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1870.
Samstag den 15. October.
M 122.
Oberhessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis ban,
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Amtlicher Theil.
Aus dem Großherzoglichen Regierungsblatte sind zu publieiren:
Nr. 47. Friedberg den 12. October 1870.
sub 3. Bekanntmachung, die amtlichen Waarenverzeichnisse zu dem vom 1, October d. J. an gültigen Vereinszolllarif betr.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg Trapp.
Nachverzeichnete Gesetze ꝛc. sind im Bundesgesetzblatt des Norddeutschen Bundes publizirt worden.
Nr. 37. Nr. 567. Bekanntmachung des 4. Verzeichnisses der höberen Lehranstalten, welche zur Ausstellung von Zeugnsssen für einjährige Freiwillige berechtigt ind. Vom 24. September 1870.— Nr. 568. Bekanntmachung, betr. diesenigen Gymnasten, welche binsichtlich ibrer vom Unterrichte in der Griechischen Sprache dis⸗
lenfit ten* zu den in S. 154 Nr. 2. e. der Militärersatz⸗Instructon vom 26. März 1868 bezeichneten Lebranstalten gehören. 38. Nr. 569. Verordnung, betr. die Aufhebung des Verbots der Ausfuhr und Durchfuhr von Hafer und Kleie.
Ar. 570. 15 Bestellung eines Vice⸗Consuls. Nr. 39. Nr. 571. Ar. 572. Die Bestellung eines Consular- Agenten.
Vom 24. September 1870. Vom 30. September 1870.—
Allerhöchsser Erlaß vom 30. September 1870, betr. die Ausgabe verzinssicher Schazanweisungen im Betrage von 6,500,000 Thaler.—
Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg. Ludwig Philippi von Wissels heim ist als Polizeidiener und Feldschütz für die Gemeinde Wisselsheim verpflichtet worden.
Kriegs nachrichten. Officielle militärische Nachrichten—
Versailles, 10. Okt. Das bayerische Corps des Generals v. d. Tann, die Cavalerie⸗ Hivistonen Prinz Albrecht und Graf Stollberg schlugen am 10. Okt. eine feindliche Division bei lrtenay und nahmen drei Geschütze sowie 2000 Hefangene. Der diesseitige Verlust besteht aus m. 110 Mann. Der Feind floh in voller Auf- lsung; die Verfolgung wird fortgesetzt. Die Ginnahme von Orleans ist bevorstehend.— Die
(avaleriedivision Rheinbaben trieb am 10. Okt.
00 Mobilgarden bei Chevery über die Eure zrück, wobei Letztere erhebliche Verluste erlitten. — Vor Paris nichts Neues. v. Podbielsky.
Versailles, 12. Okt. Am 11. wurde nach wunstündigem Kampfe die Loire⸗Armee auf Orleans und über die Loire zurückgeworfen. Orleans it erstürmt. Mehrere tausend Gefangene gemacht. Zer diesseitige Verlust ist verhältnißmäßig gering. Tiesseits waren engagirt das 1. bayerische Corps und die 22. Infanterie⸗ und Cavalerie⸗Division.
v. Podbielsky.
Versailles, 12. Okt. An Ihre Majestät die Königin Augusta in Homburg. Gestern steg⸗ riiche Schlacht durch General v. d. Tann, 22. hivision. Loire⸗Armee vollständig geschlagen, nige Tausend Gefangene. Kampf dauerte von 9% bis Abends 7 Uhr in sehr schwierigem zerrain. Bei Dunkelheit Orleans genommen. beind hinter Loire zurück, hat große Verluste. Uiesseitige verhältnißmäßig gering. Details noch nübekannt. Wilhelm.
Versailles, 13. Oct. Die Franzosen haben echloß St. Cloud, welches diesseits verschont turde, ohne jede Veranlassung in Brand geschossen. 10 Bataillone derselben machten einen Ausfall, nelcher vom 2. Baierischen Corps mit Leichtigkeit grückgewiesen wurde. Diesseitiger Berlust 19 Mann. 5 v. Podbiels kh.
München, 13. Okt. Telegramm an das friegsminisserium aus dem Hauptquartiet des benerals v. d. Tann. Derselbe meldet an das Tbercommando: Am 11. Oktober vollständiger eieg bei Orleans. Der Kampf währte von 10 lr Morgens bis 7 Uhr Abends in sehr schwie · gem Terrain. Orleans ist eingenommen, die kelre Armee total geschlagen. Mehrere Tausend Jefangene sind gemacht. Der Feind ist mit großem lerluste über die Loire zurückgegangen. Unser 1 erlust ist noch nicht ermittelt.
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— Der Mittelpunkt von Paris, bemerkt die] wieder in seine alte Position, von wo man uns
„Post“, liegt eine volle Meile von den äußersten vorgeschobenen Befestigungen entfernt, seine Be⸗— schießung mit gezogenen 24pfündern und den neuen Mörsern wäre daher nicht möglich, deßhalb hat man die Riesenkanonen, welche nunmehr in den Seefestungen entbehrt werden können, herbeigeholt. Es sind dies gezogene 72. und 96 pfünder von 15—17 Fuß Rohrlänge und 200 Ctr. Gewicht, die 210 resp. 300 Pfund schwere Spitzgranaten circa 1 Meile weit schießen, wenn man ihnen die nöthige Elevation gibt. Im Seekriege wäre das Schießen auf solche Entfernungen etwas unsicher, beim Bombardement des Pariser Häusermeeres hätte man jedoch nicht auf Fehlschüsse Rücksicht zu nehmen und die Wirkung gegen Gebäude muß eine furchtbare werden.
— Ein Mitglied eines Frankfurter Sanitäts- corps, schreibt aus seinem Stationsort Penchard (bei Paris) vom 7. Okt.: Die Bauern haben gestern einige Häuser, darunter das Militärback— haus, angesteckt. Oben im Boden lagerten 5000 Patronen. Alles Militär wurde allarmirt. Die Patronen wurden bis auf wenige gerettet, jedoch die auf dem Boden zurückgebliebenen verursachten eine Explosion, wobei einige Mann verwundet worden sind. Die Brandstifter wurden erwischt und erschossen.
— Die„N. Stett. Ztg.“ entnimmt einem Schreiben aus dem Bivouac vor Fort St. Ladres (7, Kilometer sü von Metz) vom 6. Oktober, daß jede Feldwache circa 6 bis 8 Chassepotgewehre mit der entsprechenden Anzahl Patronen zur An⸗ wendung für die besten Schützen erhalten hat, da die Zündnadelgewehre nur bis 1000 Schritt
schießen, während die Chassepots weiter tragen.
Nach der Mittheilung des Schreibers hat Prinz Friedrich Karl dies eingeführt, um besonders die Arbeiten der Franzosen auf einer noch im Bau und in der Ausrüstung begriffenen Schanze vor Fort St. Ladres in jeder Weise zu beunruhigen.
— Das„Mannh. Journ.“ schreibt: Die Franzosen scheinen bei ihrem letzten Ausfall aus Metz förmlich vom Hunger getrieben worden zu
sein, denn ein nach Saarbrücken gelangter Brief;
eines Jägers vor Metz enthält folgende Stelle: Bei dem plötzlichen Hervorbrechen der Franzosen mußten wir den Kerlen, die uns wirklich über⸗ rascht, unsere eben am Feuer brodelnden Kessel mit dem Mittagessen überlassen und uns etwa 150 Schritt hinter dem Bivouak wieder sammeln. Als wir wieder vorgingen, wich der Feind, der sich über das Essen hergemacht und es halb verzehrt hatte oder die Kessel mitschleppte, zurück und ging
höhnisch die gestohlenen Sachen zeigte, welches Spiel wir ihnen aber bald mit wohlgezielten blauen Bohnen vertrieben. Einige der Rothhosen waren ganz gemüthlich in unserem Bivouak stehen geblieben und verzehrten die gestohlene Mahlzeit „Tödtet uns,“ sagten sie,„aber laßt uns vorher satt essen!“ Die armen Teufel hatten seit 48 Stunden nichts gegessen.
Straßburg. Das Unterstützungscomite für die Verunglückten der Stadt Straßburg, welches sich dahier unter dem Patronate der Communal⸗ verwaltung mit der Aufgabe gebildet, den zahl- reichen Einwohnern, Opfer des Bombardements unserer Stadt, zu Hülfe zu kommen, erläßt einen Aufruf an die Wohlthätigkeit aller edelen Herzen. Das Elend ist unermeßlich: mehr denn 6000 Personen aus allen Ständen sind heute ohne Obdach; die Unglücklichsten lagern längs den Ufern der Canäle und in den Ruinen der verbrannten Gebäude. Die Verluste belaufen sich auf viele Millionen. Beim Eingange in die strenge Jahres- zeit fehlt nun dem Handwerker die Arbeit und dem bescheidenen Beamten sein Verdienst. Wir richten eine dringende Aufforderung an die Mild⸗ thätigkeit und an die Bruderliebe aller Völker und sind zum Voraus überzeugt, daß unsere Stimme vernommen und ein reicher Erfolg uns nicht sehlen wird. Der Aufruf ist unterzeichnet von dem Maire der Stadt und von einer Anzahl anderer Einwohner Straßburgs.
— Durch Maueranschläge benachrichtigt der Maire seine Mitbürger, daß vom gestrigen Tage (Sonntag 9. d.) an die Mannschaften der deutschen Truppen durch die Militärverwaltung in Natura verpflegt würden. Offiziere werden ohne Ver⸗ pflegung bei den Bürgern einquartiert. Keine Maßregel wäre geeigneter gewesen, einen günstigen Eindruck auf die Straßburger Bevölkerung zu machen, als diese, wenn man berücksichtigt, daß sich dieselbe bisher von den ausgestandeuen Leiden der Belagerung noch nicht erholen konnte. Schon am letzten Samstage und gestern noch sah man Züge von 50—100 doppelt bespannten Wagen, welche für die Besatzung Lebensmittel aller Art, wie die Führer derselben sagten, von Lampertheim bierher brachten.
An den Straßenecken ist in deutscher Sprache eine Proclamation des Grafen Bismarck Bohlen angeheftet, worin derselbe anzeigt, daß er an diesem Tage sein Amt als Generalgouverneur des Elsasses angetreten habe. Er werde Alles aufbieten, den gesetzlichen Zustand im Elsaß wieder herzustellen und der Bevölkerung die erlittenen


