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1870.
Bamstag den 29. Januar.
Oberhessischer Anzei
Enbäle die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Intelligenzblalt
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Hessen. Darmstadt. In dem vom Abg. dem die in Frankreich durch das Preßgesetz Louis Kraft erstatteten Bericht des Finanz-Ausschusses Napoleon's eingeführte Unterzeichnung der ein—
weiter Kammer über die Rechenschaftsablage der zelnen Artikel auch in Preußen einführen.
Das
Militärverwaltung vom Jabre 1866 kommen auch sind Bestimmungen, welche die Ablehnung der ie Verluste werthvoller Vorräthe des hiesigen Vorlage von Seiten des Abgeordnetenhauses un-
Zeughauses und der Kasernen zur Sprache, welche lamals von den Preußen als Beute fortgeführt burden. Der Ausschuß beantragt, da eine s. Z. Ungeleitete Disciplinar-Untersuchung gegen da— nalige Mitglieder des Kriegsministeriums von lem Großberzoge niedergeschlagen worden sei und ine zu erhebende Civilentschädigungsklage selbst deim günstigsten Resultate des Prozesses doch die terlorenen Summen nicht in die Staatekasse zurück leferu würde, die Ausgaben zar Ergänzung der zon den preußischen Truppen als Kriegsbeute ver— trachten Objekte für gerechtfertigt zu erklären, ind, unter dem Ausdruck des lebhaften Bedauerns ber die hinsichtlich der Fürsorge für dieselben zorgekommenen Fehler, von der Verfolgung deß— sellsiger Civilschadensersatz-Ansprüche abzusehen. — Weiter findet sich in dem erwähnten Berichte elgende Stelle:„Man kann mit Sicherheit be— aupten, daß der Krieg von 1866 das Land über 2½ Millionen rein kostet. Nimmt man hierzu de traurigen Folgen desselben, die Notôwendig⸗ t, 3,000,000 fl. Kriegsentschaͤdigung an Preußen h bezahlen, die Abtretung eines alt angestammten Undestheils mit nur allein mehr als 6,000,000 fl. zerthen Domainen und den Verlust der zum Land hörigen Landgrafschaft Hessen-Homburtz, welche urch die dafür erhaltenen Enclaven nur einen ür geringen Ersatz gefunden haben, so muß man mr erstaunen, daß das Land vie traurigen Folgen is Jahres 1866 bis jetzt, Dank langjähriger Zeschränkungen und Ersparungen, ohne noch ärgere geschwerniß hat ertragen können. ü
ir Friedberg. Es ist hier die betrübende Nachricht eingetroffen, daß der frühere Landtags- geordnete unserer Stadt, Herr Landrichter Dr. Stockhausen zu Groß ⸗Umstadt, in der Nacht zm 26. auf den 27. d. nach langem schweren Keden verschieden ist.
Preußen. Berlin. Die„Provinzial- serrespondenz“ sagt in einem Artikel über die hieisordnung, daß die Regitrung die Hoffnung alk eine Ausgleichung der bisher unvermiltelten Ogensätze nicht aufgebe. Die Berathung und gststellung der Kreisordnung bleibe die haupt- sichlichste Aufgabe der Landtagssession und dürfte teh halb voraussichtlich im Landtage in der zweiten hͤlfte des Februars eine Vertagung bis zum Schlusse der Reichs tagssession vorzuschlagen sein.
— Der Zollbundesrath soll 160,000 Thlr. A mentation für die durch Arrondtrung des Zoll uneins brob los gewordenen Zollbeamten bewilligen. — Der„Bank- Ztg.“ zufolge wird von Mit- gliedern der conservativen Fraction erzählt, der Er Kurfürst von Hessen habe seine umfangreichen Besitzungen bei Horsowitz in Böhmen dieser Tage n Dr. Strousberg verkaust; die Uebergabe der berrschaft werde unverzüglich erfolgen.
— Nach Mittheilung preußischer Blätter soll e von dem Ministerlum zu erwartende Vorlage ns Preßgesetzes die vorläufige Beschlagnabme dem entuen Gesetze beibehalten, und will außer-
zweifelhaft machen und dieser Gewißheit bei Graf Eulenburg schreibt man das Zögern mit der schon lange erwarteten Vorlage zu.
— Im Abgeordnetenhause wurde der von den Abgg. Duncker und Eberty eingebrachte Gesetz⸗ entwurf, betr. die Aufhebung der Beschränkung der Preßfreiheit, in der Schlußberatbung definitiv angenommen.
Sachsen. Dresden. Der schon erwähnte, von beiden Kammern adoptirte Abrüstungsantrag lautet:„In Erwägung, daß die seit dem Jahre 1866 geschaffene ganz unverhältnißmäßig große Militärmacht auf die Dauer nicht forterhalten werden kann, wenn der Volkswirihschaft nicht die empfindlichsten Nachtheile bereitet werden sollen; in Erwägung daß ein allgemeines Vertrauen auf dauernde friedliche Zustände unter Beibehaltung der jetzigen Militärmacht nicht Platz greisen kann; in Erwägung endlich, daß, so lange solche Zu⸗ stände andauern, nirgends ein rechtes Vertrauen und ein belebter Aufschwung in Handel, Industrie und Verkehr kommen kann und wird, wobl aber der unvermeidlich finanzielle Ruin aller Staaten die natürliche Folge solcher unproduktiver Aus— gaben sein muß, beschließen die beiden Kammern des Königreichs: Die königliche Staatsregierung wolle beim norddeutschen Bundesrathe mit allen gebotenen Mitteln dahin wirken, daß a) der Auf- wand für die Militärverwaltung des norddeutschen Bundes entsprechend abgeänder', b) eine allgemeine Abrüstung angestrebt und möglichst bald durch— geführt, zu dem Ende aber bei dem Bundesprä⸗ sidium das Vorgehen auf diplomatischem Wege angeregt werde.“
Bayern. München. Die bereits gemel⸗ dete Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Herrn v. Döllinger ist„wegen seines mannhaften Auf— tretens gegen das Dogma der Unfehlbarkeit“ erfolgt.
— Die von dem Adreßausschuß der Abgeord⸗ nttenkammer angenommene Adresse soll ein ent— schiedenes Mißtrauensvotum gegen das Ministerium Hohenlohe enthalten.
Augsburg. Die„Allg. Ztg.“ veröffent- licht folgendes Telegramm aus Rom:„Bischof Stroßmaper sprach in einer anderthalbstundigen Rede gegen die Centralisation der Kirche und beantragte periadischen Zusammentritt von General— räthen. Die Rede macht in Rom das größte Aufsehen.“
Oesterreich. Wien. Die Entrüstung, womit die öffentliche Meinung in Wien den in Süddalmatien vollzogenen Ausgleichungsact auf— genommen, ist, wie sich das fast täglich aufs Neue aus den Kundgebungen der dortigen Journale ergibt, noch immer im Steigen. Die alte„Presse“ blickt nur mit dem„Gefühle namenlosen Jammers“ und dem„Bewußtsein gränzenloser Ohnmacht“ auf den Vertrag von Knezlar, in welchem die Großmacht Ocsterreich mit einem Tausend gegen Gesetz und Versassung rebellirender Halbwilden
Sieger, und fordert zur Sühne für diese der Armee angethane Schmach, Diejenigen zur Ver⸗ antwortung zu ziehen,„die mit der Ehre des Staats ein so unwürdiges Spiel getrieben.“
— Die„Presse“ meldet: In Folge defnitiver Ablehnung Kaiserfeld's ist Hasner für das Prã⸗ sitium des Ministerrathes vorgeschlagen worden, die übrigen Minister bleiben in ihren Funktionen. Mit dem Vorschlage der Präsidentschaft Hasner's soll dem Kaiser auch ein formulirtes Ausgleichs⸗ programm überreicht worden sein.
— In dem Abgeordnetenhause erklärten die
Tyroler Abgeordneten Giovanelli, Greuter, Jäger,
Plager, Wiesler und Brader, daß sie ihre Mau⸗ date zum Reichstag niederlegen, weil sie von dem Berichterstatter Tinti in dessen Bericht beleidigt worden seien, ohne deßhalb bei dem Prästdenten Schutz zu finden.
Frantreich. Partie. Gambetta hat die Vectretung der Familie Noir in dem gegen den Prinzen Peter Bonaparte anzustrengenden Civil- prozeß übernommen.
Spanien. Madrid. In den Cortes unterstützte Emilio Castelar den Vorschlag, die Bourbonen vom Throne auszuschließen. Der
Verkehrsminister Echagarap antwortete ihm, die Revolution habe nur die Monarchie des göttlichen Rechtes abgeschasst. Die Regierung habe gar keinen Candidaten, aber vor der Restauration der gestürzten Bourbonen würde Spanien in Strömen von Blut schwimmen. Marschall Prim wiederholt, daß weder Isabella noch Alphons wieder kommen werden, niemals, niemals, niemals! Er sügt hinzu, die Minister hätten keinen Candidaten, mit Aus- nahme des Admirals Tepete, der der Candidatur des Herzogs v. Montpensier treu geblieben sei. Er appellirt an die Versöhnlichkeit und wiederholt, er werde den Inspirationen der Majorität folgen. Der Vorschlag, sämmtliche Bourbonen vom Throne von Spanien auszuschließen wird mit 150 Stimmen gegen 37 verworfen.
Türkei. Konstantinopel. Nach der „Levant Times“ erhielt die Pforte eine Rechnung von 12 Mill. Pfd. Sterl. für die vom Bicekönig von Egypten ihr abgetretenen Panzerschiffe und Hinterlader.
„Friedberg. Der am 24. d. M. von Herrn Seminarlebrer Soldan gehaliene Vortrag behandelte „die Ausbildung des Schönheitssinnes in der Erziehung.“ Alle Meuschen, sagt der Redner, seien von Natur mehr oder weniger empfänglich und beanlagt für das Schöne, durch die Erziebung müsse diese Anlage aber gepflegt und entwickelt werden. Nun werde zwar diese Aufgade nicht ganz dernachlässigt, in der Regel aber ziele das, was die Erziehung dasur ibue, nur mehr auf oberflächliche Keunt⸗ niß der sog. schoͤnen Literatur, auf äußere Wohlanständig⸗ leit und Vekanntschast mit den Anforderungen der Mode. So erkläre sich's, daß die größten Häßlichtelten der Mode für schön gefunden und nachgeahmt würden.(Crinoline, Chignon.) Wohl könne ein ästhetisch roher Mensch tüchtig und keuntsißreich sein; er set darum nichts destoweniger einseitig und enidehre der reinsten, edelsten Freuden. Bie Anforderungen an die Erziehung bin sichtuch der Ent⸗ wick lung des Schön heitosinnes faßt der Redner in drei Sätze zusammen: Man biete dem Kind nur Reines, wirk⸗ lich Schönes und Edles. Das Gebotene entspreche der jeweiligen Entwickefungestuse des Kindes, Cs werde in der lechten Weise geboten.— So sei es nicht gleichgültig,
unterhandelt habe wie der Ueberwundene mit dem
ob rohe, ungeschlachte Summen auf das Kind in der


