treibung der Strafgelder. Die beanstandeten Artikel bezogen sich auf das„Complott“, auf das „Feuilleton als Roman“ des Grandperret'schen Berichts über dasselbe, und besonders auf das Wort„Bonaparticide“, das Rochefort neben „Insectieide“ in die Grammatik einreiben wollte („Bonapartentod“ wie„Wanzentod“). Das Gericht meinte, die Zeitung habe damit keinen Respekt vor der Majestät bezeugt, was nicht zu längnen ist.
— 21. Mai, Nachm. 1 Uhr. Der Kaiser hielt bei dem soeben stattgehabten Empfang des gesetzgebenden Körpers in dem Palast der Tui⸗ lerien folgende Ansprache an denselben:
Meine Herren! Indem ich aus Ihren Händen das Resultat der allgemeinen Volksabstimmung vom 8. Mai entgegennehme, war mein erster Wunsch, meine Erkennt— lichkeit der Nation auszudrücken, welche mir seit zweiund zwanzig Jabren zum vierten Male ein sprechendes Zeug— niß ihres Vertrauens gegeben hat. Das allgemeine Stimmrecht, dessen Grundbedingungen sich ohne Aufhören erneuern, bewahrt nichtsdestoweniger in seiner Beweglich— keit einen consequenten Willen. Es hat zum Führer seiner Tradition die Sicherheit seiner Gefühle und die Treue seiner Sympathien. Das Plebiscite hatte nur die Ralisication einer Reform der Verfassung durch das Volk zum Gegenstand, aber inmitten des Widerstreits der Meinungen und in der Leidenschaft des Kampfes hatte sich die Heftigkeit der Debatten bis aufs höchste gesteigert. Wir bedauern es nicht. Die Gegner unserer Staatsein⸗ richtungen haben die Frage auf die Alternative„Revo— lution oder Kaiserreich? zugespitzt. Das Land hat sich zu Gunsten des Systems entschieden, welches die Ordnung unb die Freiheit verbürgt. Heute ist das Kaiserreich be— festigt auf seiner Grundlage, es wird seine Stärke in seiner Mäßigung zeigen. Meine Regierung wird die Gesetze ohne Parteilichkeit wie ohne Schwäche ausführen lassen, sie wird nicht abweichen von der liberalen Linie, welche sie sich gezogen hat, indem sie Allen gleiches Recht gewährt. Sie wird alle Interessen schützen, ohne sich der abweichenden Stimmen und der feindlichen Umtriebe zu erinnern; aber sie wird auch verstehen, dem so energisch kund gethanen nationalen Willen Achlung zu verschaffen und denselben von jetzt ab über jeder Controverse zu halten. Nachdem wir nunmehr die constitutionellen Fragen überwunden haben, welche die Ansichten der besten Geister spalten, brauchen wir uns kein anderes Endziel mehr zu flecken, als die ehrenwerthen Männer aller Parteien um die Verfassung zu schaaren, welche das Land sanctionirt hat, die Sicherbeit zu befestigen, die Beruhigung der Leidenschaften herbeizuführen, die socialen Interessen vor der Berührung mit falschen Lehren zu bewahren und unter Zuratheziehung aller Verstandeskeäfte die Mittel zu erforschen, durch welche die Größe und das Gedeihen Frankceichs vermehrt werden kann; wir haben ferner überallhin den Unterricht auszubreiten und zu verbessern, die Verwaltungsmaschinerie zu vereinfachen, die Thäligkeit von dem Mittelpunkie des Landes, wo dieselbe überfluthet, auf die entlegeneren Theile, wo sie darniederliegt, fortzu— pflanzen, in unsere Gesetzbücher, welche Denkmäler sind, die durch die Zeitverhältnisse gerechtfertigten Verbesserungen einzuführen, die Productionskraft und den Reichthum des Landes zu vergrößern, den Ackerbau und die weitere Entfaltung der öffentlichen Arbeiten zu unterstützen und schließlich diesem slels gelösten und doch immer wieder von Neuem auftauchen⸗ den Problem unsere Kräfte zu weihen, nämlich die beste gleichmäßige Vertheilung der Lasten, welche auf den Bei⸗ tragspflichtigen ruhen, auszufinden: dies ist unser Pro⸗ gramm; indem wir es verwirklichen, wird unsere Nation durch die freie Ausbreitung ihrer Hülfskräfte die Fort⸗ schritte der Civilisation immer wieder ausdehnen. Ich danke Ihnen, meine Herren, für die kräftige Hülfe, welche Sie mir bet dieser feierlichen Gelegenheit geleistet haben. Die bejahenden Stimmen, welche die in den Jahren 1848, 1851 und 1852 abgegebenen ratificiren, bestätigen auch ihre Vollmachten und geben ihnen wie mir neue Kraft, für das Wohl des Landes zu arbeiten. Wir dürfen heute mehr denn je die Zukunft ohne die Befürchtung ins Auge fassen, daß sich dem fortschreitenden Gange eines Regimes, welches ein großes Volk inmitten politischer Drangsale begründet und im Schooße des Friedens und
der Freiheit befestigt hat, in Wirklichkeit Hindernisse in den Weg sellen könnten.
— Die Rede des Kaisers wurde an zahl“ reichen Stellen und namentlich am Ende lebhaft applaudirt. Die meisten Blätter, besonders das „Journal des Debats“, loben die Weisheit und den Liberalismus, welchen die Rede bekunde.
Spanien. Madrid. Man versichert, daß Espartero, den an ihn gerichteten Aufforderungen nachgebend, die Throncandidatur annehmen werde. Gleichwohl glaubt man, daß diese Candidatur scheitern wird.
Portugal. Lissabon. Der Herzog von Saldanha hat mit sechs Bataillonen ein Pronun- ciamento gemacht. Er nahm das Fort St. George und drang nach einem Gefecht, in welchem 6 Mann getödtet und 30 verwundet wurden, in den Palast des Königs ein. Der Herzog de Loule, Präsident des Conseil, welcher herbeigerufen wurde, nahm seine Entlassung, worauf der König den Herzog von Saldanha mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragte.
Italien. Florentiner Nachrichten besagen: Die revolutionäre Bewegung nimmt eher zu als ab. Briefe aus Neapel versichern, daß in den süditalienischen Provinzen und in Neapel selbst viele junge Leute den Republikanern sich anzu- schließen bereit sind und die Bürger von Filadelsia, Maida und Cortale, anstatt sich von der Regie— rung gegen die Banden commandiren zu lassen, ihnen die größte Sympathie zeigen. Der Syn— dikus von Flladelsia sogar, Serrano, ist in ihre Mitte übergegangen. Alle Nachrichten kommen überein, daß die Bewegung keine vereinzelte ist und daß die Bevölkerung nichts thut, die Re— gierung zu unterstützen. Damit sind auch die neuen Truppenverstärkungen erklärt, welche die calabresischen Behörden fortwährend verlangen. Auch nach Sieilien sind wieder neue Truppen geschickt worden, und Medici läßt ein Telegramm auf das andere folgen, welches Hilfe verlangt. Und die Vorgänge von Calabrien finden ihr Echo in den Abruzzen, wo mehrere Banden ihrem Bei— spiele folgen.
Florenz. In der Deputirtenkammer ge— langten verschiedene auf die Marathoner Räuber⸗ affaire bezügliche Documente zur Vertheilung, darunter ein Bericht des Obersten Theagenes, welcher darthut, daß das Resultat der gegen die Räuber getroffenen Maßregeln ein anderes gewesen wäre, wenn die Truppen von Chalcis ihre Pflicht gethan hätten. Ein zweites Document constatirt, daß die Chefs der Briganten in Folge von Rathschlägen hervorragender Persönlichkeiten von Chalcis auf der Amnestie bestanden haben. Eine Note des italienischen Gesandten in Athen, Della Mineroa, vom 5. Mai, wirft der griechischen Regierung vor, die Benachrichtigung des Publikums über das Bestehen von Räuberbanden verabsäumt zu haben, und bestätigt die Existenz einer energi⸗ schen französischen Note an die griechische Regierung, in welcher die Letztere für das Lösegeld künftig gefangener Franzosen verantwortlich gemacht wird.
Genua. Drei Fahrzeuge überwachen gegen— wärtig Cabrera. Man weiß nicht, ob Ricciotti Garibaldi bei den Insurgenten in der Provinz Catanzaro ist und fürchtet die Bildung neuer
Banden; die Regierung trifft daher militärische Vorsichtsmaßregeln.
Rom. Die französischen Bischöfe haben sich beeilt, ihrer Geistlichkeit zu befehlen, am nächsten Sonntage bei Gelegenheit des glücklichen Erfolges des Plebiscits in ihren respectiven. Cathedralen ein Te Deum singen zu lassen. Die französische Gesandtschaft wird am selben Tage eines in Rom singen lassen in Gegenwart der französischen Bischöfe.
Gießen.
Die Ausstellung von Gewerbserzeugnissen, welche im September d. J. dahier abgehalten werden soll, verspricht schon jetzt eine zahlreiche Betheiligung der In⸗ dustriellen und Gewerbtreibenden unserer Provinz. Eine beträchtliche Anzahl werthvoller und interessanter Gegen⸗ stände sind bereits zur Ausstellung angemeldet. Die meisten Aussteller aber sind mit ihren Anmeldungen noch rück⸗ ständig, jedenfalls weil der Schluß der Anmeldung erst Ende kommenden Monats stattfindet. Jedenfalls wäre es nur im Interesse der Aussteller selbst, wenn sie nicht zu spät die ausgefüllten Anmeldeformularien einsenden wür⸗ den, weil nur dann von dem Comits besondere Wünsche in Bezug auf den Raum und die Art der Ausstellung berücksichtigt werden können.
Offenbach. Den Bemühungen des Präsidenten des hiesigen Arbeiterbildungsvereins, Herrn Lehmann, ist es gelungen, mehrere Portefeuillearbeiter zu gewinnen, welche während der Dauer der im nächsten Monat in Darmstadt statlfindenden Ausstellung von Erzeugnissen der Handwerker und Lehrlinge in der Ausstellung arbeiten werden, und wird soweit dem Publikum Gelegenheit geboten sein, die Fabrikation dieser Großindustrie durch eigene Anschauung kennen zu lernen. Diese Arbeiter werden nicht bereits vorgearbeitete Gegenstände vollenden, wie es in auswär⸗ tigen Ausstellungen so oft der Fall war, sondern alle Artikel aus Rohmaterial anfertigen. Während die Einen Necessairs, Brieftaschen, Spazierstöcke ꝛc. aus feinem Juch⸗ ten und Saffian fabriciren, auch alle Gegenstände dieses weitverzweigten Geschäftes nach Angaben verfertigen, wer⸗ den die Anderen jene Massenartikel produciren, welche von hier aus in Tausenden von Dutzenden täglich bis an die entferntesten Plätze der Erde versandt werden.
Mannheim. Am 20. d. wurde auf dem christlichen Friedhose die Enthüllung des Grabdenkmals für Karl Ludwig Sand vorgenommen. Herr W. Langeloth sprach im Namen derjenigen Einwohner, welche diese Angelegen⸗ heit in die Hand genommen hatten, Hr. Professor Krebs verlaß eine längere Ausarbeitung über die politischen Zu⸗ stände Deutschlands in jener Zeit und die Motive, welche Sand zu seiner That leiteten. Ein Neffe Sand's, welcher anwesend, war dankte im Namen der Familie für die dem Andenken seines Onkels gewidmeten Mühen.
In Wien wurde eine Vanknotenfälscher⸗Bande ent⸗ deckt und zur Haft gebracht, die ihr Gewerbe schon seit längerer Zeit betrieb und nach dem abgelegten Geständniß elwa 4000 Scheine à 5 fl. angefertigt, aber nur theilweise ausgegeben haben will. Als Verfertiger haben sich der Lüthograph Paul Wange und dessen Gehülfe Altmann bekannt; Letzterer und ein entlassener Beamter der Finanz⸗ Landes-Direction, Leitgeb, besorgten die Verbreitung.
Erfurt. Die„Thür. Ztg.“ schreibt: Am 12. Mai Nachmittags um 4 Uhr entlud sich über unserer Stadt ein kurz andauerndes, aber schweres Gewitter, während dessen der Blitz zu fünf verschiedenen Malen einschlug. Der erste dieser Schläge fuhr in die Spitze des sehr hohen Thurmes der Allerheiligenkirche und entzündete das unter— halb des kupsernen, circa 2½ Fuß im Durchmesser großen Knopfes befindliche Holzwerk, so daß erst eine kleine Rauchsäule sichtbaf war und bald darauf die Flammen aus demselben Sofort verkündeken drei Kanonenschüsse von der Citadelle Petersberg und die Töne Um 6½¼
Ne r ste hg e ren g. 1442 Mittwoch den 25 Mat l, J., Vormittags 11 Uhr, sollen an hiesigem Rathhause circa 6 Centner Weizen⸗ siroh öffentlich meistbietend versieigert werden. Friedberg den 23. Mai 1870. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg Foucar.
Güter-Versteigerung. 1443. Freitag den 27. d. M., Vormittags 10 Uhr, soll in hiesigem Rathhause das zur Debitmasse der Firma Georg Wagner's Wittwe dahier gehörende Grund— stück in Fauerbacher Gemarkung:
31 Klafter Acker au der Schlockergasse, nochmals öffentlich meifbietend versteigert und dem Letzt⸗ bietenden bei annehmbarem Gebot die Genehmigung als— bald ertheilt werden.
Friedberg den 23. Mai 1870. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg Fo uc ar.
Güter- Versteigerung.
Friedberger Gemarkung: 309 Klaffer Grasgarten im Roseuthal, nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden. Friedberg den 23. Mai 1870. In Auftrag Großherzoglichen Landgerichts Friedberg Großherzogliches Ortsgericht Friedberg o uc ar.
Magensalz,
gegen Magensäure, Sodbrennen ꝛc. ꝛc., in ½,
½ Pfunden empfiehlt J. A. Windecker in Friedberg.
1444 Freitag den 27. Mai d. J, Vormittags 11 Uhr, soll im hiesigen Rathhause das zur curatorischen Verwaltung des Christian Müller dahier gehörende Grundstück in
1252 bekannt als Bullrichs Unsversal⸗Reinigungssalz, 77,
Bekanntmachung.
1426 Die am 18. und 19. Mai l. J. in dem Münsterer Gemeindewald abgehaltene Holzversteige⸗ rung ist genehmigt und der erste Fahrtag auf Samstag den 28. d. M. beftimmt worden.
Die Abfuhrscheine können gegen Bürgscheine dah ier in Empfang genommen werden.
Münster den 21. Mat 1870.
Großherzogliche Bürgermeisterei Münster Reineck
Ein Logis,
1441 welches sogleich bezogen werden kaun, ist zu vermiethen. Näheres zu erfragen unter Angabe der Nummer dieser Anzelge bel der Exped. d. Bl.
Ein Logis
1410 bat zu vermielhen Heinrich Sauer.
Ebend
Algest genom
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