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21.9.1871
 
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Volkswirthschaftliche

0 Betrachtungen in Bezug auf Friedberg mit Berüh⸗

rung der Garnisonsfrage.

Wie es scheint, gehen die hiesigen Verkehrs⸗ verhältnisse einer Wandlung entgegen. Wird es schlimmer, wird es besser werden? das ist die allgemeine Frage. Jedenfalls dürfte gerade jetzt eine Erörterung der wirthschaftlichen Lage Fried- bergs von Interesse sein. In der Wegnahme ihrer seitherigen Garnison können die Friedberger eine Wohlthat nicht erblicken. Im Gegentheil sehen viele Familien darin eine Schwächung der⸗ jenigen Erwerbsquellen, welche einer bescherdenen Gewohnheit lieb geworden waren. Eine Garnison in Fried berg bringt indessen nicht nur dieser Stadt, sondern auch der ganzen Umgegend mancherlei Vortheile. Es hat also die Garnisonsfrage ein allgemeineres Interesse, eine größere Wichtigkeit, und sind deshalb alle zulässigen Mittel und Wege einzuschlagen, um die noch nicht aufgegebenen Hoffnungen zu realistren. Allein für eine wirkliche Existenzfrage wollen wir demohngtachtet die Gar nisonefrage nicht halten; das waͤre ja für Fried- berg ein sehr unrühmliches Armuthszrugniß Eine Stadt, die ohne ein Bataillon in ihren Mauern wirklich nicht bestehen kann, wird sicherlich auch durch eine Bataillons-Garnison keinen wirthschaft lichen Ausschwung finden. Alsdann hätte nämlich der Verkehr nur die sehr beschränkte Aufgabe, der localen Consumtion zu dienen. Wo diesßes der Fall, wo der Verkebr nur ein localer ist, sei es in einer Stadt, in einem Ländchen oder in einem Land, da kann von wirthschaftlichen Fortschritten keine Rede sein.

Die Stadtmauergemüthlichkeit hatte früher, als ts draußen wüst und ungemüthlich war, Sinn und Bedeutung. Aber wie ist es jetzt? Die Zollschranken sind gefallen und die Eisenbahnen und die Gewerbefreiheit und die Freizügigkeit laden alle Menschen ein, zunächst in wirthschaft⸗ licher Beziehung großstaatliche Bürger zu werden und Theil zu nehmen an dem großen Verkehr, welcher die Arbeit und die Güter vertheilt, besser und gerechter vertheilt, als die alten socialen Zu- stände es thaten. Arbeiten und sich wirthschaftlich so gut als möglich einrichten, einst das harte Loos des 3. und 4. Standes, ist jetzt das Glück Aller, denn der Mensch kann nur durch Arbeit und wirthschaftliche Selbständigkeit, welches zugleich die soliren Grundlagen auch des geistigen Strebens sind, ein tüchtiges Glied des Ganzen, der Mensch⸗ beit werden In den materiellen Verhältnissen liegt darum oft eine zwar gewaltsame, aber heilsame Nöthigung, das langsame Tempo, die alten Ge wohnheiten und die engen Kreise zu verlassen und bessere Stand⸗ und Gesichtspunkte, weitere Kreise, zu erringen. Man erwartet heut zu Tage von einem jeden intelligenten Manne, daß er dieses erkenne und der äußeren Nöthigung keine Ver zagtbeit, sondern männlichen Muth entgegentrage. Für Jeden ist es mehr und mehr nothwendig geworden, sich aufzuraffen, seine Lage zu verbessern, voranzukommen. Gerade die Männer der kör⸗ perlichen Arbeit haben zu dieser ehrenden Aufgabe zugleich auch die Gelegenheit, dieselbe zu lösen er halten. Handwerker, welche zu Hause nicht hin: längliche Beschäftigung finden, können für auswärts, ffür benachbarte Städte und Dörfer, arbeiten und wie alte enge Werkstatt zu einem fabrikmäßigen Etablissement erweitern. Auch das Geld, wie das wirthschaftliche Leben beweglicher geworden, ist kein Hinderniß mehr für Unternehmungen und Geschäste⸗ erweiterungen, vielmehr findet der fleißige, einsichts⸗ wolle, solide, brave Mann zu einem allmäligen Aufbau seines Geschäfts leicht den nöthigen Credit, welcher die einst geforderte reale Sicherheitsgrenze weit überschreitet. In Wirklichkeit sind die Miß erfolge des Geschäftslebens immer auf Untüchtigkeit, Unfleiß und Unwirthschaftlichkeit oder auf besondere Unglücks fälle zurückzuführen.

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Wenn wir nach den vorstehenden allgemeinen Betrachtungen wieder auf Friedberg zu sprechen kommen, so müssen wir, bei Wahrheit und Offen- heit, manches Unerfreuliche sagen.

Einem Jremden, der sich in Friedberg kaum eingewohnt bat, werden sofort zwei Besonderheiten auffallen: Das Geͤrtnern der Handwerker und die Menge der Wirtbshäuser. Wie gesagt der Fremde macht hierüber seine Bemerkungen und denkt dabei etwa so: Während der Handwerker im Garten einen halben Gulden verdient, kann ihn zu Hause im Geschäft eine Einbuße im zehnfachen Belange treffen; und an dem berechenbaren Schaden hängt noch ein unberechenbarer, welcher durch die Abwesenheit des Meisters, also dadurch entsteht, daß Gesellen und Lehrlinge das gute Beispeil für Fleiß, Geschäftserfahrung, Geschäfts interesse, Zucht und Sittlichkeit entbehren; ferner denkt der Fremde, es könne der Meister durch seine Gärtnerliebhabe reien eine Abschwächung der ihm eigenen Geschäfts tugenden selbst ecfahren. In Friedberg denkt man zunächst nur daran, daß die Arbeitsgeber ihre Ar beiter verköstigen und das Salatpflanzen gewisser⸗ maaßen auch zum Geschäft gehöre. Sonderbar! Soviel uns bekannt, beklagen sich bei dieser Ein richtung nicht nur die Gesellen, sondern auch die Meister, namentlich aber die Meisterinnen. Schon ein altes bekanntes Handwerksburschenlied spricht hierüber eine allgemeine und allseitige Unzufrieden⸗ heit aus. Fast überall in den Städten verköstigen die Arbeiter und Gesellen sich selbst, und sie lieben dieses, um weniger abhängig zu sein. Wie glauben nicht, daß die Ausnahme in Frievbberg Arbeiter anzieht, wede, in größerer Zahl, noch in besserer Qualität. Von Kundigen wird sogar geradezu behauptet, fremde Arbeiter blieben in Friedberg nicht lange, weil ihnen die Kostverhältnisse nicht zusagten und könnten deshalb große Geschäfte hier nicht aufkommen.

Mit der Selbstverköstigung der Arbeiter in Kosthäusern muß die Stückarbeit Hand in Hand gehen; beide liegen in beiderseitigem Interesse.

Was denken nun die Fremden in Bezug auf die vielen Wirthshäuser in Friedberg? Wir haben schon Vieles darüber gehört, wollen aber doch nur Weniges hier sagen. Offenbar vermehren die vielen Wirthshäuser die Einladungen zum Besuch derselben. Sodann wollen die vielen Wirthe ihre der Industrie dienenden Gäste auch durch Zuweisung von Ver dienstin Nahrung setzen, worauf die Kunden Handwerker ihren Wirthshausbesuch vervielfältigen. Ja, aus lauter Geschäftsrücksichten giebt es gar manche Frühschoppen, welche oft den ganzen Tag verderben und das Geschäftsurkostenconto schwer, erdrückend schwer belasten, wodurch dasselbe mit den übrigen Conti in ein Mißverhältniß geräth und die Bilanz stört. Nach der Arbeit mögen Meister und Gesellen immerhin ins Wirthshaus gehen, jedoch so, daß sie für den anderen Tag neue Lust zur Arbeit, nicht zum Kneipen finden. Der geschilderten Verhältnisse wegen, d. h. vom wirthschaftlichen Standpunkte aus beurtheilt, haben die Wirthe als Geschäftsfreunde eine eigenthüm liche Bedeutung. Ein tüchtiger Handwerker wied übrigens auch den Wirthskunden gegenüber wissen, wie viele Schoppen und wann er sie zu trinken hat; er wird jede zahlende Kundschaft gerne haben und deren Zahl zu vermehren suchen, damit er sein Geschäft erweitern, mehr verdienen und die erhöhten Ausgaben für Haushalt, Kleidung und Erziehung der Kinder bestreiten kann. Gerade deshalb aber sieht sich auch der solide, tüchtige Geschäftsmann in Friedberg in Folge des Ab gangs der Garnison besorgnißvoll nach neuer Kundschaft um. Doch die Friedberger Geschäfts⸗ leute müssen bei dieser bedauerlichen Aenderung Trost, Hoffnung und Auswege finden, die Verluste zu ersetzen. Unsere guten Schulen machen es den jungen Leuten möglich, sich viele Kenntnisse zu er- werben, daß sie dereinst keine Concurrenz zu scheuen brauchen; unserer Stadt, in einer wohlstehenden

Gegend, an einer Eisenbahn und in der Naͤhe großer Städte gelegen, kann es unmöglich an Ab satzwegen fehlen; freilich gesucht müssen sie werden. Ohnlängst überzeugte sich ein hiesiger Bäckermeister durch seine eigene zufällig veranlaßte Calculation, daß er, trotz Fracht und Octroi, mit Vortheil Brod sogar nach Frankfurt verkaufen könnte. Ein auf⸗ munterndes Beispiel kann Friedberg an Idstein haben. Dieses Städtchen liegt bekanntlich nicht in der gesegneten Wetterau, sondern auf der an dern Seite des Taunus, es hat kein Bataillon und noch keine Eisenbahn und doch ist dort eine so rege Gewerbsthätigkeit in Werkstätten und Fa⸗ briken, daß der Wohlstand sichtlich zunimmt. Idstein's Absatzwege gehen überall hin; die der Handwerker insbesondere nach Wiesbaden, Mainz, Frankfurt, Homburg 16., nicht zu Consumenten direct, sondern zu Kaufleuten führend. Wissen wir nicht alle, daß die Mainzer Schuhmacher Schuhfabrikanten geworden sind, welche auf allen Messen gesucht werden? Selbst die Gemüseweiber hocken nicht mehr auf einem Markte, sondern suchen und wäblen für Kauf und Verkauf den besten sich aus, wohl wissend, daß Eisenbahnen, Gewerbefrei heit und Freizügigkeit auch für sie da sind.

Oft wird die Lage Friedbergs in einer reichen Gegend und in der Nähe großer Städte als Hinderniß seiner industriellen Entwickelung ange sehen. Allein, wie will man dieses begründen? Sind die Arbeitslöhne anderwärts und in soge⸗ nannten Fabrikdistricten nicht eben so hoch oder gar höher als hier? Arbeiten nicht schon einige Friedberger Handwerker wie die Idsteiner für Ver⸗ käufer in Frankfurt? Daß in Friedberg nur eine Fabrik sich befindet, welche aber sehr gedeiht, das hat lediglich im mangelnden Unternehmungsgeist und fehlenden Arbeitssinne seinen Grund; selbst für lohnende Arbeit fehlt in Friedberg bei gewissen Leuten die rechte Arbeitslust. Anderwärts hat man in der Verwendung reicher Armenfonds die Ursachen jener Thatsachen wahrgenommen; in Friedberg mag dieses auch der Fall sein.

Wie hier in Friedberg die Verhältnisse nun einmal liegen, wird auch eine äußere Anregung nöthig sein. Vielleicht könnte dieselbe durch einen gemeinschaftlichen Laden(Gewerbehalle) geboten werden. Mit einer Anstalt dieser Art werden die Läden der einzelnen Handwerker überflüssig, Ver⸗ kaufsgelegenheiten bequemer(3. B. für die Bade gäste) und durch die fortwählende Ausstellung der Friedberger Gewerbserzeugnisse Fleiß und Geschick⸗ lichkeit erhöht, jene den Fremden vorgeführt und damit neue Absatzwege erzielt. a

Sodann wäre eine Hebung und Ausdehnung der Friedberger Märkte im Interesse des Hand- werks der Landwirthschaft und des Verkehrs sehr zu wünschen. Die in Darmstadt neu eingeführten Viehmärkte werden vor allen Seiten gelobt. Zur Einführung ähnlicher Märkte in Friedberg ist weiter nichts nöthig, als erfahrene Hände und ein beharrlicher unverdrossener Sinn. Besonders aber möchten wir für einen Fruchtmarkt in Friedberg das Interesse erwecken. Als in den 50er Jahren von Staatswegen ein Fruchtmarkt hier abgehalten wurde, fand derselbe eine große Ausdehnung; so⸗ gar aus Baden kamen Käufer. Jüngst erst hörten wir Müller und Händler sagen, daß sie viel lieber in Friedberg als in Frankfurt den Markt besuchen würden, weil sie dabei wöchentlich einige Gulden sparen könnten. Wenn aber Friedberg einen Frucht- markt haben will, dann muß es eine zweckmäßige Fruchthalle bauen.

Unsere Wünsche für Friedberg lassen sich wie folgt zusammen fassen:

1. Die Handwerker mögen ihre Zeit ganz ihrem Geschäfte widmen, den Kohl und Bohnen bau den Frauen, Mädchen und Denjenigen über lassen, welche kein Handwerk betreiben;

2. Errichtung einer Gewerbehalle;

3. Errichtung einer Fruchthalle;

4. Fruchtmärkte und Vichmärkte;