den anderen ihrer an demselben Orte gelegenen Keller, welche verordnungsmäßig mit Transporlscheinen zu ver⸗ sehen sind, die Transportscheine selbst auszustellen, haben sich dazu der vorgeschriebenen, von der„Ortseinnehmerei egen eine Vergütung von 1 Kreuzer für jeden Schein und Bescheinigung des Empfangs zu beziehenden For⸗ mularien zu bedienen.— Die Abgabe dieser Formularien soll in der Regel monatlich einmal und zwar innerhalb der drei letzten Tage des Monats, dem Bedarf entsprechend, erfolgen. 2) Die Verwendung der Transportscheinfor⸗ mularien hat genau in der Reihenfolge der darauf besind⸗ lichen Nummern zu geschehen. 3) Die Transportscheine und die in Uebereinstimmung mit denselben auszufertigenden Transport⸗Declarationen müssen entnehmen lassen: a. die Menge des Weins, d. die Anzahl und die Benennung der Gefäße, in welchen die Versendung geschieht, o. Vor⸗ und Familiennamen, Gewerbe und Wohnort des Transportanten, d, die Bezeichnung der Keller, aus welchem und nach welchem die Versendung geschieht, e. die Zeit der Gültig⸗ keit des Transportscheins, welche in jedem einzelnen Falle dem Bedürfniß entsprechend zu bemessen ist und 2 Stunden nichrübersteigen darf, k. den Ort, den Tag und die Stunde der Ausstellung.— Sowohl die Transportscheine, wie die Tlansport⸗Declarationen sind von den Versendern mit Vor⸗ und Familiennamen unter Angabe ihres Gewerbes als Weinhändler zu unterzeichnen.— Sämmtliche darin enthaltenen Einträge müssen deutlich geschrieben sein. Etwaige Berichtigungen gemachter Einträge sind von den Ausstellern besonders zu beglaubigen. 4) Bei gleichzeitigen Versendungen von Wein aus demselben Keller nach ver⸗ schiedenen anderen Kellern ist für jede Sendung ein be sonderer Transportschein auszustellen. 5) Sämmtliche ausgefertigte Transport⸗ Deklarationen sind monatlich in den 3 letzten Tagen jedes Monats der Ortseinnehmerei zu behändigen. Die noch in den Händen der Versender befindlichen Deklaralionen zu ausgestellten Transport- scheinen und die unverwendeten Formularien sind den Angestellten der Steuerverwaltung auf Verlangen jederzeit zur Einsicht vorzulegen und gegen Empfangsbescheinigung auszuhändigen.(Schluß folgt.)
Preußen. Berlin. Am 20. d. wurde die Uebereinkunft zwischen dem norddeutschen Bund, dem Königreich Italien und der Schweiz unter⸗ zeichnet, durch welche der norddeutsche Bund dem zwischen Italien und der Schweiz abgeschlossenen Vertrag bezüglich der Gotthardtbahn beitritt und die Frist für die Beschaffung der erforderlichen Subvention bis zum 31. Januar 1871 ver- längert wird.
— Die ersten 3 bis 4 Spalten des„Staats anzeigers“ sind am 22. d. fast ganz dem wechsel⸗ seitigen Austausche an Orden zwischen Preußen und Rußland gewidmet.— Nach einer hierher gelangten amtlichen Mittheilung werden die Corre— spondenzkarten demnächst auch in der Schweiz ein⸗ geführt werden.
Brandenburg a. H. Am 18. Juni wur- den hier zwei Unteroffiziere begraben, die am Donnerstag bei einem Uebungsmarsch mit Manöver gestürzt sind. Am genannten Tage fuhren näm- lich einige Compagnien der hier garnisonirenden 35er mit der Eisenbahn nach einem von hier 1½ Meilen liegenden Dorfe Wusterwitz und marschirten und manövrirten von da durch sehr sandiges Terrain hierher zurück, während andere Compagnien nach der genannten Station hin— marschirten und mit dem dort leer gewordenen Zuge zurückfuhren. Bei den Zurückmarschirenden nun, die ihren Marsch erst des Morgens um 11 Uhr beginnen konnten, sind mehrere Mann- schaften, am Sonnenstich gefährlich erkrankt, unter⸗ wegs liegen geblieben, ein Reserve- Unteroffizier, der beide Feldzüge mitgemacht, sofort gestorben und ein anderer, hier angekommen, gleich im Quartier den Strapazen erlegen.
Königsberg. Das Hoheitsrecht des„Richt⸗ schwertes der Obrigkeit“ scheint in der That nur theoretisch aufrecht erhalten zu werden. Wiederum ist ein Fall zu verzeichnen, wo ein Mörder, der unter den erschwerendsten Umständen zur Todes⸗ strafe verurtheilt worden, begnadigt ist. Im hiesigen Gerichtsgefängnisse befindet sich der Wirth Braasch aus Deutsch-Thierau, welcher von den Geschwornen schuldig befunden wurde, seine leib⸗ liche Mutter vorsätzlich und mit Ueberlegung durch Beibringung von Gift getödtet zu haben. Der Gerichtshof erkannte in Folge dessen auf Todes⸗ strafe, jedoch hat der König die Strafe nunmehr in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt.
Marburg. Am 18. d. wurde hier der Vereinstag des hessischen Verbandes der Vorschuß⸗ und Creditgenossenschaften abgehalten. Es waren Vertreter der Vereine zu Kassel, Großalmerode, Lichtenau, Rotenburg, Hersfeld, Fulda, Alsfeld,
Neukirchen, Dodenau, Bockenheim, Gießen, Fried⸗ berg und Wetzlar erschienen. Als Vorort des Verbandes wurde wieder Gießen und als Ort für den nächstjährigen Vereinstag Kassel bestimmt, so⸗ wie zum stellvertretenden Abgeordneten für den Verbandsdirektor Kaufmann Hanstein in Gießen, zu dem allgemeinen Vereinstage in Breslau der Buchhändler Oscar Ehrhardt dahier gewählt.
Frankfurt. Die Vorbereitungen zum Jour⸗ nalistentag, der am Sonntag über acht Tage in unserer Stadt zusammentreten wird, sind in vollem Gange. Das Lokalcomite, bestehend aus den hiesigen Mitgliedern des Journalistentags und anderen, der Publicistik nahestehenden Persönlich⸗ keiten, ist bemüht, den Gästen, die aus allen Theilen Deutschlands erwartet werden, den Aufent- halt hier so angenehm wie möglich zu machen.
Bayern. München. An dem Etat des Ministeriums des Aeußern hat der Finanzausschuß der Abgeordnetenkammer 20,000 fl. an den Ge⸗ sandtschaften gestrichen, wodurch also wahrschein⸗ lich die Besetzung der Posten in Petersburg und Darmstadt oder Dresden nicht mehr möglich würve.
— Der König kommt am Freitag, wo die Hauptprobe zu R. Wagner's„Walküre“ statt⸗ findet, wieder in die Stadt. Zu den ersten zwei Aufführungen des musikalischen Dramas sind längst alle Plätze vergriffen. Für die Hauptprobe sind von der Hoftheater Intendanz 600 Einladungen an Mitglieder des Adels, der Presse u. s. w. aus⸗ gegeben worden.
Würtemberg Stuttgart. Wie seit mehreren Jahren die Feier des Jahrestags der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Nordamerika am 4. Juli in Stuttgart be⸗ gangen wurde, seit unsere Stadt einer der belieb⸗ testen Sammelpunkte der Amerikaner oder der aus Amerika zurückgekehrten Deutschen geworden, so wird es dieses Jahr wieder der Fall sein.
Oesterreich. Wien. Behufs Ersparungen im Militärbudget denkt man abermals, wie einem Provinzialblatte gemeldet wird, an eine Reform; dieselbe betrifft die metallenen Rockknöpfe, welche ziemlich kostspielig sind und deren stetige„Instand⸗ haltung“ viel Zeit und Arbeit kostet. Es herrscht nun die Absicht, dieselben durch einfache Horn- knöpfe zu ersetzen, wodurch man pro Mann 10 kr., also bei einem„Activstande“ von 400,000 Uni⸗ formen die Summe von 40,000 fl. zu ersparen hofft; in dieser Beziehung sollen die amerikanischen Soldaten zum Muster dienen, deren Ruhm der mangelnde Glanz ihrer Rockknöpfe nicht geschadet haben soll. Warum geht aber das k. k. Kriegs- ministerium nicht noch weiter und reducirt das Heer auf die dem amerikanischen entsprechende Anzahl; der dadurch entstehende Ausfall an Rock⸗ knöpfen wäre sehr beträchtlich.
— Die hiesigen Morgenblätier vom 22. d. verzeichnen ein der Wahrscheinlichkeit nicht ent⸗ behrendes Gerücht, wonach Graf Potocki mit der Ergänzung des Cabinets beschäftigt wäre. Wie man hört, sollen mit Hofrath Stremayr wegen Wiederübernahme des Unterrichtsportefeuilles Unterhandlungen schweben.
Frankreich. Paris. Eine Privatdepesche der„Frankf. Ztg.“ meldet:„Der Kaiser ist nach St. Cloud abgereist. Ein Complot ist bei Cornouaille in der Herberge Téte-noixe auf dem Wege nach St. Cloud entdeckt worden. Es haben Verhaftungen stattgefunden.
— Louvet, der Handelsminister, hat in der Ackerbau⸗Gesellschaft über den Stand der Saaten, die große Landescalamität, gesprochen.„Gerste und Hafer“, sagt er,„obgleich in verschiedenen Landestheilen schwer bedroht, können sich noch bessern, wenn eine Veränderung in der Temperatur eintritt; Roggen ist im Allgemeinen passabel, der Weizen ist in der leichten Erde kurzhalmig und von mittelmäßiger Aehre, dagegen in der schwereren und gut bearbeiteten Erde von sehr schönem An⸗ sehen. Was den Weinstock betrifft, so ist sein Stand bis jetzt ein ungemein zufriedenstellender.
N Belgien. Brüssel. Graf Vilain XIV. ist ins Ausland gereist. Er will um keinen Preis
ins Cabinet. Auch der Graf v. Theux, der
Führer der Rechten, der beim Könige Audienz
hatte, weigert sich, ein Portefeuille anzunehmen, indem er sein hohes Alter vorschützt, und hat fich ebenfalls aufs Land begeben.— In Verviers
haben sich die Unruhen nicht wiederholt.
— 21. Juni. Die Unruhen in Verviers haben sich heute und gestern Nacht nicht mehr wiederholt, und da eine hinreichende Truppenzahl in der Stadt und der Umgegend concentrirt, außer⸗ dem Vorsichtsmaßregeln getroffen sind, um noch Truppen heranziehen zu können, so dürfte es dies mal mit den schon gefallenen Opfern(zwei oder drei Todte und viele Verwundete) sein Bewenden haben. Aber es bleibt nichtsdestoweniger bedauer⸗ lich, daß die Polizei durch allzu schleunige Inter⸗ vention eine vielleicht unbedachte und ungeziemende Demonstration in eine Emeute verwandelt hat.
Spauien. Madrid. Die beiden letzten Cortessitzungen waren sehr bedeutsam. In der am 17. d. stattgefundenen wurde die Vorlage des Justizministers betreffs den Reform des Straf⸗ gesetzbuches mit großer Majorität angenommen, nachdem derselbe bezüglich des liberalen Aus baues des fraglichen Projektes die umfassendsten Zu⸗ sagen gemacht hatte Er betonte namentlich die Nothwendigkeit solcher strafrechtlicher Bestimmungen. welche den Richter außer Stand setzten, durch willkürliche Interpretation die Preßfreiheit zu be⸗ einträchtigen. Seine Erörterungen fanden den allseitigsten Beifall. Hierauf förderte die Kammer den Entwurf betreffs der Abschaffung der Scla⸗ verei bis zum 22. Artikel.
Frankfurt. Wie die„Frankf. Ztg.“ meldet, haben von den deutschen Eisenbahnverwaltungen nur die Hessische Ludwigsbahn und die Franksurt⸗Hanauer⸗Bahn den Mit⸗ gliedern des Journalistentags freie Fahrt eingeräumt. Eine Anzahl anderer Privatbahnen haben Preisermäßigung gewährt, die Staatsbahnen haben fast ohne Ausnahme jede Bewilligung versagt.
Aus Brieg, 15. Juni, wird der„Schles. Ztg.“ ge⸗ schrieben: Unter den Inhabern der für unsern Jahrmarkt aufgestellten Schaubuden und dem sie besuchenden Publikum herrschte heute früh großer Schrecken, da sich die Nachricht verbreitete, dem Menageriebesitzer Winkler sei aus seiner Menagerie ein Stück entsprungen. Bald erfuhr man, daß es sich um ein Krokodil handle, das aus seinem Be⸗ hälter entsprungen war und seinen Weg in die nur wenige Schritte entfernte Oder genommen habe. Wie Herr Winkler angibt, haben Naturforscher das Alter dieses Flüchtlings auf über 40 Jahre geschätzt. Obgleich es Leute schwimmen gesehen haben wollen, ist es den hiesigen Fischern noch nicht gelungen, durch Einfangen des übrigens sehr zahmen Thieres sich die ausgesetzte Prämie von 10 Thalern zu verdienen. Die Nachforschungen werden eifrigst fortgesetzt, um unsere friedliche Oder von dem Nilbewohner zu befreien.(Das ist gewiß keine Ente]!)
Allgemeine Rosenausstellung in Darmstadt.
Der Gartenbauverein zu Darmstadt hat ungewöhliche Vorkehrungen getroffen und große Opfer gebracht, um nicht nur die Rosenzüchter von nah und fern zur Aus⸗ stellung ihrer schönen Pfleglinge zu veranlassen, sondern auch um ihnen die Beschickung zu erleichtern, und die Menge der reichen Sammlungen, welche nunmehr fest zuge⸗ sagt sind, durch geschmackvolle Aufstellung und sorgfältigste Pflege im schönsten Lichte zu zeigen. Die gülige Mit⸗ wirkung der Großherzoglichen Hofgartendireetion und zahlreiche Freunde des Vereins setzten denselben in Stand durch malerische Fernsichten, prachtvolle Baum⸗ gruppen und Pflanzendecorationen, Fontainen, Statuen in den mächtigen Hallen der Orangeriegebäude ein groß⸗ artiges Festlocal zu schaffen, wie es der internationalen Zusammenkunft der schönsten Kinder Floras würdig ist. Der Großherzogliche Hoforangeriegarten wird den Besuchern an allen Tagen der Ausstellung nicht nur den gewöhn⸗ lichen reizenden Anblick und den kühlen Schatten seiner Alleen, sondern auch Concerte, Restauration, Eis zc. bieten. Von der Eisenbahn zum Orangeriegarten wird ein besonderer Omnibusdienst eingerichtet. Im Verhält⸗ niß zu dem Allen sind die Eintrittspreise niedrig gestellt.— So glaubt denn der Verein hoffen zu dürfen, daß die fremden Aussteller und Besucher der Ausstellung befriedigt sein und nur angenehme Erinnerungen von hier mit⸗ nehmen werden.
Der Wetterauer Zweigverein der Gustav⸗Adolph⸗ Stiftung
beabsichtigt, morgen Sonntag den 26. Juni, Nach⸗ mittags 2 Uhr, in Södel sein Jahresfest zu feiern. Herr Professor Köhler von Friedberg wird die Fest⸗ predigt halten. Zugleich werden die Herrn Geistlichen gebeten, entweder selbst an dem Feste Theil zu nehmen, oder ihre Gemeinden durch besondere Abgeordnete ver⸗ treten zu lassen, da auf Grund der Statuten die Neu⸗ wahl des Vorstands in Södel vorgenommen werden muß, Friedberg den 23. Juni 1870. Der Vorstand.
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