Ausgabe 
14.1.1871
 
Einzelbild herunterladen

Die Geschosse der Belagerungsarmee vor Paris erreichen bereits das Herz der Stadt; bis ins Palais de Luxemburg schlugen dieselben ein und in den Vorstädten sind dereits bedeutende Feuersbrünste ausgebrochen. Die deutschen Be⸗ lagerungs batterien auf der Südfront sind der Enceinte bis auf 5000 Schritt nahe; nach der Besetzung der am Abhang der Höhe von Meudon gelegenen Schanze Notre Dame de Clamart, welche dereits umgebaut ist, ist indeß die Entfernung um beinahe 1000 Schritt verringert; von Clamart bis zur Cite-Insel mit der Notre-Dame sind es circa 9000 Schritt. Was die Anzahl der ver⸗ wendeten Geschütze betrifft, so sollen bei Meudon⸗ Clamart 80 Geschütze stehen; bei Chevilly zwischen Sceaur und Choisp le Roix sind 64 in Thätig⸗ keit, welche hauptsächlich gegen Villejuif und die vorliegenden Schanzen ihr Feuer richten. Auf der Westseite sind, kaum 3000 Schritt vom Mont Valerien entfernt, etliche 40 Geschütze auf den Höhen von Garches in Position, während längs der Ostseite des Parks von St. Cloud einige Batterien auf die gegenüberliegende Halbinsel der Seine, auf die Enceinte bei Point du jour, auf Auteuil, Grennelle und Boulogne feuern und in der Lage sind, bis in die etwa 10,000 Schritt entfernten Elyseengärten dicht am Louvre zu feuern. Weiter westlich befinden sich auf dem anderen Ufer der Seine Batterien bei Carrieres und bei den Steinbrüchen von Argenteuil, welche die Schanzen von Gennevillers und das befestigte Lager am Nordwestabhang des Mont Valerien zum Zielobjekt haben. Im Bereiche der vierten Armee sind Schanzen gegen die Forts von St. Denis auf dem Windmüßhlenberg bei Pierrefitte errichtet, andere Schanzen bei le Blanc Mesnil beschießen die vor den Fort Aubervilliers gelegenen Erdwerke von Drancy und Lobigny in der Front, während letztere gleichzeitig von den Batterien bei Raincy in der Flanke gefaßt werden. Wider die Ostfront feuern die Batterien von Raincy, Gagny und Maison blanche und die neuerdings auf dem Mont Avron errichteten Batterien. Die außerhalb der Euceinte gelegenen Vorstädte Re- mainville, Montreuil, Charonne und Vincennes sind hier dem Bombardement ausgesetzt. Endlich beschirßen noch bei Noisy, Champigny und Meolp, zwischen Marne und Seine, einige Batterien die Südostfront von Paris, die Lünetten von St. Maur und das Fort Charenton und schließen so den weiten Ring des Bombardements, das von allen Seiten gegen die Stadt und die Forts gerichtet ist.

Der LondonerDaily Telegraph will von einem bereits im deutschen Hauptquartier festgestellten Programm nach dem Falle von Paris wissen, das ungefähr, wie folgt laute: Erstens, der König betritt die Stadt gar nicht, wie dies noch vor zwei Monaten die Ab⸗ sicht Sr. Majeslät war. Er kehrt unverzüglich nach Berlin zurück, die alliirten Armeen unter dem Commando der beiden königl. Feldmarschälle belassend. Paris selber erhält keine Garnison; die Beschützung der Stadt wird der National- garde, die nicht entwaffnet werden soll, anvertraut. Die regulären Truppen und die Moblots werden selbstverständlich nach Deutschland geschickt. Die Forts erhalten deutsche Besatzungen. Die Haupt- armee der Belagerer, wie auch die beiden anderen nunmehr im Felde stehenden deutschen Armeen ziehen sich nach der Champagne zurück, welche Provinz sie als Pfand für die Kriegskosten u. s. w. besetzen. Elsaß und Deutsch⸗Lothringen betrachtet Deutschland als sein Eigenthum, jetzt und für immer. Im Besetz der Pariser Forts und der Champagne werden die Deutschen in Friedens- unter handlungen treten und es Frankreich völlig freistellen, seine Regierung zu rcconstituiren und den Krieg nach Belieben fortzusetzen oder nicht. Der Correspondent glaubt, die Genauigkeit dieses Programms als zuverlässig bezeichnen zu können.

Der k. Commissär und Militärinspektor der freiwilligen Krankenpflege, Fürst Pleß, erläßt folgende Bekanntmachung aus Versailles, 3. d.: In neuester Zeit haben sich wiederholt einzelne

Kriegsschauplatze zur Pflege Erkrankter und Ver wundeter eingefunden, ohne von den befugten Stellen adgesandt worden zu sein. Abgesehen von der Unzulässigkeit dieses Verfahrens ist die nutzbringende Verwendung einzelner Pflegekräfte nur in den seltensten Fallen möglich, weshalb schon öfter Rücksendungen in die Heimath an- geordnet werden mußten. Ich kann daher Pflegern und Pflegerinnen, welche weder von den leitenden Stellen berufen worden, noch die Zusicherung einer bestimmten Verwendung erhalten haben, nur dringend abrathen, sich nach Frankreich zu begeben, und dies um so mehr, als in den zahlreichen Pflegestätten der Heimath die Gelegenheit nicht fehlt, die angebotenen Dienste zu leisten.

Champigny, 7. Jan. DemSchw. M. wird gemeldet: Gestern Mittag 11 Uhr begann die Beschießung der Schanzen von St. Maur, sowie der am rechten Marne⸗Ufer gelegenen Häuser, in denen die französischen Feldwachen ausgestellt waren. Trotz des Nebels, der in den vorher- gehenden zwei Tagen den Beginn des Bombar⸗ dements auf dieser Seite unmöglich gemacht hatte und auch gestern die Fernsicht beschränkte, unter- hielten die vier auf der Höhe von Champigny verschanzten Batterien ein wohlgezieltes Feuer. Gleich die ersten Granaten trafen und zündeten und in kurzer Zeit brannten vier Häuser.

Nach einer Mittheilung derKöln. Ztg. wäre General v Manteuffel zum Oberbefehlshaber der neugebildeten Ostarmee(Werder ⸗Zastrow) ernannt worden, während General v. Göben an seiner Stelle das Commando der Nordarmee und Bentheim das der ersten Armee übernähme.

Pruntrut, 10. Jan. Zwischen 2 und 4 Uhr fand zwischen 600 Deutschen und 400 Fran- zosen bei Abbevillers hart au der schweizerischen Gränze ein Vorpostengefecht statt.

Aus Baden, 10. Jau. Gestern fand ein Kampf der Truppen des Corps Werder mit den Franzosen zwischen Vesoul und Belfort südlich von Lure bei Viller-Sexel statt, von dem man bis jetzt Folgendes in Erfahrung bringt. Der Feind wendete sich, nachdem seine Recognoscirungen gegen Vesoul zu eine scharfe Abweisung erfahren halten und er die Positionen bei Echenoz und Levrecey hatte räumen müssen(5. und 6. d.), rechts gegen Belfort. Unsere Truppen folgten ihm und erreichten ihn bei Viller⸗Sexel. Dieses wurde genommen und nebst den anderen genom- menen Positionen behauptet. Man spricht von mehr als 500 Gefangenen, darunter eine Anzahl Offiziere, die unsererseits gemacht worden, und zwei weggenommenen Adlern. Der diesseitige Verlust sei nicht bedeutend. Uebrigens dauerte der Kampf bis in den späten Abend hinein. In militärischen Kreisen wird auf die Erstürmung von Danjoutin südlich vor Belsort in der Nacht des 7. d. großes Gewicht gelegt, weil die Citadelle und das Fort La Perche jetzt erreich⸗ bar sind.

Hessen. Darmstadt. Nach zuverläs⸗ sigen Nachrichten sind die nach dem Gefecht bei Montbarrais am 24. Nov. v. J. vermißten, in der 4. Schwadron 2. Reiter-Regiments stehenden Lieutenant Freiherr v. Riedesel mehr⸗ fach verwundet, Sergeant Gries, leicht ver⸗ wundet und Sergant Neumann, sowie die Chevaulegers Freiherr v. Jungenfeld, Schneider, Innewein und Herge, wahrscheinlich unver⸗ wundet, in französische Gefangenschaft gerathen und befinden sich nach den eingegangenen Nachrichten wenigstens zum Theile in Le Puy (Haute Loire). Chevauleger Espenschied ist im Hospital zu Bois commun am 24. Nov. v. J. gestorben. Chevauleger Härther(Herder) befindet sich als leichtverwundet im Lazareth zu Orleans und Chevauleger Muth, welcher bei Bellegarde am 24. Nov. verwundet wor⸗ den ist, in befriedigendem Zustande zu Pithiviers.

t Friedberg, 12. Januar. Nach der Fr. Presse von gestern hat ein Mitglied einer akademischen Gesellschaft in einer Stadt in der französischen Provinz Lyonnais in einem Vor⸗

Personen, namentlich einzelne Frauen, auf dem trag gesagt:In Deutschland sind jetzt

3 400,000 Franzosen kriegsgefangen, die deutschen Frauenzimmer sind sehr gefühlvoll, die Franzosen sehr zu⸗ thulich, zumal Gatten und Bruder bei der Landwehr vor Paris oder an der Loire stehen. In zwanzig Jahren wird es daher) in Deutschland eine neue Generation geben, welche in Folge der Mischung der Racen nichts mehr von dem germanischen Haß gegen Frankreich in sich trägt. Die beiden Schwesternationen werden sich dann die Hände reichen, die großen Combinationen Bismarcks durch ein kleines Naturspiel vereitelt werden und davon die große allgemeine Ver⸗ änderung der Nationen ihren An⸗ fang nehmen. Siehe da eine Frucht der widerlichen Schönthuereien, deren sich in einer Art humanitären Bildungssfiebers deutsche Frauen gefangenen Franzosen gegenüber an Eisenbahnen, auf Verpflegstationen, in Lazarethen schuldig gemacht haben! Aber wem schwillt die Zornesader nicht, wenn er obige Auslassung liest? Schmach über jedes deutsche Weib ob Frau oder Mädchen, das Schaam und Ehre so weit vergißt, daß es an sich in Er⸗ füllung gehen läßt, was ein frivoler Franzose die Unverschämtheit hat, als bei allen deut⸗ schen Frauen sich von selbst verstehend voraus zusetzen!

Schweiz. Bern. Die Regierung hat für die nothleidenden Schweizer in Paris eine Unter- stützung von Fr. 2000 ausgesetzt.

Frankreich. Paris. Eine Proclamation der Gesammtmitglieder der Barrikaden⸗Commission zählt die Resultate ihrer Thätigkeit in Betreff des Empfanges des Feindes auf. Bezüglich der Erdsäcke zur Deckung der Barrikaden werden die letzten Vorbereitungen angeordnet. Die Mitglieder schwören, Paris, das freiheitliche Bollwerk der Republik, von Schritt zu Schritt aufs Blutigste vertheidigen zu wollen. Die Menge hat aller Orten die rothen Affichen zerrissen, welche den Umsturz der Regierung, die Vertheilung von kosten freien Rationen und cinen Massenauefall fordern.

Großbritannien. London. In der City werden französische Tresurscheine, welche von der Regierung in Bordeaux wahrscheinlich an englische Armeelieferanten als Zahlung ausgegeben wurden, offerirt. Dieselben können jedoch nur mit den größten Opfern bei einer geringen Anzahl von Geschäftshäusern diecontirt werden. Allem Anscheine nach ist die Regierung in Bordeaux in der bedrängtesten finanziellen Lage.

Aus Versailles wird unterm 11. Januar gemeldet:Die Beschießung der feindlichen Werke vor Paris wird kräftig fortgesetzt, zum Theil durch neue, mehr gegen die Stadt vorgeschobene Batterien. Die Casernen des Forts Issy brannten nieder. Der diesseitige Verlust beträgt 2 Offiziere 7 Mann.

Neuestes.

Versailles, 12. Jan. Am 11. batten die gegen Le Mans in Bewegung gesetzten Corps bis zur Dunkelheit heftige Kämpfe zu bestehen. Das Debouché von Champagne wurde erkämpft. Arches Chateau, sowie 7 Geschütze und Mitrailleusen wurden genommen. Die Zahl der am 10. in unsere Hände gefallenen Gefangenen beträgt nicht, wie bisher angegeben, 2000, sondern allein bei der im Centrum vorgedrungenen Celonne 5000 Mann und 4 Mitrailleusen. General v. Werder, nachdem er von Vesoul links abmarschirte und hierbei am 9. im Gefechte von Diller⸗Sexel den Gegner, welcher seinen Marsch behindern konnte, zurückgeworfen, hat seine Bewegungen am 10. ohne weiteres Gefecht fortzesetzt.

London, 13. Jan. Aus Versailles wird heute Nacht gemeldet: Die französische West⸗ Armee wurde von der zweiten deutschen Armee unter Prinz Friedrich Karl und dem Großherzog von Mecklenburg bei Le Mans vollständig ge

schlagen. Die Stadt wurde genommen. Große Vorräthe erbtutet. Der Feind wird versolgt.

52.

g Javaensß zlugpl u,

8 49% L uf doch 10 usqzu pana

12

belege dant; berpo wirt dente