Ausgabe 
24.1.1871
 
Einzelbild herunterladen

tet, die * diet Nin 1 14

0 tr.

.

*

1 Jenltg, Lesse 1

Dienstag den 24. Januar.

N M 10.

1871.

Oberhessischer Anzeiger.

botzelt die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Fritdberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Für Febrrat und März kann man bei der Post mit 32 kr. abonniren. Bei der Verlags- Expedition werden nur halbjährige l Abonnements(resp. für 5 Monate) angenemmen. So weit der Vorrath reicht, werden die Nummern vom Monat Januar gratis nachgeliefert. 15 5 Kriegs nachrichten. Issp gezeigt. Eine Abtheilung von 12 deutschen] Bordeaux weggenommen worden. Das gekaperte

Officielle militärische Nachrichten. Versailles, 21. Januar. Der Kaiserin- Lönigin in Berlin. Der Feind hat sich gestern Vormittag ganz nach Paris zurückgezogen. Vor St. Cloud wurden noch 15 Offiziere und 250 dann Gefangene gemacht. Bei St. Quentin läuft sich die Zahl auf 9000 unverwundete efangene, über 2000 Blessirte in der Stadt gcl. der in der Umgegend befindlichen und der kodten, so daß gewiß ein Verlust von 15,000 Nann anzunehmen ist. Der Feind ist bis Valen- dennes und Douay zurückgegangen und besetzte Jambrai wieder. Wilhelm.

Versailles, 21. Jan. Gegen Paris wurde de Beschießung in den letzten Tagen ununter⸗ kochen fortgesetzt. Am 21. eröffnete die Be⸗ lgerungsartillerie das Feuer gegen St. Denis. Ein Ueberfall⸗Versuch von Langres au gen zwei in der Gegend von Chaumont zostirte Landwehr-Compagnien in det Nacht zum A. mißlang völlig. v. Podbielskp.

Bourogne, 21. Jan. In der Nacht vom 145 zum 21. die vom Feinde stark besetzten und

rschanzten Gehölze Paillts und Baiuy, sowir gegen

Dorf Perouse(östlich von Belfort) genommen; officiel 80 Mann unverwundete Gefangene. Unser Derlust nicht ganz unbedeutend. Vier neue Batterien bei Dangoutin seit beute Morgen im Feuer hauptsächlich gegen die Schloßfronte. v. Tresckow.

f Versailles, 20. Jan.(Officiell.) Graf elperison, angeblich von General Trochu beauf- nagt, einen 48 stündigen Waffenstillstand zum Begraben der Todten bei dem Kronprinzen zu beantragen, erhielt die mündliche Antwort, daß die Befehlshaber der Vorposten, in gleicher Weise die in jedem früheren Gefechte auf dem Raume is den beiden Linien sich dahin zu verstän⸗ igen haben, daß jeder Verwundete unter gegen- seitigem Beistande in Sicherheit gebracht wird; ef Waffenstillstandsanträge, welche darüber hin⸗ ausgingen, könne diesseits nur eingegangen werden, penn ste schriftlich vorlägen. Aus dem Haupfquartier in Ver sailles vom 14. d. liegen in Londoner Blättemn vom 17. d. Mittheilungen vor. Es heißt darin u. A., daß mehrere 72 Pfünder bie an die Seine geschafft borden seien. Dort müssen dieselben indessen legen bleiben, bis der Eisgang vorüber ist. Der Belagerungstrain, welcher vor Mezieres in Thätig⸗ lit war, ist in einer Stärke von 75 schweren Oeschügen in Gonesse eingetroffen. Dieselben werden zur Armirung der Batterien an den Ab- bangen von Montmorency benutzt und sind be⸗ fimmt, St. Denis zu bombardiren, da man dort ten Parisern eine Warnung zu geben denkt. Die oben erwähnten 72. Pfünder sind gezogen und werden noch in der alten Weise nach dem Loliber bezeichnet, obschon sie ein Sprenggeschoß ton 224 pfund entsenden. Sevres liegt voll⸗ fandig in Trümmern. Das Feuer von Mont wlout hat die Kasernen in Fort Valerien beschä⸗ igt. Die Franzosen haben sich wieder in Fort

Soldaten recognoscirte dasselbe am 11. und fand 7 todte Soldaten und 3 Pferde vor. Montrouge antwortet immer noch mit zwei Geschützen. Ein unaufhörliches Feuer wird gegen diesen Punkt unterhalten, auch gelegentlich wieder gegen Fort Issyp gefeuert. 460 Granaten wurden am 11, 268 am 12. in die Stadt geworfen. Ueberhaupt dauert das Bombardement der Stadt fort.

Hauptquartier Versailles, 18. Jan. Die Beschießung der Südforts nimmt den normalen Verlauf, der Schall der Schüsse ist des ent- gegeagesetzten Windes halber hier fast nicht zu hören. Die Forts Issp und Montrouge schweigen stit 6 bis 7 Tagen, während das Fort Vanves noch ganz schwache Lebenszeichen von sich giebt. Wir könnten, wenn wir wollten, jede Stunde Fort Issp besetzen, da dasselbe fast ganz geräumt ist. Die feindlichen Geschütze sind an die Enceinte gebracht, von wo aus ein lebhaftes Feuer unter- halten wird. Auch auf der Nord- und Ostfront gehen die Operationen ihren Gang, die Forts Aubersillers und de l'Est haben stark gelitten; die Beschießung des Forts St. Denis soll gestern ihren theilweisen Ansang genommen haben. Da- schweigrn die Forts, insbesondere der Valerien, gänzlich und unsere von Vorposten kommenden Soldaten sind überglücklich, daß sie von dem Monat anhaltenden Granatregen des Valerien nun erlöst sind. Der Valerien hat seine Gesch tze schweren Calibers an andere Forts abgeben müssen und schießt nur noch von Zeit zu Zeit aus 7-Pfündern auf die in Meudon stehende Batterie. In jeder Nacht wird unsererseits mit der Beschießung der inneren Stadt fortgefahren; jede Batterie feuert in je 5 Minuten eine Granate ab, so daß gegen 10001200 Granaten all- nächtlich nach Paris hineingesandt werden. Man spricht bereits von nahe an 1000 Verwundungen, die unsere Geschosse in Paris angerichtet haben sollen.

Aus Versailles wird gemeldet, daß Graf Bismarck zum Generel-Lieutenant ernannt worden ist. Bei der Kaiserproklamation am 18. d. M. waren auch die baperischen Armeecorps vertreten.

Wie man derN. bad. L.-. schreibt, ist vor einigen Tagen General Moltke, von einem Besuch der deutschen Batterien im Südwesten nach Versailles zurückkehrend, knapp einem Unfall ent- gangen, der ihm das Leben hätte kosten können. Ein Projektil platzte ganz in der Nähe seines Wagens und die Explosion hatte zur Folge, daß der General selbst und seine Adjutauten, Kutscher und pferde mit Eis- und Erdstücken bedeckt wurden, ohne daß indeß eine Verwundung stattgefunden.

Privatmittheilungen aus Versailles vom 20. d. zufolge ward der am Donnerstag vom Mont Valcrien aus stattgehabte Ausfall mit 40 Bataillonen unternommen und schwach durch- geführt. Der Feind wurde mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

In London ist über Plymouth das sol⸗ gende Telegramm eingetroffen:Die französische BriggSt. Marc, 185 Tonnengehalk, Capitän Cotelter, von Dünkirchen mit einem Cargo Bohnen und Mehl nach Bordeaux unterwege, ist von der

Schiff, welches die Segel verloren hat, lief in Plpmoutb ein, um Kohlen und Mundvorräthe einzunehmen. Außer der eigenen, aus 7 Köpfen bestehenden Mannschast, bat dasselbe eine deutsche Prisenmannschaft von einem Offizier und fünf Mann an Bord. Wie weiter aus Plymouth gemeldet wird, erhielt die von der preußischen DampffregatteAugusta weggenommene franzs⸗ sische BriggSt. Mare von der britischen Re⸗ gierung die Aufforderung, unverzüglich den Sund von Plymouth zu verlassen, da sie 24 Stunden in dem neutralen Hafen verweilt. Demgemäß wurde dieSt. Mart von einem Schleppdampfer in die offene See bugsirt, worauf sie sich nach dem nächsten deutschen Hafen auf den Weg machte. Der von Bipo in Plymouth angekommene Londoner SchraubendampferBritannia berichtet, daß die preußische SchraubenfregatteAugusta am 12. d. auf der Höhe von Vipo ein frauzösisches Ka⸗ nonenboot in den Grund bohrte, wobei sie 6 Offiziere und 26 Seeleute, die von dem sinkenden Wrack in ibren Booten zu entkommen versuchten, gefangen nahm. Der Commandeur des Kanonen⸗ boots sprang mit der Erklärung, daß er sich nicht gefangen nehmen lasse, über Bord und ertrank. DieAugusta wurde hierauf von einer großen französischen Panzerfregatte nach Viffo hinein ver⸗ folgt, wo die beiden Schiffe, eins das andere überwachend, am 15. d. sich befanden.

Reims. Der Generalgouvernement macht bekannt, daß jeder Franzose des Gouvernements, der zur Recrutirung sich stellt oder zur Bildung von Freicorps gegen das deutsche Heer in irgend einer Weise behülflich ist, verhaftet und kriegs gerichtlich abgeurtheilt wird. Gegen die Ge⸗ meinden, die immer noch mit ihren Steuern im Rückstande sind, wird dermalen executorisch vor⸗ gegangen; dieselben bezahlen außerdem als Strafe weitere 5 Prozent der Steuer.

Straßburg. Der Gouverneur, General v. Ollech, hat das in Bern neugegründete und vorzugsweise für elsässische Leser berechnete Blatt 'Helvetie unter Androhung scharfer Bestrafung verboten. Buchhandlungen, Gasthöfe, Wirths⸗ stuben, Cafes, Lesekabinette, in denen dieses Journal gefunden wird, werden ohne Weiteres für die Dauer des Krieges geschlossen. Der Inhaber tiner Nummer dieses Blattes wird mit Gefängniß oder Geldbuße bestraft.

Aus Baden. Mit aller Reserve theilen wir ein Gerücht mit, wonach General v. Zastrow (oder Frausecky) bei Dijon stehe. Wenn während der letzten Kämpfe das Bombardement von Belfort suspendirt war, so erklärt sich dieß schon dadurch, daß ein Theil des schweren Geschützes in den Beftstigungen der Lisainellnie verwendet wurde.

DerBad. Land.-Ztg. wird geschrieben: Es soll wirklich beabsichtigt gewesen sein, Garibaldi mit seinen Leuten einen Einfall in den badischen Schwarzwald versuchen zu lassen; aber man hat diesen abenteuerlichen Plan aufgegeben. Als Jemand Garibaldi sagte:die Schwierigkeit läge nur darin, hineinzukommen, soll Garibaldi geant⸗ wortet haben:die Hauptschwierigkeit ist die,

norddeutschen FregatteAugusta 6 Meilen von] wieder daraue zurückzukommen.