Mächtigen den Bruder gegen den Bruder! Solferino bat, abgesehen davon, daß auch Italiener gegen Italiener kämpften, ein häßliches, nicht allgemein dekanntes Beispiel dafür geboten Die Oester⸗ reicher hielten ihre Stellung auf den Hügeln, deren Kamm die weithin sichtbare Spia d' Jalia krönt, mit verzweifelter Zähigkeit. Mehrere Angriffe der Franzosen waren schon abgeschlagen, die Reihen der Stürmer, von Kugeln gelichtet, von der glühenden Mittagssonne erschöpft, be⸗ gannen zu wanken. Da wurden die beiden Regi menter der Fremdenlegion, zu drei Fünfteln aus Deutschen bestehend, zum Sturme beordert. Nach heißer Blutarbeit nahmen sie die Höhe, sie, denen die französischen Adler nichts, gar nichts bedeuten konnten, als Beförderung und ein rothes Band. Es war die traurigste Episode der ganzen Schlacht, ein wahrhaft brudermörderischer Zusammenstoß, das Vorspiel für Königgrätz. Das ist der Krieg, dies fürstliche Schachspiel, zu welchem die Völker die lebenden Figuren stellen. Es wäre vergeblich, den Abgesandten der Regierungen, die sich auf dem Schlachtfelde begegneten, die Verwerflichkeit des Krieges zu predigen. Aber den Nationen wollen wir am Gedenktage von Solferino zu⸗ rufen: Lernt den Krieg verabscheuen!“
Frankreich. Paris. Nach übereinstimmenden Nachrichten hat die Königin Isabella in Gegen- wart der Königin Cbristine, des Infanten Don Sebastian, vieler hervorragenver Persönlickkeiten der spanischen Emigration, des Marschalls Bazaine und mehrerer anderer französischer Würdenträger den Act der Abdankung zu Gunsten ihres Sohnes, welcher unter dem Namen Alphons XII. den spanischen Thron besteigen solle, dieser Tage unterzeichnet. Der König⸗Gemahl Don Franz von Assisi wäre zu dieser Ceremonie nicht zuge⸗ zogen worden und der Schwiegersohn der Königin Isabella, Graf von Girgenti, habe sich entschuldigen lassen. Gleichzeitig sollte in dieser Versammlung ein Manifest der Königin an das spanische Volk verlesen werden, welches Actenstück die„France“ mitzutheilen verspricht
— Die Petitionscommission des gesetzgebenden Körpers berieth über die Petition der Prinzen von Orleans. Dem Verlangen des Siegelbe⸗ wahrers entsprechend beschloß die Commission, dem Hause die Annahme der einfachen Tages- ordnung vorzuschlagen.
Italien. Im Schooße des Concils gingen am 18. Juni wichtige Dinge vor, deren End- resultate sich erst in den nächsten Sitzungen auf⸗ klären werden. Cardinal Guidi, der einstige Dominikaner, auch in Wien als ehemaliger Pro⸗ fessor der Theologie an der dortigen Universität wohl bekannt, hielt eine längere Rede, worin er zwar die päpstliche Unfehlbarkeit der Hauptsache nach anerkannte, aber doch nicht so unbedingt und mit solchem Nachdrucke betonte, als man es aus einem Cardinalsmunde erwarten durfte. Hierauf schlug er aber zwei Canones vor, deren Inhalt die ganze Versammlung in das höchste Erstaunen versetzte. War schon der erste Canon überraschend genug, wodurch die Infallibilität blos auf den Fall beschränkt werden sollte, wenn der Papst über eine Lehre mit der Kirche vollkommen einig ist, so fiel der zweite geradezu wie eine Bombe in die beiden Lager der Väter hinein. Denn dieser spricht offen das Anathema gegen Denjenigen aus,
allein obne Zustimmung der Kirche irgend eine dogmatische Entscheidung treffen könne. Das Auf⸗ treten des Cardinals rief eine mächtige Aufregung hervor und nur mit größter Mühe konnte die Ruhe wieder hergestellt werden und der Redner zum Wort gelangen. Man ist außerordentlich ge⸗ spannt auf die weiteren Folgen dieses Vorfalles.
Frankfurt. Der Schlußtermin für die Annahme der österreichischen Sechskreuzerstücke mit der Jahreszahl 1848— 49 ist, laut Kundmachung des öster⸗ reichischen Finanzministeriums, bei allen Staatskassen bis Ende Juli d. J. verlängert worden.
Darmstadt. Am verflossenen Samstag wurde hier das Malter Kartoffeln um den lange nicht dagewesenen Preis von 6 fl. verkauft.
Worms. Zu dem nun beendigten 5. mittelrheini⸗ schen Schützenfeste wurden allein auf der Eisenbahn 40,300 Personen befördert. Unsere Leser interessirt es vielleicht zu hören, wie sich der Consum auf dem Fessplatze während der fünf Festtage stellt. Es wurden verzehrt 535 Pfd. Ochsenfleisch, 978 Pfd. Kalbfleisch, 1664 Stück Cotelettes, 696 Pfd. Rostboeuf, 370 Pfd. Lenden, 30 Stück Schinken, 19 Rehe, 176 Gänse, 62 Enten, 6000 Brödchen, 388 Laib Brod, 30 Radankuchen ꝛc., ferner 9000 Flaschen Wein, 100 Ohm Bier, 3500 Flaschen Sodawasser, 1200 Krüge Apollinariswasser und 1000 Krüge Selterswasser.
Vom Taunus. Es ist dem vereinigten Streben der Comite's zu Oberursel und Frankfurt, sowie der Filial⸗ Comite's gelungen, das für den Bau des Uhlandsthurmes erforderliche Geld(5550 Gulden) beinahe vollständig auf⸗ zubringen. Jetzt bleibt nichts mehr zu wünschen übrig, als daß die Gemeinde Steinbach(Kr. Vilbel) einen halben Normalmorgen Landes bewilligt. Die Unterhandlungen sind eifrig im Gang.
Wiesbaden. Am Samstag wurde ein feiner Herr aus Wien, welcher einige Tage in der Wilhelmstraße wohnte und im Nassauer Hof speiste, von dem Polizei⸗ Dircktor verhaftet, da auf ihm der Verdacht der Unier⸗ schlagung eines Betrages von 60,000 fl. ruht. Derselbe ist der Staatsanwaltschaft sofort übergeden worden.
Von der Lahn meldet die„Didaskalia“: Schreiber dieses traf am 20. Juni(wo die Wolken, wie auch am 19., so bedrohlich hingen, daß man so zu sagen den Regen greifen konnte,) bei einem Morgenspaziergange auf einer Wiese einen alten Bauer, der Heuhaufen auseinander machte. Auf die Frage, warum er das thue, da Regen so sicher einirete, entgegnete er:„heut regnet es nicht, aber ganz gewiß nächsten Freitag.“ Erstaunt über diese Bestimmiheit der Voraussagung, fragte ich natürlich nach dem Grunde, und der in den 70er Jahren stehende Mann erklärte nun: er schreibe nun seit 50 Jahren jeden März⸗ nebel, der in die Höhe gehe, auf, so gelehrt von Groß⸗ vater und Vater, ein jeder, solcher Nebel komme am 100sten Tage wieder herunter, und nach seiner Aufzeichnung der erste nun am Freilag 24. Juni. Und er ist richtig heruntergekommen, da am 24. früh ein tüchtiger Gewitter⸗ regen eingetreten ist. Es scheint demnach doch wiiklich eine bestimmte Beobachtung und Erfahrung zum Grunde zu liegen, die ja auch mit der allgemeinen Erfahrung, daß um Johannistag Regengüsse eintreten, übereinstimmt. Wenn auch dahin gestellt bleiben muß, wie weit ein un ⸗ verbrüchliches Gesetz dieser Erscheinung zum Grunde liegt, immerhin scheint das Verfahren des alten Landmannes, der sein Henmachen nach solchen Aufzeichnungen, wie er versicherte, immer mit Erfolg(auch dieses Mal) geregelt hat, der Miltheilung, weiterer Beobachtung und Prüfung, für die Hrn. Occonomen aber vielleicht der Nachahmung werth.
In Koblenz verurtbeilte kürzlich der Assisenhof zwei Töchter dortiger angesehener Beamtenfamilien wegen be⸗ deutender Wechselfälschungen zu 2 Jahren und 7 Monaten Zuchthausstrafe.
Aus St. Gallen wird der„N. Z. 3.“ geschrieben: Kürzlich wurde das Fest schweizerischer Schachvereine in der lieblich gelegenen Sommerwiethschaft zum Rosen⸗ garten in St. Gallen abgehalten. Es waren vom Ver⸗ ein Zürich 16, St. Gallen 17, Winterthur 7, Glarus 2, Portius(Zürich) 1, Herisau 1 und Thusis 1 Mitglied erschienen. Das Resultaf des Weitkampfes war, daß Zürich mit 51 gewonnenen Partien bei 27 verlorenen, Winterthur mit 10 gewonnenen bei 7 verlorenen und Thusis mit 6 gegen 3 im Vortheil blieb; St. Gallen konnte bei 44 verlorenen Partien nur 22 gewonnene auf⸗ weisen, Glarus brachte es neben 2 Remis⸗Partien auf 1
welcher behaupten würde, daß der Papst für sich
verlorene Parlie. Die bekannte Schachspielerin Fräulein
Vogel, die mit ihrem Vater für Glarus erschienen war, hielt wacker Stand gegen einen Züricher routinirten Spieler. Als Curiosität in noch zu notiren, daß Herr 7 von Bern gleichzeitig zwei Parlien ohne Ansicht des Breites spielte und beide Remis brachte.
Zürich abzuhalten Aus 2
Die Versamm⸗ lung beschloß, das nächste Turnier künftiges Jahr in eskau in Mähren wird folgender entsetzliche 1
Fall gemeldet, welcher allen unseren Landbewohnern zur
Warnung dienen kann. Eine Bäuerin begab sich zeitlich 5 Morgens zur Heu⸗Ernte auf die Wiese und nahm wie
es üblich ist, ihr Kind, einen bereits mehrere Monate zählenden Knaben, mit. Sie legte das Kind in eine schattige Stelle unweit eines Wasserabzugsgrabens und begab sich dann zur Arbeit. Nicht lange dauerte es, so hörte die Bäuerin ein Röcheln und eilte schnell zur Sꝛelle, wo ihr Kind lag. Hier bot sich ihr ein entsetzlicher An⸗ blick dar. Aus dem Munde des Kindes ragte der Theil einer mannsfingerdicken Schlange hervor, welche vermuth⸗ lich von dem warmen Athem des Kindes angezogen wor⸗ den war. Die Mutter riß das Gewürm zwar schnell tzeraus und tödtete es; das früher frische und gesunde Kind lebte aber nur noch kurze Zeit und war Abends eine Leiche. Ob das Kind durch den Biß des Thieres (constatirt wurde noch nicht, ob es eine Gifischlange war) oder in Folge einer Verletzung der Organe durch das Hineinkriechen des Thieres gestorben ist, wurde noch nicht festgestellt.
Madrid. Die officielle Statistik Spaniens vom Jahre 1860 weist nach, daß die Zahl der Geistlichen(die im Jahre 1690 nicht weniger als 168,000 betrug) auf 43.000 zurückgegangen, diejenige der Bevölkerung aber (damals 9 Millsonen) auf mehr als 16 Millionen ge⸗ stiegen war.
Amerika. Der Telegraph meldete aus San Fran⸗ ciscb am 21. Mai, daß der Sohn des Reichskanzlers Grafen Beust, der auf der Fregatte„Donau? in der Marine diente, am 29. April gestorben sei. Postnachrichten aus Honolulu entnimmt die Newyork. Staats⸗Zig.“ nun, daß der junge Graf Selbstmord begangen, indem er am 26. April Blausäure nahm und am 29., trotz der Be⸗ mühungen des Schiffsarztes, ihn zu reiten, der Vergiftung erlegen in. Die Ursache des Selbstmordes ist unaufgeklärt.
Bitte.
Eine junge, gebildete Frau mit zwei prächtigen Knaben von 3 und 5 Jahren harten schon seit 14 Tagen im Gasthause zum„seinernen Haus“ dahter auf die Rückkehr ihres Gatten und Vaters, welcher sie seit dieser Zeit heim⸗ lich verlassen und durch sein räthselhaftes Verschwinden die entsetzlichsten Befürchtungen in der Seele seiner Gattin wach gerufen hal. Sorgfältig eingezogene Erkundigungen aus dem früheren Wirkungskreis dieses Mannes stellen es außer Zweifel, daß das Ausscheiden aus seinem voꝛ⸗ maligen Verhältnisse kein gezwungenes, kein durch Ver⸗ übung verbrecherischer oder auch nur ehrloser Handlungen bedingtes gewesen ist, sowie ferner, daß seine Ehefrau in ihrer Vergangenheit den gerechtesten Anspruch auf Achtung und Theilnahme in ihrer jetzigen, verzweiflungsvollen, unverschuldeten Lage besitzt. Welches Schicksal den Ver⸗ mißten erreicht hat— wer will das wissen?
Genug, die Thatsache liegt vor, daß jene Frau mit ihren Kindern von Allem, selbst den nöthigsten Kleidungsstücken entblöst, bis jetzt nur durch die Mildthätigkeit dritter Personen erhalten worden ist und ohne menschenfreundliche Hilfe und Unterstützung die Reise in ihre ferne Heimath (preußisch Polen) nicht bewerkstelligen kann.
Wir vertrauen auf das Mitgefühl der Bewohner, vor⸗ nehmlich der Frauen und Jungfrauen unserer Stadt, welches sich schon so manchem Unglücklichen gegenüber be⸗ währt hat, wenn wir hiermit die Bitte aussprechen
baldigste Hilfe eintreten zu lassen.
Zur Empfangnahme von Liebesgaben sind die Unter⸗ zeichneten gerne bereit, üder deren gewissenhafteste Ver⸗ wendung öffentlicher Nachweis erfolgen wied.
Friedberg den 29. Juni 1870.
G. Philippi. Jacob Engel, großherzoglicher Hof-⸗Agent. Die Expedition.
Bereits gingen ein: Von L. Weis 30 kr., S. Schloß 12 kr., C. H. 18 kr., Dr. Klein 1 fl. Einiges an Kleidungsstücken. N
Cronenberg, Landgerichtsdiener. F. Reuß.
Holz ⸗Versteigerung. 1788 Montag den 4. Juli l. J, Morgens 9 Uhr anfangend, soll im hiesigen Stadtwalde, Diftrikt Sommerberg, folgendes Holz meistbietend versteigert werden: 0 31⅝ Stecken Buchen-, Eichen⸗, Kiefern⸗ u. Ae pen⸗ Scheit⸗ und Prügelholz. 33¾ Stecken Buchen⸗, Kiefern- und Stockholz und 1775 Wellen desgl. Relsholz, sowie 100 Stämme Eichen-, Buchen- und Kiefern-Bau⸗ Werk⸗ und Nutzholz und 22 Stück Kiefern Stangen. Die Zusammenkunst ist am„kaiserlichen Kirchhof.“ Butzbach am 27. Juni 1870 Großherzogliche Bürgermeisterel Butzbach Kü ch el
1
Aspen⸗
Schaafpferch-Versteigerung. 1799 Freitag den 1. Juli l. J., Vormutags 11 Uhr, werden in hiesigem Rathhause 10 bis 15 Schaaspferche öffentlich meistbietend versteigert. Friedderg den 28. Junt 1870. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg Fo ucar.
V 1795 Samstag den 2. Juli 1870, Mittags 1 Uhr an⸗ fangen, sollen im Nieder-Welseler Gemeindewald, Otstrict Langscheid 109 Haufen Streulaub einer öffentlichen Verstetgerung ausgesetzt werden. Die Zusammenkunft ist an der Schneiße am Kleebrunnen. Nieder, Weisel den 28. Juni 1870. Großherzogliche Bürgermeisterei Nieder-Weisei Reuter.
Bekanntmachung.
1787 Die am 21. und 22. l. M. in dem Gräflichen Revier Bainhards abgehaltenen Holzversteigerungen sind genehmigt und der erste Abfahrtag für beide Vei⸗ steigerungen auf Freitag den 1. Juli l. J. an⸗ beraumt.
Wickstadt am 24. Juni 1870.
Gräfliche Oberförsteret Assenheim Schal las.
Dr. Krüger, Augenarzt in Franksurt a. M, Bleichstraße 66a, 1777 ist in den Monaten Jult, August und September anstatt Nachmittags von 3— 4 Uhr zu sprechen: Vor⸗ mittags von 9— 10 Ubr, Nachmittags von 4— 5 Uhr. Für Undemittelte(unentgeltlich) wie bisher von 121 Uhr.
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