Deutschlands(1870 bis 71) gegen Frankreich an alle Combattanten oder auf dem Kriegsschauplatze Mittbätige werden vertheilt werden. Es werden dieselben ganz in der Weise der Denkmünzen von 1813 bis 14 gefertigt werden, auf der einen Seite nur das eiserne Kreuz und auf der anderen die Jahreszahl enthaltend. Getragen werden sie, zum Unterschsede von den Erinnerungszeichen, welche von einzelnen Fürsten noch besonders verliehen werden möchten, am schwarz⸗weiß⸗rothen Bande.
— In postalischen Kreisen wird über die mangelhafte Adressirung der Briefe ge⸗ klagt, die es veranlaßt, eine große Anzahl der selben als unbestellbar zu remittiren. Die Zahl der im vorigen Jahre im deutschen Postbezirke dieserhalb unbestellt gebliebenen Briefe wird nach dem„Staatsanz.“ auf 431,254 Stück beziffert.
München. Es ist hier folgender Aufruf an alle Katholiken Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz erschienen:
„Katholische Männer aus verschiedenen Ständen sind dahier zusammengetreten, um die Beschlüsse des vaticanischen Concils vom 18. Juli v. J. mit ihren staatsgefährlichen Consequenzen durch alle gesetzlich zulässigen Mittel zu be⸗ kämpfen. Dieselbe Bestrebung geht durch die ganze katho⸗ lische Welt. Die Unterzeichneten richten daher an alle Katholiken obiger Länder, welche ihre Bestrebungen theilen wollen, die freundliche Einladung, zum Zweck eines ein⸗ müthigen Vorgehens sich mit ihnen in Beziehung zu setzen. München, 20. April 1871. v. Wolf, Oberstaatsanwalt. Graf v. Moy, königl. Oberst⸗Ceremonienmeister. Graf Ludwig Arco⸗Valley. Dr. Berchtold, a. Professor der Rechte. Ludwig Brey, II. Vorstand des Gemeinde⸗Collegiums. v. Enhuber, Appellations⸗Gerichtsrath. Wilhelm Gail. Maler. Dr. Johannes Huber, Professor der Philosopbie. v. Molitor, Geheimrath und Oberappellations-Gerichts⸗ Direktor. Frhr. v. Perfall, Hof-Musik⸗ und Hoftheaier⸗ Intendant. Max Schaumberger, Kaufmann. Dr. von Schauß, königl. Münzwardein. Dr. Hermann Seuffert, a. Professor der Nechte. Dr. Karl Stieler. Streng, Staatsanwalt. Dr. Zerngiebl.“
— Die bavyerischen Bischöfe berathen demnächst eine Petition an den Papst, um diesen zu der Erklärung zu bewegen, das Unfeblbarkeitsdogma habe auf weltliche Dinge keinen Bezug.
— Die Nachricht, daß Döllinger, dem Kampfe ausweichend, sich zu seinem Freunde, Gesinnungs⸗ genossen und Schüler Lord Acton nach England begeben wollte, ist unbegründet.
— Die Fortsetzung des Rücktransportes der französischen Kriegsgefangenen aus Bayern nach Frankreich soll höherer Weisung zufolge sofort eingestellt werden.
— Professor Friedrich wird in einigen Tagen ein motivirtes Schreiben veröffentlichen, worin er die über ihn erklärte Excommunication nicht an- erkennt und sich für nicht excommunicirt erklärt.
Ausland.
Frankreich. Paris, 25. April. Die Commune hat die Besitznahme der leerstebenden Wohnungen in Paris angeordnet, um darin die Bewohner der unter dem Bombardement leidenden Quartiere unterzubringen. Das„Journal officiel“ sagt:„Ja Folge des Gerüchtes von einer unmittelbar bevorstehenden Räumung der Forts des rechten Ufers durch die Deutschen hatte es der Commandant des Forts von Vincennes für geboten erachtet, die Wälle des Forts zu armiren. Ein preußischer Parlamentäx erschien darauf und forderte die genaue Beobachtung der Convention vom 28. Januar. General Cluseret ließ darauf sofort die Bastjonen von Vincennes wieder bes— armiren.“
— 25. April, Morgens. Gestern wurde von Vanvres eine Recognoscirung in die Umgebungen von Chatillon unternommen. Die Versailler haben eine neue Batterie 500 Meter unterhalb des Plateaus errichtet. Auf der Seite nach Billan⸗ court haben einige Gefechte ohne bemerkenswerthes Resultat statigefunden. Es ist Befehl ertheilt worden, daß das Feuer heute Morgens 6 Uhr auf der ganzen Linie eingestellt werde.— Heute Morgen haben die Batterien von Meud on, Bre— teuil und Chatillon das Feuer gegen die Forte Issy und Vanvres, sowie den Point du jour, eröffnet.
— Der„Verité“ zufolge würden alle mit Lebensmitteln beladenen Eisenbahnzüge, welche für Paris bestimmt seien, vor den Befestigungswerken angehalten.
— 25. April, Abends. Eine leichte Kanonade wurde Nachmittags in der Richtung von Vanvres und Issy unterhalten. Die Bevölkerung der Ternes, von Neuilly und Sablonville, von der Einstellung der Feindseligkeiten Gebrauch machend, räumt ihre Wohnungen und kommt in Masse nach Paris. Alle diese Ortschaften gewähren ein Bild entsetzlicher Verwüstung. Die Regierungstruppen wie die Föderirten arbeiten emfig an der Erbauung neuer Barrikaden und der Ausbesserung der alten. Die Vorposten der ersteren stehen bereits 150 Meter diesseits der Kirche von Neuilly. Felix Pyad, dem dringenden Ersuchen seiner Wähler nachgebend, bleibt Mitglied der Commune.— Das Gerücht, die Preußen hätten Charenton ver- lassen, ist unbegründet. Dasselbe war dadurch entstanden, daß die Commune sowohl, wie die Regierung von Versailles gewisse neutrale Ort— schaften in der Nähe des Forts hatten besetzen lassen, wo die beiderseitigen Truppen sich nun in Erwartung der Uebergabe des letzteren in großer Zahl gegenüberstehen. St. Denis ist noch immer von den Preußen besetzt.
— 26. April. Das Feuer hat auf der ganzen Linie mit großer Heftigkeit wieder begonnen. Während des Waffenstillstandes haben die Ver— sailler Chateau Becon noch mehr befestigt. Die selben baben gegen die Forts Montrouge, Vanvres, Issy und die zwischen deuselben liegenden Punkte wieder die Offensive ergriffen. Die Belagerungs- arbeiten sind bis zur zweiten Parallele vorgeschritten. Die Föderirten haben mehrere heftige Ausfälle gemacht, um die Arbeiter zu beunruhigen und kam es bierbei in der Nähe von Bagneux, Clamart und Chatillon zu erbitterten Kämpfen. Die Fö⸗ derirten scheinen einen ernstlichen Angriff auf die Südfront zu erwarten und haben ihre besten Ba⸗ taillone, sowie zahlreiche Artillerie dorthin dirigirt; im Quartier Montrouge jedoch sind die föderalen Streitkräfte nicht ausreichend, um einem heftigen Augriff Widerstand zu leisten; man sagt, die Mannschaften dieses Quartiers fingen an, nicht mehr beim Appell zu erscheinen. Die Kanonade gegen Vanvres und Montrouge ist äußerst heftig. die Forts antworten kaum noch, die Versailler überschütten dieselben mit Geschossen. Gewehrfeuer ertönt unmittelbar von den Wällen. Fünf Ka- nonenboote an der Brücke von Auteuil beschießen Meudon, Brimborion und Breteuil.
— Der„Gaulois“ schreibt: Im Quartier des Generalstabs, Place Vendome, findet jeden Abend großes Diner zu 40 bis 50 Gedecken statt. Alle in den Häusern der Place Vendome aufbewahrten feinen Weine sind requirirt worden und das Hotel Bristol besitzt nicht eine einzige Flasche Wein mehr. Ale und Porter allein wurden unberührt gelassen. Man gibt sich kleinen Plün⸗ derungen hin, um nicht aus der Uebung zu kommen. Letzter Tage kam die Reihe an die kaiserliche Lingerie auf der Place Valois. Der Gerant und die Directricen dieses Etablissements, die Damen Wolf, wurden verhaftet. Hierauf legte man Hand an das Hotel des Marschalls Canrobert. Letzterer wurde in efligie verbrannt und ein Capitän des Generalstabs ließ den Waffenschrank und das Meublement des Ankleide— zimmers des Marschalls nach seiner Wohnung bringen.
Versailles, 26. April. Das Fort von Issy hat seit heute Mittag aufgehört, auf das diesseitige Feuer zu antworten; die Batterien außerhalb desselben jedoch fahren fort, zu feuern. Eine Parallele ist gegen das Fort von Issy er⸗ öffnet worden.
27. April. Das Dorf Moulineaux, welches von zwei Bataillonen der Föderirten be— setzt gehalten wurde, ist gestern von einer 300 Mann starken Abtheilung Regierungstruppen, worun⸗ ter sich 100 Mann Seesoldaten befanden, ange— griffen und genommen worden. Ursere Verluste betrugen 25 Todte und Verwundete, die Verluste der Föderirten sind viel beträchtlicher. Die dies— seitigen Batterien fahren fort, Fort Issy und die übrigen Positionen der Insurgenten zu beschießen. Reims. Ein Circular Thiers sagt: Die in
Cherbourg, Cambrai und Auxerre gebildeten
Corps nebst den aus Deutschland zurückgebrachten Gefangenen nahmen ihre Aufstellung in Versailles. Hier werden daraus zwei getrennte Corps unter den Generälen Douai und Clinchant gebildet.
Amiens. Von Creil aus wurde ein Zug mit Lebensmitteln, die nach Paris bestimmt waren, des Nachts abgelassen. Derselbe wurde unterwegs angebalten und nach seiner Abgangsstation zurück expedirt.— Die Blokade von Paris hat begonnen.
Großbritannien. London. Die„Times“ melden: Versailles, 25. April. Die Lage ist un⸗ verändert. Der Mont Valerien und die Batterien bei Courbevoie beschießen Levallois, Clichy und das Maillotthor. Die Föderirten beschießen Schloß Becon. Die Beschießung der Forts Issy und Vanvres dauert ohne Erfolg fort. Der Specialcorrespondent des Blattes benutzte den Waffenstillstand, am am Dienstag Neuilly und Ternes zu besuchen. Das Thor ist beschädigt, aber ohne Bresche. In der Avenue der Ternes und den anstoßenden Straßen herrscht Ruhe. In Neuilly kamen die Einwohner, meistens Weiber und Kinder, nach dreiwöchentlicher Gefangenschaft in den Kellern, an's Tageslicht. Eine große Menge Leichen sind noch unbegraben. Die Ver-
sailler Truppen haben die Weinvorräthe hinweg⸗
genommen. Ihr Benehmen war brutal; sie ver⸗ boten, mit den Nationalgarden zu sprechen. Es herrscht gegenseitig große Erbitterung und ist alle Aussicht vorhanden, daß das Feuer mit Heftigkeit wieder eröffnet wird.
Italien. Florenz. Die Justizeommission theilt dem Senate mit, die Regierung werde einen Gesetzentwurf, betreffend vollständige Trennung der Kirche vom Staate, einbringen.
— Der Ministerrath berieth unter dem Vor- sitze des Königs über die Verlegung der Haupt stadt nach Rom. Die Partei Lanza's stimmte für Aufschiebung, während Sella daraus eine Cabinetsfrage machte.
* Friedberg. Von einem Unteroffiziere unseres ersten Jäger⸗Bataillons erhalten wir eine Zuschrift mit der Bute, derselben zur Beruhigung der Angehörigen unserer Soldaten in der Heimalb einen Platz im, Oberh. Anzeiger“ einzuräumen. Wir entsprechen gerne diesem Wunsche und lassen den Brief, soweit er unsere Leser interessiren kaun, hier folgen:„Donjeux, 25. April. Heute tas ich zufällig Ihr werthes Blatt Overh. Anzeiger vom 22. d. Mis.) und erlaube mir bezüglich der dort geflellten Fragen über unsere angeblich sehr mangelhafte Verpflegung Ihnen mitzutheilen, daß die Verpflegung unserer Division gegenwärtig nichts zu wünschen übrig läßt und eine Unterstützung aus der Heimath überflüssig sein würde. Wir bekommen ganz die gleiche Verpflegung wie unsere anderen deutschen Brüder, und es ist bis jetzt noch kein Truppentheil vor dem andern hierin bevorzugt worden.“
* Friedberg. Nach einer Bekanntmachung des General⸗ Postamts können vom 25. April ab wieder Privatpäckereien zur Postbeförderung an die im Elsaß und in Deutsch⸗ Lothringen, sowie in den occupirten französischen Gebieten stehenden deulschen Truppen, Militär- und Civil⸗Beamten angenommen werden Eine Garantie für die richtige und pünktliche Ueberkunft der Privatpäckereien kann die Post⸗Verwaltung nach Lage der Verhältnisse nicht über⸗ nehmen. Das Gewicht des einzelnen Stückes darf über 5 Pfund nicht hinausgehen, im Uebrigen sind die Be dingungen für die Annahme der Privatpäckereien die in der Bekantmachung vom 10. Oct. 1870 angegebenen: Größe nicht erheblich über 13 Zoll lang, 6 Zoll breit, 4 Zoll hoch, Verpackung in recht feste Cartonbebältnisse mit Leinwandüberzug und aufgeklebten Correspondenz-Karte, Namhaftmachung des Absenders auf der Abresse, Frankirungs⸗ zwang bei der Einlieferung, Frankirung durch Aufklebung von Freimarken im Beitrage von 5 Sgr., bezw. 18 kr. sünd. W. auf die Correspondenzkarie.
— Friedberg. Die Maikäfer scheinen sich in diesem Frühjahre in außergewöhnlicher Menge einzustellen, denn schon während der kälteren Tage der letzten Wochen sah man einzelne fliegen. Seit wir wärmere Abende gaben, schwärmen dieselben in großer Zahl. Es möchte rathsam erscheinen, alsbald für deren Vertilgung bedacht zu sein, ehe sie zu sehr überhand genommen.
Frankfurt. Die etwas mysteriöse Meldung von einem aufgefundenen Skelett eines Knaben ist dahin zu reduciren, daß nicht mehr und nicht weniger als der obere Theil eines menschlichen Schädels im Verein mit verschiedenen Thieiknochen an jenem Orte aufgefunden ward. Aus Nassau, im April. Aus Herschbach, Amt Selters, geht der„Mitielrh. Z.“ folgende Cor respondenz zu:„Die Wiltwe Klein dahier derlor in diesem Kriege ihre beiden einzigen Söhne, den einen bei Weißenburg, den andern bei Sedan.(Ihr ältester Sohn blieb vor einigen Jahren beim Bau einer Eisenbahn todt) Durch Fleiß und Sparsamkeit hatten die Söhne ihre Mutter nicht allein bisher ernährt, sondern ihr auch ein Häuschen ge⸗ baut. Nun liegen sie, die für die Ehre und Unabhängig⸗


