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haben. Eine Commission ist zur Untersuchung eingesetzt.
— In der Beantwortung des vom General Trochu an den deueschen Generalstabschef gerich · teten Schreibens, in welchem über die Beschießung von Lazarethen u. s. w. in Paris Klage geführt wird, foll von General v. Moltke darauf hin⸗ gewiesen worden sein, wie die deutsche Kriegs- führung sich überhaupt seit Beginn des Kampfes im August 9. J. durch eine besondere Humanität ausgezeichnet habe; wie diese Humanität keinerlei Einschränlungen erfahren, selbst als man von französischer Seite sich bemüssigt gefunden, oft das Kreuz der Genfer Convention nicht zu respektiren und dem ganzen Kriege den Charakter eines in alle Schichten Tod und Verderben tragenven VBolkskrieges aufzuprägen. Deßhalb sei auch zu. nächst jeder Argwohn zurückzuweisen, als seien die Hospize und Lazarethe vorzugsweise Zielpunkte unserer Belagerungs-⸗ Artillerie. Wir wären indeß nicht immer in der Lage, das Einschlagen und die Endziele der in die Stadt geschleuderten Ge: schosse genau beobachten zu können, sobald aber die atmosphärischen Zustände gestatten würden. uns ein deutlicheres, vom Nebel und trüber Luft nicht behindertes Bild von der Tragweite und den Einschlagspunkten unserer Granaten zu bilden, so solle nichte unversucht gelassen werden, eine Wiederholung der Gefährdung solcher Anstalten für Kranke und Verwundete nach Kräften zu verhindern.
Aus Sdres wird über den am 19. d- von den Belagerten unternommenen Ausfall be- richtet: Am 19. d. starker Ausfall der Franzosen aus dem Fort Valerien gegen die Slellungen des 5. Armeecorps auf der Linie St. Cloud⸗Bougival. Die Angaben über die Stärke der gegen Tages- anbruch ausgebrochenen Massen vartiren zwischen 28 und 50 Bataillonen. Es mögen die als Reserven aufgestellten Mobilgarden mitgezählt sein. Der Kampf war ungemein hartnäckig. Die Fran- josen rückten mit anerkennenswerther Bravour gegen den Nordrand des Waldes und Parkes von St. Cloud vor und setzten sich in den Besitz der Montretout⸗Schanze, aus welcher sie erst Abends 9 Uhr wieder vertrieben wurden. Das Klein- gewehr⸗ und Mitrailleusenfeuer war äußerst heftig und währte fast 12 Stunden. Dazu feuerte der Mont Valerien mit seinen schwersten Geschützen, während die Batterien am Point du jour Sepres mit Granaten bewarfen. Abends kamen noch bayerische Truppen ins Gefecht, das zu den hef⸗ tigsten gezählt wird, welche das 5. Corps bis jetzt zu bestehen hatte. Von der 21. Division waren nur 2 Bataillone des 88. Regiments daran betheiligt. Um 11 Uhr Nachts befanden die Vorposten sich wieder in den alten Stellungen. Die Franzosen blieben die Nacht über am Süd abhange des Mont Valerien und wir erwarteten heute früh die Fortsetzung des Kampfes, die jedoch nicht erfolgte. Unsere Verluste sind, der Hart- näckigkeit des Gefechtes in coupirtem Terrain entsprechend, bedeutend. Ich erinnere mich nicht,
außer Wörth ein so heftiges Feuer gehört zu haben.
— Ein anderer Bericht aus Versailles sagt: Gegen 8 Uhr Morgens kam der Feind auf der ganzen Süd- und Südwestlinie mit einer kolossalen Streitkraft von gegen 100,000 Mann heraus. Der Kampf begann bei Sevres, zog sich nach Meudon, Garches, St. Cloud, Vaucresson Malmaison, Bougival 1h. Der Feind entwickelte aus seinen Batterien und Mitrailleusen, denen sich der Chassepot zugesellte, ein so hefliges und starkes Feuer, wie man es nicht in den Schlachten von Wörth und Sedan gehört hat. Unsere Be⸗ lagerungsbatterien erwiderten auf das Lebhafteste, während unsere Feldbatterien des coupirten und waldigen Terrains halber nur mit Schwierigkeit auffahren konnten. Das Schlachtfeld dehnte sich in Folge der großen Entwickelung des Feindes immer mehr aus, so daß es fast zwei deutsche Meilen umfaßte. Unsere Batterien feuerten von Louviciennes und St. Germain aus auf die vor⸗ geschobenen Batterien des Mont Valerien mit großer Präcision; die zwischen Lacelle und Bou⸗ goal aufgestellten Batterien feuerten auf die von
Rueil debbuchirenden feindlichen Regimenter. Immer von Neuem wurde der Feind trotz seiner dreifachen Uebermacht zurückgeworfen; die von unseren Truppen in den verflossenen drei Monaten ausgeführten Verschanzungen und Verhaue bildeten für den Feind unübersteigliche Hinder nisse. Die Schlacht, denn als solche muß die gestrige Affaire bezeichnet werden, währte von Morgens 8 Uhr bis Abends 6 Uhr, wo mit der eintretenden Nacht das Feuer theilweise verstummte.
— Die preußischen Batterien gegen St. Denis sind folgendermaßen aufgestellt: Die erste, 6 24 pfünder steht bei St. Gratien, rechts von der Eisenbahn nach Rouen und feuert gegen Fort Briehe; die zweite, auch mit 24 pfündern armirt, ist in la Barbe ganz nahe bei Mont morency; die dritte steht bei la Chevrette, beinahe Montmorency gegenüber. Die vierte steht in der Nähe von Pierresitte. Auf der Höhe hinter Stains finden sich vier Mörserbatterien. Zwischen Garches und Dugny ist die 9. Batterie und nahe bei le Bourget die zehnte. Die Franzosen hatten offenbar nicht die geringste Ahnung von der Er⸗ richtung dieser Bakterien, als sie von ihnen be⸗ schossen wurden.
— Der„Staatsanzeiger“ schreibt: Auf der Strecke, auf welcher zwischen Nanzig und Toul durch die Sprengung der Moselbrücke eine Unterbrechung rer Schienenverbindung herbeige⸗ führt worden ist, sind von der Postverwaltung unter Heranziehung der in den Postdepots zu Metz, Nanzig und Chateau Thierry in Re serve gehaltenen Pferde und Wagen unverzüglich Schnell, Güter- und Kariolposten eingerichtet worden, so daß die regelmäßige Feldpostbeförderung von und nach den Armeen, sowie der Courierdienst zwischen Berlin und Versailles gesichert ist, wenngleich wegen der Umladungen u. s. w. cine Verringerung in der bisherigen Schnelligeit unvermeidlich ist.
Aus Baden. Die„Karlst. Ztg.“ erklärt sich das Fehlen aller offiziellen Nachrichten von der deutschen Südarmee aus dem möglichen Mangel einer telegraphischen Verbindung zwischen Ver ⸗ sailles und Dijon. Wahrscheinlich werden dieser Tage in der Gegend von Döle und Besangon seht ernste Kämpfe stattfinden. General v. Man teuffel ist auf einer Umgehung des Generals Bourbaki begriffen. Alle deutschen Armeen im Südosten wie im Westen und im Norden Frank- reichs setzen ihre Operationen kräftig fort.— Die Franzosen haben die bei der Räumung Dijons zurückgebliebenen deutschen Verwundeten und Kranken bei der Wiederannäherung unserer Truppen aus Dijon weg und nach Lyon verbringen lassen. Es ist dies die schon mehrmals von ihnen prac⸗ ticirte Art, wobei sie dann auf solche Weise in ihre Hände gefallene Verwundtte für Gefangene gelten lassen, während sie anderwärts ihre eigenen Verwundeten auf's Unverzeiblichste ohne ärztliche Hülfe zurücklassen, wie es jetzt wiederum bei dem, wie es scheint, sehr eiligen Rückzug Bourbaki's geschehen ist.
Aus Baden. Südlich von Besangon dürften noch Kämpfe bevorstehen, da es offen⸗ bar auf eine Umgehung Bourbaki's abgesehen ist, der auch dem vorerst noch in Dijon fest⸗ gehaltenen Garibaldi keine Hülfe bringen kann. Dijon selbst ist durch die Besetzung Döles für die Franzosen unhaltbar geworden. Wir haben auch sonstige Anzeichen, daß die Umgehung Bourbaki's bereits als gelungen zu betrachten ist.— In unserm Oberlande, das durch den heldenmüthigen Widerstand des Corps Werder vor Belfort von einer leicht begreiflichen großen Besorgniß befreit worden ist, denkt man daran, der Dankbarkeit gegen dessen ebenso umsichtigen wie tapferen Führer, den General v. Werder, einen würdigen Ausdruck zu geben, und sind dazu, wie man vernimmt, in Freiburg bereits Schritte geschehen.
— Die Nachrichten über die Kämpfe bei Dijon, obwohl sie immer noch ausschließlich aus französischer Quelle stammen, scheinen zu beweisen, daß Garibaldi sich am 21, 22. und 23. nördlich der Stadt gegen das 2. Armee⸗
corps zu behaupten wußte. Der Kampf muß
sehr hartnäckig gewesen sein. Man erwartet deßhalb mit Ungeduld die Nachrichten von deutscher Seite. Augsburg. Die„Allg. Ztg.“ enthält fol ⸗ gendes Telegramm:„Bern, 24. Jan. Glahy und Roches(bei Blamont) wurden heute von den Preußen gestürmt und genommen, die Franzosen auf Villars zurückgeworfen.“ Basel. Trotz Bourbaki's Rückzug von Belfort kann man die Absicht, die Festung zu enisetzen, noch nicht als aufgegeben betrachten. Im Gegentheil sollen neue Anstrengungen zu diesem Zwecke gemacht werden. So verlautet aus einer gut unterrichteten Quelle, daß von Lyon her 50,000 Mann bereits auf dem Marsche sind, um die Operationen Bourbaki's zu unterstützen. Auch von Pruntrut her wird diese Meinung durch eine Depesche verstärkt, welche meldet, daß man dort an der Grenze eine größere Action erwarte. Bern, 2. Jan. Der„Bund“ bringt fol⸗ gendes Telegramm aus Pruntrut vom beutigen Tage:„Ein französisches Corps unter General Bressolles steht in der Nähe der Grenze. Das Hauptquartier desselben ist in Pierre Fontaine. In Blamont gehen drei französische Batterien“ Genf, 24. Jan. Nach Privatnachrichten aus Lyon ist es am 22. und 23. Januar zu heftigen Kämpfen zwischen Garibaldianern und dem Feinde gekommen. Zu einer Entscheidung sollen dieselben nicht geführt haben. Nach den letzten Berichten haben sick die Garibaldianer in der Stadt(Dijon 2) behauptet..
Hessen. Darmstadt. Ueber die Verluste des Großherzoglichen 2. Infanterie-Regiments in dem Gefecht bei Briare am 14. Jan. veröffentlicht die„Darmst. Ztg.“ weiter folgende Liste:
3. Compagnie.
Musk. Jesaias Binge, Rendel, l. v., Schuß i. d. l. Seite; liegt in Ouzouer sur Loire.
Musk. Theodor Faatz, Schotten, l. v., Schuß i. d. l. Oberbein; liegt in Briaxe.
Musk. Joh. Ph. Klossert, Mühlheim, deim Patrouillen⸗ gang nach Dozouer bei Ousson schw. v., konnie derselbe nicht mitgenommen werden.
Musk. Heinrich Carl Leuck, Wallenhausen, vermißt.
ö 4. Compagnie.
Musk. Sebast. Blöser, Hartmannsgain, l. v., Schuß in den Fuß; liegt in Ouzouer.
5. Compagnte.
Lieutenant August Weimar, Nidda, schw. v., Schuß d. d. r. Oberschenkel; liegt in Orleans.
Musk. Louie Seibert, Hungen, l. v., Streisschuß am Hals; liegt in Ouzoner.
6. Compagnie. Musk. Georg Weber, Lauterbach, vermißt. 7. Compagnie.
Corporal Johann Bapiist Krantz, Bingen, vermißt.
Musk. Heinrich Wahl, Angersvach, vermißt.
Muok. Heinrich Jordan, Storndorf, vermißt.
Musk. (in Gien krank zurückgeblieben).
8. Compagnie.
beide Beine; liegt in Briare. Musk. Johs. Hubeler, Londorf, schw. v., Schuß d. d. l. Hand; liegt in Orleans.
d. d. r. Vorderarm; liegt in Orleans. Musk. Georg Lotz, Burgbracht, schw. v, Schuß d. d. l. Oberschenkel; liegt in Orleans.
Muek Jacob Adolph, Un terschwarz, l. v., Prellschuß a. I. Bein; liegt in Orleans.
Musk. Carl Faatz, Butzbach, todt, Schuß d, d. Brust. Musk. Ludwig Hofmann, Schotten, todt, Schuß i. d. Unterleib.. Musk. Heinrich Weil. Rockenberg, todt, Schuß d. d. Kopf. Mainz. Zwei französische Offiziere ersuchten dieser Tage die Militärbehörde um Rücknahme ihres gegebenen Ehrenwortes. Als Grund gaben Beide an, sie könnten mit einem Gehalt von 12
daher ihres Ehrenwortes entbunden sein.
fangenen in der Citadelle. 1
Preußen. Berlin. Die Ansprache, welche der König am 18. d. gelegentlich der Kaiserpro⸗ clamirunz im Schlosse von Versailles an die ver? sammelten Fürsten hielt, lautet folgendermaßen;
„In Gemeinschaft mit der Gesammtheit der
sich der vom König von Bayern an mich ge⸗
Johann Martin Salzmann, Laubach, vermißt,
Corporal Carl Spiiß, Leusel, schw. v., Schuß durch
Musk. Friedrich Feuerbach, Holzhausen, schw. v., Schuß
Thalern per Monat nicht auskommen und wollten Die zwei Offiziere sitzen nun mit den übrigen Ge⸗ 1
deutschen Fürsten und freien Städte haben Sie
richteten Aufforderung angeschlossen, mit der Wieder-
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