Ausgabe 
27.5.1871
 
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Frankreich. Versailles, 23. Mai, Abend. Der Sturm auf den Montmartre hat den Versailler Truppen schwere Opfer gekostet. Die Insurgenten batten einen viel geringeren Verlust an Verwundeten und Todten. Das Vordringen am linken Seineufer bis zur 15 St. Sulpice war verhältnißmäßig mit geringen Opfern verbunden. Der Concordien platz wurde Nachmittags noch energisch verteidigt. Favre und Poußer-Quertier sind hier eingetroffen.

24. Mai. Unsere Truppen haben die Insurgenten aus dem Faubourg St. Germain und aus anderen Orten vertrieben und setzen ihren siegreichen Marsch fort. Der Louvre und die Tuilerien brennen. Die Insurgenten haben unter Anwendung von Petroleum dieselben ange- zündet. Man glaubt, die Insurgenten wollten ars Paris auf der Seite von Belleville und Pantin entkommen. Billeoray ist gestern gefallen. Zahlreiche Gefangene d beute 1. Ve geides an⸗ gekommen. Dombrowski ist verwunder und ge⸗ fangen in St. Denis.

Außer dem Loubte und den Tuiletien baben die Insurgenten auch an das Palais der Legion dhonneur und das Gebäude des Conseil d'Etat Feuer gelegt. Auch an anderen Punkten als an den genannten haben die Insurgenten Brände angezündet. Unsere Truppen sind auf ihrer Linken bis hinter Belleville, im Centrum bis zum Louvre und den Hallen, auf der Rechten tis zum Observatorium vorgedrungen. Alle Feuers⸗ brünste sind von den Insurgenten mittelst Petroleum bewirkt worden. Die Atmosphäre von Paris ist mit einem starken Petroleumgeruch geschwängert.

Nachrichten aus Paris zufolge wurde um 2 Uhr eine große Explosion gehört. Die Tuilerlen find vollständig niedergebrannt. Man hat die Galerien des Louvre schützen können, Die Explosion, welche man in Versailles hörte, rührte don dem Palais Luxembourg her, welches die Insurgenten theilweise in die Luft sprengten. Das Palais ropal sleht in Flammen. Man glaubt, tin Drittel des Louvre würde gerettet werden. Eine Feuersbrunst ist in der Cité ausgebrochen; man weiß nicht, ob der Justizpafast oder eine Caserne brennt. Dichter Rauch bedeckt Paris. Ein Aschenregen fällt beständig. Die Truppen etzen ihre Operationen mit Eifer fort; dieselben ind voll Kampflust.

Nationalversammlung. Thiers erklärt: Ich komme nicht, Sies zu. tröstenz ich bin selbst untröstlich über das Unglück, welches das Land betroffen hat. Vor Allem lassen Sie mich Ihnen lagen, daß die Insurrection besiegt ist. Die drei⸗ farbige Fahne weht in dem größeren Theil von paris. Die Insurgenten haben einen Act, des Vandalismus begangen, welcher zugleich ein Act der Verzweiflung ist. Wir waren gestern Abend an der Oper und auf dem Montmartre ange kommen, wir schlossen den Vendomeplatz ein, die Tuilerien, den Louvre, während auf dem linken User Cissey die meisten Punkte besetzt hatte. Die Henerale wollten nicht in einer Stadt wie Paris Nachts operiren, auch strategische Gründe standen Dem entgegen. So konnte Niemand die Ver⸗ tuchten hindern, die Pläne, welche sie gefaßt hatten, auszuführen. Die Flammen erhoben sich über dem Finanzministerium, dem Palais des Conseil Etat, dem Rechnungshof. Es war nicht mög- lich dem Feuer Einhalt zu thun. Die Verschanzungen baren mit Kanonen gespickt. Das Petroleum nochte die Flammen unlöschbar. Diesen Morgen aten die Generale alles Mögliche; aber als sie den Ven d omeplatz nahmen, waren die Tuilerien nur mehr Aschenhaufen.(Allgemeine Ausrufe des intsetzens.) Wir haben einen Durchschnitt ge⸗ nacht, um den Louvre zu retten und baben alle lesache zu hoffen, daß er gerettet ist. Leider steht

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spätestens morgen Abend Herr von Paris sein. Dies ist die Ueberzeugung unserer Generale. Wir haben den Sieg errungen, aber leider haben wir nicht diese Verruchten in unserer Gewalt, die Petroleum und Petrolbomben gegen die Soldaten geworfen haben, von denen mehrere verbrannt sind. Wir müssen vor Allem Kaltblütigkeit bewahren, dann die Einigkeit, welche unbedingt unerläßlich ist. Thiers theilt mit, die Regierung werde morgen den Antrag einbringen, die Bevölkerung von Paris zu entwaffnen und alsdann dem Gesetz gemäß die Maires von Paris zu ernennen.Nach einer solchen Niederlage, fügt Thiers hinzu, ist die Insurrection unfähig, sich jemals zu erheben. Thiers fordert schließlich die Versammlung auf, Geduld zu haben und auf diese Weise zum Triumph über die Schwierigkeiten der Lage beizutragen. Lassen sie uns die Ruhe bewahren, die wir zum Handeln nöthig haben.(Beifall.)

g St. Denis, 24. Mai. Die Barrikaden auf der Place Vendöme und der Place de la Concorde balten sich noch trotz energischen An- griffen der Versailler und werden mit verzweifeltem Muthe vertheidigt. Die Versailler sollen große Verluste haben. Man hofft, die Insurrection bis heute Abend vollständig zu bewältigen. In der Rue de Rivoli, im Quartier de la Madeleine und in der Rue Boissy d' Anglas sind grote Feuersbrünste ausgebrochen.

Großbritannien. London, 23. Mai. Im Oberhause machte Lord Granville die Mit- theilung, daß die deutsche Regierung nach erfolgter Feststellung des Schadens für die bei Duclair ver senkten englischen Schiffe 177,000 Fr. gezahlt habe.

Das Unterhaus hat mit 208 gegen 169 Stimmen den Hauptparagraphen der Heeresre formbill, durch welchen der Stellenkauf abgeschafft wird, angenommen.

DieTimes sagt: Der Brand von Paris gleicht dem Brande von Moskau. Das Pantheon und Bal de Grace wurden von General Cissey bombardirt und theilweise zerstört. Der Justiz⸗ palast und die Polizejpräfectur brennen. Der Telegraph meldet: Die öffentlichen Gebäude werden, ehe sie die Insurgenten räumen, von denselben angesteckt. Delescluze ist Gefangener. Dombrowski wurde von den Preußen gefangen.

Aus der Wetterau. Wenig Lohn viel Ardeit! Ist solch ein Verlangen gerecht? In den vierziger Jahren, zur Zeit, als der sel. Prodinzial⸗ kommissär Prinz das Schulwesen in einem gewissen Kreise in seiner sichern Hand hatte, fiel die Prüfung der Schule eines ältern Lehrers sehr dürftig aus. Der Lehrer wurde hart angesahren und mit Dienstentsetzung bedroht, wenn er nicht mehr leiste, worauf derselbe trocken sagte:M. H., ich habe 180 fl. Besoldung; für die habe ich genug gethan; ich will leben und muß anderm Erwerb nachgehen, da muß freilich die Schule Noth leiden. Wenn Sie mir aber noch einmal so viel Besolbung geben, so will ich auch noch einmal so viel leisten. Wie die Arbeit, so der Lohn! heißt es; aber ich sage: Wie die Bezahlung so die Arbeit! Der Herr Provinzial-Commissär erklärte, gegen diese Logik nichts einwenden zu können; der Lehrer blieb Lehrer und die Schule blieb schlecht! Diefelben Ursachen bringen noch heute dieselben Wirkungen hervor. Was in den vierziger Jahren 180 fl. waren, sind jetzt kaum 300 fl. Die Gehaltsaufbesserung auf das Minimum von 300 fl. ist also faclisch nur eine Ausgleichung des gesunkenen Geldwerthes seit 25 Jahren; darum dürfte man jetzt auch von der Schule nicht mehr fordern als vor 25 Jahren. Ebenso verdienen gegenüber den zu lobenden, die Schul stellen damals gut fundirenden Urvätern die zu jetzigen theuern Zeit in der Aufbesserung kargenden Enkel der gerechtesten Tadel. Alles ist aufgeschlagen, nut das Schul halten ist vielorts noch so wohlfeil, wie vor 50 Jahren. Ja, manche Stellen sind jetzt wegen Verwandlung der Natural- in Geldbesoldung verringert. Ist das auch ein Stück des so viel im Munde geführten Fortschritts! Seit man mit der nothwendigen Theilung der Schule auch die Besoldung derselben theilt, gibt⸗es nur noch sehr wenige gute Schulstellen. Wenn die Geschäfte eines Assessors, eines Oberförsters, oder, wenn ein solcher Vergleich nicht zulässig ist, eines Briefträgers, Stadtpolizeidieners sich so mehren, daß dieser sie nicht mehr bewältigen kann, so wird ein zweiter angestellt, aber die Stelle des ersteren verliert an ihrem Gehalte nichts. Man erlaube schließ⸗

uch das Hotel de Ville in Flammen.(Neue dewegung des Schreckens.) Wir werden bis

nisse der Zahl und dem Preise nach nicht enorm gesteigert? Regt sich betreffenden Orts nicht das Gefühl, den lauten offenkundigen Klagen vieler Lehrer baldigst gerecht zu werden?

In Homburg

v. d. H. wurde kürzlich ein Mann verhaftet, welcher im Privatverkehr falsche Zweiguldenstücke verausgabte. Auf der mißlungenen Flucht vor einem ihn verfolgenden Schutzmann halle er noch einige falsche Münzen binweggeworfsen.

Darmstadt. Die Nachricht, daß von dem Bau eines Justiz⸗ Gebäudes dahier Abstand genommen werden solle, da man hierzu die dem nächst zum großen Theil frei werdenden Lokalitäten des Kriegsmimisterial⸗ Gebäudes zu verwenden gedenke, entbehrt nach den Berichten Darmflädter Blätter der Begründung. Der Bau eines Gebäudes für die Justizcollegien ist als absolutes Bedürfniß nothwendig und nicht wieder in Frage gestellt und wird noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden, damit der Bau rechtzeitig vollendet ist.

Vom Niederrhein. Die Ursache, weßhalb heuer mehr Nachtigallen als seit Menschengedenken in hiesiger Gegend sind, ist der Geschützkampf und das fortwährende Flintengeknatter um Paris. Die Franzosen haben nicht nur die besten Arbeiter, sondern auch die Singvögel aus ihrem Lande vertrieben, und beide haben sich hier zu unserem Vortheile niedergelassen.

Aus dem Elsaß. Die älteste Eiche des Elsasses und überhaupt einer der ältesten Bäume der Welt befindet sich in dem berühmten, seht großen Hagenauer Forste. Man schreibt dem Baume ein Alter von 1300 Jahren zu. Er steht in einer Senkung, wo er durch den Wind geschützt ist und von allen Seiten Wasserzufluß hat, das durch fette, dungreiche Erdschichten kowmi. Nicht bloß der Stamm, sondern auch die Hauptäste sind hohl, aber trotzdem grünt die Eiche lustig weiter und sieht so sest, daß sie in der ganzen Gegen) als Sinnbild der dauernden Stärke und Umwandelbarkeit gilt.

Straßburg. Die v. Vangerow'sche juristische Bib⸗ liothek wurde für die Straßburger Universitätsbibliothek um den Preis von 4500 fl. angekauft.

Berlin. Die Bevölkerung des deutschen Reichs be⸗ trägt in runder Zahl 40 Millionen. Die confessionellen Verhältnisse stellen sich nach einer, wenigstens annähernd richtigen stalistischen Angabe also: 24,253,000 Protestanten, 14.551.000 Katholiken, 1,327,000 Israellten. Dissidenten ꝛc. Deutsche im Ausland(Amerika, Schweiz, Oesterreich u. s. w.) gibt es 20 Millionen.

Literarisches.

Der Krieg mit Frankreich von 1870 1871. Kriegsgeschichte für das Volk, enthaltend sjämmil. offi⸗ ciellen Telegramme, die wichtigeren amtlichen Akten. stücke, Thronreden, Armeebefehle c. Mit besonderer Berücksichtigung der Großh. Hess. Division zusammen⸗ gestellt und durch verbindenden Text ergänzt von Ferdi⸗ nand Dieffenbach. Darmstadt 1871. Jonghaus'sche Hofbuchhandlung.

Die Griechen kannten die Kriegsfahrten ihrer Herren, wie Homer sie ihnen erzählte, auswendig; bei den Gast⸗ mählern der alten Deutschen wurden die Großthaten ibrer Helden in Liedern besungen. Zu allen Zeiten hat man die Geschichte des eigenen Volkes als ein tresfliches Mittel betrachtet, die nachfolgenden Generationen zu erziehen, zur Vaterlandsliebe und Begeisterung für alles Edle und Ere ghabene, was das Leben dieses Volkes auszeichnet. Das Jahr 18701871 ist aber ein Glanzpunkt in der an herrlichen Thaten und großen Charakteren so reichen Ge⸗ schichte unsers Volkes. Nationale Pflicht für jeden Deutschen ohne Ausnahme ist es daher, die großartigen Eindrücke der jüngsten Zeit lebendig und warm zu dewahren und sie so zu vererben auf das kommende Geschlecht. Noch in späten Jahren müsse das leuchtende Auge unserer Enkel an unsern Lippen hängen, wenn wir ibnen in lebens⸗ srischen Zügen erzählen von diesen großen Tagen deutscher Erhebung und deulschen Ruhmes.

Um dies zu können, dazu genügt indessen nicht, daß wir dieselben erlebt haben. Die Erinnerung verblaßt bald und wird lückenhaft bis zur Werthlosigkeit, wenn wir sie nicht bei Zeiten auffrischen dadurch, daß wir unsere Er⸗ lebnisse im Zusammenhang an unferm geistigen Auge vorüberführen. Als Hülfsmittel dazu kann obiges Buch Jedermann empfohlen werden. Für wenig Geld ist es zu haben, und auch die finden ein paar Slündchen es zu lesen, deren Zeit für die Lektüre sonst knapp zugemessen ist. Es ist darum recht eigentlich eineKriegsgeschichte für das Volk, die durch Mittheilung der officiellen Te⸗ legramme 2c. lebendig in die durchlebten Kriegstage zu⸗ rückversetzt und durch die besondere Berücksichtigung der hess. Division für unser Hessenland ein erhöhtes Inkeresse bietet. A

Für Confirmanden

empfeblen unsere große Auswahl von

Gesangbüchern

lich noch 3 Fragen: Ist der Lehrerstand seit 50 Jahren nicht ein ganz anderer geworden? Haben sich die Bedürf

in ordinären bis zu den feinsten(Sammet) Einbänden. Bindernagel& Schimpff.