Ausgabe 
19.11.1870
 
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meldet: Thionville, seit Sonnabend bombar⸗ dirt, steht in Flammen.

Straßburg. Am 20. d. wird die Eisen⸗ bahnnothbrücke dem allgemeinen Verkehre über⸗ geben werden und somit die Eisenbahnzüge wieder bis auf den Straßburger Bahnhof durchfahren.

Aus Straßburg berichtet dieSchles. Ztg.:Aus guter Quelle verlautet, daß die In⸗ genieure einen Plan ausgearbeitet, der sowohl den militärischen als städtischen Verhältnissen in aus · giebigster Weise Rechnung trägt. Nach dem Rhein wird die Stadt offen gelegt oder vielmehr er⸗ weitert. Straßburg liegt nämlich 2 Kilometer (% Meilen) vom Rhein, das ganze dazwischen liegende Territorium wird nun derselben einver⸗ leibt, indem die Festungswerke von beiden Seiten der Stadt in fast gerader Linie zum Rhein fort⸗ geführt und Kehl in das Festungssystem hinein- gezogen wird. Straßburg kann sich dann auf 400,000 Seelen vermehren und behält doch noch seinen prächtigen Park innerhalb der Mauern. Der Strom wird ihm in jeder Weise dienstbar, größere Hafenanlagen und eine regelmäßige Dampfschifsverbindung werden den Handel fördern. Die Einengung und die Vertiefung des Strom⸗ bettes, für welche die französische Regierung nichts thun wollte, weil dadurch die Ueberschreitung des Flusses hätte schwieriget werden können, wird der Schifffahrt allen möglichen Vorschub leisten. Auf der Landseite wird dagegen Straßburg mit großen, weit vorgeschobenen Außenwerken umgeben, die alle Gefahr eines Bombardements beseitigen. Kurz, Straßburg ⸗Kehl soll und wird das große Emporium, der Stapelplatz des Oberrheins werden, wie es Köln-Deutz bereits für den Unterthein geworden.

In Straßburg und in der nächsten umgebung hat man mehrere Werbebureaux für Franctireurs entdeckt und ausgehoben, und scheint 28, als ob dieselben bereits von hier aus circa 280 Franctireurs ausgerüstet und entsendet hätten. Ueber mehrere Werber soll in den nächsten Tagen das Kriegsgericht, welches bekanntlich bloß aus Offizieren besteht und nur zum Tode verurtheilen kann oder sonst freisprechen muß, entscheiden. Am Mittwoch hat der Gouverneur von Straßburg General⸗Lieutenant von Ollech, eine Proclamation erlassen, wonach mit dem 9. Nov. c. die Durch⸗ suchung der Häuser nach Waffen ihr Ende erreicht habe, und daß von da an jeder, welcher ohne Erlaubnißschein noch Waffen besitzt, je nach den Umständen entweder vor ein Kriegsgericht gestellt, (J. B. wenn das Behalten der Waffen nur als Versuch eines eventuellen Angriffes, resp. Wider⸗ standes anzusehen ist) oder ausgewiesen wird.

Aus Baden, 15 Nov. Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß die letzten Waffenstillstands⸗ verhandlungen, namentlich die englische Vermittlung dabei, die Prätensionen der sranzösischen Regie⸗ rung nur gesteigert haben. Man wollte überhaupt, wie es scheint, dabei nur Zeit für die Rüstungen gewinnen. Es ist auch bereits die Frage aufge⸗ taucht: ob Thiers dabei Betrogener oder Betrüger war? Er war mehrmals bei dem General v. d. Tann. Sollte er bei dieser Gelegenheit auch Bergleichungen über die Stärke der gegenseitigen Truppen angestellt und in Folge dessen die Schritte der Loirearmee gegen den baperischen General etwas beflügelt haben?

Ueber die Besetzung Delle's erfährt man, Am 9. Nov. traf von Boncourt ein reitender Bote in Pruntrut ein, welcher meldete, sechs Ulanen mit einem Offizier hätten die schweizerische Gränze berührt, seien jedoch von dem dort stehen⸗ den schweizer Posten aufgehalten worden, dem sie sich als die Avantgarde eines größeren Corps zu erkennen gegeben. In der That traf dann auch bald ein Bataillon Infanterie und eine Escadron Ulanen in Delle ein, welche die Eisenbahn und die ganze Stadt besetzten; am 10. November, Nachmittags 2 Uhr, marschirten sie indessen wieder ab, 100 Hectoliter Hafer und die Waffen der Nationalgarde mit sich nehmend, worauf dann am andern Tage, also am 11. Nov., ganz un: erwartet ein Bataillon Zuaven in Delle eintraf, welches sich als die Avantgarde des Generals

Michel und Garibaldi's anmeldete, aber ebenfalls

bald wieder von dannen zog. Wag der Marsch dieses Corps zu bedeuten habe, ist schwer zu ent räthseln, aller Muthmaßung nach ist jedoch zwischen Delle und Belfort ein Kampf bevorstehend. Am 9. Nov. wäre bei Bapillier eine 400 Mann starke Abtheilung Deutscher bald in die Hände der Besatzung Belforts gefallen, wurde aber noch rechtzeitig von einem Bauer gewarnt, welcher dann von den Franzosen gefangen genommen wurde. Wie ein frauzösischer Offizier erzählte, sollen bei den Bauern derarlige Fälle, namenklich im Elsaß, häusig vorkommen. Hauptmotiv dabei sei Haß gegen die Republik. i

In Besangon forderte General Pre⸗ mönville die Einwohner auf, für eventuelle Be⸗ lagerung die nöthigen Borbereitungen zu treffen.

Basel, 15. Nov. Die deutschen Truppen haben gestern nach langer Abwesenheit hl⸗ hausen wieder einen Besuch gemacht und sind bis nach St. Louis, Burgfelden und Hünirgen, also dicht an unsere Gränze, herangerückt. Der Zweck dieser Streispartie geht weniger auf dauernde Besetzung als vielmehr dahin, Franctireurs und Mobilgarden abzufangen und die allfällig noch vorhandenen Waffen herausgeben zu lassen. Die Mühlbäuser haben ihr Eisenbahnma terial hierher geflüchtet, der Dienst ist eingestellk, wird dagegen morgen wieder wie früher von der schweizerischen Centralbahn übernommen. In Olten sind am Sonntag die ersten zehn der angekünvigten fran⸗ zösischen Locomotiven angelangt, zu eich auch die Maschinisten mit itzren Familien. Einige Beamte sind schon vorher zur Controlirung des einlaufen den Materials angekommen. Man sagt, daß die Zahl der geflüchteten und noch zu flüchtenden Wagen in die Taufende gehen werde. Der Bund meldet aus Pruntrut vom heutigen: Heftige Kanonade aus Belfort. Die Forts Juflice und Grandes Perches feuern unausgesetzt. Das Dorf Vezelois brennt.

Hessen Darmstadt. Wie dieD. Ztg. 7 meldet, ist dem Prinzen Wilhelm von Hessen und dem Landgrafen Friedrich von Hessen⸗ Rumpenheim vom Kaiser von Rußland der St. Georgsorden vierter Klasse verliehen worden.

Bad Nauheim. DemFr. J. schreibt man von hier: Durch Entschließung Großh. Kriegsministeriums in Darmstadt ist Bad Nau⸗ heim unter die Zahl derjenigen Städte auf⸗ genommen, in welchen gefangene französische Offiziere internirt werden sollen. Die Maß⸗ regel scheint darin ihren Grund zu finden, daß die Logis in den bisher vom Großherzog⸗ thum angewiesenen Städten nicht ausreichen,

deren Besitzer durch die Störung der Saison großen materiellen Schaden gelitten haben. Die Controle über die hier zu internirenden französischen Offiziere wird von der nahen Garnisonstadt Friedberg aus besorgt werden.

Preußen. Berlin. DieKreuzztg glaubt anläßlich der Mittheilungen über den Still⸗ stand in den Verhandlungen mit Würtemberg an⸗ nehmen zu dürfen, daß Würtemberg nach kurzem Besinnen die Einflüsse von der Hand weisen werde, die dasselbe von dem betretenen Wege abzuziehen versuchen. f N

Bei Besprechung der Gefechte des Generals v. d. Tann sagt dieProvinz. ⸗Corresp.: Die nächste Woche wird voraussichtlich wichtige Eteig⸗ nisse auf jenem Kriegsschauplatze bringen. General Trochu hat augenscheinlich im Hinblick auf das Vorgehen der Loire-Armee seit Wochen Alles zu einem gleichzeitigen Aussalle der umfassendsten Art vorbereitet. Er wird vermuthlich in diesen Tagen das Herannahen der ersehnten Rettung erwarten und von dem vorläufigen Mißlingen schwerlich genügend unterrichtet sein. Unsere Armeen vor Paris, welche nach der Entsendung einiger Ab theilungen nach Orleans alsbald anderweitigen Ersatz erhalten haben, werden gewiß auch die

letzten verzweifelten Versuche der Pariser Ver⸗ theidigung nachdrücklich zurückweisen.

während in Nauheim ganze Häuser leer stehen,

Oesterreich. Wien. Oesterreichs Haltung Berst in ber russischen Frage ist ganz von England 1 abhängig.. asse .. 5 Nolt Am Freitag der vorigen Woche hat an/ fe der hiesigen Börse, wie man derB. B.⸗Ztg. 1 S0 mittheilt, eine große Demonstration staltgefunden, 9 21 indem die Verlesung des Telegramms über bie 10 3 Niederlage der deutschen Truppen bei Orleans 9 get am 9. d. mitstürmischen Hurrahs begrüßt 1 wurde. DieB. B.-. spricht ihren Unwillen 6 über dieantideutsch gesinnte Cliquein einer 9 Stadt, die sich vorzugsweise stets rühmt, die 10 Pflegestätte deutscher Cultur in den Ostmarken 15 des ehemaligen deutschen Reichs zu sein, sehr 0 energisch aus, indem sie die Demonstration als n ö einenScandal, ja mehr als dies, eine Infamie 1 die nicht genug an den Pranger gestellt zu werden J n de We verdient, bezeichnet. on, 1 0 Das Correspondenzbureau meldet aus a Konstantinopel vom 16. November Abends:Die* Nidre russische Note ist gestern Abend vom russischen Geschäftsträger Herrn v. Staal übergeben worden sie verlangt die Revision einiger Artikel des Ver 9 trags von 1856. Man versichert, fügt das Corre- 001 Do spondenzbüreau hinzu, die Note sei in sehr ver⸗ engen söhnlichem Geiste redigirt. General Ignatieff Hetdheen wird morgen erwartet. DiePresse erfährt, 4 die österreichische Antwort auf das Rundschreiben ifbiein dts Fürsten Gortschakoff werde bald erfolgen, Ofth dieselbe werde sich der Auffassung Englands voll⸗ kommen anschließen, ohne jedoch den Charakter der Indentität an sich zu tragen. ir ö : Friedberg, den 17. Nov. Heuse wurde das W Bergwerk Mel bach eröffnet und die Feier des erssen tage Spalenstichs in einfacher, ernster, echt bergmännischer em Weise begangen. Die Beamten und Bergleute des Werkes 0 hatten sich in der Kaue des ersten abzuteufenden Schachtes versammelt. Nachdem Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog ein Hoch ausgebracht. wurden von den. Beamten Worte der Weihe, Wünsche und Hoffnungen in Sele Bezug auf den bevorstehenden Bergbau ausge sprochen und Aße des Himmels Segen für das neue Werk von einem schlichten Bergmann herabgefleht. Die ersten Spalenstiche 4 geschahen bei Gesang eines Bergmannsliedes undGlückauf. e ö In Wiesbaden sind eine große Anzahl unbemittelier MI französischer Officiere untergebracht. Dieselben haben auf 00 Wunsch die Erlaubniß erhalten, in der dortigen Kaserne nige zu wohnen, wo sie mit Hürfe ihrer Diener ihre eigene Un Menage machen. Auch die Diener suchen sich durch Arbeit Schlac dei Bürgern möglichst zu helfen. Der Controle wegen lc me mülssen sich alle Officiere täglich an der Hauptwache mel⸗ 5r den, dürfen die Stabt nicht einmal zu Spaziergängen verlassen und die Diener müssen in Uniform gehen. Bescheinigung. 57 Bei dem Rechner des Comitss für die Unterssützung 100 ber verwundeten und erkrankten Soldaten sind weiter ein⸗ salleg gegangen und werden dankbar bescheinigt: fl. kt. medi durch Herrn Carl Walz von hier aus einer thea⸗ 81 tralischen Abendunterhaltung von den Eltern eines schwer erktankten und nun wieder genesenen Kindes von hier 5 von Herrn Pachter Hill in Fauerbach 10* durch Herrn Regierungsrath Trapp Kirchenopfer Ver von Herrn Pfarrer Tröster aus Gambach 16 30 2209 Ungenannt 19778 sollen 10 10 Pfarrer Becker Kirchenopfer aus Bruchen⸗ 3 n ma rücken 25 durch Herrn Bürgermeister Reitz aus der Gemeinde 1701 Södel d von Herrn Bauausseber Schneider von hier 145 An Materialien: durch Herrn Lehrer Bapst in Bönstadt 18 Malter Kartoffeln, 18 Körbe elbe Rüben, 160 Weiß⸗ 2 kraut, 80 Wirsing, 45 Pfund Dörrobst, 1 Topf Latwerg; 0 durch den Wohlihätigkeitssinn der Gemeinde Bönstadt ist 710 uns eine zweite ebensogroße Sendung derselben Vicmalien werde zur Verfügung gestellt, die wir herzlich dankend accepliren; seheng durch Herrn Bürgermeister Laur in Gambach 18½ Centner Node Kartoffeln, Centner Rüben, 50 Wirsing, 2 Cenkner Wen Dörtobst, 30 Pfund Butter, 7 Pfund Gerste, 107 Eier; 1) durch Herrn Bürgermeister Reitz in Södel gesammelt durch 2 den Ortsdiener Fourier 139 Eier, 19 Pfund Butter 5 9) Malter Kartoffeln, 110 Pfund Dörrobst, 35 Körbe Rüben, 40 4 Malter Aepfel, 6 Würsichen; durch Heinrich Stoik, 5 Heinrich Beiter und Ludwig Loh aus Ober⸗ Rosbach das von ihren Miischülern geschenkte Kraut und anderes Ge⸗ 5 müse; von Herrn Reul in Weckesheim 1 Sack Kartoffeln, 1 Sack Kohlraden, 1. Säckchen Dörrobst, geschälte Gerste und eine Partie gelbe Rüben. N Um fernere Liebesgaben wird gebeten. Friedberg den 17. November 1870. NI Für das Comits: fn J. Huber, Rechner.