Aus Luxemburg wird ein bedeutendes Eisenbahn. Unglück gemeldet: Am 8. Mai, Abends gegen 9 Uhr, hielt ein von Luxemburg gekommener Personenzug der Nordlinie im Bahnhofe zu Dommeldingen(nächste Station von Luxemburg), war aber im Begriffe abzufahren. Der Stations- vorsteher, voraussetzend, daß der nachfolgende Güterzug seine normale Fahrzeit einhalten werde, telegraphirte nach Luxemburg, die Bahn sei frei. Der hierauf von Luxemburg abgelassene Güterzug, aus 35 schwer beladenen Wagen bestehend, kam aber auf der abschüssigen Bahn mit außerordent⸗ licher Schnelligkeit herangebraust und stieß auf den noch nicht in Bewegung gesetzten Personenzug, den er buchstäblich zermalmte. Von den in den Coupés befindlichen Personen blieben 13 theils auf der Stelle todt, theils starben sie nach wenigen Stunden, zum Theil noch ehe man sie aus dem ineinander geschobenen Holz- und Eisenwerke be⸗ freien konnte. Die Zahl der mehr und weniger schwer Verwundeten wird auf 15 bis 20 ange⸗ geben. Die Luxemburger Gerichtsbehörde hat sich noch denselben Abend an die Unglücksstätte be⸗ geben und Verhaftungen angeordnet.
Italien. Florenz. In der Kammer machte Ministerpräsident Lanza Mittheilung von neuen republikanischen Erhebungs versuchen. Da⸗ nach war zwischen Pisa und Volterra eine aus 60 Individuen bestehende Bande erschienen, von den Truppen überrumpelt und theilweise zerstreut. Die Bande wird von der Bevölkerung nicht unter⸗
ützt.
9 55 Neapel hatten geen 100 Studirende durch aufrührerische Rufe Unordnungen an der Uni⸗ versität hervorgerufen. Durch Interbention von Delegirten wurden die Uaruhestifter beschwichtigt. Drei Verhaftungen wurden bewirkt.
— Die Unruhen in Neapel erneuerten sich am 14. d. Im Universitätshofe platzten drei Bomben. Ein Student feuerte einen Revolver ab, ohne je doch Jemand zu verletzen. Die Universität wurde geschlossen und 15 Studenten verhaftet.
Griechenland. Ueber den wichtigsten Punkt bei dem Morde von Marathon fehlte bisher die Aufklärung, nämlich über die unmittelbare Veran⸗ lassung zu dem Tode der Gefangenen. In einem Briefe jedoch, den der englische Gesandte zu Athen, Mr. Erskine, an einen der Gefangenen, Mr. Herbert, richtete, findet sich eine höchst verdächtige Stelle. Der Brief enthält die Versprechungen, die man den Räubern machte:„Es bleibt somit — schreibt Erskine— nur noch der Ausweg, die Räuber auf einem britischen Schiffe in's Exil zu führen, und obwohl ich darüber von Lord Clarendon nicht eine Zeile habe, ermächtige ich Sie und Noöl dennoch, ihnen ihre sofortige Ein- schiffung an Bord des hier vor Anker liegenden
„Cockatriee“ vorzuschlagen. Das Lösegeld soll
ihnen sofort an Bord überliefert werden und würde ich ihnen ein in der beglaubigtesten Form ausgestelltes Dokument übergeben, in welchem ich die Ehre der britischen Regierung verpfände, daß sie in Sicherheit nach Malta geführt werden sollen, wo es ihnen freigestellt bliebe, sich mit ihrem schlecht erworbenen Reichthum wohin immer zu wenden.(Sie dürsten sich auch einen anderen Landungsplatz als Malta wählen, doch kann ich mir kein Land denken, was sie aufnehmen würde.) In Malta würden sie, wie ich kaum erst zu be⸗ merken brauche, verhaftet werden, doch ist dies ein Punkt, den Sie ihnen gegenüber nicht zu berühren nöthig haben. Es ist nicht möglich, daß ich wegen dieser meiner Schritte desavouirt und ge⸗ tadelt werden werde; da jedoch keine Zeit ist, um die Sache mit Lord Clarendon zu erörtern... In Malta also hätte man sie verhastet, ihnen wohl auch das Lösegeld wieder abgenommen. Wenn diese Hinterlist den Räubern klar wurde— und schwer konnte ihnen das nicht werden— so war damit freilich das Todesurtheil besiegelt.
RNockenberg hat in kurzer Zeit ein Fest in Aus⸗ sicht, das bei günstigem Wetter ein schönes gelungenes Volksfest zu geben verspricht. Es ist das achte Sänger⸗ fest des Wetterauer Land⸗Sängerbundes. Der Ortsvorstand, der zum Comitse gehört, unterstützt den dasigen Concordia-Verein in ehrender Weise, so daß die allerwärts gehegten Erwartungen sich wohl erfüllen dürften. Am ersten Tage werden hauptsächlich Chor- und Special⸗ lieder auf der Bühne zum Vortrag kommen, während am zweiten Tag Concert von 2—5 Uhr von der Musik des 2. Infanterie⸗Regimentes ausgeführt werden wird. Wenn möglich bringen wir das Programm bald in diesen Blältern, das nach den Vorberathungen zu urtheilen nichts zu wünschen übrig lassen soll.
Gießen. Im Monat April 1870 betrug der Personen⸗ verkehr: auf den Tbeilstrecken Gießen— G ünberg, Gießen — Hungen 10,646 Personen 4508 fl.— ke., Güterver⸗ kehr ol. Materialbeförderung 23648 Ctr. 1719 fl. 46 kr., Extra⸗Ordinaria 8 fl. 45 kr., Summa 6236 fl. 31 ke. Im Ganzen auf den Theilstrecken Gießen— Grünberg, Gießen— Hungen vom 1. Januar bis 30. April 20,062 fl.
Coblenz Vor einigen Tagen stand vor den Schranken des Zuchtpollzeigerichts ein Geistlicher aus Andernach, an⸗ gekagt, die edlen Steine einer Broche, welche eine fromme Geberin demselben zu kirchlichen Zwecken übergeben, für den Preis von 190 Thlrn. verkzuft und zu anderen Zwecken benutzt zu haben. Das Gericht verurtheilte den⸗ selben zu 4 Wochen Gefängnißstrafe, in die Kosten und zum Ersatze des Werttzes der Preliosen.
München. In der jüngsten Monatsversammlung des historischen Vereins von und für Bayern wurden auch die zuletzt eingegangenen Geschenke erwähnt. Unter diesen bildet das Haupisächlichste der„Hausrock“ des verstorbenen König Ludwig 1., welchen derselde, der Gründer der bayerischen historischen Vereine, wie der officielle Bericht ausdrücklich besagt, 60 Jahre hindurch täglich getragen hit— ein würdiges Stück aus der Urväter Hausrath, das seine Stelle neben der Welfenhose verdiente.
Berlin. Am 1. April 1870 befanden sich in Berlin wobnungslos 350 Familien mit 1604 Köpfen. Von diesen Familien halten in ihren letzten Wohnungen Mieihe bezahlt bis 30 Thlr. 121 Familien; von 31 bis 60 Tolr. 175; von 61 bis 100 Thlr. 36 und endlich über 100 Thlr.
18. Der Wohnungsmangel erstreckte sich somit zu bei Weitem größtem Theile(296 gegen 54) auf kleinere Wohnungen zu einem Mielhpreise unter 60 Thlr. Von diesen 350 Familien wohnten 178 in Vorbergebäuden; 102 in Hof⸗ und Seitengebäuden unb 70 in Keller⸗ wohnungen. In Bezug auf Geschlecht und Beruf der Häupter der wohnungslosen Famtlien befanden sich unter denselben 101 Frauenspersonen— Wiitwen, geschiedene und eheverlassene Frauen und unverehelichte Frauens⸗ personen mit Kindern— 69 Arbeiter, 54 Bauhandwerker, Schmiede, Schlesser und Former, 31 Schuhmacher, 21 Schneider, 17 Maler, Tapezierer, Buchbinder, 16 Dienst⸗ männer, Lobndiener und Kellner, 9 Handelsleute, 8 Weber. 6 Droschkenkutscher, 5 Müller, Bäcker und Schlächter, 4 Schreiber und Buchhalter, 4 Tuchmacher und Hutmacher, 3 Beamten und frühere Offiziere und endlich 1 Musiker und 1 Schauspieler.— Die 1604 Personen sind zwar inzwischen unter Dach und Fach gekommen; dagegen sind die Fälle nicht vereinzelt, daß einzelne Stuben nunmehr von 3 verschiedenen Familien bewohnt werden und Räume, welche früher Zubehör selbst zu deu kleinsten Wohnungen waren, jetzt als besondere Wohnungsräume vermiethet sind.— Dem herrschenden Wohnungsmangel gegenüber standen nach dem 15. April in Berlin überhaupt nur 133 Wohnungen leer, von denen nur 2 unter 30 Thlr., 12 zwischen 31 und 60 Thlr. und 7 zwischen 61 und 100 Thlr. Miethe kosteten, während für 421 Wohnungen über 100 Thlr. bis 300 Thlr. und für 71 Wohnungen über 300 Thlr. Miethe gefordert wurde.
sind in den Pfarreien des evang. Dekanats Friedberg nachbenannie Beiträge eingegangen, welche an den Rechner des Hauptvereins der Gustav-Adolf⸗Stistung im Groß⸗ berzogthum Hessen übersandt worden sind: Assenheim 10 fl. 3 kr., Bönstadt 5 fl. 6 kr., Bruchendrücken 10 fl. 9 kr., Dorbeim mit Schwalheim 1 fl., Fauerbach b. F. 12 kr., Florstadt 10 fl. 12 kr., Friedberg 23 fl. 31 ke., Bad⸗ Nauheim 6 fl. 23 kr., Nieder-Rosbach 2 fl 21 kr., Nieder⸗ Wöllstadt 11 fl., Ober-Rosbach 2 fl. 45 kr., Ossenbeim mit Bauernheim 6 fl. 52 kr., Reichelsheim 4 fl. 40 ke. 4 771 mit Stammheim 8 fl. 36 kr., zusammen: 102 *.
Verloosung des Gustav-Adolf- Frauenverkins.
Der unterzeichnete Vorstand beabsichtigt wie schon in frühern Jahren auch in diesem wieder eine Verloosung für die Zwecke des von ihm ver⸗ tretenen Vereins, Unterstützung von Confirmanden⸗ häusern und Schulen, von Wittwen und Waisen, Ausschmückung von Kirchen, Anschaffung von Altargefäßen, Glocken u. dergl., zu veranstalten und wendet sich deßhalb an alle Freundinnen des Vereins mit der vertrauensvollen Bitte, denselben zu diesem Behufe mit weiblichen Arbeiten freund⸗ lichst unterstützen zu wollen. Zur Empfangnahme derselben sowie anderweitiger Geben, welche bis Ende August d. J. erbeten werden, erbieten sich folgende Mitglieder des Vorstandes: Frau Bin⸗ dernagel, Frau Fertsch, Frau Huber, Frau Köhler, Frau Meyer, Frau Schwabe, bei welchen auch Loose à 6 kr. für die in nächstem Herbste beabsichtigte Verloosung zu haben sind.
Friedberg, den 11. Mai 1870.
Der Vorstand des Gustav⸗Adolf-Frauenvereins.
Bekanntmachung. 1096 Die Ebefrau des Philipp Emmel III., Schuh ⸗ machers in Wohnbach, hat um Sicherstellung ihres Vermögens gebeten und werden demgemäß alle die⸗ jenigep, welche irgend eine Forderung an denselben zu haben glauben, eingeladen, im Termin
Mittwoch den 25. Mai d. J.,
. Vormittags 10 Uhr, an urterzeichneter Gerichtsstelle anzumelden und mit etwaigen Vorzugsrechten zu begründen.
pungen den 14. April 1870, Großherzogliches Landgericht Hungen Dr. Fösse Pilger, Landrlchter. Landgerichts ⸗Asseflor.
2 1 0 Holzversteigerung in der Fürstlichen Oberförsterei Lich. 1375 Künftigen Montag den 23. und Dienstag den 24. d. M. Morgens 9 Ubr, sollen im Distriet ⸗Mönch⸗ wald u.„Mallbach auf dem Schlagweg am Weidenseeeck arfangend, versteigeft werden: 75 Stecken Buchen⸗, Eichen- u. Tannen⸗Prügelholz, 41 5 desgl. Stockpvolz, 25975 Wellen desgl. 5 Reis holz, wobei Bohnenstangen und Erbsenreisia, 23 geringe Eichen-Vaufämme von 205 Cubikfuß, 73 Tannen Baustam ne von 1451 Cubikfuß und 2204 Tannen Stangen von 6298 Cubekfuß. eich am 17. Mal 1870. Fürstliche Oberförsteret Llch Eigenbrodt.
N Braunko
1373 Freitag den 20. Mai d. J. beginnt auf dem Gräflichen Braunkohlen
der Verkauf neu geformter Kehlenkötze. Der Preis
beträgt 12 kr.
hlen-Verkauf.
Bergwerk bei Ossen heim à Centner- 14 Stück Klötze der neuen Aufbereitung
Von den noch vorräthtgen Haufenklötzen wird der Centner zu 8 kr. verlauft um damit zu räumen. Gleichzeitig beginnt eine neue Creditperiode. Gegen vorschriftsmäßige Bürgscheine wird bis Ende dieses
Jahres Credit, verbunden mit einer Zahlungsfrist bis Ende März 1871, gestattet. 5 Ossenheimer Bergwerk den 14. Mat 1870.
Gräfliche Bergverwaltung Chelsus.
Bie katniß ad pan ache Betreff: Den Vorschuß⸗ und Ceeditverein zu Friedberg, eingetragene Ge⸗ nossenschaft. 1334 Zu der Bekanntmachung vom 11. April l. J. wird noch nach lich bemerkt, daß nach§. 6 der Statuten zwe! Vorstandemuglieder rechtsgültig den Verein ver⸗ treten können. Friedberg am 11. Mai 1870. 2 Großberzogliches Landgericht Friedberg Re ltz. . 1 U 1 7 Rlee-Perpachtung. 1377 Die diesjährige Verpachtung von 10 Morgen Luzerner Kiee auf dem Dorheimer Bergwerle
soll Freitag den 10. Mai, Nachmittags 4 Uhr, auf Crerit bis Ende September 1876 stattfinden. Dorheimer Bergwerk den 14. Mat 1870. Winter.
Mobiliar ⸗Versteigerung.
1378 Donnerftag den 19. Mai J. J., Vormittags 9 Ubr anufangend, sollen auf freiwilllgen Antrag des Herrn Dr. Henkelmann in dessen Wohnung in der Burg verschiedene Mobilten, als:
Tische, Stühle, Commode, Bettstellen, Sopha'os,
1 Schreibseeretär, Küchenichränke, Flaschen, Zässer,
Bütten, sowie sosstiges Haus und Küchengeräthe wegzugsbalber öffentlich meistbietend versteigert werden.
Friedberg den 16. Mat 1870.
Grob herzogliches Ortsgericht Friedberg FN ou car.
* 2** 0 1 1 bis 6 Schneidergesellen 1338 fiaden bei mir dauernde Beschäftigung auf Wochen⸗ lohn, Kost und Logis. Fahrt vr. Eisenbabn wird verglltet. J. Glück, Schneidermeister, in Meerholz bei Gelnhausen.
Für Erbauung tintr evangelischen Kirche in Madrid


