Ausgabe 
25.10.1870
 
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gegenstand der Bewunderung und Sympathie er ganzen Welt sein de. Vielleicht war frankreich die schlimmste Prüfung nöthig, um zeläutert daraus hervorzugehen.

Nach einer Depesche aus Rocroy vom 9. d. haben Balloureisende dahin die Nachricht zus Paris gebracht, daß die Preußen in der Nacht zuvor die Redoute der Hautes Brouyeres ind Bicetre angegriffen haben. Nach zwei bis nweistündigen Kämpfen wurden sie zurückgeschlagen.

21. Okt. Ein Decret der Regierung er- zärt Chateaudun wohlverdient um das Vaterland. zin Credit von 100,000 Fr. wird der Stadt als intschädigung für die durch die Vertheidigung er⸗ ttenen Verluste überwiesen. Thiers ist diese Lacht hier eingetroffen. Der päpstliche Nuntius u aus Paris hier eingetroffen. Keratry ist zus Madrid zurückgekehrt. Gambetta hat an Stelle des Präfekten von Marseille, Es quiros, As Generalcommissor der Bouches du Rhöne Rarc Dufresne ernannt. Derselbe ist aber von er Nationalgarde festgenommen und nach Mar- zille ins Gefängniß geführt worden. Der an die Spitze des Armeewesens als Gambetta's Secretär rstellte Ingenieur Freysinet hat, laut einem Com- nuniqué in den heutigen Journalen, seine Wirk⸗ umkeit damit begonnen, die Generalstabskarte von rankreich photographieren zu lassen, um damit tt dagen zi 115 fr gyzösischen Armee u versehen. e 5, 99 ein Blatt, ünftighin unsere Landeskinder fast eben so genau us Kriegsterrain kennen, wie die preußischen Offiziere?

DieLiberté de Rouen meldet: Der Maire von Gisors, Mr. Lepöre, drohte den Lationalgarde Offizieren, ihre Namenslisten den seranrückenden Preußen mitzutheilen, wenn sie zurch ihren Widerstandsversuch Unglück über das Städtchen bringen wollten. Als die Offiziere saran sich nicht kehrten, führte dieser des Namens Franzose unwürdige Maire seine Drohung aus ind zwang dadurch die beklagenswerthen Opfer r Denunkiation zur Flucht. a

Eselsfleisch wird jetzt in Paris gegessen ind mit 30 Cent. das Kilogramm bezahlt. An Seinefischen und Gemüsen fehlt es noch nicht, cer sie werden fäglich theuerer. Bei einem Diner on 7 Personen, bei Jules Favre, kamen drei boteletten auf den Tisch; Niemand wollte zu⸗ greifen, sie gingen daher zurück und die Gäste len mit Energie über einen Schinken her. Die übschen russischen Traber, welche 1867 auf der Jusstellung bewundert und von Alexander II. Japoleon III. zum Geschenk gemacht wurden, sind 1 400 Frcs. das Stück verkauft worden; jedes lieser ungewöhnlich schönen Thiere war vor der Welagerung 23,000 Fres werth.

22. Okt. Depeschen aus Lille zufolge ist testern St. Quentin vom Feinde besetzt worden. Die Preußen marschiren nach Amiens in zwei Lolonnen, die eine von Brettuil, die andere von Montdidier aus.

In Paris hat am 19. Okt. wieder eine revolutionäre, d. h. anarchische Kundgebung statt⸗ gefunden. Ballonnachrichten melden darüber nach gille: DasEcho du Nord vom 20. d. meldet, luß eine erbärmliche Manifestation gestern Abend tor der Präfectur stattfand und von der National⸗ tarde mit einem bemerkenswerthen Elan zerstreut turde. Die Chefs der Bewegung sind auf der Flucht. Heute vollständige Ruhe.

DieFrance sagt, daß die Bevölkerung wn Tours mit großer Angst den Bewegungen der preußischen Loire Armee folgt. DieGazette ir France erzählt, Thiers habe nichts Beruhigen · des von seiner langen Reise berichtet; in Florenz labe er keine gute Aufnahme gefunden. Die Liberté versichert, Bazaine habe Verbindungen nit Thionville hergestellt. Dasselbe Blatt veröffent- licht einen langen Brief Girardin's an Bismarck.

Dem LyonerSalut public zufolge haben lie Mobilgarden in dem Lyoner Karmeliterkloster grobe Extesse begangen. Die Nationalgarde mußte die Ordnung wieder herstellen. Berichten

cus Lyon zufolge hat die dortige Bevölkerung en Befehl erhalten, auf zwei Monate sich zu ver

proviantiren. Aus Marseille wird gemeldet, daß die daselbst angeordnete Austreibung der Jesuiten

auf das ganze Departement ausgedehnt worden ist.

Nach Briefen aus Tours bestand der Zweck der Reise Gambetta's nach Besangon darin, Frieden zwischen dem General Cambriels, Keller und Garibaldi zu stiften. Cambriels als Militär und Keller als Katholik waren keineswegs von der Theilnahme Garibaldi's am Kampfe sehr erbaut. Die französische Regierung hofft aber, durch seine Anwesenheit bei der französischen Armee die Frage Betreffs Nizza's zu beseitigen. Bourbaki, der in Lille eingetroffen ist, übernimmt den Oberbefehl über die Nordarmee. Zu derselben gehören die Truppen der Normandie, der Picardie und von Französisch⸗Flandern. Bourbaki hofft, mit über 100,000 Mann Paris zu Hülfe marschieren zu können.

Belgien. Bysel. Der amerikanische Gesandtschaftssecretär, der aus London zurück- gekehrt ist, couferirte hierorts mit dem inzwischen eingetroffenen Sheridan und reiste hierauf nach Versailles ab. Sheridan erwartet hier Burnside und kehrt dann nach Amerika zurück.

Verhandlungen mit Bazaine finden statt; dessen Bevollmächtigter ist vom Prinzen Friedrich Karl an das deutsche Hauptquartier zu Versailles gewiesen worden, wo den Unterhandlungen eine politische Wendung gegeben wurde, so daß das Gelingen derselben nahezu einem Friedensschluß

gleichen

EineMoniteur⸗Nole erklärt, die Regierung habe keine Reclamation betreffs der belgischen Presse von Seiten Deutschlands erhalten. Ebenso unrichtig sei auch, daß die Beziehungen zu dem preußischen Gesandten Hrn. v. Balan nicht freund⸗ schaftliche wären. Sie seien so gut als möglich. Nach Berichten aus Mouscron(in der bel gischen Propinz West⸗ Flandern) sollen die Deut⸗ schen noch drei Kilometer von Amiens stehen. Die Stadt ist entschlossen, Widerstand zu leisten. Ein Eisenbahnzug mit Munition ist von Lille nach dort abgegangen. DieIndépendance belge äußert sich über den tiefen Eindruck, den der Leit- artikel derKöln. Ztg. vom Montag unter der UeberschriftLuxemburg hervorgerufen hat, in folgender Weise: Die Protestationen Luxemburgs erheben sich gegen Deutschlands Compensations- programme in Betreff Luxemburgs. Der Bürger meister und die Schöffen der Hauptstadt des Landes, sowie alle Privatclubs werden, wie dieLuxem- burger Zeitung meldet, bei dem Prinzen Statt halter Schritte thun, damit die Neutralität des Landes fortgesetzt angestrebt werde. Gleichzeitig veröffentlicht dieIndépendance schon den Wort laut der dießfalls votirten Adresse an den Prinzen, der am 21. d. in Luxemberg eingetroffen ist.

DieIndeépendance belge will wissen, daß General Boyer aus Metz hier eingetroffen und Nachmittags 5 Uhr nach England weiter gereist ist. Das Blatt fügt hinzu, daß der General mit einer Botschaft an die Kaiserin Eugenie be traut sein soll.

Die»Indépendance belge bringt einen verbürgten Expreßbericht aus London, wonach directe Friedensunterhandlungen zwischen Ba⸗ zaine und Trochu einerseits und Bismarck andererseits geführt rden und bereits bis zur Unterzeichnung Documente gediehen waren, als Bismarck den Einmarsch der Deut schen in Paris als alleinige materielle Garantie des Vertrages verlangte, und Trochu nun die Unterzeichnung nicht wagte. Bazaine wird in den nächsten Tagen capituliren müssen. General Boyer ist bereits nach Metz zurückge kehrt und hat den 20. d. bei der Exkaiserin zugebracht.

Großbritannien. London. Napoleon sagte dem Times⸗Correspondenten am 17. October: Der Friede auf Basis von irgendwelcher Ge bietsabtretung sei unmöglich, keine Regierung würde einen derartigen Friedensabschluß einen einzigen Tag überleben. Ein Telegramm derDailg News aus Berlin vom 19. October meldet: Bismarck opponire einer allgemeinen Beschießung von Paris, die näheren Forts sollen genommen,

die Stadt ausgehungert werden. Die Capitu⸗ lation von Metz sei bevorstehend. Burnside ist in Belgien eingetroffen, da sich sein letzter Ver⸗ such, den Frieden zu vermitteln, erfolglos gezeigt. Die Pariser Regierung soll eine Friedensverhand⸗ lung, für welche größere Gebietsabtretungen die Grundlage bilden, schlechthin für unmöglich erklärt haben. Es heißt, die Washingtoner Regierung habe gefunden, Burnside gehe bereits in seiner Vermittlung zu weit, und deßhalb habe dieser, statt sich nach Tours zu begeben, zunächst sich nach Brüssel zurückgezogen.

Der DampferCambria ist an der irischen Küste mit 170 Personen gescheitert. Der Untergang fast Aller wird befürchtet.

Times undDaily News sowieDaily Telegraph enthalten übereinstimmende Telegramme aus Madrid, dahin lautend, daß Keratrh die spanische Regierung ersucht habe, das Verbot der Ausfuhr von Pferden und Waffen aufzubeben. Prim hat entschieden abgelehnt, da die Ersullung dieses Ansuchens einem Bruch der Neutralität gleich käme. Einer Depesche derDaily News aus Saarbrücken zufolge fanden in Metz anläßlich der Proclamirung der Republik Unruhen statt. Unter den halbverhungerten Soldaten finden zahl⸗ reiche Desertionen statt.Sun meldet: Die Admiralität hat das KriegsschiffHelikon nach Havre beordert, wo die Bevölkerung englische mit Lebensmittel befrachtete Schiffe mit Gewalt am Auslaufen verhindert.

Die Regierung leitet einen Prozeß gegen Diejenigen ein, welche Irländer nach Frankreich lockten, angeblich zu Krankendiensten, thatsächlich zu neutralitätswidrigen Kriegsdiensten.

Italien. Florenz. Graf Brassier de Saint Simon betonte im Ministerium des Aus⸗ wärtigen den Abgang so vieler Freiwilligen nach Frankreich, während Thiers mit verschiedenen Ministern conferire.

Turin. Mehrere Italiener, welche ohne Paß nach Frankreich gegangen, um dort Kriegsdienste zu leisten, wurden zurückgewiesen. Es bedarf eines von einem diplomatischen Agenten oder Consul visirten Passes.

Rom. Der Papst erließ eine Enchelica an alle Bischöfe, worin er abermals gegen die un⸗ gerechte Occupation von Seiten der Florentiner Regierung protestirt und die Bischöfe auffordert, die Könige und Völker zu vermögen, der moralisch und materiell gefährdeten Kirche beizuspringen.

Amerika. Washington. Am 20. October wurden Erdstöße in Jork, Montreal und Toronto ver⸗ spürt. In Boston und Bungor sind Haͤuser geborsten.

Frankfurt. Nach Mittheilung hiesiger Blätter wird mit der hier zur Ansicht auszustellenden Mitrailleuse welche nächste Woche eintrifft, eine großartige Ausstellung, alter und neuer Waffen verbunden sein. Mit dankens⸗ werther Zuvorkommenheit haben die Besitzer antiker Waffen solche dem Comite übßzrlassen.

Berlin. Nach einer veranstalteten statistischen Zu⸗ sammenstellung über den Umfang des Feldpostverkehrs sind in der Zeit vom 16. Juli bis zum 10. October an Sold für die Armee mit der Feldpost 13 Millionen Thaler und an privaten Geldsendungen durchschnittlich 50,000 Thaler täglich befördert worden. Von der Sammesfelle Berlin gehen täglich mit det Feldpost alleln eiren 70,000, im Ganzen von allen Sammelstellen der Norddeutschen Post⸗ verwaltung circa 200,000 Briefe zur Armee ad, von der⸗ selben kommen täglich circa 150,000 Briefe an. Der Weg auf den Eisenbahnen kann in Frankreich nur sehr langsam zurückgelegt werden, da des Nachts die Fahrten auf den Eisenbahnen ruhen und am Tage durch Proviant⸗ und andere für die Truppen bestimmte Trausporte viel⸗ fach gehemmt und unterbrochen werden. Deshalb ist auf der Strecke von Remilly nach Versailles, welche ungefähr 50 Meilen lang ist, ein Courier⸗Cours mit untergelegten Pferden eingerichtet, auf welchem eilige Briese befördert werden, deren Menge sich jedes Mal auf 10 bis 12 Ctr. Gewicht beläuft. Es wird die Tour in der Regel in drei Tagen zurückgelegt, oft auch um mehrere Stunden früher, während auf der Eisenbahn hierzu mindestens 5 Tage er⸗ sorderlich sind. Für diesen Cours werden 200 Pferde verwendet. Die Posisichtionen auf demselben haben milt⸗ tärische Besatzungen mit Etappen ⸗Commandansen. Im Ganzen werden mehrere Tausend Pferde von der Postver⸗ waltung des Norddeutschen Bundes in Frankreich verwendet.

Dank dem Krankenwärter J. Oscar Fritzsche für seine gute Warte und Pflege. Gleichzeitig empfehlen wir auch seine practische Leistung als Wärter und Krankenpfleger. Einige Verwundete und Kranke aus Kursaal Nr. II.