III
Samstag den 5. August.
M 91.
berhessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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Für die Monate August und September kann auf den„Oberhessischen Anzeiger“ bei der Verlags-Expedition mit 20 kr., bei den Poststellen mit 32 kr. abonnirt werden.
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Um vorgekommenen unangenehmen Mißverständnissen und Irrungen, welche bei mündlichen Bestellungen von Inseraten leicht entstehen können, für die Folge vorzubeugen, bitten wir Inserat-Aufträge nur schriftlich aufgeben zu wollen.
Die Expedition.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Finanzausschuß der zwei⸗ ten Kammer, welcher über die Vorlage der Re- gierung in Betreff der Erhöhung des Staats- zuschusses für das Polßtechnikum zu berichten hat, wird am 4. d. M. zusammentreten.
— Bon der großherzoglichen Handelskammer dahier wird mitgetheilt, daß nach einem Beschluß des Bundesraths des deutschen Reiches Darmstadt und Bessungen in Bezug auf die Wechselstempel- steuer als Ein Platz betrachtet und mithin An— weisungen, welche in Darmstadt ausgestellt und in Bessungen zahlbar find, oder umgekehrt, den Platzanweisungen gleichgeachtet und demgemäß von der Stempelabgabe befreit werden sollen.
— Am 1. d. wurde bei den hier garniso⸗ nirenden Regimentern eine nicht unbedeutende An- zahl Mannschaften in Urlaub entlassen; eine bei der überall bevorstehenden Ernte doppelt erfreu⸗ liche Maßregel.
“Friedberg. Gutem Vernehmen nach ist nunmehr die Eisenbahnlinie Friedberg⸗ Homburg gesichert und der Bau alsbald bevor- stehend.— Auch bezüglich der Linie Alsfeld- Hersfeld, die mit der Bahn Alsfeld-Fried⸗ berg in enger Verbindung steht, sollen die Ver— handlungen mit einer namhaften Gesellschaft zum Abschluß gediehen sein.
* Friedberg, 4. Aug. Heute begehen wir den Jahrestag der Schlacht bei Weißenburg, der kommende Sonntag, der 6., ist der Tag von Wörth und Spicheren. Mit den aufrichligsten Gefühlen des Dankes und in freudig gehobener Stimmung gedenken wir heute des Heldenmuthes und der Tapferkeit unserer deutschen Heerführer und Soldaten, welche einen mächtigen und über- müthigen Feind von der Grenze unseres schönen deutschen Vaterlandes siegreich zurückschlugen. An diesen Tagen, sagt die„Prov.⸗Corresp.“, erfolgten jene ersten gewaltigen Schläge, welche schon für sich allein ausreichten, den Ruhm der deutschen Waffen zu verewigen, obwohl sie nur noch glän— zenderen und durchgreifenderen Erfolgen zur Ein⸗ leitung dienten. Durch die Kämpfe von Weißen- burg, Wörth und Spicheren wurde zwar das Geschick des Krieges noch nicht besiegelt, wohl aber trat die Ueberlegenheit der deutschen Heeresführung über tie französische in allen Eigenschaften zu Tage, velche sich im Laufe eines langen und schwierigen Feldzuges stets bewährten, und, in Verbindung mit der Tapferkeit und Ausdauer unserer Truppen, den Sieg unablässig an die Fahnen Deutschlands fisselten. Indessen waren jene ersten Erfolge nicht bloß ehrenvoll für die deutschen Waffen: sie brachten der Sache des Vaterlandes auch noch einen höheren Gewinn. Durch eine glückliche zügung hatten an der ersten heißen Arbeit des Krieges die Truppen Nord- und Süddeutschlands, unter der Führung des Kronprinzen zur III. Armee bereinigt, einen gleichen Antheil. In gleicher Hin— gebung und Begeisterung kämpften bei Weißenburg und Wörth die Stammesbrüder aus Süd und Nord; neidlos wurde auf beiden Seiten der Hel—
denmuth der Genossen anerkannt, und Allen war es die höchste Freude, daß der Glanz des erkämpften Ruhmes auf das ganze Vaterland fiel und dem ganzen Vaterlande zu gute kommen sollte. Die freudige Vorahnung, welche gleich bei der gemein- samen Erhebung des Landes zur Abwehr des Feindes durch die Herzen des Volkes ging, wurde durch die Feuertaufe und die Siegesweihe der Augusttage zur unumstößlichen Gewißheit: die heilige Sache der deutschen Einheit war gewonnen.“
Berlin. Der„Prov-⸗Correspondenz“ zufolge steht in Aussicht, daß die Vorschläge für die gleichmäßige Aufbesserung der Gehalte der Be— amten von den untersten Stufen an bis zu den Ministerialräthen, soweit die Mittel irgend ver— fügbar sind, in dem nächsten Staatshaushalts— entwurf eine Stelle finden werden.
— Dem Erzbischof von Köln ist einer Ber— liner Correspondenz der„Magdeb. Ztg.“ zufolge in Folge seines Verfahrens gegen mehrere Pro- fessoren in Bonn die Schließung der dortigen katholisch⸗therlogischen Fatultät seitens der Staate⸗ dehörde in Aussicht gestellt.
— An der höchsten militärischen Stelle des deutschen Reichs ist, wie versichert wird, die Ab— sicht vorhanden, daß eine Rang- und Quartier- liste für das Heer des deutschen Reichs erscheinen soll, welche in einem Bande das Verzeichniß sämmtlicher Offiziere und im Ofsiziersrange stebenden Beamten des Heeres und der Marine enthalten wird. Den einzelven Staaten bleibt es über— lassen, daneben derartige Listen für ihren engeren Verband herauszugeben.
— Nachdem der Rücktransport der franzö— sischen Kriegsgefangenen nunmehr seit etwa acht Tagen beendet, befinden sich an solchen nur noch Kranke und Inhaftirte innerhalb der Grenzen des deutschen Reiches. Zahl der ersteren belief sich vor Kurzem auf 4 Offiziere und etwa 800 Mann; eine längere oder kürzere Strafe auf preußischen(deutschen) Festungen zu verbüßen, mußten 10 Offiziere und etwa 70 Mann diesseits zurückgehalten werden.
— Wie die„Kreuzzeitung“ hört, würde eine Begrüßung des Kaisers Wilhelm mit dem Kaiser von Oesterreich weder in Salzburg noch in Ga— stein, wohl aber möglicherweise in Ischl stattfinden.
—„Zur katholischen Frage“ schreibt die mi— nisterielle„Provinzial⸗Correspondenz“:„Was die preußische Regierung betrifft, so hat sie, ungeachtet ihrer lebhaften Bedenken gegen die Concilsbeschlüsse, dennoch im Vertrauen auf den gesunden Sinn unseres Volkes und auf die festgegründete Kraft unseres Staatswesens die Glaubensfreiheit der
Katholiken auch in diesem Punkte nicht beinträch-
tigt; sie hat keinem Bischof, keinem Geistlichen oder Lehrer an ihrem Theile ein Hinderniß be— reitet, die Lehren des Coneils zu verkündigen. Nur
das hat sie abgelehnt, katholische Lehrer, welche
sich in ihrem Gewissen verhindert finden, den Be— schlüssen des Coneils Geltung zuzuerkennen, durch Mitwirkung des weltlichen Armes zur Verkündi— gung von Lehren zu nöthigen, durch welche, nach
der Ueberzeugung der Regierung selbst, nicht bloß eine wesentliche Aenderung des Glaubensstandes, sondern zugleich eine tief greifende Veränderung in der Gesammtstellung der katholischen Kirche zum Staate eingetreten ist. Es handelt fich für die Regierung nicht um die Anerkennung eines Glaubens- satzes als solchen—, das überläßt sie der Ge— wissens- und Glaubensfreiheit der einzelnen Katho— liken—, sondern darum handelt es sich, ob sie im Bereiche ihrer gesetzlichen Mitwirkung eine Lehre unterstützen soll und darf, welche sie für das Verhältniß zwischen Staat und Kirche ver— derblich erachtet.“
— Das Vereinsgesetz des deutschen Reiches, über welches sich der Bundesrath geeinigt hat, ist im Wesentlichen dasselbe, welches in Preußen sich in Geltung befindet. Versammlungen, denen demon- strative Zwecke zu Grunde liegen, Massenaufzüge und dergleichen werden nach Emanation des neuen Bundesgesetzes für den Fall, daß es in der Form der Vorlage die Zustimmung des Reichstages findet, im ganzen Reiche von den Polizeibehörden verhindert werden.
— Der„R.⸗A.“ publieirt das Gesetz vom 14. Juli 1871, betr. die Quartierleistung für die bewaffnete Macht und die Naturalverpflegung der Truppen im Frieden, welches in Elsaß-Lothringen Geltung erlangt; sowie ferner für das neue Reichs- land eine Bekanntmachung vom 27. Juli d. J. zur Ausführung des Gesetzes vom 14. Juli 1871, betreffend die Einführung des deutschen Reichs- gesetzes über die Wechselstempelsteuer vom 10. Juni 1869.
Königsberg. Der„Ostpreuß. Ztg.“ zu⸗ folge ist am letzten Freitag der Polizeibehörde der erste Cholerafall gemeldet worden. Der Er— krankte ist ein polnischer Jude. Bis Sonntag
Die täglich abnehmende
Mittags war die Zahl der angemeldeten Fälle auf drei gestiegen. Zwei der Erkrankten sind be— reits mit Tod abgegangen.
Ems. Der Kaiser reiste am 1. d. Nach- mittags 3½ Uhr unter unaufhörlichen Hochrufen einer zahlreich versammelten Menschenmenge mit⸗ telst Separattrain nach Coblenz ab; der Kaiser sah sehr wohl und heiter aus, grüßte fortwährend, mit der Hand winkend aus dem Wagenfenster, bis der Zug außer Sicht war.— Während der Monate Mai, Juni und Juli waren nicht weniger als vierzig fürstliche Personen aus den verschie- densten Regentenfamilien Europas zu längerem oder kürzerem Aufenthalte hier anwesend. Die Ge- sammtziffer der Kurgäste beträgt jetzt über 11,600.
Dresden. Dem„Hann. Cour.“ wird be⸗ richtet, daß der Cultusminister v. Falkenstein dem apostolischen Vicar, Titularbischof Forwerk, auf sein Gesuch, die Constitution, welche die päpstliche Unfehlbarkeit ausspricht, auf öffentlichem amtlichen Wege der katholischen Geistlichkeit des Königreichs Sachsen zur Kenntniß bringen zu dürfen, eine abschlägige Antwort ertheilt hat. Der Minister soll dieselbe in sehr entschiedener Sprache gegeben und unter Anderem bemerkt haben: daß er sich zu einer solchen(in Sachsen vom Gesetz erfor⸗


