Ausgabe 
2.11.1871
 
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Gefecht von Montlivault stattgehabt haben sollen, in Verbingung bringen zu müssen glaubt.

1 Bad-Naubeim. Am 28. Oct. fand die in diesem Blatte schon erwähnte Versammlung der hiesigen Bürgerschaft statt, um zu berathen, was für Schritte zu thun seien, um rechtzeitig die Verhältnisse zu regeln, die durch die Aufhebung der Spielbank im nächsten Jahre herbeigeführt werden. Unser Landtagsabgeordneter, Hofgerichts⸗ advocat Curtman, und mehrere Beamte waren

zugegen und nahmen lebhaften Theil an den Ver⸗

handlungen. Nach längerer Debatte einigte man sich dahin, daß durch unseren Abgeordneten eine Interpellation in der Kammer an die Regierung erichtet werden solle, um zu erfahren, in welcher Weise die großh. Staatsregierung unser Bade Etablissement nach Aufbören des Spiels zu be⸗ treiben gedenke und auf welche Weise die Mittel hierzu aufgebracht werden sollen. Der Vorschlag, einem Comite aus Mitgliedern des Gemeinderaths und der Einwohnerschaft die weitere energische Betreibung der für alle Nauheimer so hochwich⸗ tigen Angelegenheit in die Hand zu geben, wurde verworfen, dagegen der Antrag zum Beschluß er hoben, den Gemeinderath mit der Weiterführung der Verhandlungen zu betrauen.

Berlin, 30. Oct. Reichstag. Erste Be- rathung des Etatsgesetzes pro 1872. Minister Delbrück erklärt: der Etat unterscheide sich nicht unwesentlich von dem des norddeutschen Bundes. Die Vorlage sei der Ausdruck der Neugestaltung des Reiches durch den Eintritt der Söddstaaten und der Wiedervereinigung von Elsaß⸗Lothringen. Der Reichsetat sei möglichst unabhängig von dem Etat der Bundesstaaten hingestellt. Hierauf be leuchtet der Minister einzelne Positionen und weist nach, wie der bisherige Zustand des Bundes- finanzwesens Mißstände mit sich führte, da der Bund ohne Vermögen und auf den Ertrag der Zölle und gewisser Steuern angewiesen war, welche felten vor dem Fälligkeitstermin eingegangen seien, so daß der Bund zur Aufnahme von Vorschüssen Seitens der einzeinen Staaten genöthigt war. Es soll daher dem Reiche für die erste Zeit des Etatsjahres ein Betrag aus den Kriegscontribu⸗ tionen zur Verfügung gestellt werden, welcher der Höhe der eingehenden Steuern und Zölle etwa entspricht, der sich aber jetzt noch nicht genau be⸗ stimmen läßt. Die Regierung beantragt ferner die Errichtung eines eisernen Betriebsfonds für die Militärverwaltung und empfiehlt deshalb, den Reichskanzler zur Ausgabe von Schatzanweisungen bis zu 8 Millionen Thalern zu ermächtigen. Wedell befürwortet die Regierungsvorlage. Greil findet, daß der Militäretat zu hoch sei und spricht sich gegen Errichtung eines Betriebsfends aus. Lasker erklärt sich gegen Greil's Ausführungen; derselbe begrüßt die Emancipation des Reichs⸗ haushalts von der Finanzverwaltung als etwas Erfreuliches, spricht jedoch seine Bedenken gegen die anwachsenden Ausgaben für Militärzwecke aus. Staatsminister Delbrück antwortet auf verschiedene Monita Lasker's, bezüglich der Pension der In- validen seien die Regierungen noch nicht schlüssig, er könne deßhalb keine Auskunft geben. Betreffs der Gehaltserhöhung der Beamten theilt Staats⸗ minister Delbrück mit, daß dieselben auch auf Unterbeamte ausgedehnt würden. Die einzelnen Vorschläge sollten nächste Woche vorgelegt werden. Gegenüber einigen Bemerkungen Lasker's erklärt Kriegsminister Roon: Es sei richtig, daß an den nächsten Militäretat erhöhte Anforderungen ge macht werden sollten; für erhöhte Kriegsbereit schaft könne die Nation auch in erhöhtem Maße in Anspruch genommen werden. E. Richter er klärt: Er und seine Parteigenossen würden Ab⸗ striche am Pauschquantum machen.

821. Oct. Reichstag. Auf der Tages⸗ ordnung steht die erste und zweite Berathung des Gotthardbahngesetzes. Staatsminister Delbrück erinnert daran, wie die Lage heute ungleich besser sei, als bei der ersten Einbringung des Gesetzes in der vorigen Session. Das italtenische Parla- ment habe inzwischen die Subvention genehmigt. Die Bildung der Gesellschaft sei vollendet und gewähre eine ausreichende Garantie. Das Zu

Schweiz und Italien getroffenen Abkommens un-

standekommen hänge von der Genehmigung, des Reichstages ab. Der Ratificationstermin sei bis

weitere Verlängerung sei wegen des zwischen der

möglich gewesen, doch bleibe dem Reichstag das Recht den Gesetzenlwurf abzulehnen gewahrt. Hierauf wird die Vorlage in erster und mit einer unwesentlichen redactionellen Aenderung des§. 1. auch in zweiter Lesung angenommen.

Auf die an den Kaiser gerichtete, von ultramontaner Seite indeß beharrlich in Abrede gestellte Immediat-Vorstellung der deutschen Bi schöse ist nunmehr vor einigen Tagen zu nächst eine kurze Bescheidung von Seiten des Kaisers ergangen, nach welcher eine eingehendere Beantwortung der Immediat-⸗Vorstellung und zwar mit Rücksichtnahme auf die dort entwickelten staats- rechtlichen Auffassungen zu erwarten ist.

Der Bürgermeister der Stadt Chicago hat folgendes Telegramm an den amerikanischen Consul Kreismann in Berlin gerichtet:Ich erhalte so eben Ihre Depesche über die Absendung weiterer 10,000 Dollars für unsere Stadt. Daß der Himmel den Kaiser, den Kronprinzen und Berlin segnen möge, ist das innige Gebet unserer schwer heimgesuchten Bevölkerung.

Am 28. Oct. wurde der Beitrittsvertrag des deutschen Reiches zum Got thardbahn⸗Vertrage vom Fürsten Bismarck, dann von Graf Launay für Italien und Oberst Hammer für die Schweiz unterzeichnet. Die Ratificationen sollen zu Bern am 31. Oct, ausgewechselt werden.

Wie dieEms Ztg. berichtet, werden gegenwärtig zwischen der preußischen und olden⸗ burgischen Regierung Verhandlungen gepflogen, um das kleine oldenburgische Fürstenthum Birkenfeld gegen den Hümmling auszutauschen.

Den Abgeordneten des Reichstags wurde dieser Tage eine artige Ueberraschung bereitet. Jeder Einzelne fand nämlich auf seinem Platz eine kostbare, in echten Safsian gebundene Schreib mappe, gefüllt mit den theuersten Schreibmaterialien, den Reichsadler und den Namen des betreffenden Abgeordneten in Golddruck auf der Oberseite ein- geprägt vor.

München. Wie in unterrichteten Kreisen versichert wird, sind die Zeitungsnachrichten über die Entschließung der Regierung betreffs Ueber- lassung der Studienkirche an die Allkatholiken sämmtlich ungenau. Die Regierung hat in dieser Sache noch keine Entscheidung getroffen, sondern zunächst die Kreis regierung von Oberbayern be⸗ auftragt, hierüber Bericht einzusenden. f

Nach derAllg. Zig. werden die baye⸗ rischen Bischöse demnächst in Bamberg zusammen⸗ kommen, um sich über die Haltung, welche ste in Folge der ministeriellen Erklärung vom 14. v. M. zu beobachten gedenken, zu verständigen, nachdem im Correspondenzweg die Einleitungen dazu be⸗ reits getroffen sind.

Erlangen. In einer zahlreich besuchten Altkatholikenversammlung wurde die Gründung eines Vereins zur Unterstützung der katholischen Reformbewegung beschlossen.

Karlsruhe. Am 29. Oct. wurde in allen evangelischen Kirchen des Landes das Jubiläum des 50 jährigen Bestandes der evangelischen Kirchen⸗ vereinigung in Baden gefeiert.

Kehl. Die für Kehl bestimmte Gesammtent⸗ schädigungssumme soll für Stadt 900,000 fl., für Dorf 50,000 fl. betragen

Ausland.

Oesterreich. Wien. Die amtlicheWiener Zeitung enthält ein kaiserliches Handschreiben an den Grafen Hohenwart, in welchem der Kaiser die Genehmigung der an ihn gestellten Bitte um Enthebung vom Amle ertheilt und dem Grafen, sowie den Ministern Havietinek, Schäffle und Jirececk seinen Dank für ihre mühevolle Ausdauer und Hingebung ausspricht. Dem Handschreiben an den Grafen Hohenwart sind Handschreiben an Habietinek, Schͤffle und Jirecek beigeschlossen,

zum 31. Oct. 1871 verlängert worden. Eine

schreiben überträgt dem Freiherrn v. Holzgethan unter Belassung in seiner Stellung als Finanz- minister bis zur Neubildung des Ministeriums

des Ministeriums

der einstweiligen 1 N ehli, des Cultus Fiedler,

Innern wird Ritter v.

v. Wiedenfeld, des Ackerbaues Ritter Pessinger beauftragt. 9

Frankreich. Paris. DasJournal officiel veröffentlicht eine Uebersicht der Erträg⸗ nisse aus den indirecten Steuern und Einkünften aus dem Staatseigenthum während der ersten neun Monate des Jahres 1871. Hiernach be⸗ tragen die Einnahmen in diesem Zeitraum 872 Millionen, während das rectificirte Budget pro 1871 1200 Millionen für das ganze Jahr ver⸗ anschlagt. Die Einkünfte der directen Steuern betrugen im ersten Semester d. J. die Summe von 215 Millionen, im Staatsvoranschlag sind dieselben mit 568 Millionen für das ganze 15 angesetzt.

DemDaily Telegraph wird von feinem Pariser Correspondenten geschrieben:Die Armee wird in neun Corps oder in eben so viele Mili⸗ tärdivisionen getheilt, deren Hauptquartiere in Paris, Versailles, Rouen, Chalons, Lyon, Mar- seille, Bourges, Lille und Rennes sein werden. Die Truppen sollen nicht, wie bisher der Fall gewesen, in den großen Städten, sondern in stehenden Lagern in der Nähe des Centrums ihrer Dipisionen einquartiert werden. Nach der Drill

laub in die Heimath entlassen werden. Für die Vertheidigung von Algier soll ein Extra-Corps von 45,000 Mann aus Freiwilligen der Armee gebildet, und die algierischen Truppen nicht zum Dienst in Frankreich herangezogen werden. In diesem Lande selber soll das Militärcorps nur im Kriegsfalle beweglich sein.

Der Präsident der Republik hat folgende Depesche von dem Präfecten der Cote d'Or er halten:Dank Ihren patriotischen Anstrengungen sah Dijon soeben die letzten deutschen Soldaten, die es besetzt gehalten, abziehen. Die Bevölke- rung hat sich sehr würdig gezeigt; kein Schrei wurde ausgestoßen. Die Stadt wird heute Abend illuminiren. N

Versailles. Wie man versichert, wird die Regierung der Nationalversammlung bei der Wieder- aufnahme der Sitzungen einen Gesetzentwurf, be treffend die Militär-⸗Reorganisation, vorlegen.

Großbritannien. London. Einem Tele⸗ gramm desDaily Telegraph zufolge hat Thiers es bestimmt abgelehnt, die französischerseits ge⸗ stellten Forderungen bezüglich des Handelsvertrages zu modificiren, und dem Handelsministerium die nöthigen Mittheilungen zugehen lassen.

Italien. Rom. Der italienische Gesandte der französischen Regierung, Hr. Nigra, ist in Rom eingetrossen. Wie man hört, soll er zurückberufen worden sein, weil Frankreich noch immer keinen Gesandten beim italienischen Hof beglaubigt hat.

Donaufürstenthümer. Bukarest. Bei der durch den Fürsten vorgenommenen Eröffnung der Kammern versprach die Thronrede Vorlagen zur Verbesserung sämmtlicher Verwaltungszweige, die Vorlage der mit Oesterreich abgeschlossenen Telegraphenconvention, der Postconvention mit Rußland, sowie sämmtlicher die Eisenbahnfrage betreffenden Acten.

Amerika Newyork. Dem Präsidenten Grant ist eine von 2500 Frauen Uthas unter⸗ zeichnete Petition überreicht worden, welche die Executiv- Gewalt auffordert, gegen eine Clique von Bundes Offizieren einzuschreiten, welche nur die Absicht hegen, ihre ehrlose, strebsame und glückliche Gemeinde zu zerstören. Die Petentinnen erklären sich mit dem Princip der VBielweiberei durchaus einverstanden.

In Santo Domingo wurde die Armee Cabral's von den Streitkräften des Präsidenten Baez angegriffen und geschlagen. Cabral und Stab entgingen mit genauer Noth der Gefangen

durch welche die Genannten ihrer Ministerposten

enthoben werden. Ein weiteres kaiserliches Hand⸗

nahme. Cabral organisi tte jedoch wieder seine Armee, griff Baez's Truppen an und eroberte die

interimistisch den Vorsitz im Ministerrathe. Mit ums des

der Justiz Freiherr von Miltis, des Handels

saison soll ein Drittel der Mannschaften auf Ur⸗