Ausgabe 
11.5.1871
 
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hen Seberxg, be⸗ Aüche. chwab, V7.

Heilage. 12 Hberhessischer Anzeiger. l

Deutsches Reich.

Berlin. DerReichsanzeiger enthält eine

Bekanntmachung des Generalpostamtes vom 7. Mai, worin dasselbe ersucht, wegen der Truppendislo⸗ cirungen im Bereiche der zweiten Armee Privat päckereien an die betreffenden Truppen während der nächsten sechs Tage nicht abzusenden, da größere Marschbewegungen stattfinden, namentlich bei dem 3. und 9. Armee ⸗Corps, sowie der 6. Cavaleriedivision.

Vom 1. Juli ab werden bei sämmtlichen Postämtern neue Reichsbriefmarken einge führt und sind jetzt schon die einzelnen Verwal tungen aufmerksam gemacht, sich nicht größere Vorräthe von den bisherigen Briefmarken anzu schaffen, vielmehr solche bis zu dem gedachten Tage möglichst zu verbrauchen.

Bei der Frankfurter Conferenz wird auch

die militärische Lage und die Verpflegung der

deutschen Truppen zur Erörterung kommen. Die Rückkehr des Fürsten Bismarck dürfte sich noch etwas verzögern. Ministerielle Berichte sagen, daß in Amerika(2) und im Elsaß von bona partistischer Seite zum Zwecke der Wiedereinsetzung Napoleons die Anwerbung von Mannschaften versucht werde.

Die Conferenzen, welche gegenwärtig in Frankfurt stattfinden, werden, wie man von unter richteter Seite erfährt, nicht nur die Beschleunigung der Friedensunterhandlungen und die Feststellung des Modus für die Zahlung der Kriegsentschä digung zum Zwecke haben, sondern auch die Wiederherstellung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Frankreich anzubahnen haben, einen Gegenstand, der nicht nur für das Interesse der beiden Länder im Allgemeinen, sondern auch für die künftige Lage der Provinz Elsaß⸗Loth ringen speciell von großer Wichtigkeit ist.

Ausland.

Frankreich. Paris, 7. Mai. Selbst die der Commune günstigen Journale constatiren, daß die Versailler seit zwei Tagen einige Fort- schritte gemacht haben. Dieselben Journale schrei ben, daß die Versailler den Angriff auf Levallois Perret mit beträchtlichen Kräften wieder aufnehmen, um die beiden Seineufer vollständig in ihre Ge walt zu bekommen und die Föderirten auf Clichy und St. Ouen zurückzuwerfen. Rossel hat sich gestein Abend nach Issy begeben. Die Besatzung des Forts fährt fort, Schutzwerke gegen etwaige Angriffe der feindlichen Infanterie herzustellen. Fünf der Spionage beschuldigte Priester sind gestern verhaftet worden. Die Kirche von St. Eustache ist in einen Centralclub umgewandelt. Die Kirche von St. Germain⸗l' Auxerrois wird Abends zu Volksversammlungen benutzt.

8. Mai. Ein Deeret der Commune belegt alle beweglichen und unbeweglichen Güter der Kirchengenossenschaften mit Beschlag. Ein anderes Decret besagt: Alle Pfaͤnder in den öffentlichen Leihhäusern, welche vor dem 25. April verpfändet wurden und den Werth von 20 Frs. nicht über⸗ steigen, werden nentgeltlich zurückgegeben.

8. Mai. Diesen Nachmittag heftiger Kampf von Meudon bis Vicétre. Die Batterien der Versailler feuern auf der ganzen Linie. Wroblewski hat den Oberbefehl auf dem rechten Seineufer übernommen, da La Cecilia in Folge eines Sturzes mit dem Pferde das Bett hüten muß. Die Note des VersaillerJournal officiel, welche den Zusammentritt des municipalen Con- gresses in Bordeaux verbietet, wird von sämmt lichen Pariser Journalen mit Ausnahme des Moniteur heftig kritisirt.

8. Mai, Abends. Zwischen der Commune und dem Centralcomite ist eine Einigung zu Stande gebracht; letzteres behält die Hauptleitung der militärischen Angelegenheiten; Oberst Rossel ist zum Mililär- Dictator ernannt. In einer ge

heimen Comitesitzung der Commune wurde über das Schreiben des Generals von der Tann be rathen, worin die vollständige Räumung des Forts von Vincennes und die Zurückziehung aller National- garden verlangt wird. Die Versailler baben diesen Morgen 7 neue Batterien bei Montretout demaskirt; gleichzeitig eröffneten die Batterien von Brimborion, Breteuil, Meudon, Fleury und Chatillon eine furchtbare Kanonade.

Mot d' Ordre enthält folgende geheimniß⸗ volle Depesche: Vincennes, 10 Uhr 5 Min. Abends. Alles ist zur vollkommenen Ruhe zurückgekehrt. Zahlreiche Verhaftungen fanden statt. Einige Führer konnten sich unseren Nachforschungen ent ziehen, so minutiös diese auch ausgeführt wurden.

Eine der Commune aus Vinncennes zu⸗ gegangene Depesche von gestern Abend 10 Uhr besagt: Die Ruhe ist im Fort wieder hergestellt. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Eine von den Versaillern in der Nähe von Montrouge gestern Abend unternommene Recog noscirung wurde zurückgewiesen. Bei Issy fand ein Vorpostengefecht statt. Die Versailler nahmen eine Barrikade. Dieselben haben auch Terrain vor der Porte Maillot gewonnen.

Versailles, 5. Mai. Das Ergebniß der Zusammenkunft zwischen Jules Favre und Bis marck wird hier berichtet man denDaily News mit großer Spannung erwartet. Die Beziehungen mit Preußen sollen sehr kritischer Natur sein. Das Gerücht von einer bevorstehenden preußischen Intervention gewinnt immer mehr Glauben und man spricht von einer Drohung Preußens, ein Plebiscit veranstalten zu wollen. Um das abzuwenden, verdoppelt die Regierung ihre Anstrengungen zur Einnahme von Paris. Heute rückte ein ganzes Armeecotps, mit General Douay und einem großen Stabe an der Spitze, von Versailles gegen Paris vor. Die Truppen haben binnen der letzten 14 Tage ein weit vor theilhafteres Aussehen gewonnen.

6. Mai. In der Fünfzehnercommission kam heute die beglaubigte Nachricht zur Sprache, daß Gambetta an alle Municipalräthe der großen Städte(mit über 20,000 Einwohnern) den Auf ruf ergehen ließ, Delegirte zu einer Versammlung in Bordeaux zu ernennen.

7. Mai. Die Pariser Journale behaupten, Gambetta sei in Lyon festgenommen worden. Diese Journale sprechen zugleich die Hoffnung aus, daß die militärischen Operationen energischer möchten betrieben werden, um der französischen Nation die Schande zu ersparen, die Intervention Deutsch⸗ lands anrufen zu müssen.

8. Mai, Morgens. Unsere Truppen haben ihre bisherigen Stellungen stark befestigt. Man versichert, daß die Batterien bei Moutretout(von 82 Geschützen) diesen Morgen ihr Feuer eröffnen würden. Soust hat sich nichts ereignet.

8. Mai, Abends. Die Batterien bei Montretout haben die Feuer um 10 Uhr heute Morgen eröffnet. Man sagt, morgen um 9 Uhr werde die große Kanonade gegen die Batterien der Föderirten auf der Enceinte beginnen. Fort Bicetre und die Redoute bei Hautes Bruyderes feuern ziemlich lebhaft, die Forts Vanvres und Issy feuern sehr wenig.

8. Mai, Abends. Aus Paris wird ge⸗ meldet, daß das Haus Cail dem Wohlfahrts- ausschusse erklärt habe, es besitze kein Metall mehr, um Bomben zu gießen. Die Kanoniere, welche bei der Artillerie der Föderirten die Geschütze richten, verlangten und erhalten jetzt eine Löhnung von 20 Frs. per Tag.

8. Mai. In der heutigen Sitzung der Versammlung interpellirte Baze die Regierung bezüglich der Ligue républicaine der großen Städte, deren Vertreter sich in Bordeaux versammeln sollen in der angeblichen Absicht, eine Versöhnung herbei zuführen. Baze protestirte gleichzeitig gegen die

Angelffe, deren Gegenstand die Versalller Ver

sammlung ist. Picard antwortete, es sei unnöthig, auszuführen, daß das Recht auf Seiten der Ver sammlung sei. Die sogenannten Republikaner verletzten offen das Grundprincip jeder Verfassung, und werden zu Aufständischen, indem sie eine andere Versammlung über die gewählte Vertretung des Landes setzen.

Paris- Journal meldet, Gambetta sei nicht verhaftet, aber der Haftbefehl sei überall gegen ihn erlassen.

9. Mai, Morgens. Die Annäherungs- arbeiten werden gegen das Bois de Boulogne fortgesetzt. Die Batterie von Montretout hat die Beschießung heule Morgen wieder begonnen. Ein Gefecht von Bedeutung ist nicht gemeldet.

9. Mai, Mitlags. Unsere Truppen haben heute Morgen das Fort Issy genommmen und besetzt,

Die Kanonade dauerte Nachts und früh mit Heftigkeit fort. Man versichert, daß die neuen Batterien, namentlich die in Montretout, von morgen ab an dem Bombardemegt Theil nehmen werden. Unsere Annäherungsarbeiten zwischen den Forts Issy und Vanvres sind bereits weit vorgeschritten.

Rouen, 7. Mai. Gestern Nachmittag 4 Ubr fand in der Nähe von Saint Denis ein schrecklicher Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge statt. Zahlreiche Reisende sind Opfer desselben geworden.

DerNouvelliste meldet, daß von Ver sailles Befehle ergangen sind, Gambetta und Laurier im Betretungsfalle zu verhaften.

Großbtitannien. London. Am 5. Mai sind dem auswärtigen Amte Depeschen von Dr. Kirk, dem britischen Consul in Zanzibar, zu gegangen, welche Mittheilung von der Sicherheit Livingstone's im October vorigen Jahres enthal len. Derselbe befand sich um dieselbe Zeit in Manakozo und erwartete die Vorräthe, welche für ihn unterwegs waren. Seine unmittelbaren Be 19 50 scheinen von den Arabern gedeckt worden zu sein.

Fürst Bismarck fordert angeblich die Re dretion der Pariser Truppen auf 100,000 Mann und protestirt gegen die Stärke der Artillerie, welche der abgeschlossenen Convention zuwider sei.

Literarisches.

Von der Ed. Hallberger'schen illustrirten Kriegszeitung Vom Kriegsschauplatz liegen uns augenblicklich die Nummern 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51 u. 52 vor und wir müssen gestehen, daß dieselben, textlich sowohl als bildlich, höchst interessant sind. Letzteres will viel sagen, wenn man bedenkt, daß der Krieg vorüber ist und kein eigentlicher Kriegsschauplatz mehr existirt. Aber die Redaktion des genannten Blaltes versteht es, die letzten Nummern ihres Werkes(dasselbe schließt mit Nro. 60 ab) trotzdem für Jedermann spannend zu erhalten. Sie bringt die vortrefflich geschriebene, ausführliche Kriegsge⸗ schichte von Wilhelm Müller, Orginal-Schlachten⸗ schilderungen aus bewährten Federn, kriegswissenschaftliche Artikel, vortreffliche Schlachten- und Festungepläne, Epi soden vom Kriegsschauplatz u. s. w. Alle Gegenstände, die man gern nachsieht und nachliest, um ein richtiges Verständniß, einen freien Ueberblick des Ganzen zu er halten, welche man sich in Aufte ung der Kriegsereignisse selbst und aus den zerstreuten Zeitungsnachrichten nicht verschaffen konnte. Die Illustrationen sind künstlerisch vollendet und tragen den unverkennbaren Stempel der Wahrheit, so daß das ganze Werk als eine illustrirte Ge schichte des Krieges von dauerndem Werthe zu betrachten ist.

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