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das Demissionsgesuch der Minorität des Ministe⸗ riums angenommen. Die Bildung eines neuen Cabinets wird unmittelbar nach der Adreßdebatte des Abgeordnetenhauses stattfinden.
— Das„Abendpost“ meldet, daß Erzberzog Carl Ludwig sich zur Erwiderung des Besuches des Kronprinzen von Preußen am 20. Januar über Dresden nach Berlin begeben werde, woselbst er am 23. Januar eintreffe. Er wird sich an · geblich drei Tage in Berlin aufhalten.
— Das Verbot, Waffen zu besitzen und zu tragen, sowie das Standrecht für den ganzen Be⸗ zirk Cattaro sind aufgehoben. a
— Das offiziöse Organ des Cardinals Rauscher beeilt sich die Berichte über das entschiedene Auf⸗ treten des serbo⸗eroatischen Bischofs Stroßmaper im Concil gegen die Jesuiten für eine Erfindung zu erklären.
— Dem„Wanderer“ zufolge ist aus Rom nach Agram gemeldet worden, daß am 6. Abends von zwei unbekannten Individuen gegen den croatischen Bischof Stroßmayer ein Attentat ver⸗ sucht wurde, als derselbe in seine Wohnung heim: kehrte. Durch Dazwischenkunft mehrerer Personen wurde der Mordanfall vereitelt. Die Attentäter entkamen. Die römische Polizei will den Vorfall vertuschen.
Frankreich. Paris. Die Regierung wird im gesetzgebenden Körper einen Gesetzentwurf einbringen, welcher alle politischen Verbrechen und Vergehen, seien sie durch die Presse oder auf andere Weise verübt, vor die Jury verweist.— Ein Gerücht, Graf Daru beabsichtige, seine Ent. lassung zu geben, wird vom„Journal des Debats“ als grundlos bezeichnet. Im Ministerium, sagt das Blatt, herrscht vollständige Einigkeit und alle Entscheidungen sind mit Einstimmigkeit getroffen worden.
— Der Kaiser hat die Kasernen besucht und ist überall lebhaft von den Truppen empfangen worden. Die Aufregung dauert in den Arbeiter-
samkeit und Festigkeit des Ministeriums, ist der Ansicht, daß dem Antrage auf Ermächtigung zur Verfolgung des Herrn Rochefort nicht Folge zu geben sei.“
— Bei den ungeheuren Vorsichtsmaßregeln, welche die Regierung ergriffen hatte(über 100,000 Mann Truppen waren in Paris versammelt), wäre eine Schilderhebung der radicalen Partei am Begräbnißtag Noir's jedenfalls eine Thorheit gewesen; diese Einsicht beherrschte die Führer, welche außer dem heißblütigen Gustav Flourens sich entschieden dagegen erklärten, daß man die Leiche nach Paris bringe. Rochefort sprach zu der Menge:„Ihr wißt, daß ich nie zurückgewichen bin. Aber ich habe die Ueberzeutzung, daß die Stunde noch nicht geschlagen hat.“ Auch der Chefredakteur des„Reveil“ Delescluze suchte die Menge zu beruhigen. Er sagte: Bürger! Unser Wunsch war, die Leiche nach dem Pere Lachaise zu tragen, aber wir tragen sie nicht dorthin. Zum ersten Mal seit 18 Jahren bläht der Wind unsere Segel, gefährden wir nicht unsere Sache, die Sache der Völker, die Sache der Gerechtigkeit. Wir müssen uns dem Wunsche der Familie Noir's fügen und die Leiche zum Friedhöfe von Neuilly bringen.— Auf dem Friedhose sprachen dann de Fonvielle und Louis Noir, ein Bruder des Ermordeten. Ersterer sagte:„Bürger! Angesichts dieses Grabes, Angesichts von Euch Allen schwöre ich, daß Victor Noir auf feige Weise von einem Bonaparte ermordet worden ist! Ohne Grund, ohne Motiv, ohne Provocation seinerseits wurde er vor meinen Augen auf kalte Weise getödtet. Erwarten wir aber die Sühne. Wenn wir nichts von der kaiserlichen Justiz erlangen, so werden wir zur Volksjustiz unsere Zuflucht nehmen. Victor Noir, mein Freund, mein Bruder, du, der du mit deinem Blute die Wohnung eines Prinzen für die heilige Sache der Freiheit, der Republik erfrischt hast, ich werde dich rächen! Ich werde dich rächen! Ich werde dich rächen!“ Louis Noir
Stadttheilen fort, aber die Ruhe ist nicht gestört] sagte:„Die Leiche meines Bruders gehört der
worden.
— Die Nichtigkeitsbeschwerde Traupmann's ist zurückgewiesen worden.
— Eine Nummer der„Marseillaise“, welche äußerst heftige Artikel enthält, darunter einen von Kochefort, ist mit Beschlag belegt. Zugleich ver- öffentlicht sie ein Bild, welches Victor Noir auf dem Todtenbette darstellt. Die Nummer wird bis zu 30 Franken bezahlt.
— Der„Rappel“ hat eine Subsceription zur Errichtung eines Grabmals für Victor Noir mit der Ueberschrift eröffnet:„Dem Bürger Victor Noir, ermordet durch Se. kaiserl. Hoheit den Prinzen Peter Bonaparte.“
— Der Staatsgerichtshof hat in der Ange⸗ legenheit des Prinzen Bonaparte bereits eine Sitzung gehalten. Der Staatsanwalt stellte seine Anträge auf Versetzung des Prinzen Peter Na- poleon Bonaparte in Anklagezustand unter der doppelten Anschuldigung des freiwilligen Todt- schlags, begangen an der Person des Hrn. Victor Noir, und des versuchten Todtschlags, gerichtet auf die Person des Hrn. Ulrie de Fonvielle. Eine Vernehmung des Prinzen hat stattgefunden, auch wurde Fonvielle dem Prinzen gegenüber gestellt.
— Ollivier wollte gleichzeitig mit der Erlaub- niß zur Rückkehr Ledru⸗Rollin's den Antrag auf Abschaffung des Gesetzes, welches das Haus Orleans und den Grafen Chambord aus Frankreich ver— bannt, ankündigen. Der Kaiser hat noch Bedenk— zeit gefordert.
— Paschal Grousset hat auf eine Vorladung zu verantwortlicher Vernehmung vor den Unter suchungsrichter de Lurch geantwortet:„Wir er— klären dem de Lurch, daß wir weder ein Gericht erster oder zweiter Instanz, noch einen Untersuchungs- richter, daß wir überhaupt keine bonapartistische Gerichtsbarkeit anerkennen und uns daher weigern, gutwillig seiner Vorladung zu gehorchen.“ Der „Ttlegraph“ medet, daß Grousset darauf hin ver— haftet worden ist.
— Wie der„Constitutionnel“ vernimmt, will das linke Centrum folgende Tagesordnung bean—
Demokratie. Sie ist Richterin über das, was geschehen muß; was mich betrifft, so habe ich nux das Eine Wort zu sagen, daß ich schwöre, ihn Ju rächen!“ Hierauf sprachen noch mehrere Redner, welche alle Rache für das Verbrechen forderten, und die Menge stimmte ein in den Ruf: Rache! Nach der beendeten Ceremonié zogen die Hur derttausende nach und nach von Neuilly ab, in Truppen von 2000 bis 5000, eine von 50“ bis 60,000 Mann, aber erst nach 6 Uhr war Neuilly vollständig geräumt. Zu ernstlichen Zu sammenstößen dieser Menschenhaufen mit den an verschiedenen Punkten unter starker militärischer Deckung sich zeigenden Polizeiagenten ist es nicht gekommen und die Ruhe wurde bis jetzt nicht weiter gestört.
— Im Senat brachte Maupas die ange— kündigte Interpellation über die innere Politik ein und ersuchte die Regierung, ihr Programm deutlich darzulegen. Ollivier erklärte in seiner Antwort, er und seine Freunde hätten nicht nach der Regierungsgewalt gestrebt, aber sie übernommen, um ihre politischen Gedanken zur Anwendung zu bringen.„Den revolutionären Bestrebungen gegen- über werden wir der Widerstand, aber nicht die Reaction sein. Das Ministerium wird die beiden Programme zur Ausführung bringen, die seine Mitglieder unterzeichnet haben.“ Die Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen.
Großbritannien. Aus London wird gemeldet, daß der Fussonsvertrag der fran— zösisch amerikanischen Kabelgesellschaft mit den beiden englisch amerikanischen Kabelgesellschaften unterzeichnet worden ist. Die französischen Kabel- actien werden hier zu 480 mit steigender Tendenz gehandelt..
Italien. Rom. Ueber die Verhandlungen und Vorgänge im römischen Coneil dringen so spärliche Nachrichten in das Publikum, daß es auch für die Leser dieses Blattes von hohem In— teresse sein muß, zu vernehmen, was dem„Neuen Wiener Tagblatt“ angeblich aus vortrefflichen Quellen aus Rom gemeldet wird. Genanntes
im alten Jahre fand am 28. Dezember statt und
ihr Charakter war wesentlich verschieden von dem der vorangegangenen Sitzung. Die Opposition trat auf und das wirkte wie das Platzen einer Bombe. In dieser Sitzung sprachen: Msgr. Fo⸗ garassy, griechisch- unirter Erzbischof von Karls burg, Msgr. Stroßmeyer, Bischof von Bosnien und Syrmien, Msgr. Genouilhac, Bischof von Grenoble und Msgr. Cairal y Estrade, Erzbischof von Urgel. Die Rede des Bischofss Stroßmeyer war ein Ereigniß. Sie richtete sich gegen die gedachten Dekretentwürfe, die von den Vätern genehmigt werden sollen, und gegen die Arbeiten der Vorberathungsausschüsse überhaupt. Diese Arbeiten, bemerkte der Redner, sind durchtränkt von den Einflüssen der Jesuiten und sie tragen den Stempel ihrer Lehren. Die weiteren Ausführungen des hochwürdigen Bischofs von Diakovar waren von einer über alles Lob erhabenen Beredtsamkeit getragen. Diese seine Rede stellt ihn in die Reihe der berühmtesten Redner unseres Jahrhunderts. Seit dem Pater Ventura hat sich in Rom noch keine Stimme von gleich erhabener Beredtsamkeit erhoben. Als der Bischof seine donnernde Philippika gegen die Gesellschaft Jesu begann, erhob sich der Präsident, der Cardinal Capalti, Legat des heil. Vaters, um den Redner zur Ordnung zu rufen. Der Cardinal bemerkie in seinem Ordnungsrufe, daß eine solche Sprache ungeziemend sei. Da entgegnete Migr. Stroß⸗ meyer in höchster Bewegung:„Ein Bischof hat nur auf die Stimme seines Gewissens zu hören. Die Kirche Gottes ist von den Jesuiten bedroht und ich habe mich erhoben, sie zu vertheidigen. Nicht gegen die Kirche, sondern gegen die Gesell⸗ schaft Jesu richte ich meine Worte in meiner Eigenschaft als einer der Hirten der Heerde unseres Erlösers und als Mitglied dieser Versammlung, durch welche der heilige Geist unmittelbar sich kundgiebt. Der heil. Vater hat uns die Freiheit unserer Berathungen versichert und diese Freiheit nehme ich für mich in Anspruch.“ Und ohne sich weiter unterbrechen zu lassen, setzte Bischof Stroß⸗ meyer seine niederschmetternde Rede fort, in der sich eiserne Logik mit einem Schwunge einte, der an die gotterfüllten Worte der größten katholischen Redner hinanreichte. Die Versammlung ward von den Sätzen des Bischofs bewegt, wie das Meer, wenn es vom Sturm erfaßt wird.„Ich beschuldige die Jesuiten, den Geist, die Lehre und den Unterricht der Kirche verderbt und gefälscht zu haben,“ rief Stroßmeyer, und ähnliche Be⸗ schuldigungen, denen die Beweise folgten, fielen auf den Orden wie ein dichter und schwerer Hagelschlag nieder. Die Jesuitenpartei war ge reizt und endlich wüthend, aber unter der Wucht der mächtigen Anklagen, mußte sie die Stirne senken. Bis zum Schluß bin steigerte sich die Gewalt der Angriffe und namentlich der dritte und letzte Theil dieser denkwürdigen Rede erhob sich zu einer schrecklichen Anklage gegen den Orden. Da richteten sich alle Blicke auf den Pater Peter Beckx, den Ordensgentral der Jesuiten, der seinen
Sitz auf einer der vorderen Bänke, gegenüber der
Rednerbühne inne hat. Pater Beckx saß unbe— weglich da gleich einer Statue und hielt, ohne mit den Augen zu zwinkern, das furchtbare Feuer dieser Rede aus, welches gewaltiger war als das einer Batterie von Geschützen. Nach dem Bischof Stroßmeher sprach der Bischof von Grenoble, ebenfalls von der Tribune. Seine gelehrte und sehr gemäßigte Rede griff die Gesellschaft Jesu, ihre Prinzipien und den Einfluß, den sie in Rom übt, in ganz bedenklicher Weise an. Als die Sitzung geschlossen wurde, umdrängten alle der Oppositlon angehörigen Väter den Bischof Stroßmeyer, um ihn zu beglückwünschen. Selbst die Cardinäle machten ihm alle Komplimente über sein bewunderungswürdiges Talent.— Bischof Stroß⸗ meyer schilderte das Leben Jesu und zeigte, daß der Heiland überall in Lehre und That Milde, Sanftmuih und Vergebung walten ließ. Er zeigte, daß der gleiche Charakter, daß die Liebe auch die Grundeigenschaft seiner Kirche sei und sein müsse. „Was thun dem gegenüber wir? Was wird uns
tragen:„Die Kammer, vertrauend arf die Wach- Blatt berichtet: Die letzte Sitzung des Coneils angesonnen zu thun?“ fragte er mit erhöhter
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