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Diese Nacht Brand in Kehl Dorf und Stadt. Kehler Bahnhof abgebrannt. Wäbrend der Nacht große Brände in Straßburg; von 4 Uhr an Kanonade schwach.
Vor Straßburg, 27. Aug. Beschießung gestern Mittag mit großer Energie wieder auf⸗ genommen. Ganzen Mittag Brand in Straß⸗ durg. Um Mitternacht ganze Gegend vom Brande erhellt. Morgens 3 Uhr zeigen große Feuergarben an mehreren Stellen den Fort⸗ schritt des Brandes. Beschießung ununterbrochen fortgesetzt. Morgens 5 Uhr sieht man krotz eingetretener Tageshelle auf zweistündige Ent⸗ fernung die Flamme. Mehrere Verwundete, worunter 2 badische Hauptleute, eingebracht.
Kehl. In Folge der völkerrechtswidrigen Beschießung unserer offenen unbefestigten Stadt war auf den 23. Abends 8 Uhr, da die Batterien nun fast alle fertig waren, ein Bombardement auf die Festung Straßburg anbefohlen. Mit dem Schlage 8 Uhr begann das Feuer rings um die Fistung. Der Erdboden dröhnte, es war meilen⸗ weit durch die Nacht vernehmlich, und nicht lange dauerte es, so loderte in Straßburg ein Feuer nach dem andern auf. Es war ein furchtbar schönes Schauspiel. Von den mächtigen Flammen hell beleuchtet, trat der altehrwürdige Münster
majestätisch aus dem Dunkel der Nacht hervor;
in weiten, hohen Bogen flogen die Bomben un— aufhörlich, einen Feuerstreifen zurücklassend, durch die schwarze Luft und krachend fielen sie in die Stadt. Von der Festung aus wurde unser Feuer, welches immer stärker wurde und die Luft erzittern machte nur schwach erwiedert, dagegen war das Hülferufen und Sturmläuten von der Stadt her weit vernehmbar.
Hessen. Darmstadt. Die von der Firma J. Hilß in Eberstadt ausgesetzte Prämie von 100 fl. für das erste von einem Soldaten unserer Division hierher eingelieferte Chassepotgewehr wurde an den im Darmstädter Reservelazareth als schwer verwundet liegenden Corporal Ludwig Horn aus Nackenheim, Kreis Oppenheim, lt. Quittung aus- bezahlt. Das Gewehr wurde am 18. d. bei Verneville erobert.
— Major Gerlach vom 4. Ersatz-Bataillon wurde zum Commandeur des 1. Jäger- Bataillons, Hauptmann Stock zum Major und Commandeur des 4. Ersatz⸗Bataillons und Hauptmann Ramstädter zum Major des 1. Bataillons 2. Infanterie-Regiments ernannt.
§ Friedberg, 29. Aug. Am 27. d. M. trat die zweite Kammer zur Berathung des Ge— setzesentwurfs über die Darlehnskassen zusammen. Die Abgg. Bamberger, Dumont, Wernher und Kraft bekämpften denselben aufs Schärfste, theils weil sie das Bedürfniß zu einer solchen Aus nahmsmaßregel nicht anerkannten, theils weil sie das ganze Institut für unpraktisch und die Aus gabe neuen Papiergeldes für gefährlich hielten. Der Ministerpräsident v. Dalwigk, die Abgg. Edinger, Fink, Volhard, Kempff und K. J. Hofmann traten dagegen mit großer Wärme für den Gesetzesentwurf ein und stützten sich hiebei auf eutsprechende Erklärungen des Handels und Gewerbestandes zu Offenbach, Mainz, Darmstadt und Worms. Daß übrigens nicht bloß Handel und Gewerbe von den fraglichen Kassen profitiren werden, bewies eine Eingabe der Sparkasse zu Mainz, welche ein Darlehn von 200,000 fl.(gegen Cession von Hypotheken) ver⸗ langt. Der Gesetzesentwurf wurde hierauf mit allen gegen 8 Stimmen(abgesehen von der Ab— stimmung über einzelne Artikel) angenommen und die Summe der auszugebenden Kassenscheine auf 1,500,000 fl. gesetzt. Dem Vernehmen nach wird nur in Darmstact eine Hauptkasse und in Offenbach, Mainz, Worms, vielleicht auch Bingen eine Agentur errichtet.— Der zweite Gegenstand der Berathung war die Erle— digung des Lehrerpensionsgesetzes. Auf drin— gende Empfehlung von Metz, Kritzler und Curtman werden die Differenzpunkte zwischen erster und zweiter Kammer fallen gelassen, und
steht die Publikation und Inkraftsetzung des Ge⸗
setzes in nächster Aus icht. * Friedberg, 29. Aug. Des Großherzogs
K. H. war vorgestern wiederum längere 1 in
dem hiesigen Lazarethe anwesend und unterhielt
sich aufs Wohlwollendste und Freundlichste mit den einzelnen Verwundeten. Gestern begab sich derselbe nach Nauheim, besuchte dort gleichfalls die Lazarethe und stattete sodann der zur Pflege ihres schwer verwundeten Sohnes daselbst weilenden Gräfin Bismarck einen Besuch ab. Heute begab sich S. K. H. nach Niederweisel und Butz⸗ bach, um auch die dort befindlichen Verwundeten mit einem Besuche zu beehren und Einsicht von den dortigen Lazaretheinrichtungen zu nehmen.
* Friedberg. Bei einem dieser Tage dahier eingetroffenen Transporte französischer Gefangenen zeigte sich ein Theil derselben schon auf der Fahrt von Frankfurt hierher so widerspenstig und auf— lehnend, daß die Eskorte durch Jäger des hiesigen Bataillons verstärkt werden mußte. In Gießen angekommen, machte der Unteroffizier der Eskorte dem dortigen Etappenkommissär die betreffende Meldung mit dem Bemerken, die Mehrzahl der Gefangenen sei mit Messern bewaffnet. Der Etappenmajor v. Randow verlangte die augen- blickliche Auslieferung der Messer und so kamen denn nicht ohne einiges Sträuben etwa 20 Taschenmesser zum Vorschein, die von der Com- mandantur zurückbehalten wurden. Auf die Frage, wie die Messer in die Hände der entwaffneten Gefangenen gekommen seien, erwiderten die Turkos⸗ Unteroffiziere: ihre eigenen Messer seien ihnen bei der Gefangennahme abgenommen worden, aber im Lazareth in Frankfurt habe die Baronesse R. ihnen neue gegeben. Man erwartet eine strenge Unter- suchung dieser Angelegenheit, welche die in se vielen Beziehungen schon beanstandete Thätigkeit unserer vornehmen Damen für die Bedürfnisse und Pflege der gefangenen und verwundeten Feinde aufs Schärfste zu Überwachen mahnt.
Gießen. Als ein weiteres, nicht, un⸗ wichtiges Zeugniß für die von der„Kölnischen Zeitung in Aussicht gestellte Untersuchung über die Plünderung in Remilly darf, zur Reinigung des 2. großh. hessischen Infanterie Regiments, folgender Brief eines Einjährigen gelten, zu dessen Veröffentlichung dessen hoch⸗ achtbarer Vater die Ermächtigung gegeben hat: „Von Forbach ging unser Marsch unter ab— wechselnden Regen nach Kammern(la Chambre), von da den folgenden Tag nach Fletringen (Flétrange), von welchem Orte aus wir am 25. nach Remilly bei Metz marschirt sind.“— —„Hier in Remilly, welches ein Sommer⸗ aufenthalt für reiche Metzer zu sein scheint, liegen wir in einem Hause, welches wir in einem unbeschreiblichen Zustande vorfanden. Einer reichen Familie angehörend, fanden wir Alles erbrochen und umhergestreut, den Keller geplündert und überall Spuren eines wüsten Gelages. Doch faud sich eine genügende An⸗ zahl guter Betten, und nach einigem Aufräumen haben wir uns comfortable, beinahe elegant, einlogirt, jedoch nicht, ohne vorher von dem Zustande Anzeige zu machen, in dem wir das Haus fanden.“ Offenbar eine ganz unbefangene, ohne alle Tendenz gegebene Nachricht.
Mainz. Die widerliche Erscheinung der Schlachtfelddiebe, von denen in den letzten Tagen wieder eine Anzahl hier mit Sack und Pack an⸗ kamen, wiederholt sich noch immer, obschon die Feldjustiz in der letzten Zeit energischer geworden ist. Nach übereinstimmenden Angaben einiger Augenzeugen baumelten in den letzten Tagen an den Wegen durch einen Wald bei Metz die Leichen von nicht weniger als 15 solcher Ver⸗ worfenen.
Preußen. Berlin. Die Gesammtkopf⸗ zahl der jetzt nach vollständig abgeschlossener Mobilmachung feldbereiten deutschen Armeen be— läuft sich auf 1,500,000 Köpfe.
— Vor vem Kriegsgerichte in Paris stand der Spionage angeschuldigt ein angeblich früherer preußischer Lieutenant Karl Hardt vom 64.
Inf.⸗Regt., den man in Orleans festgenommen.
Derselbe ist nach Pariser Berichten 1 de verurtheilt und bereits füsilirt worden. 9 ist nun von hieraus festgestellt, daß es im genannten Regiment nie einen Lieutenant dieses Namens gegeben habe. Man hat es höchst wahrscheinlich hier nur mit einem französischen Humbug
— Der„Staatsanzeiger“ schreibt: Das ge Hauptquartier wird jetzt bereits in St. Dizier (Champagne) sein. Der„Staatsanzeiger“ con- statirt neue Beläge von Verletzungen der Genfer Convention. Am 18. August wurde bei Grave; lotte fortgesetzt auf das Sanitätspersonal des ersten pommer' schen Grenadierregiments geschossen, so daß die Rückwärtsverlegung der Verbandstelle
nöthig wurde, nachdem ein Oberstabsarzt und
drei Hülfskrankenträger verwundet worden waren. Der„Kreuzzeitung“ zufolge ist die Bildung neuer
Reservetruppen angeordnet, am Rhein unter dem
Großherzog von Mecklenburg, bei Berlin unter Canstein und bei Glogau unter Löwenfeld. Frankfurt. Der Veren zur Verpflegung Verwundeter auf dem Schlachtfelde entwickelt eine erstaunliche und rühmliche Thätigkeit. 20 Waggons sind von dem Verein schon abgeschickt worden, worin sich 600 Betten, Tausende von Flaschen mit Selterser Wasser und Wein, 100,000 Cigarren, mehrere hundert Paar warme Schuhe, Verband— zeug und eine Menge von chirurgischen Instru⸗ menten befanden. a Bayern. München. Aus der Augs⸗ burger Kanonengießerei ist in den letzten Wochen eine größere Anzahl von Mitrailleusen hervor- gegangen. Man hat die Construktion derselben durch die Vergrößerung des Streukegels insofern zu verbessern gesucht, daß die Geschosse nun eine weniger gleichmäßige Flugbahn nehmen. Es ist wahrscheinlich, daß diese fürchterlichen Mord⸗ maschinen noch in dem gegenwärtigen Kriege gegen die Franzosen ihre Probe zu bestehen haben. Baden, Karlsruhe. Die„K. Z.“ schreibt: Die traurige Aufgabe, von französischen Barbareien zu berichten, ist leider nicht beendigt. Während vom Kriegsschauplatze in Lothringen fast jeder Tag empörende Meldungen über die gefühllose Verhärtung gegen alle Pflichten der Menschlichkeit bringt, mit der Franzosen auf unsere Verwundete und Verbandplätze schießen, erfahren wir aus Straßburg von einem Vorgange, dem wir gern unsern Glauben versagen möchten. Heute vor acht Tagen wurden mehrere deutsche Arbeiter aus Straßburg ausgewiesen. Dieselben haben bei ihrer amtlichen Vernehmung übereinstimmend ausgesagt, daß am Mittwoch den 17. d. ein Turko mit dem abgeschnittenen Kopfe eines schönen Mannes, an ⸗ geblich eines deutschen Offiziers, unter dem Jubel einer entmenschten Menge, darunter namentlich zahlreiche französische Soldaten, durch die Straßen gezogen und für seine scheußliche That als Held gefeiert worden sei. Wir möchten, wie gesagt, eine solche Scheußlichkeit gern in das Reich der Fabeln verweisen, aber die übereinstimmenden, in zahlreiche Details eingehenden Aussagen von 6 bis 8 Zeugen lassen kaum einen Zweifel zu, und nach Allem, was wir schon von der französischen Civilisation haben erleben müssen, erscheint ja fast nichts mehr unglaublich. Wie tief muß eine Stadt, welche einst ein stolzer Sitz deutscher Cultur war, unter französischer Herrschaft gesunken sein, wenn auch nur ein Theil ihrer Bevölkerung afrikanischer Wildheit zujauchzen kann! Schweiz. Bern. Der„Bund“ schreibt: „Mit der Schlacht vom 18. August westlich von Metz haben die blutigen Kämpfe an der Mosel einen vorläufigen Abschluß gefunden. Der Kern der französischen Wehrkraft ist durch mehrere blutige Schlachten, welche sowohl für die geniale Leitung der deutschen Truppen, als die Tapferkeit dieser selbst ein günstiges Zeugniß ablegen, an einer weiteren, für den Gang des Krieges ent⸗ scheidenden Action verhindert. Man ist nun in der Lage, das strategische Ergebniß dieser ge— waltigen kriegerischen Operationen in ihrem Zu— sammenhang zu beurtheilen; es geht aus einer solchen Betrachtung hervor, wie fein der Kriegs plan der Deutschen angelegt und durchgeführt worden, während der Plan der Franzosen schon


