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Verläumdungen der französischen, besonders der
Beilage.
Aberhessischer Anzeiger.
Schweiz. Die von den Franzosen am 1. d. bei Pontarlier gefangenen und mit in die Schweiz gebrachten Pommern befinden sich seit Donnerstag in St. Gallen bei Appenzell. Sie kamen am Mittwoch Mittag an, blieben daselbst über Nacht und marschirten am nächsten Morgen an ibren Bestimmungsort, begleitet von einem schweiz. Offi⸗ ziet und einem Unteroffizier, welche sie hierber gebracht batten, sowie von zwei Deutschen und einem Oesterreicher, welche dafür sorgten, daß die 58 Mann starke Truppe unterwegs erfrischt wurde. Am Mittwoch Nachmittag wurden sie hier aus sofort gezeichneten Btiträgen hier wohnender Deutschen(worunter 7 Beiträge von je 100 Fr.) alle mit Flanellhemden, die meisten auch mit Schuhen, Strümpfen und warmen Halsbinden versehen, auch an Cigarren und Wein war kein
Mangel. Frankreich. Paris. Der Maire von Paris bat den Preis des Brodes von jetzt
bis zum nächsten Mittwoch auf 50 Centimes per Kilogramm festgestellt. Das„Journal des Debats“ bezeichnet Tbiers, Faxre, Picard, Buffet und Simon als Mitglieder der neuen Regierung, deren Präsidium Thiers zufallen werde.
— Der„Figaro“ glaubt, daß Tbiers, Favre und Cbaudordy zur Unterhaltung über den Frieden nach Versallles abgeordnet werden. Zwei Genetäle würden sie begleiten, um die militärischen Fragen zu regeln. Die„Patrie“ sagt, Thiers werde das Präsidium der Assemblee ablehnen, weil er in ausgedehntem Maße an den Verhandlungen Theil nehmen wolle. Doch werde sein Entschluß noch nicht als definitiv angeseben
— Die„Cloche“ in Paris sagt, Chanzy sei dort angekommen, um über seine Operaflonen Rechnung abzulegen; es stelle sich jetzt heraus, daß die Siegesbulletins übertrieben gewesen seien, daß Gambetta Hoffnungen genährt habe, die der Wirklichkeit nicht entsprachen; daß man in den Zustand der Armeen ein bedauerliches Vertrauen gesetzt habe. Chanzy will die Wiedervergeltung auf die Zeit vertagen, wo die Landbevölkerung des Westens einstimmig eutschlossen sein wird, den Feind zurückzutreiben, wo die Armeen wieder moralisirt und disciplinirt sein werden und die Valerlandsliebe ihr Regeneratlonswerk wieder be⸗ ginnt.
— 19. Febr. Die„Verité“ meldet, es seien mehrere Nationalgarde-Bataillone, Angesichts des wahrscheinlichen Einzugs der Deutschen in Paris, durch höheren Befebl zur Ablieferung der noch in ihrem Besitz befindlichen Patronen an die Feldwebel aufgefordert worden.— Der„Frangais“ sagt, die Versammlung in Bordeaux werde nach Entscheidung der Friedensfrage und Votirung eines Wahlgesetzes ihre Mission für beendigt er— klären.— Der unter Leitung des deutschen Haupt— quartiers erscheinende„Moniteur“ von Versailles erklärt, Deutschland werde zu überlegen haben, ob es Angesichts der Beschimpfungen und der
Pariser Presse, die ein ernstliches Hinderniß des Friedensabschlusses bildeten, nicht durch Besetzung von Paris der Agitation ein Ende machen müsse.
— Alphonse Kaw veröffentlicht in Lyoner Blättern einen Brief, worin er Angesichts der Lage der Armee, die er aus eigener Anschauung kennen gelernt habe, zum Frieden um jeden Preis väth. Er sagt in seinem Briefe: Ich verlange, daß ein Verzeichniß auf das Bureau des Prä— sidenten der Versammlung gelegt werde und daß jeder Abgeordnete, welcher sprechen wird, nur für die Fortsetzung des Kriegs zu stimmen, damit, anfange, seinen Namen in das Verzeichniß ein- zutragen; dies wird das Matrikel-Register eines UAvantgarden Regiments sein, welches die Ehre haben soll, zuerst gegen den Feind zu marschiren.
Aus Nizza wird vom 15. Febr. gemeldet:
„Zehntausend Mann sind hier eingetroffen. Alle Verhafteten sind auf einer Panzerfregatte nach
Toulon gebracht worden. verhängt den Kriegszustand. Der Aufstand der Italiener ist vollständig niedergeworsen. Zwei 9 kreuzen vor der Stadt.“ Belgien. Brüssel. Der Telegraph meldet vom 15. Febr. aus Versailles: Die Ablieferung der Waffen der Garnison von Paris ist vervoll⸗ ständigt worden und beträgt jetzt 200,000 Ge wehre, 1400 Kanonen und eine nicht genau constatirte Zahl von Wallbüchsen. Großbritannien. London. In der Sitzung des Unterhauses legte Staatssecretär Cardwell eine Bill, betreffend die Organisation des Heeres, vor, wonach das System des Stellen- kaufes abgeschafft wird, und die Milizen, sowie die Freiwilligen, direct der Krone untergeordnet werden, um ein engeres Zusammenwirken der ge. sammten Streitkräfte berzustellen. Die Stärke des Heeres wird in Zukunft 497,000 Mann be⸗ tragen und zwar: 135,000 Mann reguläre Truppen, 139,000 Mann Milizen, 14,000 Neomen, 9000 Mann erster, 30,000 Mann zweiter Armeereserve und Verabschiedete, 170,000 Freiwillige. Bei der Abstimmung des Antrags Taylor wurde die Mitgift der Prinzessin Louise im Betrag von 30,000 L. mit 350 gegen eine Stimme bewilligt.
Ein Präfecturanschlag
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Frankfurt. Kürzlich kehrte ein Frankfurter bierher zurück, welcher 14 Jahre lang von der französischen Regie⸗ rung in Algier als Ingenieur beiden Brücken- und Straßen- bauten angestellt war und nun, nachdem das Departement Constantine in Belagerungszustand erklärt ist, ausgewiesen wurde.— Dem Vernehmen nach bemüht man sich don bier aus, daß das 34. Insanterieregiment, welches in den kritischen Zeiten sich musterhaft führte und sich die allge⸗ meine Achtung erworben, wieder nach Frankfurt in Gar⸗ nison komme.— Wie man hört, wird die Verpflegung der zutückkehrenden Truppen von Seiten des Staats in die Hand genommen und soll daher eine freiwillige Ver⸗ pflegung, wie sie zu Anfang des Kriegs siatthatte, unter— bleiben. 5
Darmstadt. Bei der Redision der sranzösischen
Zeugbänser fanden sich so manche Beutestücke, die von den Franzosen bei ibren srüberen Raubzügen in Deulschland als Trophäen mitgeschleppt wurden und die jetzt nach Deuischland wieder zurückkommen. So wurde eine alte hessische Kanone, die sestper in Soissous gestanden hatte, bierher in's Zeughaus gebracht.— Am 18. d. gingen 550 Mann Ersatztruppen von der Linie nach Frankreich ab; die Ersatzmannschaften der Cavalerie und Artillerie werden dieser Tage folgen.— In jüngerer Zeit hat sich in verschledenen Lazarethen ein recht empfindbarer Manget an Char pie eingestellt; möchte demselben doch sosort durch srciwillige Lieferungen an den Hülfsverein abgeholfen werden. Darmstadt. Um mannichfachen Unzuttäglichkesten, namentlich aber dem Verkausen von Kleidungsstücken durch die französischen Gefangenen vorzubeugen, ist deren Ueber⸗ wachung in der Reiterkaserne neuerdings sehr verschärft und aller Veikehr mit denselben abgeschnitien worden, indem Niemand, selbst nicht die innewohnenden Familien der Unteroffiziete, die Kaserne ohne einen vom Comman— danten ausgestellten Passirschein betreten darf.
Mainz. Mi dem am Morgen des 15, d. bier ein- getroffenen Krankenzug erreichte die Zahl der auf hiesigem Verbandplatz durchpassirten und dasclost erquickten Kranken und Verwundeten die Höhe von 100,000.
Wiesbaden. Dieser Tage wurde durch die hiesige Polizei eine ganze Diebsbande, 7 an der Zahl, verhaftet, der Hehler, ein Mainzer Einwobner, mit Die Diebo⸗ höhle in Mainz ist ebenfalls enideckt. Die Sache war sehr schlau organisirt; hier gestohlene Sachen wurden in Frankfurt, in Frankfurt ugestohlene hier veräußert.
Hannover. Die„Z. f. N.“ erzählt:„Der als freiwilliger Krankenpfleger fungirende Kaufmann Ernst wurde am Freitag Nachmitlag von einem Menschen, welcher vorgab, am Fuße verwundet zu sein, um Hülfe⸗ leistung angesprochen, und zwar bat der Fremde deu E. in sranzösischer Sprache um Begleitung nach der Retirade, wobel er sich für einen sranzöstschen Offizier ausgab. In der Damenretirade angelangl, wurde E. von dem Unde— kannten sofort an dem Hals gesaßt und zur Herausgabe seiner Baarschast aufgefordert; es entspaun sich nun ein Faustkampf, bei welechm E. mahrere Schläge über den Kopf empfing, schließlich aber seinen Gegner mit zu Boden riß und ein Hülsegeschreß erhob, in Folge dessen der Au- greiser die Flucht ergriff, nachdem E. noch einen Stich in die linke Wade erhalten hatte. Leider konnte der Räuber entkommen, da E. längere Zeit, beinahe 1½ Stunde, besinnungslos in der Retirade zurückblieb. Auf dem Perron selbst war nicht das Gexringste von dem Vor gang wahrgenommen worden.
Dresden. Vor Kurzem hat auf der Strecke Dresden-
Freiberg der sächsischen Stagtsbahnen eine wahrhast grausige
Eisenbahnfahrt statigefunden. Der regelmäßig Abends 9 Uhr von Dresden in Freiberg ankommende Güterzug war mittelst zweier Maschinen ziemlich auf der mehrere hunbert Eilen langen Horizontale zwischen der Hallestelle Edle Krone und der Station Klingenberg angekommen, als die Kette riß, mittelst welcher der vorderstie Wagen an der Locomotive besestigt war. Der ganze schwer be⸗ laflete Zug ging augenblicklich rückwärts, anfangs langsam, doch mit jeder Minute schneller auf der von 1: 40 sich senkenden kurvenreichen Bahn hinab. Die in der eisig tallen mondhellen Nacht sast steif gefrorenen 14 Schaffner des Zuges drehten mit der Kroft der Verzweiflung die Bremsen zu, daß die Räder fast standen, aver dennoch sauste der Zug mit unaufpötlicher Schnelligkeit die fcil sich neigende Bahn weiter hinab. Es war keine Möglichkeit, den schweren Zug zum Stehen zu bringen, ja nuc die Schnelligkeit des immer rasender werdenden Zuges einiger⸗ maßen zu mindern. In der Ueberzeugung, daß hier ein Unglück unvermeidlich und der Zug unmittelbar verloren sei, sprangen sieben Schaffner von ihren Wagen herab und fielen unverletzt in den tiefen Schnee, die anderen sieben aber bielten lodesmuthig aus, Das ist auch ein Heldenmuth, nicht minder zu ehren, als die großen Helden⸗ baten im Kriegel Die auf dem Zuge ausgaltenden Schaffner quälten sich ab, die Bremsen immer fester und sester zu drehen. Alle ihre Mühe ader war umsonst. Denn die Fahrt erreichte eine solche baarsträubende Ge⸗ schwindigkeit, daß von den an der Bahn befindlichen Gegenständen nichts mehr zu untetscheiden war. Die Flusterniß des Tunnels bei Edle Krone flog an den sieben braven Männern vorüber, als wenn eine schwarze Hand schnell vorübergezogen wird. Kaum hatte sie durch diesen schwarzen Punkt sich orientirt, so waren ie auch schon unten in dem eine halbe Meile vom Tunnel entfernten Tharand, dessen Bahnhof sie durchrasten, so daß die auf dem Perron stehenden Babhnbeamten nicht zu erkennen vermochten, ob das ein Personen⸗ oder ein Güterzug, der vor ibnen vorüberflog, war. Auf der Ebene zwischen Tharand und Hainsberg nahm die Ge⸗ schwindigkelt allmälig ab, und an letzterem Orte endlich gelang es, den Zug zum Stehen zu bringen, der die ganze zwei Meilen lange Strecke, die 40 Minuten Fahrzeit braucht, in 10 Minuten durchflogen hafte. Wäre nicht glücklicherweise die ganze Bahnstrecke durchaus frei gewesen, so bätie keine menschliche Macht das gräßlichste Unglück bdindern können f „Breslau. Die„Schles. Ztg.“ schreibt:„Ein höchst bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich im Saale des Zwingers bei Ausstellung einer Mitraicleuse. Einer der init Erläuterung der Construction dieses Geschützes durch die Militärbehörde auf Ansuchen des vaterländischen Frauenrertins beauftragten Artilletisten, ein Einjährig⸗ Freiwilliger, batte die zum Laden der Mitrailleuse eusorder⸗ liche eiseine Patronenbüchse eingesetzt, in welcher sich eine Patrone besand. Leider entsaun et sich dieses Umstandes bei der weiteren Erläuterung nicht; er drehte die Kurbel, die Patrone entlud sich und das Geschoß traf zwei Ar⸗ lilleristen, die vor der Mündung stebend, sosort schwer verwundet zusammenbrachen. Aerztliche Hülfe war zwar glückticherweise schleunigst zur Stelle, um den Verwundeten, die demnächst nach dem Hospital zu Allerheiligen gebracht wurden, sorgsamen Beistand leisten zu könneu; leider abet sind die Verwundungen so bedenklicher Art, daß das Schlimmste zu befürchten sein dürste. Die Ausstellung ist natürlich sosort geschlossen worden.“
Verloosung.
Darmstadt, 16. Febr. Bet der gestern stattge⸗ babten Ziehung der Großh. Hess. 25 fl.⸗Locose fulen auf nachbenannte Nummern die deigesetzten Hauplttesser: Nr. 2,410 15 000 fl. Nr. 37,115 4000 fl., N.. 7000 2000 fl., Nr. 25644 1000 fl., Nr. 13967 und 73572 je 400 fl., Nr. 17726 und 42129 je 200, Nr. 21171 und 79478 je 100 fl.
Die Absendung von Privatpacheten und Litbesgaben an die Feldtruppen.
Durch höhere Verfügung ist destimmt worden, daß die Privaspackete und Liebesgaben für Angebörige der Groß⸗ berzoglich Hessischen Diviston künftig von den betreffenden Ersatztruppentheilen eingesammelt, mit dem auf den Kriegs⸗ schauplatz zu befördernden Armeematerial verpackt, der Ctappen-Commandantur Darmstadt zur Versendung an die Besiimmungsorte übergeben werden.
Es sind daher von jetzt an alle Privatpackete und Liebesgaben an die Ersatz Abiheilungen desjentgen Regie ments(Corps, Bataillons, Abtheilung) zu übergeben, welchem der betreffende Adressat angehört. von der Etappen Commandantur, noch von dem„Comite zur Versorgung der Feldtruppen“ können daber solche Sen— dungen zur Beförderung angenommen werden.
Alle Kreis- und Lokalblätter werden ersucht, das Vor⸗ stehende zur allgemeinen Keuntniß zu bringen.
Darmstadt, den 15. Februar 1871. Großh. Glappen⸗Commandantur Anfangsort Darmstadt, Der Verpflegungsbeamte: Köhler, Stabsquartiermeister,
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