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Spanien. Madrid. Das Entlassungs⸗ gesuch des Marineministers Topete ist angenommen worden. Marineminister ernannt worden.
i Aus der Wetterau. In verflossener Woche fand in Griedel eine zahlreich besuchte landwirthschaft⸗ liche Versammlung statt, die außer der Anwesenheit der Herren Regierungsraih Trapp und Kreis⸗Assessor Haas von Friedberg auch durch die des Herrn Oeconomierath Dr. Krämer aus Darmstadt und anderer werthen Be⸗ sucher beehrt ward. Die erste und Hauptsrage war:„Wo⸗ her kommt es, daß die höchst wichtigen und in unserer Zeit so nothwendigen landwirthschaftlichen Fortbildungs⸗ schulen in Oberhessen so äußerst selten und schwierig zu Stande kommen?“ Alle Spitzen der sehr lebhaften und interessanten Discussion gipfelten in dem Satze:„Der betreffende Ortsvorstand trägt daran die meiste Schuld!“ Schade, daß diejenigen Ortsvorstände, die dieser Vorwurf mit Recht trifft, nicht anwesend waren. Schwerlich wür⸗ den sie nun, nach Anhörung der gründlichen, höchst be⸗ lehrenden, ja ergreifenden Rede des Hrn. Oekonomieraths bei ihrem schädlichen, sie beschämenden Sparsystem beharren zu wollen noch Neigung verspüren. Bedenkt man, was von Seiten der landw. Provinzial⸗ und Bezirksvereine durch Wort und That, durch Geldunterstützung geschieht, bedenkt man, welch regen Eifer der Lehrerstand hierin zeigt; bedenkt man, was in den beiden andern Provinzen, namentlich in Starkenburg, bei den sonst etwas gering schätzig beirachteten Ooͤenwäldern geschieht— und gewahrt in unsrer Gegend die große Apathie— nein, da kann man wohl im Zweifel sein, ob man dem ebenfalls an— wesend gewesenen Herrn Groos, Sekretär des Ober— hessischen landw. Provinzialvereins, beistimmen soll, wenn er behauptet, daß den Oberhessen, die freilich eine unbe⸗ greifliche Lauheit zeigten, Intelligenz nicht abzusprechen sei.— Welche Goldkörner sind dem guten Boden unserer Wetterau noch zu entlocken; aber das will man nicht er⸗ lernen in landw. Ortsvereinen, Fortbildungsschulen, Zeit⸗ schriften ꝛc. Lieber quält man sich ab im alten Gleise des(sonst ehrwürdigen) Großvaters. Der obige Vorwurf trifft nicht zugleich alle Bürgermeister, denn viele machen durch ihr vernünftiges Streben den übrigen Mitgliedern gegenüber eine lobenswerthe Ausnahme. Was ein Bürger⸗ meister für das Gedeihen einer guten Sache zu thun ver⸗ mag, zeigt sich in Griedel. Dort bringt, wie dies in beregter Versammlung öffenllich gerühmt wurde, die land⸗ wirthschaftliche Fortbildungsschule mit dem damit ver⸗ bundenen Gesangverein(in den nur solche Mitglieder aufgenommen werden, die auch die Fortbildungsschule be⸗ suchten) segensreiche Früchte für Landwirthschaft, Anstand und Bildung hervor. Möchten doch viele, wenn nicht alle Gemeinden Oberhessens, vernünftigen Belehrungen, die ja nur ihr eigenes Beste im Auge haben, ohne alles Mißtrauen zugänglich sein, und sich eben solchen Lobes würdig zeigen! f
Fraukfurt. Kommenden Samsiag wird die Tauben⸗, Vögel⸗ und Hühnerausstellung eröffnet. Die Betheiligung an derselben ist eine stärkere als früher, und sollen in jeder Beziehung von hier und auswärts Prachtexemplare eingesandt worden sein.
Frankfurt. Der Meuchelmörder Hoffmann bat sich im Spitalgefängniß erhängt. Der von ihm verwun⸗ dete Bauunternehmer Götz befindet sich auf dem Wege der Besserung; Hoffmann hatte zwei Kugeln in einen Lauf geladen; beide streiften Götz's Lunge, ohne sie zu durchbohren.
Mainz. Das biesige Bezirksgericht hat heute den Bahnhofverwalter in Gaualgesheim und den Locomotiv⸗ führer, welcher den Güterzug führte, der die junge Frau des dortigen Fabrikanten Avenarius vor zwei Monaten tödtete, von der Beschuldigung der Fahrlässigkeit im Dienste freigesprochen.
Altona. Der Oichter des„Schleswig⸗Holstein meer⸗
An seiner Stelle ist Belanger zum
umschlungen“, Kreisdirektor Chemnitz in Alkona, f ist dieser Tage verstorben. i ne ein
Berlin. Die„Zeidler'sche Correspondenz“ hat dem Abgeordneten Lasker nachgerechnet, daß derselbe in der letzten Session des Abgeordnetenhauses 120 Mal gesprochen. „Das macht— sagt die Correspondenz— nach Zeilen berechnet circa 175 Spalten; nach der Elle gemessen 80 Ellen; nach der Zeit berechnet 29 Stunden, so daß, wenn er hintereinander gesprochen hätte, eiwa 7½ Sitzungen ausgefüllt haben würde.
Berlin. Bekanntlich ist es schon öfter vorgekommen, daß beim Schließen der Thüren der Eisenbahnwagen die Hände eingeklemmt und Passagiere dadurch mehr oder minder verletzt worden sind. Zur Vorkehr gegen solche Unfälle werden jetzt bei der Berlin⸗Potsdamer Eisenbahn die Wagenthüren nach dem Innern des Waggons zu mit Hohlrahmen aus starkem Leder versehen.
Bürgerfeuerwehr.
§. Friedberg. Der Artikel des J Correspondenten in voriger Nummer des Anzeigers drängt uns zur nach⸗ stehenden Darlegung des Sachverhaltes, um allenfallsige irrige Ansichten im Publikum zu klären.
Wer schon bei einem Brande darauf geachtet hat, wie Vieles, trotz der sorgsamsten Leilung und weil die Leute nicht an gemeinsames Handeln gewöhnt sind, verkehrt an— gefaßt wird, wie die Spritzenmannschaft einander im Wege steht, mit welcher Unlust die Bürger an die Pumpen gehen und sich zu entfernen suchen, sobald der Brand nur halbwegs gelöscht ist, der mußte den Wunsch hegen, das ganze Löschwesen in der Hand einer Corporation zu sehen, die, an militärische Ordnung gewöhnt, den Befehlen ihrer Oberen unbedingt Folge leistet. Von diesem Wunsche beseelt trat eine Anzahl von circa 60 jungen Bürgern freiwillig zusammen zur Gründung einer neuen Feuerwehr und hatten sich diese Bürger dabei die Aufgabe gestellt, vereint mit der alten bereits bestehenden Feuer⸗ wehr, sowie unter weiterer Zuziehung geeigneter Kräfte aus der Zahl der jüngeren Bürger, das ganze Löschwesen in die Hand zu nehmen; und es erscheint diese Aufgabe nicht so schwer, wenn man bedenkt, daß beide Feuerwehren schon ein Corps von über 100 Mann sind und daß man, wenn jeder dieser Leute in seinem Bekannlenkreise sich nur ein klein wenig Mühe gibt, gewiß die Zahl auf 200 bis 250 Mann erhöhen kann. Hierzu ist aber vor Allem nöthig, daß die Feuerwehr ein für sich bestehendes Corps ist, unabhängig von jedem anderen Vereine. Früher, als Herr Roßbach sich das große Berdienst erwarb, die erste Feuerwehr hier in's Leben zu rufen, mußte dieselbe, da vielfache Zweifel an ihrem Emporblühen laut wurden und sie mit Vorurtheilen zu kämpfen hatte, sich an einen Verein anlehnen, um an diesem einen Rückhalt zu haben, und dieser Verein mußte naturgemäß der Turnverein sein. Jetzt aber ist die Zahl der alten Feuerwehr bereits eine so große, daß sie sehr gut für sich allein, ohne Turnverein, bestehen kann; und wollte man die von den neu zusammengetretenen Bürgern projektirte Feuerwehr unter die Botmäßigkeit eines Vereins slellen, dessen Zahl der wirklichen Mitglieder jedenfalls nicht größer als die der Feuerwehr sein würde, so erscheint dies geradezu als ein Unsinn. Ein Verein in einem Verein kann nicht bestehen, ohne daß nicht die gegenseitigen Interessen geschädigt werden, und ohne daß nicht eine unlieb⸗ same Einwirkung des einen auf den anderen statifin⸗ den muß. Und wenn man nun von Seiten des Staot⸗ vorstandes den einen Verein protegirt, und dem ande— ren, der gewiß das Wohl der Stadt im Auge hat, die Genehmigung versagt, resp. diese Genehmigung von der „Zustimmung des Turnvereins“ abhängig macht, so sind dies allerdings„Vereinsinteressen gefördert“ und zwar noch obendrein auf Kosten des öffentlichen Wohles! Der A⸗-⸗Correspondent sagt ferner, daß die Turnerfenerwehr ihre Erweiterung ermöglicht habe durch die Beschlüsse ihrer letzten Generalversammlung und wier
sagen: auf diese Beschlülsse einzugehen ist de een der neuen Feuerwehr unmöglich. Wir haben das er⸗ wähnte Protokoll in der Hand gehabt und barin heißt es, daß die Turnerfeuerwehr beschlossen habe, auch Nicht⸗ mitgliedern des Turnvereins den Eintritt in die Feuerwehr
zu gestatten, d. h. einzeln durch Ballotagel Wie 0 Den kann man aber glauben, es werde sich von den 50—60 1. April w. Leuten der neuen Feuerwehr nur ein Einziger melden, wenn er nicht als Mitglied einer Corporation angesehen bolssrim: wird, wenn er nicht selbstverständlich zu der Feuer⸗
wehr gehört. Was aber von dem Eintritt in die alte Feuerwehr noch viel mehr abhalten muß, ist das(wovon polzart. zwar Nichts im Protokoll der Turnerfeuerwehr gestanden chen hat, was aber von verschiedenen Mitgliedern derselben geäußert wurde), daß der Eintretende sich auf Gnade oder Eichen Ungnade ergeben muß: er hat weder Stimme noch Wahlrechk, noch überhaupt ein Recht, sondern pen
er ist einfach geduldet! Welcher Bürger, wel⸗ 1
cher Mann, der sich seines Werthes bewußt ist, kann 77 sich diesen Bestimmungen unterwerfen?! Was noch weiter 1 4% in die Wagschale fällt, ist aber auch das, daß die neue 1 0 Feuerwehr der alten an Mitgliederzahl fa st gleich kommt Jane (die alte Feuerwehr ist nur durch die Aufnahme der jungen künde Leute unter 20 Jahren stärker als die neue), daß sie 3 also wohl mit dem Bewußtsein ihrer Berechtigung der b Rade anderen gegenübersteht und daher wohl verlangen kann, lac e daß man sie als„Verein“ betrachtet, wenn sie auch als pense
solcher noch nicht die officielle Genehmigung hat. don 10 L
Man hatte geglaubt, daß das Projekt der neuen allgemeinen Feuerwehr sowohl von Seiten bes S0 Stabtvorfsandes, als auch von Seiten der Turnerfeuerwehr geignel.
mit Freuden begrüßt und gefördert werde(und jeder Ausanz Bürger, dem es um das Wohl der Stadt ernstlich zu ttt 8 U. thun ist, muß es mit Freuden begrüßen), statt dessen be⸗ erden reitet man diesem Projekt alle möglichen Hindernisse. Diese aammenk neue Feuerwehr kann nur gegründet werden und destehen, bundle d. wenn die alte sich auflöst, sich mit der neuen vereinigt Das und diese beiden dann gemeinschaftlich ihre Vorstände fammliichee und Obmänner wählen, sowie ihre Statuten berathen. ohnenan Dann hat Keiner mehr Recht, als der Andere, dann ist hot, an Jeder gleich, und das ist bei einem Vereine, wenn er Iren! wachsen und gedeihen soll, immer und überall die Haupt⸗ ollen die
sache. Inzwischen hat die neue Feuerwehr sich in einer 117 Zorg
wiederholten Eingabe an den Stadlvorstand mit ber Bitte
um Ueberlassung zweier Spritzen gewandt, damit sie
ihre Thätigkeit einstweilen, wenn auch nur beschränkt, ent⸗ ö
falten kann, und dieses Gesuch kann ihr wohl nicht abge⸗ ö
schlagen werden. 1 Schließlich aber sprechen wir den dringenden Wunsch 9
ahlungste Eschel
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aus, die Turnerfeuerwehr möge das Obengesagte in ernste Erwägung ziehen, und Beschlüsse fassen, um eine
Vereinigung, je eher je lieber, zu ermöglichen, um so das Sid In Projekt einer allgemeinen Feuerwehr verwirklichen zu 9 9 ehende können. Hoffen wir dies namentlich von der Einsicht des 1659
Vorstandes derselben; und auch der Vorstand des 1 sfrict hi Turnvereins kann, nach obigen Auseinandersetzungen, wenn
ihm das öffentliche Wohl mehr am Herzen liegt, 1
als„Vereinsinteressen“, einer Trennung der Feuer⸗ 9
wehr vom Turnverein, wenn er sie auch nicht geradezu 8:
wünscht, so doch nicht hindernd in den Weg trelen. ö N* Es gilt pier einer ernsten Sache! Die Feuer 8 wehr ist kein Verein zum Vergnügen, sondern 0 ein Verein von thatkräftigen Männern Gott 1 zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr! 50 0 Mehrere Bürger, denen das Wohl der N mil Stadt ernstlich am Herzen liegt. ö 0 Bu
5 2 8 5 5 ml Kür dit Erbauung einer evang. Kirche in Madrid 0 10 sind an Beiträgen außer den schon mitgetheilten 6 fl. 1 mit
31 kr. eingegangen: von Frau Oberfinanzrath Reuß 1 fl, Senn gesammelt von Herrn Bergrentmeistet Nebhuth 8 fl.; aus erf dem Ertrag der Wintervorlesungen 5 fl. Zusammen J! et
20 fl. 31 kr. Die hiesigen evang. Geistlichen sind zur 92
Annahme weiterer Beiträge gern bereit. 10
Edictalladung. 814 Der Inhaber der Firma Georg Wagner Wittwe in Frtedberg, J. A. Wagner daselbst, hat sein und der Flrma überschuldetes Vermögen an die Gläubiger ab⸗ getreten, welche am Heutigen ein Arrangement untet sich abgeschlossen haben. Diejenigen Gläubiger, welche nicht geladen waren oder bei dem Abschlusse dieses Arrangements nicht mitgewirkt haben, werden unter Ge⸗ stattung der Einsicht desselben, aufgefordert, binnen Frift von 4 Wochen ihre Forderungen oder sonstigen Ansprüche speclfieirt anzumelden und etwaige Einwendungen gegen das Arrangement dahier vorzubringen, als sonff sie mit ihren Forderungen und Ansprüchen an die Masse prä⸗ cludirt, beziehungsweise Beitritt zu dem abgeschlossenen Arrangement unterstellt und demselben die gerichtliche Bestäligung ertheilt werden wird.
Friedberg am 16. März 1870. Großberzogliches Landgericht Friedberg Reitz, Steinberger, Landrichter. Landgerichts⸗Assessor.
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