Ausgabe 
14.1.1871
 
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Beilage.

Bberhessischer Anzeiger.

Kriegs nachrichten.

Aus Paris reichen die neuesten Nachrichten der englischen Blätter bis zum 4. Januar. Die Ankündigung, daß Mont Avron geräumt worden, schreibt der Pariser Correspondent derDaily News, hatte eine sehr niederdrückende Wirkung,

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zösischen Kriegsentschädigung darauf bedacht nehmen, aus derselben den Kreisverbänden und Städten die Beträge für Kriegsleistungen und Unter stützungen zu erstatten.

In Bezug auf die in neuerer Zeit vor- gekommenen Fluchtversuche französischer kriegsge⸗

verbunden mit einer stark unterlaufenen Miß stimmung gegen Gencral Trochu, dessen Strategie man als fehlerhaft erachtet, erzeugt. Man glaubte, daß er nicht wieder die Offensive ergreifen werde, es sei denn unter großem Drucke von Seiten des Publikums, und dieser dürfte allem Auscheine nach ausgeübt werden. Inzwischen zeigten die Pariser keine Neigung zur Uebergabe. In Folge des Mangels an Feuerungsmaterial war es zu einigen Ausschreitungen gekommen, indem das Volk, der Aktion der Regierung vorgreifend, Stacketen und Bäume gefällt hatte; aber ernstliche Ruhestörungen hatten nicht stattgefunden. Die Kälte war durch- dringend und die Sterblichkeitsrate dieserhalb fürchterlich hoch. Während der am 31. Dezember endenden Woche betrug die Gesammtzahl der Sterbefälle 3280 oder 550 mehr als in den beiden vorhergehenden Wochen.

Allen Nachrichten zufolge, welche aus Paris herausgelangen, wird die Stellung des Generals Trochu immer schwieriger. Seitdem die Beschießung der Außenwerke, wie es scheint, mit größerem Erfolg, als es bisher von Außen tonstatirt werden konnte, begonnen hat, wächst die Aufregung und die Ungeduld im Innern, und Aller Gedanken richten sich mit jedem Tage mehr auf einekräftige Aktion gegen die Belagerer. Man sieht darin das letzte, verzweifelte Mittel, um das langsam, aber unaufhaltsam herannahende Ende zu verzögern. Im Schoße der Regierung selbst bestehen J. Favre und E. Picard nament- lich, die bisher die Vertreter der die Friedens- eventualität im Auge behaltenden gemäßigten Partei waren, auf einem energischen Vorgehen. Allein Trochu will noch immer nicht von dem seither verfolgten Plane abgehen. Die Pariser Journale, welche bisher über den Charakter der Vertheidigung sehr gethtilter Ansicht waren, for- dern seit der Räumung des Mont Avron ein- stimmig einefestere Initiative und fallen mit dem schärfsten Tadel über die Berichte des Ge neralstabschefs Schmitz her, dessenpreußischer Name sogar in der Bevölkerung jetzt böses Blut macht. Wie man allgemein annimmt, dürften im Innern von Paris für die nächste Zeit entweder neue und gewaltige Ausfälle vorbereitet oder Veränderungen in der obersten Leitung der Ver- theidigung vorgenommen werden, welche jedenfalls nicht ohne Rückwirkung auf den weiteren Verlauf und den Ausgang der Belagerung bleiben würden.

Preußen. Berlin. DieKreuzzeitung schteibt:Die Depesche des Grafen Beust vom 26. Dezember v. J., in welcher derselbe die Neu gestaltung des deutschen Reiches in rückhallloser Weise mit warmen Sympathien begleitet, ist von dem Grafen Bismarck mit dem Ausdruck des Einverständnissts und der Befriedigung zur Kennt- niß der deutschen Regierungen gebracht worden.

11. Jan. DieProvinzial-Correspon- denz schreibt: Die Reichstagswahlen können nicht, wie hier und da angenommen wird, schon im Januar, sondern frühestens etwa Mitte Februar stattsinten. Bezüglich der Kriegserecignisse schreibt das genannte Blatt, daß aus den Corps der Gentrale v. Werder und v. Zastrow, sowie anderen bedeutenden Truppenabtheilungen eine große Ostarmee gebildet und unter ein eigenes Obertommando gestellt werden dürfe. Das Schick sal von Paris, sagt dieProvinzial Correspon denz weiter, wird wohl in nicht langer Zeit zur Entscheidung gelangen.

fangener Offiziere ist folgender Befehl erlassen: Die kriegsgefangenen französischen Offiziere haben sich unsererseits einer so schonenden Behandlung zu exfteuen, wie man sie pflichischuld ig und gern jedem vom Unglück betroffenen Ehrenmanne an⸗ gedeihen läßt. Ausgeschlossen hiervon müssen aber Diejenigen werden, welche durch ihre Handlungen auf dae Prädikat eines Ehrenmannes Verzicht leisten. Demnach wird der in Hamburg internirte französische Lieutenant Marchesan des 91. Linien⸗ Infanterieregiments, der, unter Bruch seines Ebrenwortes, eingeständlich auf der Flucht nach Marseille in Damenkleidern ergriffen worden, nach der Feste Bopen abgeführt, um fortan dort wit ein Sträfling behandelt zu werden. In gleicher Weise werden dorthin abgeführt die zur Zeit in Braunschweig auf Ehrenwort internirten französischen Offiziere Major Prinz Bonaparte und Capitän de Mondion, lich ihr gegebenes Ehrenwort zurückgezogen und damit ausgesprochen, daß sie ihrerseits sich nicht mehr an dasselbe binden. Hierdurch haben sie aber auch genugsam dargethan, daß unser bis- heriges Vertrauen zu ihrem Ehrenwort ein un berechtigtes war. Allen kriegsgefangenen fran⸗ zösischen Offizieren ist von diesem Befehl Kennt niß zu geben.(gez.) v. Falckenstein.

Bayern. München, 11. Januar. Die Kammer der Abgeordneten begann deute die Dis- cussion über die Bundes verträge. Gegen ditselben sprachen Jörg und Ruland, dafür der Referent der Minderheit, Marquard Barth, und der Finanz minister. Es sind noch 34 Redner eingeschrieben. Die Fortsetzung der Discusston findet morgen statt.

12. Jan. Abgeordneter Kolb versucht eine Widerlegung des Finanzministers. Derselbe tutgegegnet kurz. Hierauf sprachen Gerstner, Sepp, Völk für die Verträge. Morgen findet die Fort- setzung der Debatte statt.

Oesterreich. Wien. Wie der hiesige officibse Berichterstatter derKarlstr. Zig. hört, ist der preußische Gesandte in der Lage gewesen, das demnächstige Eintreffen eines Abgesandten aus dem Hauptquartier mit einem Handschreiben des Königs von Preußen signalisiren zu können, welches der Anerkennung der hochherzigen Auf fassung, der die Eröffnungen seines Cabinets be züglich der Neugestaltung Deutschlands beim Kaiser persönlich begegnet, einen unmittelbaren und warmen Ausdruck zu geben bestimmt sei. Hiesige Blätter bestätigen diese Nachricht.

Frankreich. Bordeaux. Die aus Bor- deaux kommenden Zeitungen vom 7. d. greifen theilweise die Politik der Regierung in Betreff des Auflösungsdecrets der Generalräthe an. Der Constitutionnel signalisirt neben speciellen Pro testen einen in Aue sicht stehenden Collectiv-Protest sämmtlicher Generalräthe. Marquis de Talhouet nennt in einem offenen Briefe aus Le Mans vom 31. December die gegenwärtige Regierung eine Willkürberrschast. DieOpinion nationale sagt in einem Artikel:Wozu haben wir das Kaiser reich gestürzt? Es verstand seine Rolle doch besser! DerMoniteur reproducirt diesen Artikel. Die Regierung ordnete die Unterdrückung des neu an gekündigtenAmt du peuple an, weil dieser ein Friedensprogramm brachte, und ließ die Druckerei des Blattes für zwei Monate schließen.

Die Journale vom 6. d. enthalten ein Deeret, welches die Errichtung von Depots be hufs Ausbildung der Artillerie der Nationalgarde verfügt. Ein weiteres Decret ordnet die Auflösung der Generalräthe von Algerien an.

Das Abgeordnetenhaus nahm den Antrag an, die Regierung möge bei Festsetzung der fran

General Chanzz veröffentlicht folgenden amt lichen Bericht aus Le Mans vom 11. d.: Die Armer

Diese haben schrift⸗

Friedrich Karls und des Großherzogs von Mecklen⸗ burg verdoppelten heute(7) ihre Anstrengungen im Angriffe auf die Linie der Huisne und die südöstlich von Le Mans gelegene Stellung. Die allseitig gedrängten Colonnen mußten sich auf dite ihnen von vornherein zugewiesenen Stellungen zurückziehen. Das Gefecht war ungemein hestig in Montfort, Champagne, Parigne l'Eveque, Jupilles, Change, sowie an verschiedenen anderen Punkten. Die Brigade Pribel räumte nach leb bastem, hestigen Widerstande ein von ihr besetztes Dorf. Wir erlitten heute empfindliche Verluste.

( Aus Bordeaux vom 5. Januar wird ge⸗ meldet, daß der Generalrath des Departements Maine et Loire einen energischen Protest gegen die durch Gambetta erfolgte Auflösung der Generalräthe erlassen hat. In demselben wird 62 Maßregel als eine dem Geiste der republi-

kanischen Institutionen feindselige bezeichnet.

Die Havas'sche Pariser Correspondenz vom 8. meldet: Die Granaten fallen fortdauernd in das Faubourg St. Germain. Ein Geschoß platzte in der Rue St. Jaquts, als die Menge die dortige Kirche verließ. Unweit des Palais Luxembourg richteten die Geschosse Verheerungen an. Die Bewohner der bedrohten Stadttheile siedeln in sichere, leer stehende Häuser über. Das Entlassungsgesuch Delescluzes ist angenommen. Wie man versichert, haben die Deutschen an den Forts von Nogent und Rosuy Trancheen errichtet. Blanqui, Flourens, Mellier und andere Compro⸗ mittirte sind dem Kriegsgerichte überwiesen worden. Das Feuer des Feindes schaͤdet den Wällen wenig Dasselbe ist besonders stark auf das Fort Montrouge gerichtet, welches mit seinen größten Stücken antwortet. Von der Belagerungsarmee werden täglich etwa 20,000 Granaten verschossen. Die von der Enceinte entferntesten Standpuncte, welche die Geschosse erreichen, sind die Rue Bufflot, Rue Vannttan, Avenue Breteuil, nahe den In- validen. Die Verluste seit dem 5. Januar be⸗ tragen 15 Todte und 60 Verwundete. Im Innern von Paris werden taglich Frauen und Kinder von Kugeln erreicht. Die Behöe den fordern die Einwohner auf, sich nicht an Orten zu versammeln, welche die Geschosse erreichen. An drei Stellen der Stadt brachen Feuersbrünste aus, die sofort gelöscht wurden. In Paris soll die Wieder⸗ bolung einer aufständischen Bewegung, wie sie am 31. Okt. 1870 staltgefunden hat, nahe bevorge⸗ standen haben. Der geheime Zweck, welcher in der am 29. Dec. 1870 stattgehabten Versammlung der Maires von Paris verfolgt wurde, soll die Erzielung der Demisstonen Jules Fapres, Picards und Trochus gewesen sein.

Ein in dem Departement Nievres nieder- gegangener Ballon bringt die Nachricht, daß die Anzahl der Granaten, welche in der letzten Nacht in das Innere von Paris geschleudert worden sind, etwa 2000 betrage. Besonders heimgesucht waren die Straßen in der Nähe des Pantheons. Durch Brieftauben sind zahlreiche Depeschen aus den Provinzen eingegargen. Marquis Talzouet protestirt in einem Brief gegen die Auflösung der Generalräthe, da dieselbe eine Vernichtung der letzten gesetzlichen Macht sei. Pinard ist ver⸗ baftet unter der Anschuldigung bonapartistischer Intriguen und der Vertheilung des Journals Drapeau. Laguerroniere ist ebenfalls mit Ver- baftung bedroht, jedech noch auf freiem Fuße, obschon ein Gerücht in entgegengesetztem Sinne in Umlauf war.

Valenctennes. DerCourrier du Nord meldet, daß der Handelsstand Nordfrankreichs von schweren Calamitäten betroffen sei, da keine Staats casse und kein Liller Bankhaus die neuen Circu⸗ lationsbillets auswechseln will.

Berichten aus Havre zufolge sand am 10. d. bei St. Romain ein Vorpostengefecht statt. General Lopsel ist zum Oberbefeblsbaber der dei Havre operirenden Armet ernannt.