Ausgabe 
21.4.1870
 
Einzelbild herunterladen

Preußen. Berlin. DerStaatsanz. publicirt den Vertrag zwischen dem norddeutschen Bunde und Baden wegen wechselseitiger Gewäh⸗ rung der Rechtshülfe.

DieKrenzzeitung schreibt, daß von einer Betheiligung Preußens an etwaigen Collee⸗ tivschritten der Großmächte in Rom hier nichts bekannt ist.

Wie Zeidler hört, hat die conservative Fraktion des Reichstags die Absicht, dem von den Abgeordneten Braun und v. Kardorff eingebrachten Gesetzentwurfe über Prämienanleihen und Inhaber- papiere einen anderen Entwurf gegenüberzustellen, der darauf abzielt, den Börsenschwindel, nament- lich mit ausländischen Papieren, einigermaßen zu beschränken.

DieKreuzzeitung meldet, daß Graf Bismarck in Varzin erkrankt ist. Sein hiestger Arzt ist am 19. d. von hier nach Varzin abgereist. Wie es heißt, leidet der Minister an der Gelb sucht. Das Zollparlament wird nächsten Don⸗ nerstag, Nachmittags 3 Uhr, durch den Bundes⸗ kanzler Grafen Bismarck(7) eröffnet werden.

Hannover. Von den Welsfenlegionären sollen nach demH. C. bislang etwa 200 zurück⸗

gekehrt sein oder ihre Rückkehr angezeigt haben.

Diejenigen, welche noch ihre Militärpflicht zu er⸗ füllen haben, werden einstweilen dem 57. Inf. Regt. bierselbst attachirt, um die Untersuchung gegen sie zu vereinfachen. Nach Schluß der Untersuchung erwartet man einen königlichen Gnadenact, der jede weitere Strafe beseitigt und es beim einfachen Nachdienen beläßt.

Bayern. München. Wie der Wiener Presse von hier telegraphirt wird, soll der Finanzausschuß beschlossen haben, den Antrag zu stellen, München und Würzburg in reinkatholische Universitäten mit Ausschluß aller protestantischen Professoren zu verwandeln. Diese Nachricht wird jedoch von bayerischen Blättern als ganz unbe- gründet bezeichnet.

Dem Vernehmen nach hat der König die Genehmigung zur Vorlage des Entwurfs des neuen Wahlgesetzes an die Kammer der Abgeordneten ertheilt, und wird derselbe mit Schreiben des k. Staatsministeriums des Innern dieser Tage an das Kammerpräsidium gelangen. Der König hat an den Universitäts⸗Professor Huber ein Schreiben gerichtet, in welchem es heißt:Die von Ihnen verfaßten und während der letzten Wochen in derAllg. Ztg. veröffentlichten Artikel überdas Papstthum und den Staat haben durch die ebenso geistvolle als tief durchdachte Behandlung des Stoffes in hohem Grade meine Aufmerksamkeit erregt. Es gereicht mir stets zur lebhasten Befriedigung, wenn ich wahrnehme, daß die großen politisch⸗kirchlichen Fragen der Gegen⸗ wart durch Träger deutscher Wissenschaft eine freie offene Besprechung finden. Es ist mir daher Be dürfniß, Ihnen für Ihre gediegene, mich lebhaft fesselnde Arbeit meine vollste Anerkennung aus- zu sprechen.

Würtemberg. Stuttgart. Eine zahl- reich besuchte Landes versammlung der national⸗ liberalen Partei nahm folgende Resolutionen an: 1) Die deutsche Partei hält fest an der nationalen Pflicht Würtembergs, gleich den übrigen deutschen Staaten zum Schutze des Vaterlandes beizutragen und seine Militär⸗Einrichtungen so zu treffen, daß seine Truppen ebenbürtige Bestandtheile des deut schen Heeres bilden, und uur soweit sind Erspar⸗ nisse im Militäretat zulässig. 2) Nur der rück⸗ haltlose Anschluß an das bereits geeinigte Deutsch land sichert den Fortschritt und die innere Ent wicklung; nur der Eintritt in den nordbeutschen Bund gewährt den Antheil an der Entscheidung über die Geschicke der Nation. 3) Das Land bedarf einer zur nationalen Sache stehenden Re⸗ gierung.

Oesterreich, Wien. DieWiener Abend⸗ post bringt einen längeren Artikel über das Programm und die Ziele des neuen Ministeriums. Dasselbe, hebt das genannte Blatt hervor, befinde sich in einer schwierigen Lage, weil es kein par⸗ lamentarisches sei. Das Cabinet werde in dem Aclionsgedanken ein Mittel zur Klärung sich durch⸗

kreuzender Rechtsansprüche bieten und hierbei streng verfassungsmäßig vorgehen; das Cabinet beklage, daß nicht mehrere Mitglieder des Ministeriums Hasner eingetreten seien, und erstrebe und erwarte seine baldige Completirung im Interesse des hoch⸗ wichtigen deutschen National-Elementes. Das Ministerium, sagt dieAbendpost weiter, identi- ficire sich mit dem österreichischen Staatsgedanken und erkenne in demselben das Problem des zu erhoffenden Erfolges, welchen es nicht gegen die Verfassung, sondern zum Schutze derselben, zu ihrer allgemeinen Anerkennung anstrebe. Das Ministerium erwarte von seinen Thaten das Her anwachsen des gesunkenen Vertrauens und sei sich seiner Verantwortlichkeit bewußt. Allgemeine An⸗ erkennung und Uebung des gemeinsamen Rechtes sowie Begründung der gemeinsamen Freiheit er⸗ kenne das Ministerium als die einzigen Zielpunkte der Action.

Frankreich. Paris. In der in dem Redac⸗ tionsbüreau desReveil abgehaltenen Privatver sammlung von republikanischen Journalisten führte Ledru⸗Rollin zum ersten Male wieder das Wort seit seiner Heimkehr. Gambetta war der einzige Deputirte, der zugegen oder geladen war. Sein Vorschlag, mit Nein vorzugsweise zu stimmen, nachdem die Haltung der echt demokratischen Partei bekannt gemacht worden, wurde von der Mehr-

zahl der Anwesenden angenommen. Die Manifeste, Stimmzettel u. A werden vom Pariser Comité angefertigt und in der Provinz vertheilt werden.

Der Tardieu⸗Skandal mag noch ein glück⸗ liches Resultat haben. Viele Studenten und Aerzte sind zusammengetreten, um eine freie Universität ins Leben zu rufen, welche das reformirte Unter- richtsgesetz zugesteht. Es haben sich der Bewegung einige tüchtige Professoren angeschlossen; der talent⸗ volle Augenarzt Dr. Wecker, ein Frankfurter, ist auch beigetreten. Damit ist der erste Schritt gethan zur Einführung der Privatdocenten in die Hochschulen Frankreichs.

Mehrere Blätter versichern, daß alle stimm⸗ berechtigten Franzosen einen Brief des Kaisers im Abdruck erhalten werden, in welchem der Kaiser die Bedeutung des Plebiseits auseinandersetzt.

DasJaurnal officiel enthält ein kaiser⸗ liches Deeret vom 14. d., durch welches der bis herige Unterrichtsminister Segris zum Finanz minister ernannt wird an Stelle Buffet's, dessen Demission angenommen ist. Ferner wird der Großsiegelbewahrer mit der interimistischen Leitung des Ministeriums des Aeußeren an Stelle des Grafen Daru, dessen Entlassung ebenfalls an genommen ist, betraut, und schließlich an Richard die interimistische Leitung des Unterrichtsministeriums übertragen.

Der Gemahl der Exkönigin Isabella, welcher sich binnen Kurzem nach München begibt, hat nicht eine jährliche Rente von 200,000, son⸗ dern von 150,000 Fr., erhalten. Derselbe hat zugleich die Verpflichtung übernommen, für die Kinder des vom Herzog von Montpensier erschossenen Infanten Heinrich zu sorgen. Die Kosten für das Schiedsgericht betrugen 80,000 Fr., welche Isabella bezahlen wird.

Belgien. Brüssel. Es ist ein Diebstahl im Betrage von einer halben Million Franes entdeckt worden, der von einem Beamten des Rechnungshofs verübt ist, welcher amortisirte Ob ligationen der öffentlichen Schuld wieder in Cir culation gesetzt hatte. Die Schuldigen sind verhaftet.

Spanien Madrid. DerImparcial vom 16. d. meldet, daß Tags zuvor Nachmittags der Herzog v. Montpensier von Madeid nach Scvilla abgereist war, nachdem ihm der Regent mit seinen Adjutanten noch einen Besuch abgestattet hatte.

General Cabrera läßt offiziell erklären, daß er seit dem 19. März die Leitung der car⸗ listischen Unternehmung vollständig aufgegeben hat.

Amerika. DieNewporker Handelszeitung erzählt:In Richmond, der ehemaligen Rebellen feste, hat man sich auf eigenthümliche Weise amüsirt. Zwei Bürgermeister, von denen der eine durch den Gouverneur ernannt, der andere sich nicht ablösen lassen wollte, kündeten einander allen

Ernstes frieg. Der alte Mayor wurde vom

neuen mit den Seinigen in einem Polizei Stations-

hause belagert und effectiv ausgehungert. Die Neger ergriffen Partei für den alten und es kam zu einem Kampfe, bei dem leider Blut floß. End⸗ lich mischte sich der General Canby mit der Er⸗ klärung dazwischen, daß des grausamen Spiels nachgerade genug sei und eine Fortsetzung nicht geduldet werden könne, was man ihm als will⸗ kürlichen Eingriff angerechnet, wodurch aber doch der Friede herbeigeführt und weiterem Unfug vor⸗ gebeugt wurde. Die Differenz ist den Gerichten übergeben worden.

Eine in Buenos-⸗Ayres eingetroffene Depesche des Generals Camara vom 1. März meldet: Ich schreibe aus dem Lager des Lopez aus der Sierra. Der Tyrann wurde geschlagen, und nachdem er die Uebergabe verweigert, vor meinen Augen ge⸗ tödtet. Ich forderte ihn auf, sich zu ergeben, als er völlig ermattet und schwer verwundet war, er weigerte sich aber und wurde zusammengehauen. Ich beglückwünsche Eure Excellenz zur Beendigung des Krieges und zu dem vollständigen Siege, den Brasilien über den Tyrannen von Paraguay er- zielt. General Rasquien ist nebst anderen Offi⸗ zieren in unsere Gefangenschaft gerathen.

Vom Main. Nach den bis jetzt von den Land⸗ wirthen, welche in ihrer Wirthschaft schwedische Arbeiter beschästigen, eingelaufenen Nachrichten sind diese mit den Schweden recht zufrieden; sie zeigen sich sehr anstellig und genügsam. Jeder Arbeiter hat ein schwebisch⸗ deutsches Wörterbuch bei sich, und so umgekehrt jeder Oekonom ein deuisch⸗schwedisches. Mehrere Ockonomen, welche erst die Probe abwarten wollten, haben sich nun auch zur Herau⸗ ziehung dieser Arbeitskräfte entschlossen und hat der Vor⸗ stand des landwirthschaftlichen Clubs die Vermittlung einer abermaligen Anwerbung übernommen.

Gießen, 13. April. Von dem Schwurgerichts hof der Provinz Oberhessen vom II. Quartal l. J., welcher seine Sitzungen am 8. d. M. geschlossen hat, sind in den nachstehend bezeichneten Anklagesachen die beibe merkten Strasen erkannt worden: 1) Den 4. April gegen Johannes Lang von Weitershain, wegen ausgezeichneten Diebstahls, geschärfte Zuchthausstrafe von Jahr. 2) Denselben gegen Conrad Zinn von Maar, wegen ausgezeichneten Diebstahls, geschärfte Zuchthausstrase von 4 Jahren. 3) Den 5. April gegen Johannes Franz von Nieder⸗Moos, wegen ausgezeichneten Diebstahls, geschärfte Zuchthausstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten, sowie gegen 1) Martin Pfeiffer, 2) Peter Ickes, 3) Katharina Pfeiffer und 4) Christine Ickes, sämmtlich von Bindsachsen, wegen Diebstahlsbegünstigung und zwar die beiden Ersteren Ge⸗ fängnißstrafe von je 14 Tagen, welche jedoch durch die unverschuldet erlittene Untersuchungshaft für verbüßt er⸗ klärt wurde, gegen die beiden Letzteren aber Gefängniß⸗ strafe von je 3 Tagen. 4) Den 6. April gegen Fried⸗ rich Fey von Ruhlkerchen, wegen verschiedener Diebstähle, Zuchthausstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten. 5) Den⸗ selben gegen Friedrich Martin Fernkorn aus Gießen, wegen Meineids, Corrections hausstrafe von 2 Jahren. 6) Den 7. April gegen den Post-Expeditions-Gehülsen Johannes Seibert aus Semd, wegen Dienstverbrechen, Zuchthausstrase von Jahren. 7) Den 8. April gegen Gustav Vogt, gewesener Bürgermeister aus Reichels⸗ heim, wegen Wechsel- und anderer Fälschungen, fowie wegen Dienstverbrechen, neben der Dienstentsetzung Zucht⸗ hausstrafe von 5 Jahren und 9 Monaten. Wegen der gegen Gustav Vogt auf Unterschlagung don Mündelgeldern gerichteten Anklage wurde derselre sowohl wie auch Gott⸗ hard Waliher aus Bauernbeim, wegen Begünstigung dieser Unterschlagung, freigesprochen.

Darmstadt. Eine ausehnliche Zahl von Veterinär⸗ Aerzlen aus dem Großherzogtbum hat sich zur Grün⸗ dung eines thierärztlichen Vereins vereinbark. Die constimirende Versammlung und die Berathung der Statuten wird am 2. Mai d. J. von Vormittags ab imHotel Drexel zu Frankfurt a. M. slalifinden.

Berlin. Der Thiergarten zu Berlin hat einen empfindlichen Verlust erlitten. Die Wasserpest hat im Gol fischieiche so stark überhand genommen, daß sämmt⸗ liche Bewohner besselben ihr zum Opfer gefallen sind. Die Oberfläche des Wassers ist derart mit Massen tod ter Goldfische vedeckt, daß man, um einer Luftverpestung vor⸗ zubeugen, auf Entfernung derselben Bedacht nehmen muß.

Schiffs nachrichten.

Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agenl.

Das Hamburg-⸗New-MPoiker Post⸗DampfschiffHam⸗ monia, Capitän Meyer, am 5. d. von New⸗Hoik ab⸗ gegangen, ist nach einer Reise von 9 Tagen 15 Stunden am 15. April Abends 5 Utzr in Plymouth angekommen, und hat, nachdem es daselbst die Verein. Staaten⸗Post, owie die für England bestimmten Passigiere gelandet,

um 6 Uhr die Reise via Cberbourg nach Hamburg

fortgesetzl.

Dasselbe überbringet 157 Passagiere. 89 Briefsäcke.

800 Tous Ladung. 5

Das Hamburg⸗New⸗Yorker Post⸗DampfschiffHolsatia, Capitän Meier, welches am 30. März von Hamburg und am 2. April von Havre abgegangen, ist nach einer Neise von 9 Tagen 22 Stunden und am 42. d 2 Uhr Nach⸗ mittags wohlbehalten in New⸗Vork angekommen. 5

1 polzarl.

1 Das W

1 buchen

Eichen 1 92 ic 0 mit 3 ö mit 5 1 But 1 mlt 10 Bir mit

bald, 5 einschen. 0 I den 2

Polzart. Buchen Eschen Nadel ho Aspen

Holzart balnduc