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Nürnberg war der Empfang ein überaus enthu⸗ stastischer. Auf dem Bahnhof fand das Dejeuner statt, welches vom Könige von Bayern dargeboten war. Der Kaiser hat hierauf um 3 Uhr von hier die Weiterreise nach Regensburg angetreten. Die Abfahrt erfolgte unter dem begeisterten Hoch- rufen der zahlreich herbeigeströmten Menschenmenge. Die Vorstände der Gemeindebehörden waren auf dem Bahnhofe anwesend.
Regensburg, 11. Aug. Die Ankunft des Kaisers in Schwandorf, wo König Ludwig in preußischer Husarenuniform denselben erwartete, erfolgte gestern Nachmittags 4 Uhr. Die beiden Monarchen begrüßten sich durch eine herzliche Um⸗ armung. Um 6 Uhr lief der Zug in den hiesigen Bahnhof ein, von welchem die Monarchen nach dem Hotel„Zum goldenen Kreuz“ fuhren. Der König verweilte daselbst eine Viertelstunde und reiste dann mit der Eisenbahn wieder ab.
Stuttgart. Man meldet von hier: Es ist
authentisch, daß die Kriegsminister von Bayern,
Baden und Würtemberg sämmtlich an der Dotation Theil nehmen.
Karleruhe. Beobachtungsfähige Personen, welche jüngst in Paris gewesen, erzählen, daß die Stimmung daselbst eine äußerst trübe und dumpft sei. Dieß trifft auch mit den Nachrichten zu- sammen, wonach neuerdings die Verhaftungen sich wieder vermehrt haben und die militärischen Maß- regeln verschärft worden sein sollen.
Straßburg. Viele elsässische Auswanderer kommen fortwährend vollkommen enttäuscht von Paris zurück; der deutsche Gesandte daselbst hatte sie mit Geld versehen müssen, damit sie in ihre Heimath zurückreisen konnten. Sie hatten in Paris wohl eine lärmende Aufnahme, aber keine reelle Unterstützung gefunden.
Metz. Nach einer von dem Präfecten den Kreisdirectoren ertheilten Anweisung sollten die Personen, welche an der Pariser„Befreiungsliga“ Theil nehmen oder die Bestrebungen derselben unterstützen, auf Grund des Gesetzes verfolgt oder aus gewiesen werden.
Ausland.
Oesterreich. Wien. Die„Wiener Zei⸗ tung“ veröffentlicht in ihrer Samstagsnummer ein kaiserliches Patent vom 10 August, durch welches das Abgeordnetenhaus des Reichsraths aufgelöst und die Vornahme von Neuwahlen an- geordnet wird; ferner ein kaiserliches Patent vom 10. August, mit welchem die Landtage von Nie— derösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Kärnten, Mähren, Schlesien und Tyrol aufgelöst werden; endlich ein kaiserliches Patent vom 11. August, durch welches die Landtage sämmilicher im Reichs- rathe vertretenen Königreiche und Länder auf den 14. September einberufen werden.
— Ein Artikel der„Wiener Abendpost“ über die Zusammenkunft der Kaiser sagt: Wir enthalten uns einer Betrachtung der politischen Bedeutung einer Begegnung der beiden nicht allein durch die Bande der Blutsverwandtschaft, sondern auch durch die Gesinnungen aufrichtiger Freundschaft so eng verbundenen Souveräne; aber es ist uns vielleicht gestattet, es auszusprechen und warm zu betonen, daß das Zusammentreffen der Monarchen als ein äußeres Zeichen der Freundschaft, als ein neues
Pfand dieser glücklichen Beziehungen einen hohen
Werth hat auch für die Völker der beiden Reiche, welche ein gemeinsames Interesse am Frieden, ein gemeinsames Bedürfniß der Einigkeit und Ver⸗ ständigung mit einander verbindet. Der Artikel drückt den Wunsch und die Hoffnung aus, daß in den politischen Beziehungen Austro- Ungarns zu Deutschland Preußen sich die persönlichen Be— ziehungen der Souveräne, welche sich zum Freund- schaftsgruße die Hand reichen, wiederspiegeln mögen immerdar, und daß durch dies Verhällniß zur Frucht reifen möge, was in verheißungsvollen Keimen jetzt schon vorhanden ist: der dauernde, gesicherte europäische Friede, die ungetrübte Ent— wicklung der beiden Reiche, ihre wahre geistige und staatliche Wohlfahrt.
Wels, 11. Aug. Une Uhr 10 Min erfolgte die Ankunft des deutschen Kaisers. Der Kaiser von
Mecklenburg, dem Prinzen von Holstein,
Oesterreich, in preußischer Uniform, erwartete den⸗ selben am Perron des Bahnhofs. Kaiser Wilhelm eilte sogleich aus dem Waggon dem Kaiser von Oesterreich enigegen. Beide Monarchen umarmten sich innig und herzlich, alsdann wurden dem deutschen Kaiser, welcher die Uniform eines öster⸗ reichischen Obersten trug, der Statthalter von Oberösterreich, die Generalität, der Bezirkshaupt⸗ mann und der Bürgermeister vorgestellt. Nach einem Aufenthalt von acht Minuten erfolgte die Weiterreise. Beide Kaiser nahmen in demselben Coupé Platz.
Ischl, 11. August. Der Kaiser von Oester— reich und der deutsche Kaiser sind um 5½ Uhr Nachmittags hier eingetroffen und im Hotel Bauer abgestiegen, wo dieselben vom Großherzog von dem Fürsten von Waldeck, der Gemeindevertretung und dem Kurpublikum mit Hochrufen empfangen wur⸗ den. Abends 6 Uhr fand Hostafel statt, welcher Kaiser Wilhelm beiwohnte.
Schweiz. Aargau. Der letzten Sonn- tag von der Kirchengemeinde Bremgarten zum Katecheten ernannte Hr. Knecht wurde von der Wahlbehörde der Bezirksschule unter der Bedingung zum Religionslehrer an der Schule gewählt, daß er sich verpflichte, in seinem Religionsunterricht das Dogma der Unfehlbarkeit nicht zu lehren.
Frankreich. Paris. Die Anklagepunkte wider den bekannten Rochefort(Henri R. du Lugay) sind folgende; 1) Fortführung einer Zei— tung, nachdem ihre Unterdrückung verfügt; 2) Ver⸗ breitung falscher Nachrichten zu böswillig wühleri⸗ schen Zwecken; 3) Anreizung zum Bürgerkrieg; 4) Provocation zur Zerstörung von Privateigen⸗ thum; 5) Provocation zum Kirchenraub; 6) Pro⸗ vocation zum Morde. Rochefort's Strafbarkeit begann nach der Anklageschrift von dem Augenblick, wo er sich von seinen Collegen vom 4. September trennte und offen mit den gefährlichsten Volksclassen buhlte. Nach der Capitulation zog er sich nach Artachon zurück, wo er schwer erkrankte. Dort traf ihn die Kunde von dem Communistenaufstand vom 18. März. Kaum hergestellt, kehrte er nach Paris am 8. Apyil zurück und leitete von da ab das„Mot d' Ordre“. Sein Einfluß war ein gewaltiger. Was er in seinem Blatt ankündigte, war so gut wie gethan. Gegenüber seinen jetzigen Gegnern war ihm kein Mittel zu schlecht. nament- lich hetzte er durch Lügen das Volk gegen die Versailler auf, die er der schnödesten Grausamkeit beschuldigte. Um sich für alle Fälle zu salviren, vermied er directe Aufforderungen zu Demolirungen, Brandstiftungen, Mord; indeß aus der Fassung
seiner Artikel trat die Provocation entschieden hervor und er billigte hinterdrein, was geschehen war. Seiner Feigheit setzte er schließlich dadurch die Krone auf, daß er seine Genossen im Stiche ließ, als der Zusammenbruch der Commune un— abwendbar erschien. Unter einem falschen Namen machte er sich von Paris fort, aber nur um als— bald den Versaillern in die Hände zu fallen.
— Im Prozesse gegen die Communisten wurden beim Zeugenverhöre über die Ereignisse im Ge— fängnisse von La Roquette folgende Aussagen ge— macht: Ein Zeuge sah den Angeklagten Ferré, wie er gefangene Verbrecher befreite und ihnen Waffen gab. Der Missionär Abbs Perny, welcher sich unter den Geißeln in La Roquette befand, erklärte, er habe 25 Jahre unter Wilden gelebt, aber niemals Aehnliches gesehen, wie die von der Commune begangenen Acte. Ein anderer Zeuge, Ausseher in La Roquette, erklärte, er habe Ferré bestimmt zur Zeit der Hinrichtung der Geißeln im Gefängnisse gesehen. Dr. Paymoyen, Director der jungen Sträflinge, erzählte verschiedene von den Insurgenten verübte Gräuelthaten. Das in La Roquette von ihnen niedergesetzte Kriegsgericht war aus 17jährigen Richtern gebildet. Frangois, der Gefängnißdirector von La Roquette, constatirte, daß Ferre am 27. Mai in das Gefängniß ge⸗— kommen sei. Hierauf wurde zum Verhöre Assp's geschritten. Assy anerkannte seine Antheilnahme an den Exeignissen vom 18. März. Er behauptete aber, die Nationalgarde sei angegriffen worden,
Hinrichtungen sagte er,„es ist dies der Wiedervergeltung.“ Der Präsident erwiederte ihm:„Dies ist ein Gesetz der Wilden und nicht ein französisches 4 Assy beka a offen, daß er für die Zerstörung der Vendome⸗ Säule gestimmt habe; er erkannte die Rolle, die er bei der Fabrikation von Munition und Waffen gespielt und leugnete auch nicht, daß die Petrolbomben unter seiner Leitung verfertigt wor⸗ den seien, er behauptete aber, die Versailler hätten zuerst welche gebraucht. Assy antwortete den Rich⸗ tetn schnell und treffend und mußte vom Unter- suchungsrichter und Präsidenten wegen allzukühner Invectiven und Angriffe gegen die Regierung häufig zur Ordnung gerufen werden.
— Man versichert, es seien in Berlin Ver⸗ handlungen angeknüpft, um die gänzliche Räumung des französischen Gebietes schon Ende 1871 ber⸗ beizuführen.
— 12. Aug. Der Municipalrath von Paris genehmigte ein Anlehen im Betrag von 350 Millionen Francs mit allen gegen eine Stimme.
Versailles. Die Nationalversammlung genehmigte definitiv das Departementalgesetz mit 519 gegen 129 Stimmen. Wie verlautet, hätte die Budgetcommission das Regierungsproject einer 20procentigen Steuer auf die Rohstoffe end⸗ gültig und mit großer Majorität verworfen.
— Thiers erschien in der Sitzung der Com- mission für die Armeeorganisation. Die Commission sprach sich neuerdings für die unverzügliche Auf⸗ lösung sämmtlicher Nationalgarden aus.
In der Nativnalversammlung
neue Versammlung zu construiren. sagt ferner, daß der Präsident die vollziehende Gewalt ausübe, alle zu vollziehenden Acte von einem Mitgliede des Ministeriums zu contrasigniren und die Minister vor der Versammlung verant- wortlich seien. Ein Mitglied der äußersten Rechten legte ferner einen Antrag vor, welcher eine Be⸗ stätigung der Hrn. Thiers in Bordeaux verliehenen Amtsbefugnisie ausspricht. Für beide Anträge wurde Dringlichkeit verlangt— auch von Thiers selber und nach einer Unterbrechung der Sitzung von 20 Minuten auch beschlossen. a
Großbritannien. London. Im Unter⸗ hause wurde die Resolution Torrens', das Haus möge Gladstone wegen der Geltendmachung der Prärogatide der Krone gegenüber dem Beschlusse des Oderhauses in der Heeresbillfrage seinen Tadel aussprechen, mit 114 gegen 83 Stimmen ver- worsen.
Italien. Ro m. Zur festlichen Begehung des 20. September(als des Tages, an welchem die italienischen Truppen in Rom einzogen) werden großartige Vorbereitungen getroffen, und es hat sich zu diesem Zwecke ein eigenes Comite gebildet.
* Friedberg. Auch die Direktion der Main⸗Weser⸗ Bahn hat sich veranlaßt gefunden, Rundreise-Billets zu ermäßigten Fahrpreisen, mit Gewährung von 50 Pfund Freigepäck, gültig für alle fahrplanmäßigen Züge, welche die betreffende Wagenclasse führen, auszugeben. Der Raum unseres Blattes gestattet uns nicht, dem gestelllen Ersuchen
Bezüglich der von der benin geg b as Gese
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um Gratis- Veröffentlichung der dieserhalb erschienenen 19
ausführlichen Bekanntmachung der Directon zu enisprechen, wir verweisen deßhalb hier nur auf das wohl an allen Stationen der Bahn angeschlagene Plakat. Im gleichen Interesse der Bahn sowohl, wie des Publikums möchte es übrigens liegen, wenn die Direction der Main⸗Weserbahn für das möglichst allgemeine Bekanntwerden dieser an sich sehr dankenswerthen Anordnung Sorge tragen wollte. Nauheim. Dieser Tage wurden dahler an dem Ausflusse des großen Teiches zwei junge Fischotter lebend eingefangen. Es sollen daselbst noch mehrere, namentlich auch größere gesehen worden sein, auf welche man flesßig Jagd zu machen scheint. Die Erlegung dieser Thiere ist bei ihrer bekannten Schlauheit und großen Scheu erfahrungs⸗ gemäß sebr schwierig. 18
Frankfurt. Seit einiger Zeit kommen Briescouverts
mit einem Klebestoff zum Verschließen versehen in den
und habe das Recht gehabt, sich zu vertheidigen. Verkehr, deren innere Flöche, auf welcher auch der Klebes⸗


