Ausgabe 
19.1.1871
 
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Luxemburg. Da das Bombardement von bevorzustehen scheint, flüchten die Frauen und Kinder nach dem Großberzogthum

und dem belgischen Luxemburg.

Frankreich. Bordeaux, 11. Jan., Abends. Bourbaki meldet aus Onans(Dep. Doubs, Arr. Baune) vom 13. d., daß er sich der Ortschaften Arcey und St. Marie bemächtigt habe. Die Verluste, welche er hierbei erlitten, seien nicht zu beträchtlich mit Rücksicht auf die Bedeutung der genommenen Stellungen.

Von General Chanzy ist folgendes Tele- gramm, datirt 14., Mitternachts, eingelaufen: Die Spitzen der Colonnen des Feindes erschienen Abends auf den Straßen, die nach unseren Posi tionen führen. Es erfolgten kleine Zusammen⸗ flöße. Ich erwarte morgen einen Angriff. Ein Tages befehl des Generals lautet: Nach den glücklichen Kämpfen im Thale der Huisne, an den Ufern der Loire, bei Vezdome, nach dem Erfolg am 11. bei Le Mans kam plötzlich eine schmähliche Schwäche, eine unerklärliche Pani! über Euch,(11) welche das theilweise Verlassen wich · tiger Positionen herbeiführte und die Sicherheit der Armee gefährdete. Ein energischer Versuch, dies wieder gut zu machen, unterblieb, trotz der sofortigen Ertheilung der nöthigen Befehle. So mußten wir Le Mans aufgeben. Frankreich blickt auf die zweite Armee. Die Jahreszeit ist streug, Euere Erschöpsung groß, Entbehrungen aller Art müssen erduldet werden. Aber das Land leidet schwer: wenn eine letzte Anstrengung retten kann, darf nicht gezögert werden. Auch für Euch selbst liegt das Heil nur im Widerstande, nicht im Rückzuge. Wir müssen den Feind kräftig empfangen und aufreiben. Schaart Euch um Eure An- führer. Zeigt, daß Ihr die Soldaten von Coul- miers, Villebon, Josnes und Vendome seid. General Lecomte meldet aus Nevers, daß er Gien besetzt hat.

DasJournal officiel vom 13. d. ver⸗ öffentlicht ein Rundschreiben Favre's, welches dit Gründe darlegt, die Frankreich veranlaßt hätten, den von England, Oesterreich, Italien und der Türkei ausgesprochenen Wünschen bezüglich der Tbeilnahme an der Conferenz nachzugeben. Gleich- zeitig werden die Motive entwickelt, welche den Minister in dem gegenwärtig bombardirten Paris zurückhalten. Das Rundschreiben, aus welchem die unveränderte Beibehaltung des bisherigen Regierungsprogramms hervorgeht, schließt: Sobald ich einen Geleitschein habe und die Situation von Paris es gestattet, werde ich nach London gehen.

General Bourbaki meldet vom 15. Jan., daß er Montbeliard am 15. Jan. Abends besetzt habe, mit Aus nahme des Schlosses. Eine Depesche des Generals Chanzy meldet: Die An- griffe des Feindes waren überall sehr nachdrück⸗ lich. Das 21. Corps leistete guten Widerstand und behauptete seine Position bis zum Einbruch der Nacht. Die Truppen im Centrum unserer Aufstellung waren bierzu nicht im Stande und wichen zurück. Dieser Marsch wird überall durch starken Schneefall, namentlich aber durch Glatt tis, verzögert.

Aus Paris vom 14. Jan. wird ge⸗ meldet: Die Regierung ließ eine Mittheilung an den Grafen Bismarck gelangen, worin verlangt wird, daß der Verkehr zwischen Paris und dem Belagerungsheere durch Parlamentäre in regel- mäßiger Weise wieder hergestellt werde. Ferner besagen Nachrichten aus Paris, das Brod bestehe aus 60 Procent Reis und Hafer; in Paris sei das Gerücht verbreitet, Trochu habe den Plan selner Ausfälle an die Preußen verkauft. Das Journal officiel enthält ein Schreiben Trochu's, worin derselbe warnt, Gerüchten zu glauben, welche beslimmt seien, Unruhen unter den Ver- theidigern zu erregen.

Belglen. Brüssel. meldet aus Albert vom 14.

DieEtoile belge Abends, daß die

5 Oberhessischer Anzeiger.

Avantgarde der Nordarmee daselbst eingetroffen ist. Die eingetroffeneUnion vom 11. d. be⸗ richtet, daß auch der Graf von Chambord einen Protest gegen das Bombardement erlassen hat. DerIndependance belge wird aus Paris unterm 11. Jan. geschrieben: Auch General Trochu hat einen Protest gegen das Bombardement er- lassen. Die Namen von 8 Mobilgarden(darunter auch Offiziere), welche zum Feinde übergingen, sind veröffentlicht worden. General Ducrot ist bedenklich erkrankt. Aus Lille wird vom 13. ge- rüchtweise gemeldet, daß bei Cambrai ein Zu- sammenstoß zwischen der Nordarmee und General Göben erfolgt ist.

16. Jan. Heute um Uhr empfing dieEtoile eine Ballondepesche aus Paris, wonach Jules Favre sich für den Besuch der Conferenz erklärt habe, sobald das Bombarde- ment, das eine verheerende Wirkung auf die Stadt ausübe, eingestellt werde.

16. Jan. Aus Arlon wird gemeldet, daß die Deutschen gestern die Eisenbahnbrücke über den Chiers zwischen Longoy und Arlon gesprengt haben.

In Luxemburg geht das Gerücht, daß Preußen fordert, auf luxemburgischem Gebiett Batterien zu errichten, um zu verhindern, daß die gegen die Festung Longwy geschleuderten Kugeln in Belgien niederfallen.

Großbritannien. Aus London wird vom 14. d. gemeldet, daß Graf Apponpi auf der Pontusconferenz die Friedensfrage in Anregung bringen werde. Graf Bismarck habe, als das österreichisch- ungarische Cabinet diesen Entschluß in Versailles bekannt gegeben, keinesfalls Ein- wendungen gemacht.

DieTimes meldet aus Versailles vom 15. Jan.: Heute gegen 2 Uhr Morgens fanden Ausfälle von Bondy und Gtoslay aus statt. Die Franzosen griffen die Sachsen an und rückten gegen den Mont Avron vor. Ein anderer Aus- fall fand in der Richtung nach Le Bourget statt. Beide Ausfälle, obwohl unter Deckung einer heftigen Kanonade aus den Forts unternommen, wurden zurückgewiesen.

DieTimes glaubt, es sei Grund anzu- nehmen, daß das Bombardemt in Paris zu wirken beginne. Die Unzufriedenheit zwischen Volk und Regierung sei im Steigen begriffen, es dürfe daher zu Gewaltausbrüchen kommen.

17. Jan. Die Eröffnung der Conferenz soll heute ohne Frankreich stattfinden. DieTimes sagt, die Hauptpunkte se en durch die Couferenz⸗ Mächte bereits befriedigend arrangirt.

Spanien. Aus Madrid wird berichtet, daß sich der neue König dort der größten Ein- fachheit in seinem Privatleben befleißige. Am 2. Januar nahm er Besitz von seinem Palaste, und Tags darauf sandte er schon die Geschütze vor demselben und die Wachen im Innern mit Ausnahme von 50 Mann hinweg. Die Karte für die Tafel, bestehend aus 24 Schüsseln, hat er auf 4 herabgesetzt, und die Haͤlste der im Gebrauche befindlichen Palasigemächer bereits ge- schlosen. Bei den Empfangsvorstellungen don Beamten wurde sosort der Handkuß abgeschafft. Der König ist bis jetzt nur in einer offenen zweispännigen Chaise ausgefahren, begleitet von einem Adjutanten. Zu Fuß, von einem Adjutanten nur begleitet, macht der König seine Besuche und besorgt seine kleinen Einkäufe. Als er hörte, daß die Gehälter der Schullehrer im Rückstande seien, erklärte er dem Finanzminister, er werde keine Zahlung an- nehmen, bis diese Leute befriedigt seien. Es ist so rubig in Madrid, daß die Königin beabsich⸗ tigt, gegen Ende des Monats einzutreffen.

Die französische Fregatte l'Heroine traf in Vigo ein, wo bereite der preußische Dampfer Augusla liegt. Die spanische Regierung entschied:

die Augusta als das schwächere Schiff solle zuerst und zwar 24 Stunden vor l'Heroine abfahren.

NS.

h. Friedberg, 16. Januar. Wir batten hier gestern Abend zum Besten ber durchziehenden Krieger eine thea⸗ tralische Abendunterhaltung, welche für diesen edlen Zweck einen Reinertrag von 104 fl. ergeben hat. Wie ge⸗ reicht es dem Menschenfreund zur Freude und Erhebang, daß immer und immer wieder gerne Opfer gebracht wer⸗ den, unsern Kriegern ihre Sitapazen und Leiden nach Möglichkeit zu erleichtern. Unter den Beranstaltungen, durch welche den Kämpfern für's Vaterland Last und Leiden erträglicher gemacht werden, nimmt die Erfrischung in den Bahnhösen nicht die geringste Stelle ein, zumal in jetziger gestrengen Winterzeit. Die gesunden Soloaten, die nach dem Kampsplatze ziehen, würden vielfach ganz niedergedrückt, entmuthigt und lebensmüde daselbst an⸗ kommen, wenn die thälige, freiwillige Menschenliede nicht Alles aufböte, sie bei nölhiger Wärme, Krast und Muih zu erhalten. Abet erst wie unangenehm und nachtheilig empfinden unsere verwundeten und kranken Brüder den oft langdauernden Transport! Wie labt unter solchen Umständen eine Tasse warmen Kaffees ein Glas Grog, ein Schluck Wein oder Branntwein, ein Stück Brod u. dgl.! Und wic sollien den Helden unserer Siege solche Labung nicht bieten? Gerne wollen wir Alles mit den Braven theilen und ihre aus den Eisenbahnwagen nach uns ausgestreckten Hände um wärmende Labungsmittel wollen wir nicht schnöde zurückweisen. Uns wires nicht wohl bei allem Genuß in warmer Stube, wenn wir deren nicht steis thätig gedenken, die ihr Leben dar au setzen, die gerechte Sache unseres Vaterlandes zu verthei⸗ digen. Das ist die patriotische und menschensreuncliche Gesinnung, die gerne an ihrem Theile nach Kräften Leid und Wehe des Ktieges mildern hilft. Von dieser Gesin⸗ nung beseelt haben uns gestern Abend auch Herren und Damen den schönen, ebenso unterhaltenden als für den woblthätigen Zweck ersprießlichen Adend verschafst. Ob⸗ gleich diese Herren und Damen, die keine Müze gescheut halten, uns durch vortreffliche Leistungen zu erfreuen, in der Verwirklichung ihres schönen Zweckes gewiß ihren schönsten Lohn gefunden haben, so unterlassen wir doch nicht, ihnen den besien Dank für ihre ausgezeichnet ge⸗ lungenen Darstellungen öffentlich auszusprechen. Alle An⸗ wesenden des dichtbdesetzten Saales haben denselben mit vollster Befriedigung und in herzlichem Dankesgesühl für die vorzüglichen Ausführungen der Spielenden und Singen⸗ den und mit dem Wunsche, daß sich ein solch schöner Abend bald wiederholen möge, verlassen. Gerne hat Einsender diese Zeilen niedergeschrieben, um durch Abstat⸗ iung öffentlichen Dankes für die Veranstallet und Mil⸗ wirkenden der theattalischen Abenduntertzallung von gestern, dem ihm geäugerlen Wunsche vieler Zuhörer zu entispeechen, abet auch aus dem weiteren Grunde, damtt namentlich auch unsere deuischen Brüder und Schwestern auf dem Lunde erfahren, daß man in det Stadt fortwährend bereit it, in der Hülfeleistung für unsere fürs Vaterland streiten⸗ den und leidenden Brüder nicht müde zu werden. Laßt uns, so lange es nöthig ist, in Stadt und Land Herzen und Hände offen halten, um der gerechten Sache unseter deutschen Kriegführung opferwillig zu dienen. Jedes diere det Sache des Vaterlandes nach seiner Weise, nach Kraft und Vermögen! Das dleide unser Sinn dis der harte und schwere Kampf, zum erwünschten Ziele geführt dat. Das bleide unsete Losung; es war sie, es ist sie, Gott lob! Das Scherflein der Wülwe hat neben der Gade des Reichen seither nicht geseblt, und wer nicht Geld oder Naturalien genug geben konnte, bat seine Zeit und Kräste in den Dienst des Vaterlandes gestellt. Unserm Erfrischungs⸗ Comite, das seit Anjang des Krieges dis hiervet uner⸗ müdlich in Erfüllung seiner schweren, aber edlen Aufgade gewesen, gebührt alle Anerkennung, Lod und Dank. Wie sehr die Soldaten seilder die Thätigkeit dieses Comite's anerkennen und schätzen, dürfte am einfachsten und übder⸗ zeugendsten die Tyassache dewersen, daß neulich drei Sol⸗ daten der hiesigen Garnison ihre eigenen Brodportionen zur Erftischung der durchziehenden Kameraden dem Comite zur Verfügung gestellt haben und daß überhaupt die Sol- dalen ihr übriges Brod für diesen Zweck hingeben.

Verloosung. Petersburg, 14. Jau. In der beute stattgehablen Prämienziehung der russischen Prämien⸗Anleihe vom Jahre 1864 fielen folgende Haupitrefser: Auf Serie 13336 Ne. 20 200.000 S.⸗R., S. 14481 Nr. 45 75,000 S. R., S. 14387 Nr. 49 40.000 S. ⸗R., S. 13301 Nr. 2 25,000

S. R., S. 15562 Nr. 18, S. 10089 Nr. 41, S. 127 Nr. 42 je 10,000 S. R., S. 13213 Ne. 41, S. 8621 Nr. 47, S. 478 Nr. 31, S. 2666 Nr. 47, S. 19458

Nr. 6 je 8000 S.- R., Serie 9939 Nr. 23. S. 14841 Nr. 17, S. 3996 Nr. 28, S. 14586 Nr. 10, S. 16903 Nr. 30, S. 183 Nr. 31. S. 8908 Nr. 7, S. 2188 Nr. 47 je 5000 S.-R.

Die Absendung von Privatpacketen und Liebesgaben.

Die Interessenten werden hiermit benachtichtigt, daß die am J. November v. J. von hier an die Großher⸗ zogliche Division abgegangenen Privalpackete und viebes⸗ gaden am 10. d. M. mit 30 Wagen von Lagnd nach Orleans verbracht worden find. Darmstadt den 12. Inu. 1871.

Großberzogliche Etappen-Commandantur. Der Verpflegsdeamie.