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haben, und von dieser Bestimmung nur die Ad⸗ jutanten des Könige, die Militärbeamten, beurlaubte und pens. Offiziere ausgeschlossen sind. Suckow. (Seither durften alle Generale und Obersten, die keiner geschlossenen Abtheilung vorstanden, in Civilkleidung gehen.)

BHischof v. Hefele hat jüngst eine Broschürk in Neapel erscheinen lassen, mit der Ueberschrift causa Honorii papae. Es ist darin der Beweis geführt, daß Papst Honorius von einem Concil wegen Ketzerei verurtheilt worden ist, und daß das Concil der Bischöfe damals Autorität über den Papst hatte.

Gutem Vernehmen nach ist das fünsprozentige Eisenbahn⸗Anlehen von 11 Millionen Gulden dem Hause Rothschild in Frankfurt a. M. zugeschlagen; man sagt, daß der Zuschlag zum Course von 995/85 erfolgt sei.

Oesterreich. Wien. Von dem neuen Justizminister Ritter v. Tschabuschnigg erzählt man, er habe das Portefeuille nur unter der Be⸗ dingung übernommen, daß das Rechbauer'sche Programm in Bezug auf die Wahlreform adoptirt werde; serner soll er eine Amnestie für alle wegen politischer Vergehen Verurtheilte ausbedungen haben.

Der Reichskanzler Graf Beust läßt durch seine offiziösen Organe in Abrede stellen, daß er seit Monaten auf den Sturz des Ministeriums Hasner hingearbeitet habe. Wäre dies der Fall gewesen, so würde der Reichskanzler ohne Zweifel dafür gesorgt haben, daß im Momente des Rück⸗ tritts des Bürgerministeriums eine fertige Minister⸗ liste und ein fertiges Programm bereit gewesen wäre. Wenn Graf Beust der Intriguant wäre, für den man ihn ausgebe, so würde er sich wohl gehütet haben, die Krone den Verlegenheiten aus⸗ zusetzen, in welchen sie sich Angesichts der Schwie⸗ rigkeit der Bildung eines neuen Cabinets befun- den habe.

DieWiener Zeitung veröffentlicht das vom 12. April datirte Finanzgesetz für das Jahr 1870. Die Staats Ausgaben wurden mit 320,739,254 fl. festgesetzt, die Einnahmen be⸗ tragen nur 317,040,195 fl., es ergibt sich somit ein Deficit von 3,544,214 fl., das durch die Aufnahme einer schwebenden Schuld gedeckt wer⸗ den soll.

DieWiener Abendpost erklärt gegenüber der Bemerkung eines Correspondenten der Augs⸗ burgerAllg. Ztg. über den angeblichen Wieder- beginn eines Anschwärzungssystems von Seiten Preußens gegen Oesterreich, diese Erscheinung sei nicht auf die in den maßgebenden Berliner Kreisen herrschende Stimmung zurückzuführen und stehe im Widerspruch mit der anerkennungswürdigen Haltung und dem Tone der notorischen Organe der preußischen Regierung.

Karlsbad. Der Kronprinz von Preußen ist am 19. d. hier angekommen; derselbe hat das bisher sonst vom Könige von Preußen innegehabte Hotel nicht bezogen, weil daselbst der Kurfürst von Hessen Mitte Mai absteigen wird. Die An⸗ kunft des Kurfürsten ist übrigens durch die An⸗ wesenheit des Kronprinzen fraglich geworden.

Schweiz. Die Schweiz hat im vorigen Jahre 21,744,458 Franken ausgegeben oder 304,894 Franken weniger als sie eingenommen hat. Die Schweiz hat Ueberschuß; daher einen wohl liebsamen Mangel an Deficit, obgleich der⸗ selbe ein Mißklang ist in dem europäischen Con- cert. Das Vermögen hat sich um 2,411,165 Fr.

vermehrt. Für alle andere Staaten, deren Ver⸗ mögen kavaliermäßig in Schulden besteht, könnte es eigentlich beleidigend sein, daß die Eidgenossen⸗ schaft reines Vermögen besitzt und daß die Ver⸗ einigten Staaten so massiv und rücksichtslos ihre Schulden abbezahlen.

Wie gemeldet wird, traf Prinz Peter Bonaparte nebst Familie am 15. d., Abends, mit der französischen Ostbahn in Basel ein, übernach⸗ tete imHotel Schweizerhof und setzte am 16. früh die Reise nach Florenz fort.

Frankreich. Paris. Der Senat setzte am 20. d. die zweite Berathung des Senatus⸗ consults sort. Ollivier hielt eine Rede, in welcher er den Standpunkt der Regierung darlegte und aus welcher der folgende Satz besonders hervor zuheben ist:Wenn die Regierung, sagte er, aus der allgemeinen Volksabstimmung als Sieger hervorgeht und sie wird es so wird sie beständig vorwärts gehen, ohne Zögern und Schwäche. Die Rede Ollivier's war von leb⸗ haftem Beifall begleitet. Schließlich wurde der Senatusconsult mit Einstimmigkeit angenommen. Der Senat vertagte sich darauf, gleich dem gesetz gebenden Körper, bis zu dem Donnerstag, welcher auf den Tag der Volksabstimmung folgt. Das Manifest der Linken ist von 17 Deputirten der Partei unterzeichnet. In demselben wird nament⸗ lich betont, daß die persönliche Regierung nicht aufgehört habe, zu bestehen, und der demokratischen Partei anempfohlen, bei der Volksabstimmung ent⸗ weder mitNein zu votiren, oder einen weißen Stimmzettel in die Urne zu legen oder sich des Votums zu enthalten. Die Unterzeichner des Manisestes erklären, daß sie ihrerseits mitNein stimmen werden.

Italien. Dem Concil ist von der Majo⸗ rität der Prälaten, wie diePresse meldet, nach⸗ stehende Petition unterbreitet worden, welche die Propaganda Roms über die Gränzen der christ⸗ lichen Welt bis zu den Gezelten Israels ausdehnt. Dieselbe lautet:

Die unterzeichneten Väter verlangen vom heiligen ökumenischen Concil, vom Vatican, in einer demüthigen und dringenden Bitte, es möge auch durch eine ganz väterliche Einladung sich an das sehr unglückliche Volk Israel wenden, d. h. es möge den Wunsch ausdrücken, daß die Israeliten endlich, müde einer ebenso vergeblichen als langen Erwartung, sich beeilen, den Messias, unseren Erlöser Jesus Christus, anzuerkennen, welcher wahrhaft von Abraham verheißen und von Moses angekündigt worden ist, und sie mögen so die mosaische Religion vollen⸗ den und keönen, ohne sie zu ändern. Motive des Postulatums: Einerseits haben die unterzeichneten Väter das feste Vertrauen, das heilige Concil werde Mitleid mit den Israeliten haben, weil sie Gott immer sehr theuer sind wegen ihrer Väter, und weil aus ihnen Christus dem Fleische nach geboren ist. Auf der anderen Seite theilen dieselben Väter die süße und innige Hoffnung, daß dieser Wunsch der Liebe und der Ehre mit dem Beistande des heiligen Geistes von vielen Kindern Abrahams gut werde aufgenommen werden, weil die Hindernisse, die sie bis zu diesem Tage aufhielsen, mehr und mehr zu verschwinden scheinen, seit die alte Scheidewand gefallen ist. Gebe also der Himmel, daß sie sobald als möglich Christus die Worte zurufen: Hosianna dem Sohne Davits, gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Gebe der Himmel, daß sie in die Arme der unbefleckten Jungfrau Maria eilen, welche, schon ihre Schwester dem Fleische nach, auch ihre Mutter nach der Gnade sein will, wie sie die unsrige ist.

Dieses Postulatum ist von 506 Bischöfen aus Europa, Asien, Afrika, Amerika und Oceanien unterzeichnet; österreichische Bischöfe haben 29 und deutsche 14 unterzeichnet. Alle Nationen des

Erdkreises sind in der Liste dieser Unterschriften

vertreten.

Amerika. Washington. Die farbige Bürgerschaft Washingtons feierte am 15. d. die Ratificirung des vielgenannten§. 15 der Ver⸗ fassung(politische Gleichberechtigung ohne Farben⸗ Unterschied) durch einen Fackelzug. Der Amts wohnung des Präsidenten Grant statteten sie einen Besuch ab, und brachten ihm ein Ständchen. Der Präsioent hielt eine kurze Ansprache, in welcher er der farbigen Bevölkerung ans Herz legte, sich ihrer neuen Privilegien werth zu zeigen. Die Depeschen, welche der Regierung in letzter Zeit von Consuln und anderen Vertretern auf Cuba zugegangen sind, stimmen alle dahin überein, daß der Aufstand aufgehört hat, fürchterlicher Natur zu sein, daß aber noch immer bedeutende Zahlen Aufständische in Guerillaschaaren über das Land zerstreut seien, und zur Unterdrückung dieser werde es einer langen Zeit bedürfen.

S. Hungen. Die Erdarbeiten der Oberbessischen Eisenbahnstrecke Hungen bis Nidda sind jetzt hier beendigt; auch die Hofraithe des Fabrikanten S. Wolf, welche in der Bahnlinie sland und worüber schon anderthalb Jahre processiit wird, weil dessen Anforderung an die Bahnge⸗ sellschaft sich bis zu dreißigtausend Gulden gesteigert hatte, welche Summe die Gesellschaft zu zahlen sich weigert, ist bereits nicdergerissen, obgleich der Proceß noch nicht zu Ende. Man hofft, daß bis Ende Mai die Bahnstrecke bis Nidda wird eröffnet werden können.

Frankfurt. Der Palmengarten-Gesellschaft ist eine große Ueberraschung zu Theil geworden. Einer unserer ersten Biumisten und langjährigen Sammler, Herr Senator Keßler, hat der Gesellschaft den gesammten reichen Inhalt seiner schönen Gewächshäuser zum Geschenke gemacht. Die Sammlung enthält mindestens 5600 Exemplare von zum Theil großem Werthe. Es befindet sich darunter ein reiches wohlbekanntes Assortiment azalea indica, worunter alle neuesten Gattungen vertreten sind; sodann eine Sammlung der schönsten und neuesten Camellien, die seltensten Blatipflanzen, Cacteen, welche theilweise direct aus den Tropenländern bezogen wurden, zwei Dattelpalmen u. s. w.

Frankfurt. Aus dem 6. und 7. Jahresbericht der chirurgischen Klinik und Augenheilanstalt zu Sachsen⸗ hausen, gegründet und dirigirt von Prn. Dr. med. L. Jung, ergibt sich, daß in den letzten 2 Jahren 3416 Personen (1606 Männer und 1810 Weiber) Hülfe suchten; darunter defanden sich 1275 aus dem Kreise Frankfurt, 166 aus den anderen preußischen Provinzen, 102 aus Bayern, 708 aus Hessen⸗Darmstadt, 497 Kurhessen, 518 Nassauer. Von den Behandelten litten 1730 an den Augen, 135 am Gehör, 1004 waren chirurgisch und 547 innerlich er⸗ krankt. Die Einnahmen betrugen 1622 fl. 50 ke., die Ausgaben 2284 fl. 49 ke.

Marburg. Am 20 brach in der Mittagsstunde in einem nur ¼ Stunde von hiesiger Stadt gelegenen Walde ein Brand aus, der sich bei dem herrschenden scharfen Ostwind mit rasender Schnelligkeit so ausbreitete, daß binnen zwei Stunden ein Complex von ca. 60 bis 80 Morgen junger Tannenwald verzehrt wurde. Dem Ver⸗ nehmen nach soll der Brand durch Waldarbeiter entstanden sein, die sich zur Bereitung ihres Mittagessens Feuer im Walde angemacht haben sollen.

Mainz. Am Charsamstag starb die älteste Person der Stadt, Fräulein Dürr, im Alter von 97 Jabren und 3 Monaten. Sie war die Tochter des als Historiker be⸗ kannten Hofratbs und Universitätsprosessors Dürr.

Paris. Als in den letzten Tagen der preußische Gesandte in Paris Freiherr v. Werther von einem leichten Blalteranfalle heimgesucht war, las, wie derGaulois erzählt, ein sehr großer Herr, Diplomat der österreichisch⸗ ungarischen Monarchie, sehr eifrig in einem Buche. Ge⸗ fragt, was er lese, antwortete er mit behaglichem Schmunzeln:Ich lese zum so und so vielten Male die Leiden des jungen Werther.

Sitzung des Lohalgewerbvereing den 23. April, Abends 8 Uhr. Tagesordnung: 1. Rechnungsabhör und Aufstellung der Voranschläge; 2. Wahl des Gesammtworstandes. Der Vo r sst au d.

Die 1870er städtischen Begrasungen.

1143 Dienstag den 26. April J. J. Vormittags 9 Uhr, sollen im biesigen Rathbause die städtischen Begrasungen für das Jahr 1870 öffentlich meistbietend verpachtet werden. Friedberg den 22. April 1870. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg Fouc ar.

Bekanntmachung

1142 Dienstag den 26. April l. J., Vormittags 11 Uhr,

soll im hitsigen Rathhause das Einkommen von den siädtischen Bleichen für das Jahr 1870 öffentlich meist⸗ bletend verpachtet werden. Frledberg den 22. April 1870. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg Fouc ar.

Ver st e g n g. 1139 Das Aufsetzen von 9 Cub.⸗Klftr. Unterhaltungs⸗ fleinen auf den Vizinalwegen in der Gemarkung Fauer⸗ bach b. Fr. soll Dienstag den 26. April, Nachmittags 4 Ubr, auf dem dortigen Rathhause anderweit in Accord gegeben werden. Frtedberg den 22. April 1870. Der Bezirks⸗Bauaufseher Schneider.

Saar., Nuhr⸗ und Sehmiedekohlen

15 empfieblt Jacob Schimpf II. Bad Nauheim.

ö Lieferung für das Landeszuchthaus. 1122 Mittwoch den 27. April l. J., Vormittags 10 Ubr, wird dahier die Lieferung von 14 Centner frischer Butter

in Ausgeboten von fe 1 Centner öffentlich verstelgert.

Marlenschloß den 19. April 1870.

Grosberkocliche ante hans iel Seri

Möbel-Lager.

989 Alle Sorten Mödel, für deren Güte garantirt, sind in großer Auswahl zu haben bei Frtedberg. Pfeffer,

pof⸗MNöbelschrelner,

Die Gebrüder Lemann haben dieses Postulatum dem heiligen Vater überreicht.

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