Ausgabe 
24.2.1870
 
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mehr als 5000 Personen au, unter denen alle Stände verlreten waren. Groß war die Schaar tanzlustiger Damen, von welchen sich jedoch gegen Morgen eine erheb⸗ liche Zahl als Herren entpupple. Der ganze Ball, wie das Unternehmen überhaupt, hier Volksmaskenbälle in großem Style einzuführen, kann als ein gelungenes be⸗ zeichnet werden, zumal Jedermann mit dem richtigen Humor selbst an Ort und Stelle kam.

Frankfurt. Am Sonntag Nachmittag fand dahier eine eigenthämliche Vergnügungsfahrt auf dem Main statt. Vier junge Sachsenhänuser eisten nämlich oberhalb der alten Brücke ein 10 Zoll dickes und 144 Quadratfuß großes Stück Eis los und fuhren mit demselben durch die alte Mainbrücke, den Steg und die Eisenbahnbrücke bis Griesheim, woselbst sie mit ihrem gebrechlichen Fahr⸗ zeug deßhalb beilegten, weil ihnen der gefrorene Fluß die Weiterfahrt versperrte.

Darmstadt. Der Zudraug des Publitums zu der am Sonntage statigehabtenRienzi-Vorstellung war von hier und den Nachbarstädten ein solcher, wie er in den Annalen des hiesigen Hoftheaters dis jetzt noch nicht da⸗ gewesen ist. Es wurde sich um die Plätze wahrhaft ge⸗ rissen, und die Billets standen vor Eröffnung der Oper im Cours wie Staatspapiere. Ein Fauteuil wurde mit 10 12 fl. bezahlt. Die Einnahme betrug über 1600 fl.!

Gotha. In dem nahen Städichen Tonna hat am 18. d. die Hiurschtung des Chirurgen Kühn aus Ohrdruff mittelst der Guillotine statigefunden. Es ist dieß die erste seit 37 Jahren im Herzogihum Gotha valzogene Hinrich⸗ tung. Kühn war trotz seines beharrlichen Leugnens durch den Indicienbeweis überführt worden, ein von ihm ge⸗ schwängertes Mädchen im Walde mit Chloroform beläubt und ihm dann mit einem Rasirmesser den Hals abge⸗ schnilten zu haben. Die Guillotine hatte man aus Mainz kommen lassen.

S Menschenfresser.

Wir sind mit unserer so boch gepriesenen Civilisation keineswegs über dem Graben drüben. Hat sie denn wirklich alle Bevölkerungsschichten zu einem menschenwürdigen Dasein emporzuheben vermocht? Hat sie, um mit dem Nächstliegenden anzufangen, allenthalben dem leiblichen Elend ab⸗ geholfen? Hat sie ferner überall Wahn und Irr⸗ thum verscheucht und Vernunft und Wahrheit zur Herrschaft geführt? Hat sie die Leidenschaften immer gebändigt und der Selbstsucht gründlich gewehrt, daß Keiner sich selbst noch Andern ein Leids thue, Jeder das Wohl des Ganzen mehr suche als sein eigenes und Friede und Eintracht wohne in den Familien, in den Gemeinden und unter den Staaten? Herrscht Recht und Gerech⸗ tigkeit im Lande, und gehört es zu den unerhörten Dingen, daß rohe Gewalt über die Geschicke der Völker entscheide? Ist die barbarische Institution des Krieges unter uns zur Unmöglichkeit geworden, und hat sich das Schwert in die Pflugschar ver⸗ wandelt? Zeigt unser Familien-, sowie unser öffentliches Leben überall den rechten sittlichen Ernst, der der Prüfstein ist einer gesunden Cultur- entwickelung, oder nehmen nicht gerade Ueppigkeit, roher Sinnengenuß, ja Ausschweifungen und un⸗ nafürliche Laster oft am erschreckendsten überhand, je mehr sich die Bildung verfeinert?

Es geht uns bei derartigen Fragen wie dem Pfau, von dem man sagt, daß er das glänzende Rad seines Schweifes beschämt niedersinken lasse, sobald er seine häßlichen Füße erblickt. Auch wir, so viel wir zu rühmen wissen von den

arbeit, was insbesondere das Christenthum durch seine erhebende, läuternde und verklärende Kraft zur Erziehung des Menschengeschlechts gethan hat, wenn wir der gräßlichen sittlichen Versunkenheit derjenigen wilden Völker gedenken, bei denen die Menschenfresserei im Schwange geht. Menschen · fresser! Du schauderst, lieber Leser, wenn du an solche Scheusale in Menschengestalt erinnert wirst, schüttelst wohl gar ungläubig den Kopf. Von der unvernünftigen Creatur, sagst du, weiß man zwar, daß sie Ihresgleichen auffrißt; aber es geschieht auch da meist nur, wenigstens bei den höher organisirten Thieren, im Zustande der Hungerswuth oder anderer krankhaften Aufregung. Und der Mensch, die Krone der Schöpfung, ist eben ein ganz merkwürdiges Geschöpf, das, wie es auf der einen Seite zu der geistigen und sittlichen Vollendung emporzuklimmen vermag, wie wir sie in den Edelsten unseres Geschlechts be- wundern, so auch auf der andern Seite zu der wildesten und ekelsten Bestie herabsinken kann, welche die Sonne beschkint. Damit ist schon an⸗ gedeutet, wofür die Menschenfresserei zu halten sei, nämlich für einen Zustand scheußlicher Entartung.

Wie aber konnten die Menschen zu dieser Entmenschung herabsinken 2 Man denkt dabei zu- meist an religibsen Wahn. Daß derselbe bei

vielen Völkern Menschenopfer verlangte und noch verlangt, ist bekannt. Von Menschenopfern zu Opfermahlzeiten von Menschenfleisch ist aber nur Ein Schritt, und vaß sich überhaupt bei frommen Uebungen Abscheulichkeiten einschleichen können, daran fehlt es selbst in unserer christlich modernen Zeit nicht an Beispielen. Anfangs waren die unglücklichen Opfer wohl nur gefangene Feinde, und da half der Haß und die Rachgier das natürliche Gefühl vollends überwinden. War aber dies geschehen, so war die Bestie vollendet, vor der auch die Angehörigen des eigenen Stammes nicht sicher waren.

Anderswo mag die Sitte, Menschenfleisch zu essen, durch Hungersnoth entstanden sein. Der Hunger aber und der, Selbsterhaltungstrieb üben auf den sicklich rohen Menschen zumal eine furcht⸗ bare Gewalt. Sie machen ihn fühllos, wahn⸗ sinnig, zu einem Ungeheuer. Was man in diesem Zustand thut, wurde dann leicht zur gräßlichen Gewohnheit. Die Löwen, die einmal Menschen⸗ fleisch gekostet, werden ja auch lüstern darnach. Noch eine dritte Sorte von Menschenfressern gibt es. Es sind die Wildesten, Verworfensten eines wilden Stammes. Sie sind auf der untersten Stufe menschlicher Verruchtheit angelangt, alles Menschliche ist in ihnen erstorben. Sie sondern sich von ihrem Stamme ab, wohnen in Wäldern in einsamen Höhlen und machen von da aus Jagd auf Menschen, um ihre Vorrathskammern zu füllen. Es sind die Wehrwölfe, die Menschen fresser unserer Sagen und Mährchen.

Aber das mag all' in früheren Zeiten so ge⸗ wesen sein; jetzt kommen Europäer überall in so vielfache Berührung mit allen Volksstämmen, auch der entlegensten Erdwinkel, daß solch' eine bar⸗ barische Sitte gewiß allenthalben verschwunden

Wunderwerken menschlicher Kunst und Wissenschaft, und wie wir es so herrlich weit gebracht in Be herrschung der Natur und ihrer Kräfte und in Ueberwindung der Schwierigkeiten, die Zeit und Raum uns entgegenstellen: wir schlagen erröthend die Augen nieder bei dem Hinweis auf die Nacht⸗ seiten unserer Culturzustände. So viel Verkehrtes, Unfertiges, ja Faules dieselben aber auch in sich bergen mögen: auf den Knicen danken wir Gott für das, was eine mehrtausendjährige Cultur

ist. Es wird von Reisenden gar viel aufgebracht oder übertrieben. Nun das Letztere ist wahr, 6 5 aber das Menschenfressen angeht, so ist das leider nur zu gut konstatirt.

Cs gibt noch Menschenfresser in Südamerika, in Südafrika, auf der Insel Sumatra und auf verschiedenen Inseln des stillen Oceans. Auf Neu⸗Caledonien, an dessen Küsten die Franzosen Niederlassungen haben, waren erst neuerdings

Franzosen zufällig Zeuge einer solchen Kannibalen

Sie wohnten einer religiösen Feier befreundeten Stammes bei, als die⸗ feindlichen Angriff eines

Mahlzeit.

eines ihnen selbe plötzlich durch den andern Stammes unterbrochen zum beftigen Kampfe, der mit der Vertreibung der Angreifer endete. Die gefallenen Feinde wurden bei Seite geschafft. Das Fest verlief mit Einbruch der Nacht in wilde Belustigungen, denen es den Franzosen, trotz ihrer kleinen mili⸗ tärischen Bedeckung, allmählich unheimlich wurde. Sie zogen vor sich zurückzuziehen und wollten sich

wurde. Es kam

bei den anwesenden Häuptlingen verabschieden. Die aber waren verschwunden, und Niemand

wollte gegen die Franzosen mit der Farbe heraus, wo sie seien. Endlich ließ sich ein Eingeboerner herbei, Andeutungen zu geben. Man folgte den- selben. Abseits hinter einer Hütte brannte ein Feuer. Schon von Weitem erkannten die Fran⸗ zosen in den dasselbe umkauernden Gestalten ihre Gastfreunde. Ein entsetzlicher Anblick bot sich ihnen dar: sie hatten die Kerle bei ihrer Kannibalen⸗ Mahlzeit überrascht. Die franz. Soldaten zitterten vor Aufregung; einer derselben erhub unwillkür⸗ lich das Gewehr, um einen der Elenden, der be haglich mit den Fingern das Hirn aus einem Schädel klaubte und denselben beleckte, nieder- zuschießen. Nur mit Mühe konnten die Soldaten von Feindseligkeiten zurückgehalten werden, die natürlich für sie von den verhängnißvollsten Folgen gewesen wären. Auf Sumatra werden nicht allein Feinde verspeis't. Hat Einer ein keifendes Weib, er weiß sich ihrer nutzbringend zu entledigen; schreihälsige Kinder werden zum Schweigen gebracht; schwächliche Alte stören nicht lange durch ihre Gebrechlichkeit: man thut sie ab. In Süd⸗ afrika behaupteten die holländischen Bauern der Trans⸗Vaalschen Republik schon lange, die benach⸗ barten eingebornen Stämme seien der Menschen⸗ fresserei ergeben. Man glaubte ihnen nicht recht, weil sie mit denselben immer im Streite lagen. Nunmehr ist die Sache außer allen Zweifel gesetzt. Europäische Reisende haben wiederholt dort merk⸗ würdige Höhlen besucht, die noch bis vor Kurzem von Menschenfressern bewohnt waten. Haufen von Menschenknochen, Ueberreste von Mahlzeiten, zeigten sich den Blicken, darunter leider auch ganz frische, ein Beweis, daß es ganz geheuer jetzt noch nicht dort ist. Im Allgemeinen aber scheint der gräuliche Gebrauch im Abnehmen zu sein, in Folge der Thätigkeit von Missionären, die einflußreiche Häuptlinge für ihre civilisatorischen Bestrebungen gewonnen haben.

Indem wir uns abwenden von diesen Gräueln, haben wir nicht gerade Ursache, mit allzutiefer Verachtung auf diese unglücklichen Wilden herab; zublicken. Ob dae, was sie jetzt noch thun, einst auch in Europa und speciell in Deutschland ge⸗ schehen? Entschieden ist darüber bis jetzt nichts, und es ist keine zwingende Veranlassung da, das Schlimmste anzunehmen. Immerhin aber ver- dächtig ist der Umstand, daß unsere Mährchen von Menschenfressern in tiefen Wäldern zu erzählen wissen, sowie die Thatsache, daß man hie und da in auffallender Weise der Länge nach gespaltene Menschenknochen gefunden hat, als sei das Mark daraus hervorgeholt worden. Man spricht und schreibt oft viel von der Erfolglosigkeit der euro! päischen Civilisations und Christianisirungsversuche bei den wilden Völkern, denen damit meist nur

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europäische Laster und Krankheiten-gebracht würden. Selbst wenn aber nichts weiter durch sie bewirkt würde als die Ausrottung des Kannibalismus, so müßten diese Bestrebungen ein Verdienst um

Holz⸗Versteigerung. 523 Montag den 28. d. M., Morgeus 10 Uhr an⸗ sangend, soll in dem Wölfersheimer Gemeinde District Pinterwald nachverzeichnetes Holz, als: 1) 71 Eichen⸗Slämme von 14 24 Ourchmesser, von 20 55 Länge= 7122 Cubikfuß,

2) 6 Buchen⸗Stämme von 18 23 Durchmesser,

von 30 45 Länge 816 Cubikfuß haliend verkauft werden, Die Zusammenkunft ist am Forsthäuschen. Wölfersheim am 19. Februar 1870. Großherzogliche Bürgerimetsteret Wölfersheim er,

Bekanntmachung.

530 Die in den Freiherrlich v. Fzranckenstein'schen

WaldbifirtctenRabennest undAllmep heute ab⸗

gehaltene Holz-Versteigerung ist genehmiat. Der erste

Fahrtag wird auf Freitag den 29. l. M. anberaumt.

Ockstadt am 21. Februar 1870.

ö Der Freihertl. v. Franckensteln'sche Oberförster Wilbrand.

Herkenkragen

bel K. Friedrich neben der Post in Friedberg.

die Menschheit genannt werden. in ein bedeutendes Eisengeschäft als

2 2 Ges ucht wer Magazins tnecht en Mon,

welcher bereits längere Zeit in einem ähnlichen Ge⸗ schäfte thätig war und befähigt ist. Luff tragende belieben ihre Adressen an die Jäger'sche Buchhandlung nach Frankfurt a. M. einzusenden unter Angabe ihres seltherigen Wirkens. Verschwie genheit wird zugesicherk. 5²⁰ 526 Meine Ernennung zum Hofgerichts⸗Advocaten in Gießen erlaube ich mir hiermit unter dem Anfügen zur Kenntniß zu bringen, daß mein Büreau sich im Gatl'schen Hause in der Neystadt befindet. Gteßsen, Februar 1870. Dr. Emil Dittmar.

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