Ausgabe 
22.2.1870
 
Einzelbild herunterladen

ausfüllen soll, welche sich im Feldzuge von 1866 sehr fühlbar machte. Erst dachte man an die Sicherung von Prag durch detachirte Forts. Diese Idee soll aber theils wegen der Kostspieligkeit, theils wegen der Stimmung der tschechischen Be · völkerung aufgegeben worden sein.

Frankreich. Parise. Das officielle Journal veröffentlicht den Bericht Ollivier's, in welchem die Aufhebung des Decrets vorgeschlagen wird, jenes Decretes, durch welches der Regierung die Befugniß ertheilt wurde, Staatsbürger, welche wegen Theilnahme an geheimen Gesellschaften ver⸗ urtheilt waren, nach Cayenne eder Algier depor⸗ tiren zu können. Der Kaiser hat den Entwurf gutgeheißen. Man versichert, das Contingent yrs 1870 werde um 90,000 Mann vermindert.

Die Anklagekammer des Staatsgerichtshofs ist am 19. d. zusammengetreten, um den sehr umfangreichen Bericht des General-Procurators Grandperret in dem gegen den Prinzen Peter Bonaparte eingeleiten Proceß entgegenzunehmen. Die Anklagekammer bat beschlossen, die Anklage sache gegen den Prinzen an den Urtheilssenat zu üderweisen, welcher auf den 21. März nach Tours einberufen ist.

Die in den Arbeiten des gesetzgebenden Körpers eingetretene Pause wird von den Zeitungen mit einer eingehenden Discussion über die Frage der Auflösung der Kammer ausgefüllt. Der Tems, dasJournal des Debats, derAvenir⸗ natisnal plädiren für, dieFrance, derPeuble frangais, derPublic und auch derConsti tutionnel bekämpfen diese Maaßregel.

Nußlaud. Petersburg. Wie traurig es mit den russischen Volksschulen aussieht, ergeben folgende Zahlen: Nach amtlichen Angaben be⸗ fanden sich im Jahre 1869 im Gouvernement Moskau, mit Ausnahme der Stadt Moskau, 399 Volksschulen; eine Volksschule kam auf 33,248 Einwohner. Sämmtliche Volksschulen wurden von 15,099 Kinder beiderlei Geschlechts besucht, so daß auf jede Schule durchschnittlich beinahe 38 Kinder kamen und von je 85 Ein- wohnern 1 Kind zur Schule geschickt wurde. Das Gouvernement Moskau aber ist nicht nur am stärkten bevölkert, sondern hat auch von allen Gouvernements die meisten Schulen, und so leuchtet aus den obigen Zahlen ein, wie ungünstig der Zustand des Volksschulwesens in Rußland ist und daß dasselbe noch lange ohne Einfluß anf die Ent⸗ wicklung des öffentlichen Lebens bleiben wird.

Wie derKrak. Kur. aus Warschau

erfähr, tist daselbs Fürst Oblensky, Generaldirector aller Gränzkammern in Rußland und Polen, eben als er aus Berlin zurückkehrte, beim Heraussteigen aus dem Wagen verhaftet worden. Auf dem Bahnhofsperron erwarteten den Fürsten der Director der Warschauer Kammer, der Präsident der Gränzcommission und einige Generale. Man bringt diese Verhaftung mit der jüngst entdeckten Verschwörung in Verbindung. Noch zehn höhere und niedere Beamten sind außer dem Fürsten verhaftet worden; auch ein Passagier, der mit der eren Wagenclasse der Warschau⸗ Bromberger Bahn ankam, dessen Identität aber noch nicht festgestellt ist.

* Friedberg. Vor einigen Tagen ist der bisher flüchtige frühere Bürgermeister einer benachbarten Gemeinde in das hiesige Bezirksgefängniß abgeliefert worden. Der⸗ selbe war wegen des Verbrechens der Unterschlagung von Curatelgelbern, Veruntrenung im Dienst und Wechsel⸗ fälschung zur Aburtheilung vor den Schwurgerichtshof des zweiten Quartals d. J. durch öffentliche Aufforderung vorgeladen worden, da der Aufenthalt des Flüchtigen nicht ermittelt werden konnte. Wie man hört, wurde der Erwähnte in seiner Behausung, wo er sich schon längere Zeit beimlich aufgehalten haben soll, entdeckt und verhaftet. Ein in bie erwähnte Untersuchung verwickelter Agent ist schon längere Zeit ebenfalls in Haft.

Alsfeld. Külzlich ist ein berüchtigtes und gefähr⸗ liches Individuum Namens Fey aus Ruhlkirchen aus dem hiesigen Arrestloeale ausgebrochen. Derselbe hat, wie erzählt wird, mittelst eines Hufeisens seiner Schuhe das Schloß der ihm angelegt gewesenen Kette gesprengt und sich derselben entledigt. Darauf hat er die Reiser des Besens, womit er seine Zelle reinigte, im Ofenrohr angezündet, mit dem brennenden Stiele eine Oeffnung in die dicke Gefängnißthür gebrannt und sich durch diese Oeffnung auf den Gang gemacht. Hier brennt er mit

nach dem Bodenraum se ducch eine Luke auf das Dach, an welchem er bis zur Kandel rutscht und sich an derselben herunterläßt. In einer Höhe von 12 Fuß über der Erde ist diese abgebrochen und muß also dem Ausreißer noch einen hübschen Fall verursacht haben Man verfolgt eifrig seine Spur; alle Nachforschungen sind indeß bis jetzt resultatlos geblieben. Darmstadt. Am 17. d. M. verschted plötzlichen Todes der Großh. Oberappellationsgerichtsrath Dr. Köster dahier, ein als Richter und Mensch gleich ausgezeichneter Mann.

Köln. Vor eiwa vierzehn Tagen gelang es einem angeblichen Engländer, bei einigen Kölner Banquiers Wechsel zu versilbern, welche später als gefälscht erkannt wurden. Nur bei einem Banquier, welcher vorher die Echtheit des Wechsels per Telegramm prüfte, gelang dem Betrüger sein Coup nicht, und er fand es räthlich, so schnell wie möglich zu verschwinden, angeblich nach Belgien, woselbst aber noch keine Spur von ihm aufgefunden wurde. Am Montag Nachmittag erregten nun vier angebliche Engländer, welche englische Coupons in Köln umwechselten, wiederum die Aufmerksamkeit der Banquiers, was zur Folge hatte, daß diese Herrn sich der Polizeibehörde ge stellen mußten, um ihre Unverdächtigkeit nachzuweisen. Nur einer wurde sofort entlassen, die drei Uebrigen hin gegen zur Aufklärung der Sache noch angehalten.

führende 5 Thüre und dient

Das germanische Museum in Nürnberg,

eine National-Anstalt für alle Deutschen, hat(§. 1 der Statuten) den Zweck,die Keuntniß der deutschen Vor⸗ zeit zu erhalten und zu mehren, namentlich die bedeut- samen Denkmale der deutschen Geschichte, Kunst und Literatur vor der Vergessenheit zu bewahren und ihr Ver⸗ ständniß auf alle Weise zu fördern, und(§. 2)diesem Zwecke dienen möglichst reichhaltige kunst- und kultur⸗ bistorische Sammlungen, welche äbersichtlich geordnet, zur Benutzung aufgestellt sind, eine aus Handschriften und Drucksachen gebildete Bibliothek und ein Archiv. Aus dem nunmehr ausgegebenen 16. Jahresberichte wird er⸗ sichtlich, welche Unterstützung das Museum im Jahre 1869 erfahren hat und wie sich die Theilnahme für dasselbe in immer weiterem Kreise verbreitet. Bereits die Jahres⸗ rechnung für 1868 hat eine Einnahme von 49,111 fl. 19 kr. nechgewiesen gegenüber einer Ausgabe von 48,952 fl. kr., und im Jahre 1869 sind mehr als 300 neue Mitglieder mit staͤndigen Jahres-Beiträgen hinzugekommen. Außerdem haben viele Fürstlichkeiten, Privale, Corporationen und Gemeinden der Stiftung zum Theil sehr bedeutende Geldspenden zugewiesen z. B. die Königin Augusta von Preußen(wie seluher alljährlich) 150 fl., der König von Sachsen(gleichfalls wie seither jährlich) 350 fl., König Ludwig II. von Bayern aus dem ihm zur Verfügung gestellten Gewinnantheil der Aachen⸗ Münchner Feuerversicherungsgesellschaft 10,000 fl. u. s. w. und von 1870 an hat der Reichstag des Norddeutschen Bundes dem Museum einen Jahresbeitrag von 6000 Thalern zu⸗ gesagt. Ueber diesen reichen Gaben sollen und dürfen aber die kleinen Jahres-Beiträge der ständigen Mitglieder nicht mißachtet werden, denn dieselben betrugen im Jahre 1868 mehr 25,000 fl. und werden sich nach dem oben Gesagten schon im Jahre 1869 noch erheblich ver⸗ mehrt daben. Unter den sehr zahlreichen Geschenken, welche das Museum für seine Sammlungen erhalten hat, verdient das des Sultans besonders hervorgehoben zu werden, weil gerade es beweist, daß die wissenschaftliche Bedeutung der Anstalt auch über die Grenzen Deutsch⸗ lands hinaus gewürdigt, wird. Es heißt über dieses Geschenk im Bericht:Die ausgedehnteste und wichtigste Förderung der Abtheilung für Kunst und Alterthümer haben wir Sr. Majestäl dem Sultan zu danken, welcher uns auf Fürbitte der k. k. österr. Regicrung eine Anzahl mittelalterliche Geschütze, sowie einige sonstige Waffen über⸗ lassen hat, deren Beförderung die k. k. Regierung durch Kriegsschiffe zu besorgen die Güte hatte, während die k. bayer. Regierung den Transport von Kusstein bis Nürnberg unentgeltlich und die k. k. priv. österr. Südbahn denselben zu halbem Tarifpreie( zu dessen Deckung ein Un⸗ genannter 175 fl. geschenkt hat) auf ihren Strecken übernommen haben. Indem wir uns erlauben, das Vorstehende den geehrten Lesern des Anzeigers mitzutheilen, werden wir einzele Exemplare des Berichts se lange unser Vorrath reicht auf Verlangen mit Vergnügen unentgeltlich verabfolgen und sind nach wie vor stets bereit neue Beitrittserklärungen zum germanischen Museum und Geschenke an Geld, Kunstgegenständen und Alterthümern jeder Art für dasselbe in Empfang zu nehmen. Friedberg, im Februar 1870. Die Pflegschaft. Dr. Matthias.

Zur Communalsteuer-Frage.

Ein in diesen Blättern zum Abdruck gelangter, in der zweiten Ständekammer gehaltener Vortrag über den vorliegenden Gesetzentwurf bezüglich der Heranziehung der Einkommensteuer-Capitalien bei dem Ausschlag der Com munalumlagen spricht sich im Allgemeinen gegen den Antrag aus und wird diese Negirung hauptsächlich damit zu begründen versucht, daß der Steuerpflichtige bei der Com- munalsteuer nicht, wie bei der Staatssteuer nach seinem Vermögen oder Einkommen, sondern nur

Hülfe des Ofenfeuers eine gleiche Oeffnung durch di

nach dem Antheil an den Vortheilen, welche die

Gemeinde ihren Einwohnern gewährt, zuzuziehen

sei, und bringt derselbe als Beweis für die Richtig keit seiner Ansicht ein mit Ziffern belegtes Beispiel, laut welchem, nach seiner Meinung, ein in einer Gemeinde wohnender Private, der 25,000 Gulden Einkommen aus Staalspapieren bezieht, allein die Hälfte der 500 fl. betragenden Kosten für einen Weg oder dergleichen bezahlen müßte, während die 25 Ortsangehörigen, die jeder 1000, zusammen also auch 25,000 Gulden Einkommen haben, zusammen die andere Hälfte zu bezahlen hätten. Diese Aufstellung und der daraus gezogene Schluß ist aber nicht richtig, denn es werden bei dem Ausschlag derartiger Communalsteuern nicht, wie in dem Vortrag angenommen, die Einkommen steuer⸗Capitalien allein, sondern das gesammte Steuer-Capital einer Gemeinde berangezogen und

da ändert sich die Rechnung ganz bedeutend.

Die 25 ortsangehörigen Bauern werden, um pro Mann 1000 Gulden Einkommen zu beziehen, doch jeder mindestens 50 Morgen schuldenftetes Land besitzen müssen, und der Morgen zum Ge⸗ ringsten mit einem Grundstener⸗Capital von 5 fl., außerdem aber jede Banernhofraithe mit 50 fl. belastet sein, ergibt für jeden der 25 Bauern 300 Gulden oder zusammen 7500 Gulden Grund- steuer⸗Capital. Hierzu kommt für Jeden noch 100, zusammen alss 2500 Gulden Einkommen- steuer-Capital, so daß die Gesammtsummen der die Bauern belastenden Sterer⸗Capitalien 10,000 fl. betragen wird, wogegen der reiche Private mit seinen 25,000 Gulden Einkommen mit nur g eir ca 2000 Gulden in Anspruch genommen werden pürfte, so daß er nicht die Hälfte, sondern etwa nur ein Sechstel der Gesammtsumme bezahlt und auch diests wird sich noch mindern, wenn, was doch anzunehmen ist, Gewerbsteuer⸗Capitalien vom im Orte domieilirten Gewerbetreibenden und sonstige Steuerobjekte hinzukommen. An scheinend ähnliche Mißverhältnisse werden sich bei näherer Untersuchung in den meisten Fällen in ähnlicher Weise anders zeigen und darthun, daß die in jenem Vortrag entwickelten Ansichten mehr⸗ facher Berichtigungen fähig erscheinen und, ins⸗ besondere soweit sie geeignet find, dem Wernher'schen Antrag, wonach nur deßhalb Einkommensteuer⸗ Capital bei dem Ausschlag der Communalumlagen zugezogen werden soll, Anhänger zu gewinnen/ widerlegt und berichtigt werden müssen, letzteres um se mehr, als für den Wernher'schen Antrag andere Bründe als die der Zweckdienlichkeit überhaupt nicht sprechen und man eben so gut, wenigstens mit demselben Recht, anstatt der beliebten Hälfte des Einkommensteuer-Capitals auch nur ein Viertel, oder ein Achtel oder sonst einen beliebigen Bruchtheil annehmen könnte. Wenn aber bei einem Acte der Gesetzgebung, wie der vorliegende, willkürliche Annahmen nicht in Betracht kommen solllen, so wird von einem Bruchtheil überhaupt nicht die Rede, sondern nur in Frage zu ziehen sein, ob das Ganze oder Nichts anzunehmen ist. Da man aber mit Nichts Nichts schaffen kann, so würde sich der Schluß ergeben, das ganze Ein⸗ kommensteuer Capital bei dem Ausschlag der Communalsteuern in Betracht zu ziehen.

Sagen aus der Wetterau. Von Heinrich Hensler.

19. Von der wilden Frau Gestuͤhl.

Zwischen Staden und Dauernheim ist ein Bergder hohe Berg genannt. Derselbe ist mit Wald bewachsen, welcherder Königswald heißt. In diesem Walde befindet sich unweit dem Wege, der von Leidhecken nach Dauernheim führt, ein etwa 2 Fuß aus dem Boden ragender poröser Basaltstein, in welchem man drei Vertiefungen bemerkt, wie drei Sitze. Das istder wilden Frau Gestühl. a

Nahe dabei sind vertiefte Stellen in dem Felsen, wie wenn sie für zwei Füße eingerichtet wären. Vor vielen Jahren lebten dort drei wilde

Menschen, die waren in Felle gekleidet und blieben

lange Zeit der Schrecken der Gegend, bis nach dem Tode des Mannes und des Kindes die wilde

Frau zu Dauernheim eingefangen wurde. Aber

woran! öfen Jag! Hinnelf gilert w lichen ur .

U

209 Di pfänden, urkundlich glauben k Veräußer

do: Die von dem dietens v

Ordaungs⸗Nr.

5

2