Ausgabe 
15.10.1870
 
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Drangsale der Belagerung vergessen zu machen. Das große Deutschland werde durch Opfer, welche es für diesen Zweck bringe, das Seinige dazu beitragen. Die Proclamation schließt mit den Worten:Straßburg wird wieder deutsch sein und es fortan stets bleiben!

Es war bestimmt worden, daß jede Person, welche die Citadelle in ihrem gegenwärtigen Zu⸗ stande der Verwüstung zu besehen wünschte, einen preußischen Thaler per Kopf zu erlegen habe. Der Maire, Herr Küß, zeigt so eben an, daß der Ertrag dieses Eintrittsgeldes sich vom 2. bis den 8. d. einschließlich auf 15,557 Fr. 40 Ct. belaufe, welchen Betrag der commandirende General den Opfern der Beschießung zugewandt habe.

Karlsruhe. Ueber das Gefecht zwischen der badischen Brigade Degenfeld und französischen Linientruppen und Mobilgarden bei Nompatelize am 6. berichtet dieKarlsr. Ztg.: Nach sieben stündigem heftigen Kampfe endete der heiße Tag mit vollständigem Zurückwerfen des Gegners in der Richtung auf Epinal. Die französischen Truppen hatten den Anmarsch der badischen Colonne in einer lang ausgedehnten, theilweise verschanzten Stellung, gestützt auf die Dörfer: rechts St. Remy und links Nompatelize, erwartet. Nompatelize auf dem linken Flügel und St. Remy auf dem rechten Flügel wurden alsbald(10 Uhr Vormittags) an⸗ gegriffen und mit stürmender Hand von Haus zu Haus genommen. Vier Stunden lang drehte sich der Kampf um den Besitz dieser beiden Dörfer, welcher trotz heftiger Offenstvstöße des Gegners behauptet wurde. Gegen ½4 Uhr avaneirte der linke deutsche Flügel, unterstützt von dem wirk⸗ samen Feuer zweier Batterien, und warf den Feind aus der von ihm besetzten Waldlistere zurück; der rechte deutsche Flügel drückte kräftig nach, und gegen ½5 Uhr war der Feind in vollem Rückzuge. Die Franzosen ließen 700 bis 800 Todte und Verwundete auf dem Schlachtfelde und verloren über 600 Gefangene. Dieser glänzende Erfolg wurde mit einem Verlust von 300 bis 400 Todten und Verwundeten gegen einen mehr als doppelt überlegenen Feind errungen.

Prinz Wilhelm von Baden hat an Stelle des ausGesundheitsrücksichten zurückgetretenen Generallieutenants v. Laroche das Commando der 1. badischen Infanteriebrigade übernommen, welche mii den übrigen badischen Feldtruppen zu dem neugebildeten 14. Armeecorps gehört.

Wegen Erkrankung des Commandeurs der badischen Division, Generallieutenant v. Glümer, (an einem Ruhranfall, weßhalb er in Straßburg zurückgeblieben ist) hat der Kriegsminister, General⸗ lieutenant v. Beyer, den Oberbefehl über die Division einstweilen wieder übernommen und sich am 10. d. zu derselben begeben.

DerD. A. Z. schreibt man vom Neckar: Zur Cernirungsarmee vor Metz sind auch aus hiesiger Gegend, z. B. Mannheim, viele Zimmer⸗ leute beschieden, welche zugleich mit den Pionnieten der Armee hölzerne Buden und Baracken zu er- richten haben. Es ist dies ein Anzeichen dafür, daß man sich noch auf eine länger dauernde Ein⸗ schließung jener Festung gefaßt macht. Das nöthige Holzwerk haben jene Bauhandwerker, größtentheils schon zugeschnitten, sofort an den Ort ihrer Bestimmung mitgenommen.

Hessen. Darmstadt. DemFr. J. wird von hier gemeldet: Obersteuerrath Fabricius von hier, welcher etwa vor einem Jahre zum Zollvereins bevollmächtigten in Hannover ernannt worden, ist vor einigen Tagen mit dem Amts- titel:Geheimer Finanzrath zum Rath im preuß. Finanzministerium befördert worden und somit definitiv in den preuß. Staatsdienst übergetreten.

Preußen. Fulda, Die Theilnahme an der von deutschen Edelleuten veranstalteten Wall⸗ fahrt ist von auswärts wie hier über Erwartung zahlreich. Das feierliche Hochamt eelebrirte der hiesige Bischof, die Feldpredigt hielt Domcapitular Moufang von Mainz.

Eine am 12. d. stattgehabte Katholiken⸗ versammlung beschloß, Protesterklärungen gegen die Vergewaltigung des Papstes und der kathol.

Kirche, sowie eine Adresse an den letztern selber, in welcher der treuen Anhänglichkeit der diutschen Katholiken Ausdruck verliehen wird. Präsident der Versammlung ist Freiherr v. Andlaw.

Hamburg, 12. Okt. DieBörsenhalle bringt folgende amtliche Anzeige: Die Anwesen⸗ heit der französischen Flotte in der Ostsee ist eon⸗ statirt. Die Seezeichen sollen sogleich fortgenommen werden. Die Thurmfeuer von Neuwerk sind aus⸗ gelöscht, die Seezeichen von Kugelbake aufgenommen.

Bayern. München. Zwanzig bei Sedan und Toul auf Ehrenwort entlassene Offiziere haben sich freiwillig in Ingolstadt gestellt, darunter der Gouverneur von Toul; Frankreich wollte sie wieder zum Kriegsdienst pressen.

Oesterreich. Wien. DasVaterland veröffentlicht den Wortlaut des vom Papste an Victor Emanuel gerichteten Antwortschreibens auf den von Ponza di San Martino überbrachten Brief des Königs. Dieser Brief, heißt es in dem Schreiben des Papstes, sei unwürdig eines kind⸗ lich ergebenen Sohnes, der sich seines katholischen Glaubensbekenntnisses und seiner königl. Gerechtig⸗ keit rühmt.Ich preise Gott, weil er zuließ, daß Ew. Majestät meine letzten Lebenstage mit Bitterkeit erfüllen. Ich kann Ihre Forderungen nicht zugeben, noch den in diesem Briefe enthal- tenen Grundsätzen mich anbequemen. Frankreich. Tours, 11. Okt., Abends 6 Uhr. Amtliche Mittheilung. Es ist noch un! bekannt, ob der Feind Orleans bereite besetzt bat. Unsere Truppen sind auf das linke Ufer der Loire zurückgegangen. Die Eisenbahnverwaltung hat die elektrischen Apparate zwischen Orleans und Beaugency entfernt. Aus Remiremont wird von gestern Abend ein neuer Zusammenstoß zwischen Preußen und Franetireurs gemeldet.

DieIndeépendance berichtet nach Er⸗ zählungen von Reisenden aus Valenciennes, daß daselbst eine große Aufregung herrsche, weil es heiße, die Preußen hätten am 10. d. einen er⸗ neuten Angriff auf St. Quentin gemacht und ein Kampf sei entbrannt.

Berichte aus dem Departement du Nord stellen die Stimmung der Arbeiterbevölkerung als äußerst bedenklich für die Besitzenden dar In Roubaix und Tourcoing, wo die Arbeitszeit bereits sehr reducirt und eine gänzliche Arbeitseinstellung Seitens der Fabrikanten in Aussicht gestellt ist, haben die Arbeiter gedroht, in diesem Falle die Fabriken anzuzünden. In Marcg(2) und Baissieux wurden die Fabrikanten von den Arbeitern ver⸗ hindert, ihr Material nach Belgien in Sicherheit zu bringen.

13. Oct. Die Regierung veröffentlicht folgende Nachrichten: Bellegarde, 12. Oct., 4 Uhr Nachmittags. Orleans ist feit gestern 6 Uhr Abends vom Feinde besetzt. Unsere Truppen haben sich auf das linke Ufer der Loire zurückgezogen. Der Feind hat die Stadt bombadirt. Verschiedene Häuser in der Vor⸗ stadt und der Bahnhof sind in Brand gerathen. Der Bischof und der Maire begaben ssch als Parlamantäre zu dem Feind, um die Einstellung des Bombardements zu erbitten. Lille, 11. Oct. Ein Luftballon ist in die Steinbruͤche bei Cam⸗ brai gefallen; in demselben befand sich nebst dem Luftschiffer Herr Lefaivre, der Kanzler der französischen Botschaft in Wien.

Berichten aus Tours zufolge dauern die Zwistigkeiten zwischen Gambetta, Cremieur und Glais⸗Bizoin fort. Die franzoͤsischen Truppen beschweren sich über die Haltung der Bevölkerung. In verschiedenen Gemeinden wurden ihnen die Lebensmittel verweigert und Schwierigkeiten in den Weg gelegt, um sie zum Abmarsch zu zwingen. Die Gemeinden befürchten die Repressalien der Preußen. Die Offiziere beklagen den Mangel an Disciplin bei den Truppen aufs lebhafteste. Nachrichten aus Paris melden: Fleisch und Gemüse be⸗ beginnen zu mangeln, ebenso Druückpapiere. Mehrere Blätter zeigen deßhalb die Möglich⸗ keit ihres Eingehens an. Die Fleischläden

Dieeiberte veröffentlicht eine von Emil Girardin verfaßte, der Regierung in Tours zu

dem Zwecke, sie durch die 37,200 Gemeinden unterzeichnen zu lassen, übergebene Riesenadresse an den König von Preußen, in welcher der Sieg der preußischen Intelligenz über des Kaiserreichs corrumpirte Ignoranz als gerechter Triumph an⸗ erkannt, aber ein Kampf bis auf den letzten Franzosen phrasenhaft ausposaunt wird, wenn von dem noch nicht bankerotten französischen Volk Gebietsabtretungen verlangt würden.

Orense ist mit einem Corps spanischer Freiwilligen am 4. Oct. in Bordeaux angekommen. Das Volk brachte ihm begeisterte Ovationen. In der Nacht vom 4. d. brach ein großer Brand in den Lyoner Militärmagazinen aus, der 40,000 Fr. Schaden that. Man hält ihn für angelegt, da auch in einer Kaserne und im Lager von Sathonay gleichzeitig Brände ausbrachen.

Die Bonapartisten drohen als Revanche für die Publication der geheimen kaiserlichen Pa⸗ piere Documente zu veröffentlichen, welche Mitglieder der Opposttion tompromittiren sollen.

Dänemak. Kopenhagen. Sitzung des Folkethings erklärte der Kriegs⸗ minister gelegentlich der Budgetberathung auf eine Andeutung, betreffend die Ermäßigung der Heeres⸗ ausgaben, daß man erst den Ausfall des Krieges abwarten müsse, ehe eine durchgreifende Aende⸗ rung möglich sei.

Großbritannien. London. Einem Telegramm derTimes zufolge beabsichtigt Italien, die katholischen Mächte zur Participirung an der päpstlichen Civilliste aufzufordern. Zwölf fran⸗ zösische Schiffe haben Dover westwärts passirt.

Der englische Oberst Lord Lindsay hat sich in das Hauptquartier des Kronprinzen von Preußen begeben, um in die Hände desselben 20,000 Pfd. Sterling für die Lazarethbedürfnisse der 3. Armee zu übergeben.

13. Oct.(Per DampferNewa.) Eine Revolution der Neger hat auf Martinique stalt⸗ gefunden. Es sind große Verluste an Menschenleben und Eigenthum zu beklagen. Die Regierung hat den Belagerungszustand proclamirt und Hülse von Barbadoes verlangt. Auch in der Provinz Barrance in Peru ist eine Neger⸗Revolte ausge⸗ brochen. Mehrere Weiße wurden massaerirt. Die Neger sind in das Gebirge verjagt.

Aus Helgoland meldet man vom 12. Okt.: Die französische Flotte ist in Sicht.

Amerika. Vom General⸗Consulat des nord⸗ deutschen Bundes geht derNewy. H.⸗Ztg. fol gende Mittheilung zu: Newpork, 23. Sept. 1870. Gesammtsumme der bis zum 23. Sept. bei dem General ⸗Consulat des norddeutschen Bundes für die Verwundeten und die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen geleisteten Einzahlungen Doll. 172,089. 31. Remittirt, wie früher angezeigt

Ert. Thlr. 170,000, dazu heute Ert. Thlr. 25,000,

Total der Rimessen Crt. Thlr. 195,000. Dazu ein Wechsel von Galveston(zweite Gabe) im Be⸗ tragt von Crt. Thlr. 1375 auf Berlin. Von Virginia, Nevada, ist ein Silberbarren im Werthe von Doll. 3123. 76 eingegangen, welcher den Wunsche der Einsender gemäß in Natura über. sandt werden soll. Von Havanna sind 25/000 Stück Cigarren eingeschickt und weiter verschifft worden. Der norddeutsche Gesandte in Mexico, Herr v. Schlozer, theilt mit, daß die deuische Colonie in der Hauptstadt, 185 Köpfe zählend, 25,000 Thlr. remittirt hat. Die Deutschen in Vera-Cruz, auch eine geringe Zahl, hatten Doll. 12,500 Gold aufgebracht.

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Dabnstadt. DieH. V. berichten: Durch Alls⸗ rüstung einer größeren Anzahl sehr zweckmäßig eingerichteter rankenwagen ist namentlich in dem Transport von Schwor⸗ verwundeten auf der Eisenbahn eine bedeutende Verbesse⸗ rung eingetreten, die um so zeligemäßer ist, als getenwällig viele Amputirte ttansportirt werden. So traf z. dieser Tage ein solcher Zug hier ein, der viele Bayern mit sich führte, welche in Folge ihrer bei Wörth erhaltenen

müssen durch die Nätionalgarden gegen die Volksmassen gesichert werden.

Wunden amputirt worden, leider starben unterwegs dieser Unglücklichen.

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