Ausgabe 
7.1.1871
 
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Graf Beust hält es jedoch für besser, auf weitere Auseinandersetzungen nicht einzugehen. Der Reichs-

kanzler ist geneigt, in der Einigung Deutschlande

unter preußischer Führung einen Akt von historischer Bedeutung, eige Thatsache ersten Ranges zu er⸗ blicken und ein danach anzubahnendes Verhältniß zu beurtheilen. Von diesem Standpunkte könne der Reichskanzler, in Entgegensehung der von der preußischen Regierung angekündigten weiteren Mit- theilungen, schon jetzt bestätigen, daß in allen maßgebenden Kreisen Oesterreich Ungarns der Wunsch vorherrsche, mit dem neuen deutschen Staatswesen die besten freundschaftlichen Beziehun⸗ gen zu pflegen.

Frankreich. Bordeaux. Durch Pariser Balloncortespondenzen vom 28. December wird gemeldet: An verschiedenen Punkten der äußeren Arrondissements von Paris haben Ruhestörungen stattgefunden, indem Volkshaufen Verwüstungen vornahmen. Patrouillen zerstreuten die Ruhe⸗ störer. DasJournal officiel veröffentlicht ein angeblich deutscherseits den Borposten über⸗

gebenes Schreiben, in welchem die Niederlage der

Nord- Armee vom 23. December angezeigt wird. Unterm 30. Dec. wird per Luftballon berichtet: Starke Abtheilungen der sedentären Nationalgarde sind seit gestern consignirt. Die am 29. Dec. begonnene Beschießung des Forte Rosny ist von furchtbarster Wirkung. Für bombenfest gehaltene Kassematten wurden von Kugeln durchbohrt.

Die Regierung in Bordeaux verbreitet folgende Mittheilungen aus dem Bereich des höheren Humors: Bordeaux, 31. Dec. Die Berichte aus Paris sagen: Der Angriff der Preußen auf den Mont Avron wurde ruhmvoll zurückgeschlagen, 78000 Preußen dabei ge⸗ tödtet.(12) Am gleichen Abend gaben die mobilen ein Concert zum Besten der Armen. Paris ist zauberhaft, wiedergeboren, antik.(II) Wenn Jemand wagen würde, von Capitulation zu sprechen, er würde auf der Stelle niedergeschossen werden. Paris kann sich sehr reichlich bis Ende Februar halten.

Ein Erlaß der Regierung vom 2. Jan., unterzeichnet von sämmtlichen Mitgliedern der Regierung, fordert die Landbewohner auf, die jährlichen Steuern, sowie sonstige Leistungen, so⸗ viel als möglich nach den Kräften des Einzelnen im Voraus zu entrichten, um die Regierung bei der Erfüllung der schweren Forderungen, welche der Krieg an sie stellt, zu unterstützen. Die JournaleUnion de l'Quest undAmi des Peuples sind auf 2 Monate suspendirt worden.

Aus Paris melden belgische Blätter unterm 26. Det.: Zahlreiche Bäume werden gefällt, um den Bedürftigen Brennmaterial zu verschaffen. Die Truppen, welche bisher außerhalb der Stadt gelegen haben, sind wegen der Kälte in dieselbe zurückgekehrt.(Es sind 600 Fälle von Er⸗ frierungen vorgekommen.) DemJournal ossi⸗ tiell zufolge bedeutet dies keineswegs das Auf⸗ hören oder eine Unterbrechung der militärischen Operation. Das amtliche Blatt enthält ferner eine Note, welche die Besorgniß der Bevölkerung wegen Mangels an Brennmalerial zu beseitigen sucht. Die Hauptstadt besitze noch im Bois de Boulogne, im Bois de Vincennes, in den Bäumen der Boulevards und auf den Landstraßen inner⸗ halb der Bannmeile hinreichendes Brennmaterial.

Nach einer späteren Ballon-Correspondenz vom 29. December leidet die gesammte Bevölkerung furchtbar von der Kälte. Excesse gegen die Ver⸗ käufer von Brennmatetial wurden mühsam unter- drückt. Der gestrige Tag erwies die Ueberlegen⸗ heit der preußischen Artillerie. Die Besorgnisse vor der Zukunft sind groß

DasJournal officiel vom 28. Dec. melden über die in Paris stattgefundenen Unruhen: An verschiedenen Punkten der Stadt richteten heute Volks haufen starke Verwüstungen an und versuchten die Werfte zu plündern und gewalsam in öffent⸗ liche Gärten einzudringen, um Bäume daselbst zu fällen. Mehrere Personen wurden verhaftet und dem Kriegsgericht überliefert.

Lille, 4. Jan. In dem gestrigen Gefechte iwischen Behagnier und Bapaume siad zwei Ort⸗

schaften vollständig zerstört worden. Die Verluste sollen beiderseits erheblich sein. Genaueres fehlt noch. Peronne wird vom Feinde bombardirt und ist fast gänzlich zerstört. f ö

General Faidherbe telegraphirt hierher: Heute, 3. Januar, Schlacht bei Bapaume von 8 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends. Wir haben die Preußen aus allen Positionen und aus allen Dörfern gejagt. Sie hatten enorme und wir ernste Verluste.(Vergl. diesem französischen Siegesberichte gegenüber die offieiellen Nachrichten aus dem deutschen Hauptquartier.)

In Brest sind aus Amerika 120,000 Ge⸗ wehre(nicht 120,000 Kisten mit Gewehren) und vielen Millionen Patronen angekommen und wurden sofort per Eisenbahn nach dem Innern verbracht.

Belgien Brüssel. Eine Liller Corre⸗ spondenz derIndependance vom 20. Januar beklagt die antipatriotische Haltung der nordfran⸗ zösischen Landbevölkerung, namentlich ihre Herz losigkeit gegen Mobilgardisten und Franctireurs und ihr ungescheutes Sympathisiren mit deutschen Soldaten. Liller Abend- Journale behaupten, Manttuffel begnüge sich mit der erzielten Fern⸗ haltung der französischen Nordarmee von Paris.

Nachrichten aus Lille vom 3. d. zufolge fand zwischen Ervilliers und Achiet(Exvilliers an der Straße von Bapaume nach Arras) gestern ein Gefecht zwischen der ersten Division der Nord⸗ armee und den Preußen flatt. Die Franzosen bemächtigten sich des Dorfes Bebangier, mußten aber dasselbe unter bedeutenden Verlusten wieder räumen. Der Rest der Nordarmee war nicht im Gefecht.

DerNord veröffentlicht eine Pariser Balloncorrespondenz vom 30. Dec. wonach die dortigen Journale, namentlichPatrie und Temps, Trochu anzugreifen beginnen und ver- langen, daß derselbe durch Ausfälle die immer drückender werdende Lage der Hauptstadt beseitige. Vinoy wird als Nachfolger Trochu's genannt. Die Widerstandskraft von Paris scheine zu er⸗ lahmen.

4 Januar. DieEtoile belge erfährt aus Paris, daß die Unruhen am 28. Dec. durch Ausschreitungen des Publikums gegen Holzhändler veranlaßt wurden und nur mit Mühe unterdrückt werden konnten.

Die Pariser Correspondenz derAgence Havas, d. d. 30. Dec, meldet, daß das Ge⸗ rücht über die Demission Trochu's unbegründet sei. Die Einwohner von Rueil und Nanterre sind von der Regierung aufgefordert worden, sich nach Paris zu flüchten, um den preußischen Granatkugeln auszuweichen, da ein Angriff des Feindes auf den Mont Valerien aus den Vorbe⸗ reitungen erkennbar sei. Die Stadt ist noch mit Mehlvorräthen für drei Monate und mit Wein für ein Jahr versehen.

Großbtitannien. London. DieTimes meldet, die Pforte habe gegen das Memoire des Fürsten von Rumänien, welcher sich statt an seinen Oberlehensherrn, den Sultan, an die europäischen Mächte wende, Protest eingelegt. f

Im Gegensatze zu den offiziellen spanischen Depeschen über denenthustastischen Empfang des Königs Amadeus berichten Bankiers Telegramme von einer äußerst gedrückten Stimmung im Lande und von einem eisigen Empfang in Cartagena, trotz der künstlichsten Mittel. Prim's Tod steigert die Furcht in den Städten vor Volksausschreitungen.

DieTimes will von neuen Mitthei⸗ lungen des Grafen Bismarck an den Grafen Bernstorff wissen, wonach deutscherseits eine theil⸗ weise Besetzung Luxemburgs würde eintreten müssen, falls Luxemburg während der Belagerung Long⸗ wy's eine ähnliche Handlungsweise beobachten sollte, wie bei der B lagerung Thionville's. a

DenDaily News wird telegraphisch gemeldet, daß am 29. Dezember General Ducrot im Hauplquartier zu Versailles um die Entsendung eines Genetalstabsofficiers nach Paris nachge⸗ sucht habe. f e DieTimes sagt: Der ametikanische

Bismarck, Jules Favre einen Passirschein zur Conferenz in London an. J. Favre erklärte, er wisse nichts von einer Conferenz und perlasse Paris nicht. 329117

Spanien. Madrid. Das spanische Kriegs- ministerium will einer weitverzweigten Verschwörung gegen alle hervorragende Gegner der Republik auf die Spur gekommen sein. 1.

Das neue Ministerium leistete dem Könige den Eid. Dasselbe besteht aus: Herzog de la Torre,(Serrano), Kriegsminister und Präsident des Ministerratbes; Martos, Auswärtiges; Ulloa, Justiz; Sagasta, Inneres; Moret, Finanzen; Beranger, Marine; Zorilla, Unterricht; Ayala, Colonien. f b

Italien. Florenz. Der König sandte bei seiner Ankunft in Rom dem Papste einen Brief, in welchem er demselben seine Ankunft an⸗ zeigte. Der Ueberbringer des Briefes, Oberst Spinola, wurde von Cardinal Antonelli sehr freundlich empfangen.

Wie aus Rom gemeldet wird, ist der Tiber ins Flußbett zurückgekehrt. Der König hat verfügt, es seien alle für die Empfangsfeierlich keiten bestimmlen Summen den durch die Ueber⸗ schwemmung Beschädigten zuzuweisen.

Amerika. Newpork. Die Staatsschuld hat sich im Monat Dezember um Million Dollars vermindert. Im Staatsschatz waren am 1. Jan. 107¼ Million baar und 30 Million Papiergeld.

Bescheinigung.

Einhundert sechszig Gulden wurden mir von Herrn Bürgermeister Jäger in Münzenberg mit nachstehendem Geleitschreiben übersandt. Ich bescheinige dankend den Empfang und beförderte die 100 fl. nach Vorschrift.

Friedberg den 6. Januar 1871.

Für das Comiis: J. Huber, Rechner.

Aus Anlaß einer an hiesige Einwohnerschaft gerichteten Bitte um weitere Beiträge zur Unterstützung der ver⸗ wunbeten und kranken Krieger, sind bei Unterzeichnetem bis jetzt, laut der zur gefälligen Einsicht offenliegenden Liste, nach welcher sich beinahe sämmtliche Einwohner, mit nur ganz geringer Ausnahme detheiligten, wiederum in recht anerkennungewerther Weise 187 fl. eingegangen. Hiervon wurden von Herrn Pfarrer Henkelmann an das Hülfscomite in Darmstadt 27 fl. gesandt und die übrigen 160 fl. werden hierbei dem Hülfsverein zu Friedberg zu⸗ gestellt, hiervon 60 fl. für das Lazaretb Friedberg, 50 fl. an das Lazateth Bad⸗Nauheim und 50 fl. an das Lazaretbh Butzbach abgeben zu wollen.

Münzenberg den 3. Januar 1871.

Jäger, Bürgermeister.

Original-Aecension über dieVictoria.

Die im Verlage der Buchhändler⸗FirmaVictoria⸗ Verlag in Berlin erscheinende illustrirte Muster⸗ und Mobezeitung:Victoria(Abonnements⸗Preis 1 fl. 12 kr. pro Quartal) ist bis jetzt mit jedem Jahre höher in der Gunst des Publikums gestiegen. Jeder Unpartheiische wird sagen mit vollem Rechte, denn Alles, was dieses vortrefflich rebigirte Journal bringt, zeugt von einem auserlesenen Geschmacke und verbindet mit der Schönheit zugleich eine anerkannte Nützlichkeit. Die Illustrationen, wie sämmtliche Musterzeichnungen, siud von enischledenem Werthe und lelsten den Damen in allen Ständen nicht doch genug zu schitzende Dienste. Besonders hervorzuheben find die prachtvollen colorirten Mobekupfer, welche den Beweis liefern, daß wit auch hierin Paris den Rang abgelaufen haben. Zugleich bietet das mit der Mode⸗ zeltung vereinte Unterhaltungsblatt Aufsätze, die sich über de gewöhnliche Literglur novellistischer Gattung durch die Gediegenheit ihres Inhalts und die Eleganz ihres Styles erheben, außerdem noch, daß sie moralisch belehrend sind und nach Vereblung des Herzens und Bildung des Geistes der Leserinnen streben. Erlaubt etz der uns knapp zu⸗ gemessine Raum in diesem Blatte auch nur die Victoria mit kurzen Worten zu emßfehlen, so wird doch das Wenige hinreichend sein, um das Interesse unserer Lese⸗ tinnen für dieses vorzüglichste aller Damen Journale, dessen Preis noch obendrein sehr billig gestellt ist, auf's Neue zu erwecken.(Hamburger Novellenzeitung.)

Bei den Unterzeichaeten ist zu haben:

Kutschke⸗Marsch

ven H. F. Peter für Pianoforte. Preis: N kr. Der Ertrag ist für die Verwundeten und die Frauen und Kindtt unserer unbemittelten Wehrlteute bestimmt.

Gesandte in Paris bot, veranlaßt durch Graf

Bindernagel& Schimöff.

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