während der Reise des Kaisers nach Rouen direkt per Eisenbahn nach Nancy voraus, um installirt zu sein, wenn der Kaiser am 13. daselbst eintrifft.
— Aus Ferridres wird unterm 10. ö. ferner gemeldet: In den Reisedispositionen des Kaisers sind in Folge einer leichten Erkältung desselben folgende Aenderungen eingetreten; Der Kronprinz wird die Inspektions- und Abschiedsreisen nach Amiens und Rouen allein unternehmen und die— selben morgen antreten. Der Kaiser wird voraus— sichtlich bis zum 13. oder 14. hier verweilen und dann die Reise direkt nach der Heimath fortsetzen.
— Der Kronprinz ist am 11. d. Abends halb 10 Uhr in Rouen angekommen; er hielt heute am 12. Parade über 40,000 Mann.— Die Parade fand bei herrlichem Wetter statt. Nur wenige französische Personen wohnten dem Schauspiele bei; die Einwohner hatten allent— halben schwarze Fahnen aufgesteckt; der comman— dirende preußische General kündigte an, daß alle Einwohner, welche schwarze Fahnen aushängen, je 60 Mann Einquartierung erhalten würden.
— Am 6. März sollte, nach der Angabe eines Correspondenten der„National-Ztg.“ aus Le Mans, die Armee Friedrich Karl's den Rückmarsch hinter die neue Demarcationslinie an— treten. Das 3. Armeecorps, die Brandenburger, ging zunächst auf zwei Straßen nach Chartres. Bekanntlich bildet der Lauf der Seine von Havre bis in's Cote d'Or-Departement die nächste Grenz— linie. Wie die„Nordd. Allg. Ztg.“ angibt, wird die 1. Armee(1. und 8. Corps) den äußersten rechten Flügel der Aufstellung bilden, also um Rouen und Amiens stehen bleiben; daran schließt sich auf dem rechten Seineufer bei Paris und südlich bis Melun, Montereau und Nogent s. S. die Maasarmee(Garde, 4. Corps und Sachsen) sowie die 3. Armee(11. Corps, Bayern); endlich von Nogent bis Dijon und Belfort die 2. Armee(3., 9., 10. Corps) sowie 2., 5. und 7. Corps.
— Nach einer Bekanntmachung der General- Direktion der Telegraphen dürfen fortan die telegraphischen Depeschen wieder in allen vor Beginn des Krieges zugelassenen Sprachen und auch in Chiffern abgefaßt sein. Die in Folge des Krieges bisher stattgehabte Beschränkung des telegraphischen Verkehrs nach und von Frankreich bleibt aber vorläufig und bis auf Weiteres noch in Kraft.
— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt gegen- über der Behandlung von Deutschen, welche zur Ordnung ihrer Angelegenheiten und zur Wieder— eröffaung von Geschäften nach Frankreich zurück— gekehrt sind:„Wir haben Frieden geschlossen und wollen den Frieden aufrichtig und ehrlich halten, vorausgesetzt, daß das französische Volk den Frieden hält; wir werden aber, wenn die fran⸗ zösische Regierung dem Unfug nicht steuert, und friedliche, kein Gesetz übertretende Deutsche nicht schützt, genöthigt sein, uns über die Frage der Repressalien schlüssig zu machen.“
— Die„Kreuzzeitung“ bezweifelt auf das Bestimmteste die Meldung von einer angeblichen Zuweisung von Weißenburg an Bayern.— Man meldet, daß der Commandant von Bitsch von den preußischen Militärbehörden zur Räumung der nunmehr deutschen Stadt aufgefordert worden
ist und die Antwort ertheilt hat: er erwarte die
betreffenden Instructionen von Seiten der fran— zösischen Regierung.
— Die„Spenersche Zeitung“ bestätigt, daß zu den Friedensverhandlungen unserer Seits die Herren v. Balan und v. Arnim designirt sind.
— Nach einer postalischen Bekanntmachung im„Staatsanzeiger“ ist der Zeitungsverkehr mit Frankreich wieder freigegeben und alle franzö— sischen Zeitungen können von jetzt ab durch die Postanstalten für das zweite Quartal dieses Jahres und weiterhin unter den bisherigen Bedingungen bezogen werden. ö
— Betreffs der Anfrage, ob die französisch Regierung das Decret, durch welches die Deutschen ausgewiesen wurden, als aufgehoben ansehe, hat Jules Favre, da Thiers noch nicht nach Paris zurückgekehrt, 48 Stunden Bedenkzeit erbeten.
— Nach der„B. B. Ztg.“ wird die Einheit der deutschen Armee in der fortlaufenden Nummer- folge der Regimenter, wie in einem gemeinsamen Feldzeichen an den Fahnen und Standarten, den Cocarden ꝛc. ihren Ausdruck finden. Eine nähere Bestimmung sowohl über die Nummerfolge, wie über die Farben und Formen des deutschen Feld— zeichens steht jedoch noch aus. Mit Ausnahme der bayerischen Armee und des braunschweigischen Infanterie-Regiments, dem bekanntlich als Aus— zeichnung die von den braunschweigischen Truppen von 1809 bis 1815 getragene eigenartige schwarze Uniform mit blauen Abzeichen fortzutragen be— willigt worden ist, wird außerdem die gesammte deutsche Armee, abgesehen von dem an der Kopf— bedeckung angebrachten Landeswappen und sonstigen geringen Verschiedenheiten, eine gleichartige Uniform erhalten, wie ebenso auch die gesammte Organk— sation und Formation, die Commandos, der Dienstbetrieb, die Signale ꝛc. für die ganze Armee durchaus gleichartig sein werden. Die künftige Stärke der Armee wird, inclusive der preußischen Garden auf 17 Armeecorps zu 153 Infanterie- und 104 Capalerie⸗Regimentern angegeben. Die süddeutschen Truppen werden, wie verlautet, unter Zutheilung der hessischen Division und der in den neuerworbenen deutschen Landestheilen zu formiren— den Truppen in vier Armeecorps getheilt werden.
— Zur Besatzung der neuerworbenen Pro— vinzen Elsaß und Lothringen sind folgende Regimenter bestimmt: das ostpreußische Grenadier— Regiment Nr. 5(bisher in Danzig); das pom- mer'sche Inf.-Regt. Nr. 14(bisher in Stettin); das westphälische Inf.⸗ Regt. Nr. 17(bisher in Celle); das oberschlesische Inf.-Regt. Nr. 22(bisher in Glatz); das rheinische Inf.⸗Regt. Nr. 25 (bisher in Flensburg); das rheinische Inf.-Regt. Nr. 30(bisher in Mainz); das thüringische Inf.⸗ Regt. Nr. 31(bisher in Erfurt); das niederschlesische Inf. Regt. Nr. 47(bisher in Rawicz); das brandenburgische Inf. Regt. Nr. 60; die Ulanen-Regimenter Nr. 4 und 15 und die Dragoner-Regimenter Nr. 10 und 14. Die ganze Besatzungsstärke soll, nach der„N. A. Z.“, auf etwa 30,000 Mann gebracht werden. Außer den bereits namhaft gemachten Truppentheilen der bisherigen norddeutschen Bundesarmee werden noch an der Besatzung Theil nehmen: eine badische Infanteriebrigade, eine bayerische Infanteriebrigade, ein würtembergisches Infanterieregiment, ein kgl. sächsisches Infanterieregiment und eine kgl. säch— sische Festungs-Artillerie-Abtheilung. Diese Be— satzungstruppen werden unter dem General-Gou— vernement des Elsaß als Generalcommando stehen und zu zwei Divisionen formirt werden. Unab— hängig von diesem General-Commando wird die Besatzung von Thionville aus 2 Bataillonen des rheinischen Infanterieregiments Nr. 30 bestehen; dieselbe verbleibt jedoch im Verbande des 8. Armeecorps. Außerdem ist noch bestimmt, daß aus den badischen Truppen unter Hinzuziehung von 2 preußischen Regimentern das 13. Armee- corps(26. und 27. Division) gebildet werden soll,
Dresden. Wie verlautet, bleiben das 12. und 7. Armeecorps sowie die würtembergische Diviston bis auf Weiteres als Occupationstruppen in Frankreich stehen.
Frankfurt. Nach Mittheilung hiesiger Blätter trifft Raiser Wilhelm am Mittwoch Abend um 6 Uhr in Begleitung des Kronprinzen des Prinzen Adalbert und des Prinzen Karl (Vater des Prinzen Friedrich Karl) hier ein. Er wird im Palais des Großherzogs von Hessen übernachten und die Reise am Donnerstag früh 10 Uhr mit der Hanauer Bahn nach Weimar fortsetzen, woselbst ebenfalls Nachtquartier genommen wird.
Aus München schreibt man dem„Fr. J.“: Der Feldzug hat eine colossale Menge von Ordensauszeichnungen zur Folge gehabt. Es gibt nur wenige Offiziere mehr, welche keine solche Auszeichnung davontrugen. Hierbei möchten wir gleich gegen die Annahme, welche sich bereits im Publikum einzunisten scheint, Protest einlegen, als hätten die Nichtdecorirten ihre Pflicht ver— säumt. Um zu einem Orden zu gelangen, gehört auch im Felde Glück und Protection, und man
muß Gelegenheit finden, in seiner Diete bemerkt zu werden. Das möge man sich im Publikum wohl gesagt sein lassen.——
Straßburg. daß die zur künftigen Besetzung des Elsasses und Deutsch-Lothringens bestimmten Regimenter aus dem bisherigen Armeecorpsverband ausscheiden und den Stamm eines neu zu errichtenden Armee corps bilden.
— Am 4. März verkündeten 707 Kanonen- schüsse aus sieben Forts von Metz, daß diese Hauptfestung fortan dem deutschen Reiche wieder angehöre. Die Bewohner der Stadt benehmen sich ruhig und friedlich.
Ausland.
Schweiz Zürich, 12. März. Vergangene Nacht fand eine Erneuerung der Unordnungen statt. Zusammenrottungen am Rathhause wurden zersprengt. Um Mitternacht wurde ein Angriff auf die Strafanstalt von dem Militärposten ab⸗ geschlagen. Die Truppen feuerten. 9 Personen wurden verwundet, 2 getödtet. Heute Nachmittag fanden bedenkliche Ansammlungen statt, die sofort durch die Truppen zerstreut wurden. Die Straßen sind sehr belebt. Zu einem Conflikt ist es nicht gekommen. Zwei Bataillone St. Galler, ein Bataillon Aargauer und ein Bataillon Thurgauer sind in die Stadt eingerückt.
— Die„Neue Züricher Zeitung“ meint, der Heerd der Bewegung sei unzweifelhaft die Inter— nationale und das Friedensfest der Deutschen ein bloßer Vorwand. Die betheiligten französischen Offiziere sollen vor ein Kriegsgericht gestellt wer⸗ den. Dasselbe Blatt sagt: Die anläßlich der Unruhen verhafteten Personen sind meistens ehe— malige Zuchthaussträflinge, Vaganten und ver— führte Arbeiter. Die Untersuchung ist anhängig. Weitere Excesse sind kaum zu befürchten.
Frankreich. Paris, 12. März. General Vinoy hat durch Decret vom 11. d. kraft der durch den Belagerungszustand ihm übertragenen Rechte sechs Journale suspendirt. Gleichzeitig untersagte er das Erscheinen neuer politischer Zeitungen bis zur Aufhebung des Belagerungs— zustandes. In den im heutigen„Journal offiziel“ enthaltenen Motiven heißt es:„Eine freie Re— gierung ist nicht möglich, wenn die Journale straflos Aufruhr und Ungehorsam gegen die Ge— setze predigen. Die Ordnung kann nicht herge— stellt, die Arbeit nicht wieder aufgenommen werden, wenn Journale, welche zum Aufstande aufreizen, geduldet werden.“
— Der„Gaulois“ meldet, die Kanonen auf dem Vogesenplatz seien freiwillig nach dem Artillerie— park auf der Avenue Wagram zurückgebracht worden. Es herrscht fortwährend vollkommene Ruhe.
— Der Tod Rochefort's wird widerrufen, er soll sich besser befinden.
— Das Ministerium des Innern notifieirt den Paßbehörden an der Grenze, daß das Gesetz vom August vergangenen Jahres, betreffend die Paßvorschriften, fortbestehe. Ebenso naturgemäß müsse die vorläufige Nichtzulassung deutscher Unter⸗ thanen wegen des Mangels eines Paßvisa einer in Deutschland functionirenden französischen Ge⸗ sandtschaftskanzlei bestehen bleiben.
— Das„Paris-Journal“ veröffentlicht täglich eine Liste von Deutschen, welche seit dem Waffen⸗ stillstande wieder nach Paris zurückgekehrt sind, mit genauer Angabe ihres Gewerbes und ihrer Adresse. Eine schamlosere Aufreizung des Pöbels kann es wohl kaum geben. Dabei sind diese Listen so leichtsinnig angefertigt, daß das Blatt täglich auch eine ganze Reihe von Reclamationen aufnehmen muß; bald ist ein seit Jahren naturali⸗ sirter, bald gar ein geborener Franzose auf diese Weise als„Prussien“ denuncirt worden.
Großbritannien. London. Nach den Mittheilungen, welche die Regierung den beiden Häusern gemacht hat, unterzeichneten am 13. d. die Mitglieder der Pontusconferenz, einschließlich des französischen Gesandten, den Vertrag, welcher die Clauseln bezüglich der Neutralisirung des Pontus abschafft. Ein Specialprotocoll bestimmt, daß vermöge des Völkerrechts keine Macht ein—
seitig die Verträge lösen oder modifieiren dürfe.
Unterrichteterseits verlautet,


