. 45 ke., Ungenannt 1 fl., Pfarrer Breidenstein in Södel 2 fl., Director Dr. Matthias 1 fl. 30 kr., Freu v. Helmolt f fl. 30 kr., C. H. 1 fl. Frau Professor
Organisation Bemerkungen gemacht, indem
Dieffendach 1 fl., Geomeler Lauß in Frankfurt 1 fl. 45 fr.,
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