Ausgabe 
27.10.1870
 
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russischen Gränze aufgestellten Truppen ebenfalls nach Frankreich befördert werden. Man gibt die Zahl dieses Armee⸗Corps zwischen 30,000 und 40,000 Mann an. Die Soldaten aus Ost⸗ und Westpreußen, Polen, scheinen den Krieg noch als eine Quelle zu Ersparnissen benutzen zu können, denn verflossenen Samstag kamen nicht weniger als 1500 Geldͤbriefe aus dem Feld in die östlichen Provinzen bestimmt, hier durch.

Darmstadt. Ein hier weilendes aus Paris aus⸗ gewiesenes Ehepaar erhielt einen Ballonbrief aus Paris, wonach die zwei Brüder der Frau, einer geborenen Fran⸗ zösin, bei der Mobilgarde sind, von einem sehr angestreng⸗ ten Dienste schreiben und ganz Paris halb als Lazareth, balb als Caserne bezeichnen. Brod sei noch vorhanden, dagegen Milch kaum mehr zu haben und Fleisch werde nur mit 200 Grammen Rindfleisch und 100 Grammen Hammelfleisch an ihre Familien verabreicht. Sie hätten hierauf von Morgens 6 Uhr an vor dem betreffenden Laden zu warten. Nach der Zahl der belreffenden Fa; milienglieder kommt biernach auf den Kopf 80 Gramme ober, da 500 Gramme ein Pfund ausmachen, etwa 5 Loth Fleisch.

Bescheinigung.

Bei dem Rechner des Comités für die Unterstützung der verwundeten und erkcankten Soldaten im Felde und deren nothleidenden Familien sind weiter eingegangen und werden dankend bescheinigt: fl. kr. Ungenannt 1 durch Herrn Regierungsrath Trapp aus den

wöchentlichen Beiträgen der Gemeinde Weckes⸗ heim, gesammelt durch Herrn Bürgermeister Hilger von Herrn Pfarrer Breidenstein in Södel aus Fauerbach durch Herrn Pfarrer Heßler in Assenheim: 1) Kirchenopfer 12 44 2) Ertrag einer wöchentlichen Kindersamm⸗ lung in der Schule Assenheim von den monatlichen Spenden Friedbergs pro October 108 9 158 1 hierzu die letzte Bescheinigung 4475 10 4633 11 ½½

Unsere Ausgaben betragen bis heute 4297 fl. 46 kr.

Hülfe thut noth. Wir bitten um fernere Liebesgaben.

An Materialien: durch Herrn Bürgermeister Reitz in Södel 1 Sack Kartoffeln, Rüben und Kraut; von Herrn G. Werner in Oberroßbach 1 Sack Kartoffeln; von Frau Klaus in Bönstadt 1 Ratankuchen; von Herrn Gasthalter Philippi in Melbach/ Ohm Bier; durch Herrn Polizeldiener Rack gesammelt in der Gemeinde Schwalheim 50 Ceniner Kartoffeln; durch G. Hieronimue hier 17 Centner Kartoffeln; aus der Gemeinde Wölfers. heim 3 Säcke Aepfel; von Friedbergern: Kartoffeln und Gemüse ꝛc.

Friedberg den 23. October 1870.

Für das Comité: J. Huber, Rechner.

2 4 Aufruf

Angesichts der größtentheils mangelhaften Aus- stattung und Verpflegung der Krankentransporte hat die hessische Ludwigsbahn den anerkennens⸗ werthen Beschluß gefaßt, einen

Lazaret h zug für 300 Kranke, bestehend in 25 Wagen nach amerikanischem System, mit Hängebetten, Küchen- wagen, Apotheke ꝛc. auszurüsten. Wir haben es unternommen, für diesen Zug das nöthige Dienst⸗ personal, Lebensmittel, Medicamente, Verbandzeug, Hemden, wollene Unterbeinkleider u. s. w. zu be⸗ schaffen. Die Kosten der Verproviantirung ꝛc. werden voraussichtlich sehr bedeutend sein. Wir wenden uns daher vertrauensvoll an den vielbe währten Wohlthätigkeitssinn und den Patriotis- mus der Bewohner des Großherzogtbums mit der Bitte, uns zu dem guten Zwecke Spenden von Geld,

sowie ven Hemden, wollene Unterkleider zukommen zu lassen. Gaben werden von den unterzeichneten Comitémitgliedern, sowie auf unserem Bureau(Gepäckhalle der hessischen Lud wigsbahn in Mainz) und von der Redaction dieses Blattes entgegengenommen.

Mainz 20. October 1870.

Das Unterstützungs-Comite für vom Kriege Uoth- leidende.

F. Bittong(Vater). C. Deninger. Jacob Hensay.

Eugen Krätzer. Josef Mayer. Dr. Noiré. F.

A. Probst. Superint. Schmitt. Dompräb. Schneider.

Einige Betrachtungen zu unseren pa triotischen Gaben für Straßburg, für

unsere Soldaten ꝛc. Im Jahre 1681 schickte Ludwig XIV., König von Frankreich, einen General mit einem Heere nach Straßburg, um die Unterwerfung dieser bis dahin deutschen freien Reichsstadt zu fordern. Damals bestand Deutschland aus mehreren Hundert Vaterländchen mit, wie ein Abgeordneter des Zoll- Parlamentes sagte, vielen Hausschlüsseln dazu. Einigkeit und Gemeinsamkeit waren nicht weit her und dennoch zu weit von Straßburg entfernt. Der deutsche Kaiser führte mit den Türken Krieg. Wenn zu jener Zeit die Elsässer, insoweit sie noch deutsch waren, Deutschland und Frankreich, hüben und drüben, mit einander verglichen, so kam ihr deutscher Patriotismus in einige Ver⸗ legenheit. Darum thaten die Straßburger, was Ludwig XIV. verlangte, sie unterwarfen sich, und dieses geschah am 30. September 1681.

Damit war es diesemgroß genannten Räuber König noch nicht genug: er machte aus der Pfalz einenwüsten Gürtel zerstörter Städte

Ein Obermordbrenner, so muß man die da maligen französischen Generäle nennen, befahl den Bürgern von Speier, binnen 24 Stunden nach Frankreich überzuziehen, weil ihre Stadt den anderen Tag ein Aschen- und Schutthaufen sein müsse. Gerade so ging es in Mannheim, Heidel- berg, Worms ꝛc. Die Unmenschen mordeten nicht allein die Lebenden, auch die Leichen gruben sie aus, ihrer Raub und Zerstörungslust wegen. Für alle diese Gräuelthaten galt nur die Ent⸗ schuldigung:der König will es unddas macht uns Vergnügen.

Was geschah unter Napoleon I.? Wir wissen es alle von unsern Vätern und Großvätern wie der Erbfeind seinen Raubzug durch unser Vater⸗ land gemacht, wie er die Besiegten mit dem Hufe seiner Rosse zertreten, wie er in mörderischem Spiele die deutschen Stämme gegeneinander gehetzt, wie er hundert Tausende deutscher Söhne hin⸗ geschlachtet hat. O, wie furchtbar und wie lange haben unsere Vorfahren leiden müssen! Viele, viele Familien waren verarmt. In einem Nach- bardorfe hatte ein Regiment Franzosen, das nur 1 Tag dort gelegen, von allem vorhandenen genießbaren Vieh nur ein elendes Huhn übrig gelassen, welches in einem Holzstoße verborgen geblieben war. In einem anderen Nachbardorfe lebt noch ein älterer Mann, der zusehen mußte, wie sein Vater von den Franzosen auf eine Bank geworfen und gezüchtigt wurde, weil er nicht im Stande gewesen, ein gewisses Mahl zu liefern.

Außer solchen erzählbaren Vorgängen gab es auch noch viele unerzählbare, welche nur angedeutet werden können durch Hinweisung auf die bekannten Schandthaten bei Saarbrücken, nach Lulus Feuer- taufe, gleich am Anfange des gegenwärtigen Krieges. Wie hätte es diesmal werden sollen, wenn nicht so fest und treu die Wacht am Rhein gestanden! Ja, wie hätte es werden sollen? so fragten wir, als wir die Bestien aus den Wüsten und Bergen Afrika's unter den gefangenen Fran- zosen an unserer Stadt vorüberziehen sahen. Es wäre schlimmer geworden, als zu unserer Väter Zeit. Französische Söldlinge, welche weder Zucht noch Sitte haben, und thierische Afrikaner, im eigenen Lande, zu Hause, verabscheut, hätten dem Feindeslande alle denkbaren Gräuel und Schande angethan und wie die Mordbrenner Ludwigs XIV. Scham und Trauer verhöhnt mit den Worten: Car tel est notre plaisir.

Ein einfacher Landwirth, um eine Gabe an gesprochen, beurtheilte die Verhältnisse so sehr einfach und so sehr richtig, indem er sagte:Nicht nur Hab' und Gut, sondern auch Ehre und Familienglück hätten wir verloren. Ja, wollen wir hier bestätigen und weiter fragen, was hätte aus unserem Vaterlande werden sollen? Mit Einigkeit, Macht und Größe wäre es vorbei ge wesen; Deutschland hätte auf's Neue eine Zeit der tiefsten Erniedrigung erleben müssen.

Jener Landmann dachte indessen nicht nur an das Gertttete, sondern auch an die Retter, indem er

Josef Sichel. Georg Thomas. Dr. Wenzel.

sagte: Darum wollen wir alle Kriegsnoth lindern

und recht viel geben und denken, daß alle unsere,

auch die größten Leistungen zu gering sind, vaß wir zu wenig geben. f

Ganz anders lauten dagegen die Aeußerungen, 1

welche bei der begonnenen Sammlung für Straß⸗ burg geschehen, z. B.:Ich ö die Verwundeten und für die Soldaten, ich habe einen Verwundeten in Privatpflege gehabt, ich werde der Invalidenstiftung beitreten, aber damit glaube ich meinem Theil ein Genüge gethan zu haben; zu dem wissen wir ja noch gar nicht be⸗ stimmt, ob Straßburg wirklich zu Deutschland kommt, und die Straßburger sind so sehr anti⸗ deutsch gesinnt, daß ich ihnen nichts geben mag.

JeresGenügen hat der oben eitirte Land⸗ mann so treffend widerlegt, daß nichts hinzuzufügen bleibt. In Bezug auf das Verhalten der Straß burger aber mögen hier die Worte angeführt werden, welche Präsident Kühlwetter in einer Rede am 18. Oktober zu Straßburg gesprochen hat:Wollten sie(die Elsässer und Straßburger) so leichten Herzens mit einer rühmlichen Ver⸗ gangenheit brechen, ohne Schmerz so manche fest⸗ geknüpften Bande zerreißen: das wäre nicht

deutscher Sinn, sondern wälsche Leicht

fertigkeit. Ganz gewiß werden die Straß burger mit der Zeit ächte und rechte Deutsche wieder werden. Wir aber wollen inzwischen, wie in jener Rede weiter gesagt wurde, die Herzen gewinnen helfen und wollen des bekannten Sprich⸗ wortes gedenken, das bei Gründung neuer Freund- schaftsverhältnisse allgemeine Anwendung findet, nämlich: Geschenke gewinnen die Herzen Mit⸗ bürger! O, sagt nicht, wie es wohl auch geschieht: die Straßburger sollen erst kommen und recht schön bitten. Sagt das nicht! denn das wäre ja gebettelt und durch Betteln können keine moralische Eroberungen gemacht werden, wie sie Deutschland in Straßburg-Elsaß machen soll. Was das Deutschwerden Straßburgs anbelangt, so betrachten die Franzosen dieses allerdings als eine Demüthigung; allein wäre es nicht eint viel größere Demüthigung für Deutschland, wenn Straßburg nicht wieder deutsch würde? Und wer verdient eine Demüthigung, Frankreich oder

Deutschland? Lassen wir in dieser Hinsicht getrosten

Muthes diejenigen Männer sorgen, welchen Deutsch⸗ land nach der Erfahrung vertrauen kann. Wir wollen aber einen Augenblick jene unpatriotische Unterstellung gelten lassen, um den darin liegenden Einwand zu widerlegen, und wollen sagen: wenn Straßburg von Deutschland an die Franzosen wieder überantwortet würde, dann bildeten unsere Gaben für Straßburg den Beweis, daß das deutsche Volk keine Freude, sondern Mitgefühl hat für die Leiden und Zerstörungen eines Krieges, namentlich des gegen⸗ wärtigen, Deutschland aufgedrungenen Krieges. Dieser Beioeis humanen Sinnes, ein Ruhm Deutschlanvs, wäre er nicht auch eines Beitrages werth? 5

Nein, jene und ähnliche Bemerkungen, welche sich für jede Werkthätigkeit leicht finden und mit dem theilnahmevollsten Gesicht aussprechen lassen, sind nur ein Aushängeschild für verschlossene Herzen und Geldbeutel. Wer mag so denken und handeln! Da gefällt uns viel besser Das, was der einsache Landwirth gedacht und gesagt hat: Wenn wir auch viel, sehr viel geben, so geben wir immer noch zu wenig.

Friedberg, den 22. Okt. 1870. N.

Danksagung.

Sonniag den 25. Sepiember d. J. veranstalteten Hert Dr. Bode jun. und unser Kurgast Herr Dr,. Mayer aus Mainz zum Besten det Verwundeten zu Bad⸗Nauheim im Saale des Hotel Iburg vor ausverkauftem Hause eine musikalisch⸗tbealralische Abend-Unterhaltung, und floß unserer Vereinskasse am 18. d. M. als finanzielles Er- gebniß derselben die Summe von 212 fl. 12 kr. zu. Win

sagen den Herren Unternehmern und allen Herren und

Damen, welche bei den sehr gelungenen Aufführungen mitwirkten, im Namen unseres Vereins besonders öffent⸗ lichen Dank. a Bad⸗Nauheim am 22. October 1870. Der Vorstand des Hülfsvereins. Der Vorsitzende Der Schriftführer Schul Dr. Siebert.

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